Dreimal mexikanisch essen in Los Angeles

Knapp die Hälfte aller Menschen in Los Angeles hat Vorfahren in Mittel- und Südamerika, viele sind sogar dort geboren. Die mit Abstand größte Gruppe ist diejenige der Mexicanas und Mexicanos. Auch wenn die Verteilung im Stadtgebiet – wie immer in den USA – sehr ungleich ist, werdet Ihr fast überall ohne Probleme Imbissbuden und Restaurants finden, in denen die unterschiedlichen Varianten der mexikanischen Küche angeboten werden. Ich habe in Los Angeles bislang drei dieser Orte aufgesucht. Bei einem vierten habe ich mich allerdings getäuscht, aber davon später.

Meine dürftigen praktischen Kenntnisse der mexikanischen Küche beschränkten sich bislang auf das, was einem in deutschen Innenstädten so angeboten wird: Tacos und Tortillas mit grünem Salat, Nachos zum Dippen in Käsesauce und natürlich selbstgemachte Guacamole aus den irgendwie immer beliebter werdenden Avocados. Dabei kann man sich eigentlich schon denken, dass in einem Land, das von der Wüste bis zum tropischen Regenwald reicht, eine gewisse Vielfalt an Nahrungsmitteln und Zubereitungsmethoden vorhanden sein dürfte. Hier also meine Tipps, falls Ihr mal hungrig durch L.A. streifen solltet:

Tamara’s Tamales

13352 W Washington Boulevard, ein bisschen im Hinterland von Venice gelegen, aber ganz interessante Gegend, die ich zu Fuß durchstreift habe. Das kleine Restaurant besitzt auch eine informative Website und hat dienstags bis samstags immer von 10-18 Uhr geöffnet, sonntags kürzer.

Tamales sind ein uraltes Gericht, das besonders im Süden Mexikos und in Zentralamerika für Festivitäten gemeinsam zubereitet und gegessen wird. Es handelt sich im Prinzip um Maisteig, der mit etwas Fett versetzt und auf größere Blätter gestrichen wird. Das können Maisblätter sein, in tropischeren Gegenden häufig Bananenblätter. Nun wird die teilweise vorgekochte Füllung auf den Maisteig gegeben, das Blatt geschlossen und anschließend eine knappe Stunde lang gedämpft. Damit sich das Ganze lohnt, sollte schon eine größere Menge an Tamales hergestellt werden. Der Vorteil ist dabei, dass die Päckchen morgens in Ruhe vorbereitet werden können und dann nur noch wieder aufgewärmt werden. Dadurch kommt das Essen auch bei Tamara und Alice sehr schnell auf den Tisch.

Wir nahmen vier verschiedene Versionen: Nacatamal aus Nicaragua, Pasilla Rajas mit einer bestimmten Chilisorte, Chicken Mole mit der berühmten Sauce aus dem Bundesstaat Oaxaca und schließlich noch Black Bean, die theoretisch einfachste aber vermutlich typischste Variante. Gut 5 $ kostet so ein Päckchen pro Stück, wobei der Geschmack bei solchen Pfrämpfen ja immer wesentlich besser ist als das Aussehen. Dazu gab es frisch gepressten Fruchtsaft, Wassermelone und Papaya, richtig gut. Ein sehr netter und angenehm bescheidener Ort.

Tacos Delta

3806 Sunset Boulevard, das ist kurz nach der Kreuzung mit dem Santa Monica Boulevard im sehr hippen Viertel Silver Lake. Geöffnet dienstags bis samstags von 7-21, sonntags und montags von 8-20 Uhr.

An dieser kleinen Essstätte sind wir zufällig beim Rundgang durch Silver Lake vorbeigekommen. Vorn bestellt man sozusagen an der Luke wie bei einem Imbiss, die umfangreiche Karte ist angeschlagen. Hinter der Bude jedoch kann man sehr nett unter einer Pergola sitzen, das fühlt sich ziemlich mexikanisch an, würde ich sagen.

Weil die Chilaquiles hier besonders beworben werden und ich nicht wusste, was das ist, habe ich Chilaquiles con Huevo für 8,25 $ bestellt. Das Wasser gibt’s kostenlos dazu. Chilaquiles werden traditionell zum zweiten Frühstück gereicht oder – wie es in Silver Lake am Wochenende üblich ist – zum Brunch. Basis dafür ist eine Maistortilla, die in kleine Abschnitte geteilt und anschließend, tja, anfrittiert wird. Dazu gibt es Bohnen, Reis und eben ein Ei. Fast die Hauptsache dabei ist die Sauce, die entweder rot oder grün sein kann, was an der Art der verwendeten Chilies liegt, in jedem Fall aber ziemlich mild und aromatisch ist. Durch die leichte Crunchiness der Chilaquiles, verbunden mit dem Ei und den halbweich gekochten Bohnen, ist das nicht nur ein schmackhaftes, sondern auch ein texturreiches Essen. Hat mir richtig gut gefallen, ein unbedingter Tipp.

Ricky’s Fish Tacos

Ricky bereitet seine Tacos in einem Food Truck zu, dessen Standort sich je nach Laune und Publikumszuspruch immer mal wieder ändern kann. Am besten ist es, sich vorher auf der Twitter-Page zu informieren, Ricky postet eigentlich jeden Tag, wo er gerade ist. Geöffnet meist von kurz vor 12 bis in den Nachmittag hinein.

Ricky Piña genießt mit seinen Tacos eine große Reputation, und das nicht nur im Norden von Los Angeles, wo wir uns bei Ricky vor dem Ausflug zum Griffith Park-Observatorium noch einmal schnell stärkten. Drei Dinge scheinen mir dafür verantwortlich zu sein: 1. beherrscht Ricky sein Handwerk, 2. gibt es nur genau zwei verschiedene Gerichte, nämlich Fish Tacos und Shrimp Tacos, und 3. wird alles extrem frisch und mit großer Sorgfalt nacheinander zubereitet. Als wir dort waren, warteten zur drei Latino-Familien auf ihr Essen, aber ich kann mir vorstellen, dass man bei einer längeren Schlange eine entsprechende Geduld aufbringen muss.

Ein Fish Taco kostet 3,25 $, ein Shrimp Taco 3,50 $ und ein Special mit beiden Varianten 4,25 $, und genau den nahmen wir. Das Geheimnis liegt dabei im Ausbackteig, der interessanterweise unter anderem aus Bier, mexikanischem Oregano und gemahlenen Senfkörnern besteht. Dazu kann man sich nach Gutdünken von den verschiedenen Würzsaucen bedienen, die in einem Kühlschrank unterhalb der Ausgabeluke stehen. Die Tacos werden übrigens im Ensenada Style bereitet, benannt nach der gleichnamigen Hafenstadt am Pazifik, nur rund 100 km südlich der Grenze zu den USA gelegen. Geschmacklich sind wir hier Welten von den faden Lappen entfernt, die einem an anderen Orten gereicht werden können.

Pollo a la Brasa

764 S Western Avenue, was mitten in Koreatown gelegen ist. Ein ungewöhnlicher Ort auf den ersten Blick für ein Imbiss-Diner, von dem ich ursprünglich annahm, dass es ebenfalls mexikanisch ist.

Aber weit gefehlt, denn was hier mittwochs bis montags von 11-21 Uhr angeboten wird, ist eine peruanische Spezialität, die sich allerdings weit nach Norden ausgebreitet hat. Das Besondere an diesem Hähnchengrill ist neben der Würzung vor allem die Art der Grillierung. Innen im Häuschen sieht man nur den rotierenden Grill, wie man ihn in ähnlicher Form auch von Jahrmärkten zu kennen glaubt. Außen aber deuten die großen Stapel darauf hin, dass hier ausgiebig mit Holz gefeuert und entsprechend auch leicht geräuchert wird.

Jedenfalls war das ganze Hähnchen, das wir für genau 19,27 $ mit Reis und Bohnen zu uns nahmen (auch hier wieder eine schmackhafte Chili-Tomaten-Sauce) , von einer umwerfenden Zartheit unter rescher Kruste. Wie bereits ein Zeitungsartikel über diesen Laden schrieb: Wenn man einmal hier gegessen hat, möchte man in keinen anderen Hähnchenimbiss mehr gehen. Was allerdings bislang noch niemand geschrieben hat: Der Topf mit den gekochten Bohnen hat ebenfalls ausgezeichnet geschmeckt, vermutlich wird der Sud mit etwas Brühe verstärkt.

Zwei Dinge habe ich jedenfalls nach den wenigen Tagen gelernt, die ich bislang in Los Angeles zugebracht habe: Erstens bin ich einfach ein Imbiss- und Streetfood-Fan, der gern Neonbuden aufsucht und sich das Essen direkt vor der Nase zubereiten lässt. Und zweitens kann man in den USA ganz ausgezeichnet auch in dieser Kategorie essen. Es muss durchaus nicht nur Burger und Sandwich sein – der Einwanderung sei Dank…

P.S. Ein kleiner Spaß zum Schluss: Bei Pollo a la Brasa muss man zum Abholen immer seinen Namen sagen, der dann auf einen Zettel geschrieben und ausgerufen wird. „Matthias“ kam ihnen hier wohl nicht spanisch genug vor, und so durfte ich mein Hähnchen als „Martinez“ abholen.

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2 Antworten zu Dreimal mexikanisch essen in Los Angeles

  1. kormoranflug schreibt:

    Martinez passt jedenfalls super zum Beitrag.

  2. einregenschirm schreibt:

    Hehe, schöne Geschichte!

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