Frühstück auf Srilankisch

Das Hotel, in dem ich hier in Colombo abgestiegen bin, sollte eigentlich nur ein Notnagel sein. Hotels in Sri Lankas Hauptstadt sind – anders als Strandunterkünfte – unverhältnismäßig teuer und noch dazu rar. Als ich mir aus diesem Grund eine recht günstige Absteige am Bahnhof und weit weg vom Meer gesucht hatte, war ich schon auf das Schlimmste gefasst. Zu meiner Überraschung entpuppt sich der leicht schäbig wirkende Kolonialkasten aber als wirklich einladend für meine Zwecke. Die Mitarbeiter sind zuvorkommend, die Zimmer groß, es gibt in diesem sehr volkstümlichen Viertel keine Touristennepper (okay, auch keine Touristen) – und man offeriert hier morgens ein echt srilankisches Frühstück. Was will ich mehr? Ich habe gleich für die ganze Woche verlängert.

Worauf ich mich bei der Wahl des srilankischen Frühstücks eingelassen hatte, wusste ich vorher nicht. Vermutlich warm und würzig, nahm ich an, denn Brötchen mit Konfiture sind in asiatischen Ländern doch eher selten. Würzig passte mir jedenfalls sehr gut, denn das ist immer die beste Wahl, wenn die hygienischen Standards im Land für uns laue Europäer ein wenig heikel sind.

Zuerst wurde mir ein großer Teller mit weißen Nudelnestern serviert: „Idiappan“, auf Englisch als „String Hoppers“ bezeichnet. Ein lustiger Name, aber wie ich bei einem kurzen Rundgang durch „mein“ Viertel feststellen konnte, werden diese String Hoppers tatsächlich überall zum Frühstück angeboten. Das Ausgangsprodukt ist Reismehl. Gestern bekam ich weiße String Hoppers serviert, heute rotbräunlich gescheckte. Das liegt am unterschiedlichen Ausgangsmaterial. Reis gibt es hier natürlich in allen möglichen Formen und Farben, weshalb es also die entsprechenden Farbschattierungen von Reinweiß bis Dunkelbraun auch bei den String Hoppers geben kann.

Für die String Hoppers wird das Reismehl mit Wasser und Kokosmilch gemischt, die Mischung geknetet und anschließend durch ein Sieb gepresst. Auf diese Weise entstehen interessant schmeckende Vermicelli. Anschließend werden die Nudeln sofort gekocht. Als trockenes Fertigprodukt habe ich sie jedenfalls noch nie gesehen. Das ist also die Basis.

Als Beilage zu den Nudeln bekam ich drei Schüsselchen mit unterschiedlichen Zubereitungen gereicht. Der Kellner machte mich darauf aufmerksam, wie man das korrekt isst: Erst die String Hoppers auf den Teller, dann von jeder der drei Saucen auf die verschiedenen Hoppers geben, Gabel in die linke Hand, Löffel in die rechte Hand, und los geht’s.

Bei der ersten Sauce handelt es sich um „Dhal Curry“, das eigentlich indischen Usprungs ist. Welche Gewürze hier enthalten sind, vermag ich Euch nicht genau zu sagen, aber es sind einige, soviel steht fest. Kurkuma ist auf jeden Fall dabei, Chilli ist auf jeden Fall dabei und Curry-Blätter, denn die kann man nachher noch sehen. Sehr würzig, sehr gut.

Die zweite Sauce ist keine Sauce, sondern eher eine krümelige Zutat. Sie heißt „Pol Sambal“, ist original srilankisch und besteht in erster Linie aus Kokosraspeln, Chilli und einer feingehackten, roten Zwiebel. Limettensaft und ein wenig getrockneten Fisch soll man auch noch dazugeben können, aber auf Letzteren hat die „sehr gute Köchin“, wie der Kellner mir stolz sagte, in diesem Fall verzichtet. Interessanterweise hat Pol Sambal etwas von diesem mediterranen Frischkäsedip, den ich auch aus der Türkei kenne. Der Kokosgeschmack wird jedenfalls durch die aromatisch-würzigen Zutaten deutlich in den Hintergrund gedrängt.

Die dritte Sauce heißt entweder „Chicken Curry“ oder „Fish Curry“, und weil ich beides ausprobieren wollte, hatte ich gestern Chicken und heute Fish genommen. Die Currysauce mit Hühnerbein sieht übrigens nicht zufällig so gefährlich rot aus, sie hat es auch tatsächlich in sich. Ich habe jedenfalls erst einmal ein Glas Wasser verlangt. Puh. Aber gut schmeckt es. Etwas Interessantes dazu konnte ich in diesem Blogartikel lesen, in dem es eigentlich um Pol Sambal geht – aber eben nicht nur. Im Unterschied zu den indischen Curries werden in den srilankischen Curries die Gewürze erst geröstet. Das soll einen dunkler-rauchigen Geschmack hinzufügen, was ich bestätigen kann. Auf dem Grund des Schälchens konnte ich dann auch die nicht verrührten dunkleren Bestandteile sehen.

Fish Curry, das es heute gab, war nicht ganz so feurig scharf. Mit seinen Tomatenstückchen, der Kokosmilch, ordentlich Kurkuma und natürlich Chillipulver kam es mir noch feiner im Aroma vor. Beim Fisch handelte es sich übrigens um einen sehr festen Vertreter, ich tippe auf ein Exemplar aus der Tuna-Familie. Der Fisch war allerdings nicht frisch gebraten, sondern vorher leicht säuerlich eingelegt. Beide Curries kamen auch eher lauwarm daher, ganz so heiß braucht man es in Sri Lanka zum Frühstück offenbar nicht.

Dafür war der Tee heiß. Was ich ziemlich schnell gelernt habe: „Milk Tea“ heißt Schwarzer Tee mit einer Menge gesüßter Kondensmilch, „Plain Tea“ Schwarzer Tee ohne Milch, aber dafür trotzdem mit gut zwei Löffeln voll Zucker pro Tasse. Ist also eher ein Dessert, und deshalb gehört der Tee zwar zu jedem Frühstück dazu, wird aber erst zum Abschluss gereicht.

Ich finde, dass der Tag auf diese Weise schon wieder großartig anfängt. Dieses Frühstück weckt auf, kräftigt und hält locker bis zum späten Nachmittag vor. In der Mittagsstunde, wenn es kaum Schatten gibt, hat man nämlich sowieso keine Lust viel zu essen. Ein Stück Mango vielleicht. Übrigens ist es – wie in Bangkok und in Jakarta auch – bereits morgens schon nicht mehr wirklich erfrischend von den Temperaturen her. Das scharfe Essen tat sein Übriges dazu, dass mir schon nach fünf Minuten auf der Frühstücksterrasse die Schweißperlen auf der Stirn standen. Heute war ich vorbereitet: erst frühstücken, dann duschen. Solche Trivia gehören zwar nicht in einen Foodblog, sind aber nun mal Teil der ganz normalen Reisewirklichkeit.

Mein erster Eindruck von Colombo übrigens: wesentlich ärmer, auf der Straße eine eindeutige „male society“, ein kurzer Blick in die kleinen Shops verspricht viele spannende Entdeckungen. Ich freue mich schon auf meinen Stadtrundgang, auch wenn ich danach wieder lull und lall sein werde.

Was mich interessieren würde: Habt Ihr auch schon mal warm und scharf gefühstückt? Ist es Euch bekommen?

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13 Antworten zu Frühstück auf Srilankisch

  1. Eline schreibt:

    Noch nie! Würde ich aber schon gerne. Allerdings nur Nudeln, Linsencurry und Sambal. Huhn und Fisch würde ich wahrscheinlich morgens noch nicht schaffen.
    Dass indische Gewürze für Curries nicht geröstet werden, halte ich für ein Sri Lanka-Gerücht 😉 Meine Freunde und Restaurantbetreiber aus Nordindien rösten die Gewürze. Und auch in diversen indischen Kochbüchern wird fleissig geröstet. Vielleicht nicht so intensiv wie in Sri Lanka.

    • chezmatze schreibt:

      So ist das mit den Gerüchten ;). Ich habe ohnehin das Gefühl, dass es hier sehr indisch zugeht. Vielleicht ein wenig „Indien light“, aber der Einfluss ist natürlich nicht zu übersehen. Warst Du denn schon mal auf Sri Lanka?

      • Eline schreibt:

        Nein, war ich noch nie – auch in Indien noch nicht. Ich kenne aber einige tamilische Flüchtlinge, die inzwischen österreichische Staatsbürger sind, und bei denen ich gerne zu Gast bin. Ich bin eine Theorie-Fernreisende. Vor allem, was Küche und Lebensmittel betrifft 😉

      • chezmatze schreibt:

        Das war ich bis vor Kurzem auch ;). Wir hatten das Thema gerade gestern beim Skypen: Ich habe das Gefühl, dass ich momentan so schnell durch Länder und Kulturen switche, dass ich aufpassen muss, die ganzen Dinge auch irgendwie im Langzeitgedächtnis zu speichern. Sonst ist das alles verflogen, wenn ich im Juni wieder im Büro sitze… Ein bisschen hilft mir der Blog natürlich auch dabei, gerade weil ich ansonsten nie der große Tagebuchschreiber war.

  2. Tina@Foodina schreibt:

    Dem Rösten der Gewürze in Indien kann ich nur zustimmen. Ich habe mal ein Sri Lanka Currypulver gemacht, was wesentlich stärker geröstet wurde und auch dunkler aussah.
    Und dein Frühstück ist auch irgendwie südindisch – http://en.wikipedia.org/wiki/Idiappam
    😉

  3. Charlie schreibt:

    Ja, mittelscharfe, klare Suppe in Bangkok. Ist mir sehr gut bekommen. Ich glaube es liegt auch an den Elektrolyten, die man braucht, denn man schwitzt viel. Ausserdem mache ich mir hin und wieder ein Steak oder ein Stück kurzgebratenes Lamm zum Frühstück. Das Lamm meist etwas scharf.

    • chezmatze schreibt:

      Das mit den Elektrolyten sehe ich genauso. Irgendwie empfindet das der Körper sogar und sagt, „sowas will ich jetzt haben“. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir hier ein Eletrolytgetränk mehr aus Spaß gekauft habe, das so unglaublich scheußlich war… Also ich dachte, das sei eine grüne PEG-Flasche, der Geschmack sollte „Lemon“ sein. Dabei war das Getränk knallgrün! Hat so schlecht geschmeckt, ich musste es wegkippen, als wenn man Plastikmüll irgendwie ausgepresst hätte. Paar Ester noch dazu.

  4. chezmatze schreibt:

    Nachtrag: Heute war das Dhal Curry sehr gelb und sehr mild, das Fish Curry enthielt dagegen leicht geräucherte Makrele, war extrem dunkel und mit vielen scharfen Gewürzen geröstet. Kein Standard, viele Variationen, großartig – und das (nur mal nebenbei) für weniger als zwei Euro. Aber Lebenshaltungs- und Lohnkosten sind hier ja proportional niedrig, ein Professor (ich habe eine Uni-Annonce gesehen) verdient 300 € im Monat…

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