Merkwürdige Dinge, die mir auf meiner Asienreise begegnet sind (II)

Beim ersten Teil dieser mit dem heutigen Beitrag auch schon wieder beendeten Serie musste ich feststellen, dass die Überschrift eine dumme Länge besitzt. Zu lang für eine Zeile, zu kurz für zwei. Nun ja, ästhetische Meisterleistungen werdet Ihr auch weiterhin auf meinem Blog nur höchst zufällig zu sehen bekommen. Vornehmlich dann, wenn ich dafür keine Verantwortung trage – wie auf dem Bild links. Wunderbar in rästelhafte, große Blätter mit Hilfe eines Bastfadens verschnürt, befinden sich in dem Paket… Na, Ihr könnt ja mal bis zum Ende des Artikels rätseln, was ich mir da wieder gekauft hatte. Ich wusste es beim Zeitpunkt des Kaufes übrigens auch nicht. Allerdings war ich verblüfft, wie leicht die Päckchen waren. Hackfleisch konnte es schon mal nicht sein.

Am Strand in der Nähe von Colombo war mir aufgefallen, dass viele Kokospalmen durch dicke Seile miteinander verschnürt waren. Da die Bäume ganz schön im Wind schwankten, dachte ich erst, klar, besser bindet man die Dinger zusammen, bevor sie einem noch aufs Dach fallen. Aber der Grund ist ein ganz anderer. Gemerkt habe ich das erst, als ich in einer der Kronen ein paar Füße entdeckt habe. Später kamen auch noch zwei Arme dazu. Die Kokosnusspflücker hangeln sich nämlich an diesen Seilen (ähnlich wie Monty Python’s Ritter der Kokosnuss) von einem Baum zum anderen, ohne zwischendurch wieder absteigen zu müssen.

Aus Fischteilen, die durch den Wolf gedreht worden sind, kann man entweder Katzenfutter machen oder aber Surimi, wobei der Unterschied wirklich unerheblich ist. In Asien scheint der Variantenreichtum dabei noch ein wenig größer zu sein. Künstliche Farbstoffe sind schnell zur Hand, Backförmchen auch – und fertig ist der Panda-Fisch. Ja, genau so hieß dieser Snack, den ich in Bangkok aus dem Kühlregal mitgenommen hatte. Verwöhnt Eure Katzen damit aber nicht zu sehr, sie werden sonst immer solche attraktiv gestalteten Häppchen haben wollen.

Teil meines Jobs ist es, Exkursionen in Stadtviertel zu unternehmen, die einen hohen Grad an wie auch immer gearteter Segregation aufweisen. Das extremste Beispiel in dieser Reihe, dem ich mich nur perfekt getarnt mit ärmellosem Shirt, tribal Tattoo auf dem Oberarm und einer Bierflasche in der linken Hand nähern konnte, war die berüchtigte Khao San Road in Bangkok. Ein Paradies für Parallelgesellschaftskenner, scharf wie mit dem Samuraischwert abgetrennt von der lokalen Nachbarschaft eine Straße weiter. Wirklich interessant, das meine ich ausnahmsweise ohne Ironie, eine globalisierte Jugend. Man merkt dabei ziemlich schnell, wo die Weltherrschaft der Werte und Moden sitzt und auf längere Zeit auch bleiben wird.

Die Weltherrschaft des produzierenden Gewerbes hingegen hat Asien schon längst übernommen. Marken sind in diesem Zusammenhang weiterhin ganz wichtig. Die Nachbarn sollen schon sehen können, wofür das offenbar üppige Gehalt ausgegeben wird. Täuschend echte Plagiate zum Beispiel. Dass die Firma Louis Vuitton, bekannt für ihre (mit Verlaub) potthässlichen Taschen, darüber hinaus auch Reiskocher herstellt, war mir zumindest neu.

Gar nichts mit Kulinarischem haben die Khlong-Boote zu tun. Als ich das erste Mal in Bangkok war, konnten sie wegen des Hochwassers ja nicht fahren. Diesmal war das ganz anders, und weil ich relativ häufig wegen der Arbeit in diese Richtung musste, habe ich die Boote auch ausgiebig genutzt. Rasant! Ich hoffe, das Foto bringt es entsprechend rüber. Ein totaler Kontrapunkt zum Leben am Khlong, das in wirklich ruhigen Bahnen zu verlaufen scheint.

Normalerweise bin ich überhaupt kein Hamburger-Freund. Wo auch immer das Markenzeichen einer Braterei aufleuchtet, ich bleibe konsequent fern. Außer diesmal bei R-Burger. Aber das ist auch eine japanische Kette, und ähnlich wie beim grotesken „Islak Burger“ in Istanbul haben sie das Grundrezept ganz leicht abgewandelt. Die Brötchenhälften bestehen aus einem gegangenen Hefekloß (so kam es mir zumindest vor), das Fleisch aus Rinderhack mit Frühlingszwiebeln – und statt Ketchup gibt es Miso-Sauce. Mit 200 baht für die meisten Thais wahrscheinlich zu teuer, aber definitiv einen Versuch wert.

Natürlich habe ich mir auch Thai-Boxen angeschaut. Rituale wie beim Hahnenkampf. Oder nein, die Kämpfer sind ja selbst Hähne, die ihr Gefieder putzen, herumtanzen zur Musik eines kleinen Orchesters, an ihren Hosen zupfen und den Gegner mit möglichst zeitraubenden Dehnübungen noch nach dem Gongschlag aus dem Konzept bringen wollen. Mister Blau (auf dem Bild rechts) hatte übrigens beim Verkackeiern ein wenig übertrieben. Mister Rot brachte nämlich nach weniger als fünf Sekunden eine humorlose Gerade durch, und aus war es.

Als ich eine mir unbekannte Frucht mit einer Form zwischen Birne und Pflaume auf dem Markt entdeckte, musste ich natürlich sofort zugreifen. Überraschung beim Nachblättern: Es handelte sich um eine Sapodilla, ein zentralamerikanisches Gewächs. Der Milchsaft der Pflanze („Chicle“) wird übrigens für Kaugummi verwendet. Die Frucht selbst erwies sich für meinen Gaumen auch als mental zäh: ein Geschmack nach Birne mit Karamell, ein liköriger Touch, naja, man muss nicht alles gleichermaßen lieben…

Uneingeschränkt begeistert war ich hingegen von den Geschenken, die der Indische Ozean für mich bereit hielt: schaumgeboren. Obwohl ich nur einen Nachmittag am Strand entlang spaziert bin, konnte ich mir lebhaft vorstellen, was dort unter der Wasseroberfläche alles an wunderlichen Dingen zu sehen sein müsste.

Ebenfalls aus dem Ozean stammten die Seegurken, die ich auf den Märkten der Chinatowns der verschiedenen Städte entdeckt habe. In Paris hatte ich bereits einmal das Vergnügen, eine Seegurke essen zu dürfen. In London, Amsterdam oder vielleicht sogar in der Berliner Kantstraße müsste das eigentlich auch möglich sein. Wirkt erst wie Glibber, schmeckt dann sowohl pflanzlich als auch fischig, für alle Unerschrockenen auf jeden Fall zu empfehlen. Dass die Chinesen mit ihrem Symbolikwahn ausgerechnet die Seegurke für ein gutes Aphrodisiakum halten, erschließt sich mir ausnahmsweise sogar…

Andere Länder, andere Sitten, so heißt es doch, oder? Nun, Jean-Pierre und Céline stammen zweifelsohne aus einem anderen Land, und Jean-Pierre müht sich auf dem Foto sehr, die kulturell angemessene Armhaltung ohne große Theatralik nachzuahmen. Die Koreanerinnen im Vordergrund wirken dagegen doch arg hausbacken.

Das kann man von Fatima und ihrer Freundin nicht behaupten. Ihre Inspirationen reichen von den großen Modeschauen bis hin zu Rihanna-Videos. Ob das Fotografieren mit dem Frühstücksbrett hingegen Schule macht, wird sich erst noch erweisen. Übrigens wurde ich selbst an jenem Ort (dem Großen Palast in Bangkok) von zwei Engländerinnen darum gebeten, ihre einstudierte Gesangs- und Tanzaufführung auf Video festzuhalten. Mit ihrer Kamera natürlich. Das Ergebnis ist auf Youtube sicher längst der Renner…

Weiter mit Sitten und Gebräuchen: Als ich abends am Strand von Panadura in Sri Lanka drei sich balgende Kühe festhalten wollte, die vorher eine Kleinfamilie in Angst und Schrecken versetzt hatten, war mir der Hintergrund gar nicht aufgefallen. Erst auf dem Foto konnte ich sehen, dass sich dort eine Hochzeitsgesellschaft eingefunden hatte…

Ein Erlebnis der ganz ganz üblen Art war einer der wenigen Weine, die ich in Südostasien erworben hatte. Dabei meinte ich es wirklich gut mit mir: Concord, die amerikanische Hybridrebe der krautig-waldig-robusten Art. Mit Gewinn hatte ich in Portugal einen solchen, dem Uhudler ähnlichen Wein schon einmal probiert, aber hier? „Mogen David“ der Hersteller aus den USA, seit 1933 gibt es ihn, ein gutes Zeichen für echt zentraleuropäische Hochkultur, die wir bis zum heutigen Tag so schmerzlich vermissen (meine ich übrigens bitterernst). Aber nein: Farbe deutlich bräunlich, Nase oxidiert, Likör, im Mund ungemein dicklich, Süße, ein braunes Getränk. Exakt wie der Beerenwein meiner Schulfreunde, und zwar Hagebutte, nach dem M.G. einmal so lange auf dem Klo verbringen musste. Problemlos könnte ich eine Vielzahl weiterer übler Worte als Beschreibung aneinanderreihen. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, aber ich hätte nicht gedacht, dass es auf dem Weinmarkt so etwas (noch) gibt. Dann lese ich auf dem Rücketikett: „Serve chilled for a classic American taste, or with your favorite mixer – club soda, lemon lime soft drink or ginger ale. Contains not less than 51% Concord.” Was sind bloß die anderen 49%? Auf Lance Armstrong’s Website wird übrigens der Kaloriengehalt eines Glases Mogen David Concord diskutiert. Ich wusste doch schon immer, dass es bei diesen Tour de France-Siegen nicht mit rechten Dingen zugegangen ist…

Woran merkt man, dass man sich in den Tropen befindet? Ganz einfach: Daran dass um zwölf Uhr mittags bei einem Foto von oben nicht nur der Schatten extrem klein wirkt, sondern auch die Nase extrem groß. Hier ein Beispiel aus Kuala Lumpur.

Über die verschiedenen Mangosorten hatte ich mich hier auf dem Blog schon ausgelassen. Ein eigener Beitrag über Bananen hätte jedoch dieselbe Berechtigung gehabt. Zum Frühstück gab es bei mir eigentlich jeden Tag (außer in Sri Lanka) Eiskaffee und zwei Bananen. Auf einem abgelegenen Markt hatte ich einer alten Frau ein kleines Büschel aus ihrem Vorgarten abgekauft, das ich genau dafür verwenden wollte. Aber nichts da. Es waren Lebmuenang, auf gut Deutsch „Unessbananen„. Ich habe sie auf dem Zimmer nach dem ersten Rübenerlebnis sehr lange nachreifen lassen. Für Kochbananen erschienen sie mir an sich viel zu klein. Aber irgendwie sind sie für den Frischverzehr so gar nicht geeignet. Lebmuenang. Merkt es Euch.

Was wir uns mit unserem ignoranten Postindustrie-Gehirn so recht gar nicht mehr vorstellen können ist die Tatsache, dass unsere Vorfahren möglicherweise schon vor tausenden von Jahren die Weltmeere durchkreuzt haben. Auf meiner Wanderung am Indischen Ozean entlang (okay, mehr als zehn Kilometer waren es nicht) bin ich auch an diesem Boot vorbeigekommen, das immer noch in Gebrauch schien. Holz, verschnürte Palmfasern und einen günstigen Wind – mehr braucht es nicht für eine Weltumseglung.

Wenige Meter weiter habe ich dann allerdings Gestalten getroffen, die noch nicht einmal technische Hilfsmittel für ihre Züge benötigen. Das sind doch die Brachvögel aus Marschland und Wattenmeer, wenn ich mich nicht täusche! Irgendwie hatte ich mir das als Kind schon immer gewünscht, einmal unsere Zugvögel in ihrem Winterquartier treffen zu können…

Einen Vogel, den ich nicht in freier Wildbahn, sondern nur im Zoo von Jakarta gesehen habe, möchte ich Euch hier vorstellen: den „Superb Bird of Paradise„. Ich weiß, dass ich hier schon öfter Videos verlinkt habe, aber als ich den Hochzeitstanz dieses Vogels gesehen habe, ist mir wirklich der Mund offen gestanden. Solltet Ihr das noch nicht kennen, schaut es Euch unbedingt an. Ihr werdet es nicht bereuen.

Und ganz zum Abschluss: Erinnert Ihr Euch noch an die mit Blättern verschnürten Päckchen vom Anfang des Artikels? Von der Frau links auf dem Bild habe ich sie erstanden. Ich weiß, dass es sich ganz komisch anhört, aber ich bin in meinem Leben selten einem Menschen begegnet, der ärmer, gütiger, freundlicher und stärker von einer inneren Balance geprägt war als diese Frau. Sie hatte in ihrem Bastkorb diese Päckchen vermutlich aus dem Garten mitgebracht. In ihnen befanden sich frische Cashewnüsse, ein Genuss, der sich ganz stark nach Frühling anfühlte. Und das hier in den Inneren Tropen. Damit möchte ich meine Asienreise auch für mich selbst mental abschließen. Wer mit mir auf Facebook verbandelt ist, weiß, dass ich in Wirklichkeit schon längst wieder mit mediterranen Seeteufeln und Pfauen-Lippfischen zu tun habe. Asien wird aber seit diesem Spätwinter in meinen Erinnerungen immer präsent sein. Und wenn es irgend möglich sein sollte, würde ich gern an den einen oder anderen Ort einmal zurückkehren.

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7 Antworten zu Merkwürdige Dinge, die mir auf meiner Asienreise begegnet sind (II)

  1. Eline schreibt:

    Der blaue Thai-Boxer hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Superb Bird of Paradise.

  2. Die Küchenschabe schreibt:

    Der Vogel ist wirklich cool! Aber das letzte Foto gefällt mir am allerbesten. Wenn man sich den Gesichtsausdruck dieser Frau ansieht, fühlt man sich plötzlich total wohl … in welcher Stadt gibt es so freundliche Menschen?

    • chezmatze schreibt:

      Ich habe den Verdacht, in jeder Stadt! Nur trifft man sie so selten in dieser entspannten Geisteshaltung an. Das Foto stammt aber aus Colombo, und die Leute dort waren wirklich ganz allgemein sehr freundlich zu mir.

  3. Foodfreak schreibt:

    Die bunte Fischpaste (irgendwie habe ich sofort Douglas Adams‘ Fischpasteschnittchen aus Starship Titanic im Kopf) die du da als Pandafisch gekauft hast, hört in Japan auf den Namen Kamaboko, und ist kein Katzenfutter, sondern Nahrung für Menschen – wird in allerlei Formen Farben Dekors hergestellt und bereichert insbesondere Bentoboxen.

    • chezmatze schreibt:

      Das ist auch in Thailand kein Katzenfutter, sonst hätte ich’s ja nicht gegessen. Obwohl, wer weiß😉. Danke aber für die Kamaboko-Erläuterung! Vielleicht weißt Du ja auch, ob sich hinter der Pandagestalt noch eine tiefere Bedeutung versteckt. Oder ist das tatsächlich nur Spielerei?

  4. Pingback: Deutsche (kulinarische) Spuren in Tokio | Chez Matze

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