Bonjour Provinz (14): Der Caviste

1 - Titel

Wein spielt seit jeher eine große Rolle im Leben der Franzosen und ist im übrigen auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land. Schließlich gibt ja nicht nur Winzer, sondern auch Maschinen- und Flaschenhersteller, Distributoren und Werbeagenturen, die vom Wein leben. Eine Institution, die für mich auf großartige Weise die kleinen Freuden der französischen Provinz symbolisiert, ist der örtliche Weinhändler, der Caviste.

In jeder Kleinstadt werdet Ihr wenigstens einen kleinen und unabhängigen Weinhändler finden, der sein Angebot ganz nach persönlichen Präferenzen und oft auch nach persönlichen Kontakten in die Welt der Winzer zusammenstellt. Dies ist nicht nur ein Ort, an dem alkoholische Getränke in Flaschen verkauft werden, dies ist vielmehr ein Platz, der einen Einblick in die persönliche Welt des Inhabers und seine Philosophie ermöglicht. Die Zusammenstellung der Produkte ist nicht zufällig, und wenn Ihr nachfragt, wird Euch der Händler oder die Händlerin bestimmt erklären können, warum jetzt diese und jene Winzer hier vertreten sind. Kein Wunder, dass Buchhändler und Weinhändler in französischen Kleinstädten oft dieselbe Kundschaft besitzen.

In all diesen Läden könnt Ihr Euch natürlich beraten lassen, und das machen die Franzosen auch. Egal ob „kleiner Rotwein zum Abendessen“ oder „Geschenk zur Goldenen Hochzeit“, der Weinhändler hat jedes seiner Produkte schon einmal probiert und weiß bestimmt, was jeweils am besten passen könnte.

2 - Caviste Au vieux millésimeIch war deshalb sehr froh, noch nicht einmal 100 Meter von unserer Wohnung entfernt eine Weinhandlung zu entdecken, die genau dieser Philosophie entspricht: „Au vieux millésime„. Anders als viele (oder um ehrlich zu sein, fast alle) anderen unabhängigen Weinhändler gibt es hier sogar eine aussagekräftige Website, auf der Ihr Euch erst einmal orientieren könnt. Das liegt aber sicher auch daran, dass der Händler gleich zwei Geschäfte besitzt, eines hier in Dole und eines in Dijon, also in der Hauptstadt des Burgund. Sympathisch verlässlich sind dabei die Öffnungszeiten: Montags ist geschlossen (sonntags natürlich auch), und an den anderen Tagen gibt es jeweils eine ausgiebige Mittagspause. Logisch, einen Weinhändler sucht man am späten Nachmittag auf.

Das mache ich allerdings nicht und stehe schon kurz nach 10 Uhr auf der Matte, aber da 100 Meter ja nicht die Welt sind, brauche ich nicht zwei Kisten auf einmal zu kaufen, sondern kann eigentlich jeden zweiten Tag einfach vorbeischneien.

3 - MitbringselAuf dem Foto oben könnt Ihr sehen, was ich diesmal mitgebracht habe: Links eine Flasche Savagnin von der Domaine Ganevat aus dem Jura (ich hatte das Weingut ja schon im Weinartikel erwähnt), ein besonderes Schätzchen und ganz bestimmt kein Wein für jeden Tag. Rechts auf dem Bild dann ein Geschenk, das man deshalb nicht so genau erkennen soll. Und in der Mitte befindet sich meine wirklich unverzichtbare Quelle für jeden Frankreich-Aufenthalt: der Guide des Cavistes. In jedem Jahr ist dies die Beilage zur Novemberausgabe der Weinzeitschrift „La Revue du Vin de France„. In Nürnberg kaufe ich die Ausgaben übrigens immer in der Bahnhofsbuchhandlung.

Hoffentlich gehen die Franzosen weiterhin fleißig zu ihrem Weinhändler um die Ecke, damit diese kleine Freude auch wirklich überall in der französischen Provinz erhalten bleibt.

Da heute der Tag der unterschiedlichen Leidenschaften ist, hat Beautyjagd nicht dem Fachgespräch mit Weinhändler Christophe folgen müssen, sondern ist in ihren persönlichen Lieblingsläden unterwegs gewesen…

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3 Antworten zu Bonjour Provinz (14): Der Caviste

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