Beck’s gegen Handwerk – Die kleine Pils-Olympiade

1 TitelAlle vier Jahre gibt es Olympische Sommerspiele, und während die Aktiven schwitzen und strampeln, können wir es uns im Lehnsessel gemütlich machen und ein Fläschchen Hopfentrunk öffnen. Damit der spirit of competition jedoch nicht vor dem heimischen Wohnzimmer haltmacht, lassen wir im Parallelwettkampf einfach mal die Biere gegeneinander antreten. Die spannende Frage dabei für mich: Haben die handwerklich gebrauten Biere gegenüber Industriegiganten wie Beck’s oder Heineken tatsächlich mehr als eine Nasenlänge Vorsprung?

Offizielle Statistiken zeigen, dass für die Deutschen das „untergärige Vollbier nach Pilsner Brauart“ mit Abstand die beliebteste Biersorte ist. 55% aller in Deutschland hergestellten Biere sind Pilsener. Die nach Ausstoß größten Biermarken sind dabei Oettinger, Krombacher und Bitburger, während in Umfragen die Deutschen angeben, am meisten Beck’s zu trinken (von der Ausstoßmenge die Nr. 5), gefolgt von Krombacher und Warsteiner.

2 TestIch persönlich muss zugeben, nicht der super super Pilsliebhaber zu sein, aber das hindert mich ja nicht daran, in einem wie immer höchst neutralen Ambiente die ganze Mischpoke mal zu testen. Getestet wurde aus Weißweingläsern, was sich minimal snobistisch anhören mag, aber dank Kelchform und Dünnwandigkeit des Glases lassen sich die Aromen einfach besser unterscheiden.

Da es in diesem Artikel letztendlich zu einer Bewertung kommen soll (sprich: Medaillen – nix da also mit „Dabeisein ist alles“), ist es sicherlich hilfreich, wenn ich vorher meinen idealen Pilstyp einmal beschreibe. Für mich muss ein Pils grundsätzlich eher schlank ausgerichtet sein, also keine malzige Mastigkeit, sondern eher den würzigen Hopfen im Vordergrund. Es darf aber auch nicht zu stark in die Bitterskala à la American IPA gehen, denn schließlich will ich das Bier ja als angenehmen Durstlöscher benutzen und keinen neuen Hopfenrekord pro Kubikzentimeter Wasser aufstellen. Diese Ausgewogenheit im Sinne einer feinwürzigen Drahtigkeit, die weder zu plump noch zu dünn noch zu krass daherkommt, ist gar nicht so leicht hinzubekommen. Aber hey, schließlich sind wir hier ja auch bei Olympia!

Wie Ihr möglicherweise schon auf dem Titelfoto gesehen habt, handelt es sich bei dieser Pils-Olympiade um das Rennen in der „regulären“ Kategorie: keine Spezialeditionen mit Hopfenstopfung, sondern ungepimpte Vertreter aus dem Supermarkt mit einer gewissen Verbreitung. Aber nun ohne weitere Vorreden zum Test.

3 Pilsner UrquellKandidat 1, „das Original“: Pilsner Urquell, Plzeňský Prazdroj (SABMiller), Tschechische Republik. 4,4 vol%, 61 Prozentpunkte bei ratebeer.

Dies war einstmals der ungekrönte Klassik-König aller Pilsener, im Namen wie in der Machart. Mir in der Jugend immer ein wenig zu teuer, eine Mark immerhin die Flasche, aber dafür mit edler Gold-Alu-Ummantelung. Geblieben ist der Name, das Goldblech am Hals und auch der Alkoholgehalt: 4,4 vol%, kaum ein anderes Pils ist leichter.

Im Test enorm dunkel in der Farbe, fast amber, weit über die anderen hinaus. In der Nase mildmalzig, wenig Hopfen spürbar, okay, SAB Miller arbeitet jetzt auch nicht mehr mit Doldenhopfen, sondern mit „Hopfenprodukten“. Am Gaumen präsentiert sich das Bier sehr gediegen, fast etwas behäbig, über den Höhepunkt hinweg, obwohl noch weit vom Haltbarkeitsdatum entfernt. Ich bin nicht komplett enttäuscht, das Bier ist mildmalzig und vollmundiger, als es der geringe Alkoholgehalt vermuten ließe, aber irgendwie doch müde. Immerhin schmeckt es nicht direkt nach Industrie.

4 HeinekenKandidat 2, „die Weltbrause“: Heineken, Brouwerij Heineken Amsterdam, Niederlande. 5,0 vol%, 4 PP bei ratebeer.

Heineken ist ein Weltkonzern, aber im Gegensatz zum Pilsner Urquell hat dieses Bier hier keinen Ruf zu verlieren gehabt. Obwohl in der Beschreibung auf den speziellen Hefestrang hingewiesen wird und darauf, dass das Bier „länger gebraut ist als der Durchschnitt“, hat man doch darauf verzichtet, das Heineken als Pilsener zu bezeichnen. Ein Pale Lager also.

Das zweithellste Bier im Test, da gibt es schon einmal große Unterschiede zum vorherigen Kandidaten. In der Nase schlichtweg shocking: parfümierte Ananas, Litschi, dafür weder Hopfen noch Malz. Ein Fooddesign-Produkt. Im Mund präsentiert sich das Heineken mild und erfrischend abgestimmt, die Radler-Note ist direkt mit integriert. Abhold jeglicher Bitterkeit ist dies ein dank vieler Konsumententests gestähltes Produkt, welches zeigt, dass die Mehrheit der Bierkäufer offenbar gar kein Bier im engen Sinne trinken möchte. Es schmeckt als Erfrischungsgetränk auch gar nicht schlecht, nur eben nicht nach Pils.

5 BecksKandidat 3, „der nordische Gigant“: Beck’s, Anheuser-Busch InBev Bremen. 4,9 vol%, 8 PP bei ratebeer.

Noch so ein fallen angel, und nach SAB Miller beim Pilsner Urquell und dem Heineken haben wir hier nun endlich mit Anheuser-Busch InBev den größten Bierkonzern der Welt am Start. Einstmals neben dem noch strafferen Jever als Inbegriff für die herbe norddeutsche (Brau)Art schlechthin angesehen, greinen die Bierfreaks ob der aktuellen Entwicklung (8 PP bei ratebeer entsprechen etwa einem staatlichen Reisbräu aus Ostasien), während die deutschen Allgemeinkunden es weiterhin für ein echt gutes Bier halten. Soll heißen: Hierauf war ich am meisten gespannt.

In der Nase ist wirklich Hopfen zu spüren, etwas zitroniger Hopfen allerdings, aber immerhin. Am Gaumen komme ich nicht umhin zu sagen, dass ich eher positiv überrascht bin: Das Bier ist herb wie ein richtiges Pils, besitzt aber genügend Körper, um die leichte Strenge abzufedern. Natürlich haben wir hier kein Grünhopfen-IPA vor uns, und Individualität sieht auch ganz anders aus. Aber wer behauptet, das Beck’s sei ein richtig schlechtes Bier, hat vermutlich das untere Ende der Fahnenstange noch nicht probiert. Nur preislich müssen wir hier fürs Marketing büßen; das Beck’s ist das teuerste aller sechs getesteten Biere. Dennoch: Bronzemedaille, das ist mehr als achtbar.

6 SchönramerKandidat 4, „der Kultfavorit“: Schönramer Pils, Brauerei Schönram, Oberbayern. 5,0 vol%, 49 PP bei ratebeer.

„Das große Bier aus der kleinen Brauerei“, steht auf dem Etikett, und bis vor ein paar Jahren war Schönramer wirklich nur den Dorfbewohnern und ein paar Ultra-Biernerds bekannt. Das ist mittlerweile anders. Gut, 73.000 hl pro Jahr sind etwas weniger als die Millionenzahlen bei Beck’s und Heineken, aber hier geht es mengenmäßig schon um den gehobenen Mittelstand und nicht mehr um den Tüftler in der Garage. Wo Schönram liegt? Zwischen Traunstein und Freilassing kurz vor Salzburg, und in dieser urlaubsträchtigen Gegend dürftet Ihr auch keinerlei Probleme haben, die gesamte Schönramer-Palette in den Getränkemärkten anzutreffen.

Im Glas bin ich zunächst einmal verblüfft: Dies ist das mit Abstand hellste Bier. In der Nase dafür der frischeste Hopfen bislang. Und am Gaumen? Ja ja ja, da gibt es nichts zu diskutieren. Das frischeste Bier, der grünlichste Hopfen, ein straffes und leichtes, gleichzeitig aber nicht zehrendes Gebräu – und leider ein riesiger Abstand zu den Bieren davor. So stelle ich mir ein idealtypisches Standardpils vor. Für Hell-Trinker zu grün, für IPA-Freaks nicht extrem genug, mir soll’s recht sein. Goldmedaille.

7 LammsbräuKandidat 5, „das Biomarkt-Pils“: Lammsbräu Pilsener, Lammsbräu Neumarkt, Oberpfalz. 4,7 vol%, 45 PP bei ratebeer.

Für manche Leute hat „Bio“ als Label eher mit Verzicht zu tun, mit Ersatz. Sojawürstchen, Chia-Samen, gesund und gut gegen das schlechte Gewissen. Das Neumarkter Lammsbräu hat sich in vielen Bio-Supermärkten breit gemacht, steht aber nicht so wirklich für Verzicht, sondern eher für das, was ich persönlich lieber mit „Bio“ in Verbindung bringe: gute Zutaten und handwerkliches Arbeiten. Mineralwasser aus eigenem Brunnen, Natur-Doldenhopfen und Bio-Gerstenmalz aus der eigenen Mälzerei. Wobei diese Malzliebe nicht allen gefallen muss. Lammsbräu-Biere sind ansonsten definitiv malzlastig; mal schauen, wie sie das mit dem Pilsgedanken hinbekommen.

In der Nase spüre ich in der Tat Malz, wenngleich nicht ganz so mild und präsent wie beim Pilsner Urquell. Am Gaumen ist das Malz ebenfalls spürbar, aber es gibt einen klaren Kontrapunkt durch die Hopfenpräsenz. Das Bier ist nicht so grün und frisch wie das Schönramer, aber ganz klar ebenfalls ein echtes Pils, nur eben in der stoffigeren Variante. Vielleicht ist das Bier sogar böhmischer als das echt böhmische. Ich bin jedenfalls angenehm überrascht, dafür gibt es die Silbermedaille mit einem gehörigen Vorsprung vor Platz 3.

8 KneitingerKandidat 6, „das Handwerk“: Kneitinger Edel-Pils, Brauerei Kneitinger Regensburg, Oberpfalz. 5,2 vol%, 42 PP bei ratebeer.

Dem Tipp eines Freundes habe ich dieses Bier im Test zu verdanken. Mit 27.000 hl Jahresausstoß haben wir hier die kleinste Brauerei des Quertests am Start. Für die Regensburger gehört diese fast 500 Jahre alte Brauerei und vor allem das Gasthaus selbst zum Weltkultur-Inventar.

In der Nase hätte ich ehrlich gesagt ein bisschen mehr Hopfigkeit erwartet; fast parfümiert kommt das edle Pils daher. Auch am Gaumen bin ich verblüfft ob der Mildheit. Ich schmecke fruchtige Noten, etwas Erdnuss, eine zwar feine, aber doch arg unexpressive Art. Weniger Stoff als das Lammsbräu, weniger Hopfenfrische als das Schönramer, aber nun, man kann nicht immer Glück haben. Vielleicht schmeckt das Bier direkt aus dem Fass tatsächlich besser.

9 ChipsBevor ich zum Fazit komme, muss ich Eure virtuellen Geschmacksnerven noch ein wenig malträtieren. Wir haben ja jetzt Olympische Spiele, es sollte sich herumgesprochen haben, und das eröffnet mir die Möglichkeit, mein gutes altes original Olympia 2004-Frottee-Handtuch wieder einmal hervorzuholen. Vielleicht kann man sich nachmittags beim Betrachten des Diskus-Finales der Damen nicht ganz so gut gehen lassen wie bei einem Zweitliga-Fußballspiel (hat ja auch leider so gar nicht hingehauen mit der Medaille), aber eine Tüte Chips lässt sich zu den Bieren dennoch mit leichtem Griff öffnen. Chipsfrisch ungarisch von funny-frisch. Als ich diese Chips das erste Mal aß, maß ich noch eine einstellige Zahl an Lebensjahren.

Mit der so ungeheuer typisch deutschen Paprikachips-Note konfrontiert, zeigen sich nicht alle Pilsener gleichermaßen erfreut. Dem Pilsner Urquell verlangt es eher nach knedlíky, das Heineken geht dagegen als Limo vollkommen unter. Das Beck’s hat zu viel Zitronentouch für eine anständige Begleitung, und selbst beim Schönramer werden Frische und Würze von der Paprika abgehobelt. Ganz eindeutig besser präsentiert sich das Lammsbräu, weil so ein fettgebackener Snack schon ein wenig Stoff als Puffer benötigt. Und fast genauso gut kommt das Kneitinger mit den Chips zurecht, denn es entwickelt eine regelrecht süßlich-feinwürzige Note und hebt das Kaltgericht damit auf ein überraschend elegantes Level. Ich vermeine Edles zu speisen. Und diese Assoziation habe ich bei Kartoffelchips nicht allzu oft.

Das Fazit

Die implizite Frage in der Überschrift des Artikels lautete: Können die „Industriebiere“, womit ich die ersten drei Kandidaten leicht abwertend bezeichnen möchte, mit den drei „Handwerksbieren“ mithalten?

Das Ergebnis ist eindeutig zweistufig. Die erste Stufe sagt ganz klar NEIN. Ein Bier wie das Schönramer mit seiner frischhopfig-bitteren Art oder auch das vollmundige Lammsbräu dürften in der Herstellung viel zu teuer und zudem nicht stabilisiert genug sein, als dass sie in werbekampagnengestützter Millionenauflage in die ganze Welt transportiert werden könnten. So wie diese beiden können Industriebiere schlichtweg nicht schmecken. Gold und Silber liegen meilenweit vorn. Die zweite Stufe hingegen weist darauf hin, dass man doch bitteschön nicht alles über einen Kamm scheren möge – und auch das stimmt.

Dass es nämlich auch unter den so genannten Industriebieren durchaus noch Unterschiede zu entdecken gibt, hat mir mein kleiner Test ebenfalls deutlich vor Augen geführt. Ich kann zwar immer noch nicht sagen, ob ich blind Krombacher, Warsteiner oder Bitburger voneinander unterscheiden könnte, aber zumindest zwischen dem Pilsner Urquell, dem Heineken und dem Beck’s liegen geschmacksphilosophisch Welten.

Nach welchen Bieren ich persönlich greifen würde, ist dabei kein großes Geheimnis. Ich halte es da gern mit Dagobert Duck, der einstmals irgendwo auf der Schwarzweiß-Seite der Lustigen Taschenbücher vor sich hin sang: „Gold und Silber lieb ich sehr, kann’s auch gut gebrauchen…“

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12 Antworten zu Beck’s gegen Handwerk – Die kleine Pils-Olympiade

  1. Ralf schreibt:

    Dass kein Industrieprodukt gewinnt – wenig überraschend, auch ich umgehe lieber derartige Produkte, wenn ich schon mal Bier trinken muss oder will, gerne. Da Du eine recht bayernlastige Auswahl getroffen hast, sind mir die handwerklichen Exemplare sogar durchweg geläufig. Wenig überraschend daher Dein Ranking mit dem Topp-Plazierten Schönramer.
    Produkte sind vielfältig – ausgerechnet Lammsbräu und Kneitinger mit im Test, beide als Pils deklariert, jedoch für meinen Geschmack nicht wirklich Pilstypen.
    Das “ Knei‘ „, wenn ich mir das als Regensurger schon mal antun mag, da bin ich nur wenig lokalpatriotisch, dann im Stammhaus am Arnulfsplatz, oder auf der Dult, dort gelangt es im Seidl (für alle Nicht-Bayern: 0,5 l – Krug mit Henkel), oder in der Maß, (dass kennt man inzwischen auch außerbayrisch aus Film, Funk und Fernsehen zur Genüge und muss nicht weiter erläutert werden), zum Ausschank, und da gehört es auch rein😉 – das Knei‘ ist und bleibt für mich ein Helles und trinkt sich auch so, auch wenn Edel-Pils draufsteht! Dennoch, wahre Kneitinger-Patrioten gibt’s hier dennoch genug – passt scho‘.
    Was gar nicht geht, dass liegt wohl an meiner Abneigung gegen malziges Bier, ist jedoch das Lammsbräu, malziges Pils, brrrr…, das ist wie …, das ist wie …, ich weis nicht, da fehlt mir das Vokabular😉 . Dass das Pilsner Urquell inzwischen auch recht malzig ist? – Evtl. sollte ich mal wieder eins trinken…
    Merk Dir für deinen nächsten Pils-Test, falls Du wieder in Bayerischen Gefilden Test-Wandelst, bspw. Schierlinger Pils vor, oder wenn’s Bio sein soll, Riedenburger Pils.
    Die Riedenburger Brauerei erfüllt derzeit bei mir, wenn ich schon mal Bier trinke, mehrere wichtige Kriterien. Handwerklich, Bio und innovativ, mit einer durchaus gelungenen Craft-Beer Palette – ausprobieren!

    • Matze schreibt:

      Okay, dass die bayerischen Pilsener im handwerklichen Bereich ein gewisses Übergewicht haben, dürfte an meinem Standort liegen😉

      Ich muss sagen, dass ich mir das Lammsbräu eigentlich noch malziger vorgestellt hatte, da ich von deren anderen Bieren um ihre Malzliebe weiß. Aber ich finde es tatsächlich deutlich ausgewogener als gedacht. Im Übrigen ist das ursprüngliche böhmische Pils ganz idealtypisch auch durchaus malzhaltig oder wenigstens aromahopfig – Saaz halt. Diese ganz strikten herben Gebräue scheinen mir eher Wattenmeer-inspiriert zu sein😉

      Das Riedenburger Pils werde ich gern probieren, das habe ich nämlich bislang von der Palette immer links liegen lassen. Die beiden Riedenburger Biere, die mir besonders gut gefallen, sind das Michaeli Dunkel und das Dolden Dark. Sehr gelungene, Stout-artige Gebräue, wie ich finde. Man muss allerdings ein wenig Strenge und mehr als ein wenig Röstmalz mögen😉

      • Ralf schreibt:

        Mein Favorit bei Riedenburger, mehr als das Pils, ist der Dolden Sud, ein IPA mit 55 Bitter Units – noch besser fand ich aber den diesjährigen Dolden Summer Sud der nur knapp 5%, statt der 6,5% des ’normalen‘ Dolden Suds aufweist, aber dafür schön aromatisch und etwas weniger bitter gehopft ist..

      • Matze schreibt:

        Der Dolden Sud – das nur der Vollständigkeit halber😉 – gefällt mir auch. Die Sommerversion habe ich irgendwie gar nicht wahrgenommen. Muss mal schauen, vielleicht gibt es ihn hier ja noch…

  2. Jens schreibt:

    Hallo Matze!!!!

    Wie Du ja weißt, trinke ich eher selten Bier….und wenn dann gerne was aus Belgien…..wie Du ja auch…..was ich aber nach einem München Aufenthalt im Mai diesen Jahres für mich entdeckt habe, ist das Bio Dinkel Weizen von Unertl aus Mühldorf am Inn…..besorg Dir das mal…..es lohnt sich.

    Grüße Jens

    • Matze schreibt:

      Wie’s der Zufall so will, habe ich doch tatsächlich eine Unertl-Weiße im Getränkemarkt erstehen können. Allerdings nicht die Bio-Dinkel-Version, sondern die Helle Franz-Xaver-Unertl-Weiße. Ich hatte mich vor einiger Zeit mit Frau Unertl mal über das Dinkel-Weizen unterhalten. Es hatte nämlich viel länger gedauert als gedacht, bis sie das Bier auf den Markt bringen konnten, weil sie selbst Bioland-Mitglied sind, der Dinkelbauer aber Naturland (wenn ich mich richtig erinnere). Da musste man sich dann irgendwie verbandsmäßig einigen… Naja, aber Recht hast Du, ein schönes, feinfruchtiges Frühlingsbier ist das – finde ich jedenfalls. Früher habe ich Weizenbiere gar nicht so gemocht, aber mittlerweile bin ich wirklich angetan.

  3. djdadaeus schreibt:

    Ein Fan von deutschem Standardpils bin ich auch nicht. Vor dem Hintergrund werde ich aber auch nicht Müde zu argumentieren: „Pils“ in deutschem Sinne kennt der Tscheche gar nicht. Das, was dem deutschen Pils am ehesten entspricht, ist Světlý Ležák, so 4.4-5% alk. Da fällt auch Pilsner Urquell rein,richtig, wobei ich argumentiern würde,dass die stillistik eine andere ist als bei „deutschen“ Vertretern, und es in dem „Genre“ auch deutlich bessere gibt. (Witzigerweise trinkt Mensch in Tschechien am meisten noch schwächeres Lagerbier,Světlé Výčepní Pivo, mit 4% oder weniger;))

    Bei Beck’s werden sich die meisten Bewertungen bei ratebeer wohl nicht auf die in Bremen, sondern die in Nordamerika gebraute Version beziehen?

    Ansonsten, der Hype um Schönrahmer nervt mich gerade. Ja, die machen gute Biere und auch ein gutes Pils, absolut außer Frage. Aber dieses Gerede von Pseudo-Biernerds,dass sei das beste Pils Deutschlands- nö. Stimmt nicht. Also klar Geschmackssache aber mir mehrere Dutzend ein, die mir persönlich besser gefallen;)
    Nur machen die halt nicht unbedingt auch IPAs, und wenn, dann schaffen es diese IPAs nicht bis in Berliner Spätis;)

    Ich muss auch an eine Blindverkostung denken die rumging, wo Industriepilsner, Pilsner fränkischer Kleinbrauereien und Craft-Pilsner verkostet wurden. Dabei versagten letztere komplett und fielen durch, witzigerweise gewann eines meiner persönlichen Lieblingspilsner: Gampertbräu Försterpils: http://www.berlincraftbeer.com/2016/04/14/blind-german-pils-tasting-3-in-the-land-of-the-blind/
    Und ja, ich bin persönlich auch kein Pils-Fan, aber aus Süddeutschland gibts finde ich einige sehr schöne Exemplare, der nordische Stil gefällt mir nicht weil da oft der Körper komplett fehlt..
    Zu deinem Fazit, ja… Kann ich mit meiner Erfahrung eig. nur unterschreiben, wobei ich die Frage stellen möchte wo Industrie anfängt, bzw „Handwerk“ aufhört?
    Kann mensch das einfach an HL festmachen (natürlich rethorische Frage)?
    Also gibt genug Biere aus Brauereien mit >1 Million HL Ausstoß, denen ich Charakter und Individualität nie absprechen wollen würde…
    Und ich kann Warsteiner und Krombacher zb definitv nicht auseinanderhalten, Bitburger geht da eher, Charakter hat aber auch das definitiv nicht.

    • Matze schreibt:

      Da hast Du ja eine ganze Menge Anregungen parat😉

      Was die alkoholisch leichten tschechischen Biere anbelangt, seien sie hell oder dunkel, bin ich ganz Deiner Meinung. Bei meinem zugegeben null repräsentativen Einkauf neulich war ich allerdings überrascht, im Supermarkt genau ein einziges Světlé Výčepní Pivo anzutreffen und geschätzt 20-30 Biere mit internationalen Stärkegraden. Sterben die charaktervollen zehngradigen Schankbiere etwa aus? Oder trinkt man die nur in der Wirtschaft? Ein bisschen habe ich mich erinnert gefühlt an das exzellente Buch von M.A. Numminen, „Der Kneipenmann“, sozusagen ein Roadmovie durch die finnischen Dreierbierbars, die Orte für Alltagsbiere und „einfache“ Leute. Und natürlich ein Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz, Identität und was weiß ich noch alles.

      Den Schönramer-Hype finde ich auch erstaunlich, zumindest wenn man die Biere betrachtet, die sie kistenweise verkaufen. Pils, Hell, Gold, Weizen, Dunkel, alles völlig „normale“, wenngleich durchaus überdurchschnittliche süddeutsche Biere, sowohl von der Erscheinung als auch vom Geschmack her. Die Kleinflaschen à la „Fino Sherry Imperial Stout“ sind ja nur Mini-Auflagen. Da habe ich jeweils ein bis zwei Flaschen im Keller für Freakfreunde, aber richtige Mengen werden davon ja weder hergestellt noch getrunken. Auch ich habe zum Abendessen 100mal öfter Meister/Unterzaunsbach, Schroll/Nankendorf oder Reichold/Hochstahl getrunken. Und nie erwähnt (was wenigstens hiermit geschehen sein soll😉 ). Aber ich finde halt, dass „klassisch handwerkliche Landbiere“ – oder wie man sie auch immer nennen soll – und experimentelle Craftbiere durchaus gleichermaßen gut in meinen persönlichen Kosmos passen.

      Handwerk und Industrie qua Ausstoß zu trennen ist natürlich die simpelste Möglichkeit. Oder nach Umsatz oder nach Beschäftigtenzahlen. Also „Industrie“ als alles, was nicht in die KMU-Kriterien passt. Aber natürlich gibt es lausige Minibrauer und Miniwinzer genauso wie größere Unternehmen, die sehr bewusst agieren. Bekanntes Bierbeispiel: Schneider Weiße. Trotzdem dürfte es so sein, dass ein großes, global agierendes und mit erheblichem Marketingbudget agierendes Bierunternehmen im statistischen Durchschnitt die weniger individuellen Biere herstellt. Wegen solcher Kriterien wie Allverfügbarkeit, Stabilitätsgarantie und einer messerscharfen Kalkulation. Die interessanteste und individuellste Musik ist auch relativ selten die Nr. 1 in den Charts gewesen. Guter Vergleich, oder😉 ?

      • djdadaeus schreibt:

        Sry, das sind so Themen,bei denen ich nie aufhören kann;)

        Also meine Erfahrung ist, Bier mit um die 10 Grad Plato is absolut der Standard in Kneipen. Auch auf Festivals wenn nur 1 Bier ausgeschenkt wird. In Supermärkten hab ichs vorn paar Jahren auch noch öfters gesehen, aber glaub bei der geringen Preisdifferenz gehen die meisten Tschechen halt auch direkt in die Kneipe;) Und auch viele Brauereien, glaube ich ,vertreiben immer mehr an Gaststätten. Ich meine, das exzellente Kout zb hab ich öfters in Wirtschaften gesehen, aber vielleicht höchstens einmal in ner Flasche in einem sehr spezialisierten Laden.

        Zum Schönramer Hype, ja. Alle oberfränkischen Biere die du auzfzählst hatte ich auch regelmäßig im Glas, würd das noch um Büchenbacher, Held und Leupser ergänzen wollen. Gegen so ein Held Dunkel wirkt ein Schönrahmer Dunkel halt aalglatt und uniform.
        Wie angedeutet, Schönrahmer Pale Ale zb. gibs öfters in besseren Berliner Spätis. Ich glaub sowas hat auch mit deren Ruf zu tun… Pale Ale ist halt schick. „Landbier Dunkel“ (noch?) eher weniger. Und wenn aber das Pale Ale gut ist, wird auch eher mal das Pils probiert. Ich glaube einfach, viele, die Schönrahmer (außerhalb von Bayern) hypen, kennen sich in der bayerischen Biervielfalt nicht wirklich aus. Und ja geht mir auch so, auch beim Wein übrigens..;) So einfache, ehrliche traditionelle Handwerksprodukte und junge,experimentelle Freakprodukte eint viel mehr als sie trennt. Ob nun Orangewein und Litergutsriesling oder barrel aged Imperial Sout und a Dungles;)

        Wenn man in die USA guckt, bzw jetzt mit Stone Berlin auch nach Berlin, kippt die Differenzierung nach HL irgendwie . Ich mein, wir können uns einigen, Sierra Nevada Brewing z.B. als „Craft“ anzusehen,oder? 800.00 us barrels/Jahr. Wär in Deutschland schon ein ziemlicher Riese. Ne ganze Ecke größer als z.B. die Reissdorf Brauerei, die für ne „Regionalbrauerei“ scho nich klein is;)
        Nach Beschäftigtenzahlen und Umsatz fallen die meisten US craft-Brauer, also die bekannten, auch aus der KMU Definition komplett raus;) Und glaub die werden auch nich kleiner. Dazu kommt ja z.b. in D das Phänomen, dass auch die Hektolitermillionäre der Radeberger Gruppe oder Bitburger was vom „craft“-Kuchen abhaben wollen und auch Marketingmäßig auf „Handwerk“ gehen……
        Was is denn dann mit nem Pale Ale, das von Bitburger in nicht zu großer Stückzahl in ner kleineren Auflage produziert wird? Handwerk oder nich?
        Alles nich soo easy;)

        Aber schöne Diskussion/Debatte, danke dafür.

  4. Ralf schreibt:

    Hallo Matze,

    nur der Vollständigkeit halber, da ich gestern wieder eine Dolden Sommer Sud der Riedenburger gezischt habe …
    Die korrekte Bezeichnung lt. Brauerei wäre nicht IPA sondern BSA *lol* was da heisst: Bavarian Summer Ale – bei Bier Geeks, die’s ganz genau nehmen, würde das Bier evtl. als Session Ale oder Session IPA laufen …
    Der Alc.-Gehalt beträgt angenehme 4,2%, gehopft wird mit einer Hopfenmischung aus: Smaragd, Cascade, Mandarina Bavaria und Spalter Selekt – so die Infos des Etiketts.

  5. fujolan schreibt:

    Gerne gelesen.
    Könnte ich dich zu was völlig anderem motivieren? Wie wäre es, mal das (stetig zunehmende) Sortiment an vernünftigen/trinkbaren alkoholfreien Bieren zu testen? Da hat sich in meiner Erfahrung in den letzten 10 Jahren enorm was getan. Last not least gerade wegen so Marken wie Lammsbräu.
    Aus diversen Gründen habe ich in den letzten 10 Jahren >3 Jahre die Wahl gehabt zwischen „Kein Bier“ (keine Option!) oder „alkoholfreies Bier“. Vor 9 Jahren war es noch die Pest, sich durch die alkoholfreien zu testen – entweder wässrig oder Malzbonbon. Inzwischen hingegen hat sich richtig was getan und das abendliche Bier, alkoholfrei, ist ein Genuss.

    • Matze schreibt:

      Ich kann mich auch an grässliches Clausthaler erinnern, das von unserer Clique seinerzeit immer der Fahrer getrunken hat – außer mir, ich habe dann lieber zu Bitter Lemon gegriffen😉 .

      Du hast recht, seitdem hat sich ganz sicher viel getan. Ich hatte letztens mal zwei „Leichtbiere“ getestet, also Schankbiere von 2-3 vol%, die zwar recht streng, aber doch sehr gut biergeschmackig waren. Wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, kann ich ja mal schauen, was es auf dem Alkoholfreibiermarkt so alles gibt. Es ist eh ein Unding, dass in Deutschland alkoholfreie Erfrischungsgetränke fast immer zuckerig sein müssen…

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