Full English

Nein liebe Freunde, die Überschrift bedeutet nicht „total englisch“, und von einem vollen Engländer ist auch nicht die Rede. Es handelt sich vielmehr um die weit verbreitete Umschreibung einer bestimmten Frühstücksform. Seit ich in England bin, schleiche ich um dieses Thema herum, aber irgendwie hatte ich morgens bislang noch keinen derart gewaltigen Hunger, dass ein „Full English“ angebracht gewesen wäre. Heute ist Sonntag, und ein besserer Tag kommt nicht mehr.

Was braucht man für ein echtes „Full English“? Schinken, Würstchen, Pilze, Tomaten, Eier, Baked Beans, Butter, Salz, Pfeffer, Würzpasten wie Brown Sauce oder Tomatenketchup, Toast, Tee – und einen Herd mit mehreren Platten. Nicht dass die Zubereitung schwierig wäre. Die meisten Zutaten werden einfach in der Pfanne an- oder durchgebraten, später auf einen Teller geworfen, nach Bedarf gewürzt und fertig. Aber da auch alles gleichzeitig heiß sein soll, müssen eben mehrere Pfannen gefüllt werden.

Weil die Zubereitung so leicht ist, wird mittlerweile leider oft Schindluder mit diesem altehrwürdigen Gericht getrieben: Englische Würstchen können ein Wunder an Sägemehl sein, der mit Wasserspritzen aufgeblähte Schinken wird zusätzlich oft mit Farb- und Konservierungsstoffen versehen, die Eier stammen aus Engstkäfighaltung, die Baked Beans sind mürbe und zerklatscht. Kluge Hausmänner aber wissen: Das wahre Vergnügen stellt sich erst dann ein, wenn gerade bei scheinbar einfachen oder billig wirkenden Gerichten die Zutaten entsprechend sorgfältig ausgewählt wurden. Heute lachte mein Herz schon nach dem ersten Bissen, und im Handumdrehen war der ganze Tellerinhalt verputzt.

Von Kalorien sprechen wir hier natürlich nicht – oder nein, vielmehr sollten wir gerade das tun: Während sich ein „Full English“ weniger dann eignet, wenn die Oma bereits mit dem Sonntagsbraten wartet, ist es für Wanderer und Reisende generell ein Segen. Oft ist es mir schon so gegangen, dass ich nach einem meiner für gewöhnlich entsetzlich mageren Frühstücke (Kaffee und Joghurt) schon wenig später wieder Hunger verspürte und bei Städtetrips oder in Besprechungen innerhalb kurzer Frist mürrisch wirkte. Nicht so nach einem „Full English“. Dessen Energie hält sichere sechs Stunden, mehr als genug, um einen kleinen Berg zu besteigen.

Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Food, Unterwegs abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s