Bonjour Provinz (8): Juraweine

TitelStolz sind sie auf ihre Weine, die Jurassiens. Aber ehrlich gesagt auch völlig berechtigt, denn es gibt hier (fast) alles, was das Herz des Weinliebhabers erfreut: Rotweine, Weißweine, Sprudler, Süßes und auch noch ein paar uralte Spezialitäten. Das einzige Problem dabei: Wie finde ich mich bloß in diesem Durcheinander zurecht?

Darum soll es diesmal gehen. Also nicht primär um die fachlichen Belange, denn auf die Beschreibung einzelner Jahrgänge oder gar geologischer Formationen werde ich an dieser Stelle verzichten. Aber ein kleiner Überblick, dachte ich mir wenigstens, sollte doch irgendwie möglich sein. Schließlich besteht eine der kleinen Freuden der französischen Provinz für mich in ihrer Weinkultur. Ich schaue mir einfach sehr gern die Eigenheiten der jeweiligen Region an und suche anschließend die (für mich) „besten“ Winzer heraus.

Hier im Jura habe ich in dieser Hinsicht gleich doppeltes Glück: Zum einen sind die Juraweine wirklich individuell, einzigartig, ganz stark mit der Region verhaftet. Zum anderen sind fast alle Spitzenwinzer hier mindestens bio-zertifiziert, oft sogar biodynamisch.

Was die Individualität anbelangt, fange ich am besten bei den „gewöhnlichen“ trockenen Rotweinen an. Es gibt drei Rebsorten im Jura, die häufig angebaut werden: Poulsard, Pinot Noir und Trousseau (in dieser quantitativen Reihenfolge). Während der Pinot Noir die Hauptrebsorte des benachbarten Burgund ist und dort für besonders elegante, duftige und gelegentlich hochpreisige Weine steht, sind Poulsard und Trousseau echt jurassische Gewächse. Beide besitzen keine besonders dunkle Farbe, können sich aber trotzdem gut halten. Manche bezeichnen den Geschmack als rustikal, ich würde ihn eher „herbstlich“ nennen. Für mich sind das Weine für Empfindungen nach fallenden Blättern im späten Sonnenglitzern.

Von den weißen Rebsorten werden eigentlich nur zwei ernsthaft angebaut, nämlich Chardonnay und Savagnin. Chardonnay ist wiederum die berühmte Rebsorte des Burgund, wird im Jura aber meist ein bisschen anders, kalkiger, strenger in der Säure, individueller im Ausdruck. Savagnin hingegen liefert die üppigeren, „gelberen“ Weine. Übrigens ist es nicht so, dass Pinot Noir und Chardonnay, die man mittlerweile auch in Südafrika oder Neuseeland anbaut, im Rahmen der weltweiten Expansion dieser Rebsorten im Jura gelandet wären. Um 1850 herum wurde beispielsweise mehr als doppelt so viel Chardonnay im Jura angebaut wie heute und sogar zehnmal so viel Pinot Noir. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die heute aktuellen Rebsorten eine lange Tradition in der Region besitzen. Meist steht übrigens die verwendete Rebsorte mit auf dem Etikett, das erleichtert die Orientierung immens.

Aus all diesen Rebsorten kann man auch Schaumweine herstellen, meist in Weiß (weil hauptsächlich aus Chardonnay), manchmal aber auch in Rosé (weil hauptsächlich aus Pinot Noir). Als „Crémant du Jura“ haben diese Prickler einen recht guten Ruf in Frankreich, und ich habe bislang ebenfalls feststellen können, dass sich dahinter sehr schmackhafte und dazu noch preiswerte Produkte verbergen.

Jetzt aber zum crazy stuff, denn vor allem in früheren Zeiten war das Jura nicht etwa für „normale“ Weine bekannt, die auch von anderswo hätten stammen können. Drei richtig altmodische Spezialitäten gibt es hier (und möge das auch lange noch so sein), nämlich Vin de Paille, Macvin und Vin Jaune. „Vin de Paille“ heißt „Strohwein“, und das liegt daran, dass die spät gelesenen Trauben für diesen Wein nicht etwa gleich abgepresst werden, sondern auf, tja, mit Stroh ausgelegten Lattengestellen erst einmal trocknen. Durch die Wasserverdunstung steigt der Zuckergehalt in den Trauben, und die daraus hergestellten Weine sind süß und recht stark im Alkohol. Meist werden sie in kleinen Flaschen angeboten, und das passt auch ganz gut, denn man trinkt sie in kleinen Mengen zu Süßspeisen oder einfach als Abschluss einer Mahlzeit.

Macvin hingegen ist zwar auch süß, wird aber ganz anders hergestellt. Hierbei wird nämlich zum süßen Traubensaft ein wenig Tresterschnaps (derselben Rebsorte) zugegeben, um die Gärung zu stoppen oder vielmehr gar nicht erst losgehen zu lassen. Auch diese Methode ist uralt und erscheint bereits in Klosterrezepten aus dem 14. Jahrhundert. Jetzt sind Süßmost und Brand zusammengekippt natürlich noch ein bisschen unharmonisch, weshalb die Mischung für längere Zeit zusammen in Eichenfässern reifen gelassen wird.

Die richtig wilde Sache ist jedoch der Vin Jaune, ein trockener, gelbweißer Wein aus Savagnin, die vielleicht bekannteste Spezialität des Jura überhaupt. Um zu verstehen, was das ist, muss man Folgendes wissen: Wenn ein Wein in einem Holzfass nach durchgemachter Gärung vor sich hinreift, würde natürlicherweise ein Teil des Weins verdunsten. Bei „normalem“ Wein möchte man das selbstverständlich verhindern, und zwar nicht nur wegen der schwindenden Menge, sondern auch deshalb, weil dann der Sauerstoff „Platz“ bekommt im Fass – und Sauerstoff sprich Oxidation ist einer der größten Feinde der Winzer. Ein oxidierter Wein wird nämlich bräunlich, schmeckt hinten nach trockenen Blättern und überhaupt nicht mehr nach frischer Traubenfrucht. Um diese Oxidation zu verhindern, wird das Fass ständig frisch mit Wein aufgefüllt, damit es immer voll bleibt und der Sauerstoff sich nicht breitmachen kann.

Beim Vin Jaune ist das anders: Hier wird dem Sauerstoff sogar absichtlich Platz eingeräumt, indem das Fass gar nicht aufgefüllt wird. Die Weinmenge schrumpft also, und zudem bildet sich oben auf dem Wein während der Gärung noch eine Hefeschicht, der so genannte Flor. Hefen sind wahnsinnig wichtig bei der Weinbereitung, vielleicht sogar die größten Helfer überhaupt. Die Florhefe sorgt jedenfalls für eine gebremste Sauerstoffzufuhr und prägt den fertigen Wein geschmacklich. Ein richtiger Vin Jaune wird erst sieben Jahre nach der Ernte wieder aus dem Fass gelassen, ist vollkommen trocken und schmeckt leicht säuerlich, feurig und nussig. Er passt sehr gut zu den Hartkäsen der Region und wird auch gern zu cremigen Gerichten gereicht. Ganz klassisch: Bressehuhn mit Morcheln in Vin Jaune-Sauce.

Der Schrumpfungsprozess des Weins spiegelt sich übrigens auch in der für Vin Jaune verwendeten Flaschenform wider: Die Flasche heißt „Clavelin“ und besitzt nur 0,62 statt üblicherweise 0,75 Litern Inhalt – der Rest ist halt ins Universum verdampft. Durch diesen Prozess sind die Vins Jaunes übrigens auch ungeheuer haltbar geworden. Die Domaine Pignier schreibt zum Beispiel hinten aufs Etikett, dass man den Wein noch 100 Jahre lang lagern könnte. Viel Spaß also dabei.

Nach so viel theoretischem Zeug seid Ihr vermutlich entweder komplett erschlagen und schaltet hiermit ab – oder es würde Euch interessieren, welche Weine ich bei den jeweiligen Sorten besonders empfehlen kann.

ArboisEinen minimal quälenden Zwischenschritt muss ich allerdings noch einbauen, und der gilt der Herkunftsbezeichnung. „Jura“ steht zwar manchmal auf den Weinen, aber eher als Ausprägung auf der Glasflasche und weniger auf dem Etikett. Für trockene Rot- und Weißweine gibt es vier unterschiedliche Herkunftsbezeichungen, nämlich „Arbois“, „Arbois Pupillin“, „L’Etoile“ und „Côtes du Jura“. Das Gebiet von Arbois befindet sich dabei am nördlichsten um die Stadt Arbois herum, die Côtes du Jura beschließen die Region im Süden. In der Mitte liegt dabei ein kleines, aber sehr feines Anbaugebiet, benannt nach einem kleinen Dorf auf einem Bergsporn: Château-Chalon. Hier gibt es ausschließlich Vin Jaune. Vin Jaune wird auch in den anderen Gebieten bereitet („Appellationen“ sagt der gemeine Franzose dazu), und dass es sich um einen solchen handelt, könnt Ihr sowohl an der Flaschenform erkennen als auch an dem meist dick gedruckten „Vin Jaune“ auf dem Etikett. Das sind nämlich die wertvollsten sprich teuersten Weine hier. Vom Crémant, dem Schaumwein, habe ich schon gesprochen. Er darf aus der gesamten Region stammen.

Ansonsten (das darf ich hier so sagen, ich bin ja Blogger) sind die Herkunftsbezeichnungen nicht so wesentlich. Merkt Euch einfach folgende Sachen: Weißweine sind immer trocken. Rotweine sind immer trocken. Schaumweine sind immer trocken. Vin de Paille in der kleinen Flasche ist immer süß. Macvin, egal ob rot oder weiß, ist süß und stark. Und Vin Jaune oder Château-Chalon ist ein Blick in die Weingeschichte.

Jetzt aber zu den praktischen Dingen: Welche Winzer kann ich Euch empfehlen, und wo habe ich meine Lieblingsweine erstanden?

Arbois ist so ein bisschen die Kapitale des Juraweins, und wenn Ihr am Hauptplatz mitten im Ort angekommen seid, werdet Ihr sehen, dass sich unter den Arkadengängen nicht nur die berühmte Chocolaterie-Pâtisserie Hirsinger angesiedelt hat, sondern auch rundherum eine Handvoll Weingutsboutiquen existieren.

Tissot WeinboutiqueMit Abstand die hochwertigsten Weine macht hier Stéphane Tissot, einer der besten Winzer Frankreichs. Letzteres ist übrigens nicht etwa nur meine Privatmeinung, alle bedeutenden Weinguides sehen das genauso. Das Weingut heißt immer noch „André et Mireille Tissot“ nach seinen Eltern, aber mittlerweile steht vorn auf den Etiketten „Bénédicte et Stéphane Tissot“. Die Tissot-Weine sind biodyn (Ecocert), preislich für die hohe Qualität immer noch erschwinglich (= 14-63 €) und trotz ihrer großen Berühmtheit in Frankreich null konformistisch. Es gibt Ungefiltertes, Ungeschwefeltes, im Qvevri (der georgischen Tonamphore) Ausgebautes, alle Rebsorten und Stile des Jura. Seid übrigens nicht enttäuscht, wenn bestimmte Weine hier ausverkauft sind, denn die Nachfrage ist groß.

Tour de CuronSo ein bisschen nach dem Motto „wenn schon, denn schon“ möchte ich Euch gleich mal als Schocker zu Anfang den vermutlich größten weißen Jurawein vorstellen, den Clos de la Tour de Curon (63 € im Weingutsshop) aus Chardonnay. Oberhalb, also nordöstlich von Arbois erheben sich sofort Weinberge, Ihr könnt von der Ortsmitte direkt hineinspazieren. Bei den letzten Häusern des Ortes seht Ihr rechter Hand ein wenig den Hang hinauf einen Turm. Das ist der Tour de Curon, und hier stehen, ganz dicht und in kleinen Parzellen gepflanzt, die Reben für den Wein. Vom Turm aus kann man auch die letzten Sonnenstrahlen am Horizont versinken sehen.

Zurück in die Realität. Aber in eine sehr angenehme Realität, denn meine persönliche Entdeckung dieses Aufenthalts sind die Weine des Weinguts Pignier, ebenfalls biodyn (Demeter). Ich war total begeistert, nicht weniger als acht verschiedene Pignier-Weine im Biosupermarkt Le Panier Bio in Dole zu sehen. Alle frisch übrigens und nicht 1.000 Jahre unter Neonröhren gelagert – hier muss jemand gute Beziehungen zum Winzer haben. Natürlich könnt Ihr auch zum Weingut selbst fahren, das sich in Montaigu oberhalb von Lons-le-Saunier befindet. Ohnehin würde ich Euch (aber darauf wärt Ihr vermutlich auch von selbst gekommen) einen Spaziergang durch Rebland, Wiesen und Wälder über den oft romantischen Weindörfern sehr empfehlen. Die Parzellen sind meist sehr kleinteilig, und die Weine wachsen auf Kalkstein und auf Mergel, was bedeutet, dass Ihr hier im Jura auch die eine oder andere kleine Fossilie finden könnt.

Pignier RoséDurch die gute Pignier-Versorgung in Dole konnte ich mich fast durch das ganze Programm probieren. Ein absoluter Knaller sind die beiden Schaumweine, Crémants du Jura, der Rosé aus Pinot Noir und der Weiße aus Chardonnay (beide 11,90 €). Der Weiße schmeckt nicht nur frisch, sondern auch sehr elegant und keineswegs mager. Der Rosé ist sogar ungeschwefelt, ohne Zuckerzugabe für die Zweitgärung in der Flasche, Demeter sind ja eh beide, und er eignet sich hervorragend abends für die Begleitung kalter Gerichte. Das sind Weine, die ich kistenweise kaufen könnte, und das behaupte ich wahrhaftig sehr selten.

WeineDasselbe gilt übrigens für den Poulsard En Chôné, die Flasche könnt Ihr oben auf dem Foto mit den sechs Weinen sehen (die Zweite von links). 2014 war ein richtig schwieriges Jahr für den Poulsard, und es ist ein Wunder, was die Pigniers da mit ihrem „kleinen Zechwein“ geschafft haben. 12,25 € kostet er, ist ein bisschen herb, dadurch aber umso animierender, ein in großen Schlucken zu genießender Wein. Nur 10,5 vol% Alkohol übrigens, das ist doch auch mal was. Und es ist bei allem Spaß, den er macht, ein richtig ernsthaftes, bewusst handwerklich hergestelltes Produkt. Biodynamischer Anbau, Spontangärung, Ausbau im Holzfass, ungeschwefelt, unbehandelt – ein vin naturel im wirklichen Sinne. Vielleicht lasst Ihr den Wein nach dem Kauf besser nicht stundenlang im glühenden Auto liegen, er wird es Euch danken.

GanevatEs gibt natürlich noch viel mehr Winzer im Jura, die tolle Weine auf eine sehr bewusste Art herstellen. Einer davon ist Jean-François Ganevat, den man in der Weinwelt unter seinem Spitznamen „Fanfan“ kennt. Seine Weißweine sind sehr streng und ernsthaft, und sie lohnen eine längere Lagerung. Die meisten Roten dagegen (auch er hat wie Stéphane Tissot fast 50 verschiedene Weine im Angebot) machen schon jung Spaß. Auch er arbeitet biodynamisch. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, bedeuten 50 verschiedene Weine aus kleinen Parzellen jeweils auch sehr geringe Mengen. Ich kann Euch deshalb nicht verlässlich sagen, wo Ihr welchen Wein bekommen könnt. Seht Ihr eines der Etiketten mit dem Haus unter dem Felsen irgendwo bei einem Weinhändler, greift einfach zu. Preislich liegen wir hier übrigens zwischen 20 und 30 €, was für die Qualität dieser Weine und für die Mühe, die der Winzer dafür aufwendet, wahrhaftig mehr als gerechtfertigt ist.

Reine JeanneHabt Ihr hingegen weniger Geld übrig für Wein (oder auch allgemein), kann ich Euch zum Abschluss noch einen Tipp geben: Probiert mal die Weine vom Cave de la Reine Jeanne, die Ihr sogar in den gewöhnlichen Supermärkten der Region bekommen könnt, zum Beispiel beim Géant oder beim Cora in Dole. Benoît Mulin, der Mann hinter dem Cave de la Reine Jeanne, baut dabei selbst keine Reben an, sondern kauft die Trauben von verschiedenen kleinen Winzern der Region auf. Den Ausbau nimmt er aber selbst vor, und zwar in dem beeindruckenden Gewölbekeller aus dem 14. Jahrhundert, oben auf dem Etikett auch abgebildet. Qualitativ sind wir hier natürlich nicht bei Tissot oder Ganevat, Bio schafft Benoît bei den vielen verschiedenen Zulieferen auch (noch) nicht, aber zu Preisen zwischen 7 und 10 € könnt Ihr einen kleinen Einblick in die Welt der Juraweine bekommen.

BuchWenn Ihr jetzt Lust bekommen habt, Euch näher mit der Welt der Juraweine zu beschäftigen, habe ich noch zwei Tipps für Euch. Der eine ereilte mich selbst ganz überraschend, denn in der örtlichen Buchhandlung, von deren Besuch Beautyjagd ja heute schon geschrieben hat, habe ich das Buch „Jura Wine“ von Wink Lorch (auf Englisch) gefunden. Wink hat ALLE Jurawinzer besucht und dokumentiert, es handelt sich also schlichtweg um das beste Buch, das Ihr zu diesem Thema finden könnt.

Wenn Ihr hingegen ein wenig Französisch versteht, möchte ich Euch den Blog von Olif ans Herz legen. Olif alias Olivier Grosjean ist einer der bekanntesten französischen Weinblogger (und einer der besten). Zudem stammt er aus dem Jura und hat immer wieder tolle Tipps aus der Region parat.

So, nach diesem Parforceritt haben wir doch wirklich eine kleine Erholung verdient, oder? Morgen wird es sowohl bei Beautyjagd als auch bei mir um „das Leben in der Natur genießen“ gehen. Oder so ähnlich. Jedenfalls um weitere kleine Freuden, Ihr ahnt es schon, …der französischen Provinz.

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18 Antworten zu Bonjour Provinz (8): Juraweine

  1. Pingback: Bonjour Provinz (7): Lesefreude für Regentage | Beautyjagd

  2. michaelmagwein schreibt:

    Hallo,
    ich finde es sehr schön wie du hier die Weine des Jura beschreibst!
    Leider – oder zum Glück – ist diese Region Frankreichs hier bei uns so unbekannt, dass ich mir oft fragende Blicke einfange, wenn ich erzähle, dass ich Jurawein mag…
    Selbst habe ich schon ein paar mal Weine von dort probieren dürfen und war immer begeistert! Vin de Paille, Poulsard und Crémant du Jura mit Savagnin waren meine Lieblinge! Macvin habe ich noch nie getrunken (steht aber ab jetzt auf meiner To-Drink-Liste^^).
    Nochmals vielen Dank für den Beitrag und viele Grüße
    Michael

    • Matze schreibt:

      Den roten Macvin von Tissot werden wir heute Abend mal antesten. Ich bin auch schon gespannt…

      • michaelmagwein schreibt:

        Und, wie war er?

      • Matze schreibt:

        Sehr jung in der Farbe, fast bläuliche Reflexe. Im Mund dann gleichzeitig viel Frucht, also Kirsche und Himbeere, dazu alkoholische Süße, wie bei solchen Weinen üblich. Es stimmt schon, dass der Wein jetzt eine tolle Frucht hat, aber ich könnte mir vorstellen, dass er mir persönlich nach ein paar Jahren Lagerung doch noch besser gefallen würde. Ein Digestiv jedenfalls – oder vielmehr ein Likörchen für die Terrasse😉

  3. Ruth schreibt:

    Hallo Matze, ich bin über beautyjagd bei Dir gelandet, weil ich ein Genußmensch bin und mich folglich auch gutes Essen und insbesondere Rotweine interessieren. Ich fürchte zwar, dass mir Deine Empfehlungen sehr oft zu teuer sein werden. Ich out mich lieber gleich, ich bin der Typ, der Weine, sofern sie keine Geschenke sind, unter zehn Euro kauft. – Ich hoffe, ich disqualifiziere mich jetzt nicht als Kommentatorin. Ich finde es aber auch durchaus spannend, in dieser Preisklasse nach Qualität (für meine groben Geschmacksnerven) zu suchen und sie auch immer wieder zu finden. Bei Kosmetik halte ich es im Übrigen genauso. Ich bin stets auf der Suche nach dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Jetzt habe ich noch eine Frage zu Bio-Weinen ganz allgemein. Da hört man immer wieder, dass sie nicht so gut sind, weil … ?? Wobei ich in meiner bescheidenen Preisklasse auch nur zwei Bio-Weine kenne, die ich richtig gut finde und immer wieder nachkaufe.

    • Matze schreibt:

      Nein, Du disqualifizierst Dich nicht als Kommentatorin, weil Du Weine unter 10 € kaufst, das wäre ja noch schöner😉 . Es ist ohnehin so, dass bei fast allen berühmten Weingütern die Einstiegsweine am meisten getrunken werden – auch von Weinliebhabern. Nicht umsonst sagt man ja, „ein großer Winzer zeigt sich in seinem kleinsten Wein“😉 .

      Jetzt aber zu Deiner Biowein-Frage. Oder nein, vielleicht erst einmal eine Hinführung (sorry für die Länge, ich finde Deine Frage wichtig, und ich kann mir vorstellen, dass Du nicht die einzige bist, die das interessiert): Wenn man ein Genussmensch ist, bedeutet das irgendwie ja auch, dass man sich ein paar Gedanken über die Zusammenhänge zwischen Herstellungsart und Auswirkungen macht. Ich kaufe zum Beispiel kein mit Hormonen aufgespritztes „Billighähnchen“, weil mir die Herstellungsweise und die Philosophie, die dahinter stehen, nicht behagen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich in dieser Kategorie deshalb irrelevant, weil ein „Billighähnchen“ keine „Leistung“ für mich ist.

      Beim Wein ist es auch so, dass man mit bestimmten Methoden (hohe Erträge, extremer Maschineneinsatz, Insektizide, Fungizide, Herbizide – die Glyphosat-Diskussion – chemisch-önologische Nachbehandlungen im Keller, große Vertriebsmengen, schlechte Bezahlung der Mitarbeiter, Teilnahme am Preiskampf der Discounter) einen Wein „billig“ herstellen kann. Weil die önologische Technik mittlerweile weit fortgeschritten ist und es klimatisch bevorzugte Gegenden mit niedrigen Kosten für die Hersteller gibt, müssen diese Weine auch gar nicht richtig schlecht schmecken. Nur ist das für mich persönlich nicht der Ansatz, den ich unterstützen möchte. Wein ist nun einmal verzichtbar, ich brauche ihn nicht zum Leben, ich kaufe ihn rein aus Vergnügen. Deshalb lege ich da vielleicht auch strengere Herstellungsmaßstäbe an. Wenn schon, denn schon sozusagen😉 . Mit anderen Worten: So richtig guten Gewissens kann ich keinen Wein unter 5 € empfehlen. Das ist so ein bisschen die Grenze, ab der man „ernsthaft“ und „vernünftig“ Wein herstellen kann.

      Was die Biosache anbelangt, gibt es da Regelungen sowohl für den Anbau (z.B. keine synthetischen und systemischen Pflanzenschutzmittel) als auch im Keller, die „strengere“ Maßstäbe anlegen. Das bedeutet ganz grob, dass 1. Bioweine im Prinzip „besser“ für die Umwelt sind, sie aber 2. eine risikoreichere Herstellung erfordern (weil bestimmte Dinge halt nicht erlaubt sind). Wenn man bei höherem Risiko dieselbe Gewinnmarge haben will, muss man logischerweise einen entsprechend höheren Preis vom Verbraucher verlangen. Deshalb müssen Bioweine (auch wieder prinzipiell) ein bisschen teurer sein als konventionell hergestellte. Besser schmecken tun sie dadurch ehrlich gesagt nicht, schlechter aber auch nicht. Und – zumindest in dieser Preiskategorie – auch nicht wirklich „anders“.

      Ganz oben an der Spitze der begehrtesten, teuersten und am höchsten bewertetsten Weine Frankreichs stehen übrigens „Bioweine“. Romanée-Conti oder Domaine Leroy zum Beispiel, beide biodynamisch zertifiziert. Da werden aber natürlich nicht nur die Minimalbestimmungen der Verbände eingehalten, sondern quasi jede Beere mit der Pinzette angefasst. Es gibt Bio also auf allen Ebenen – außer halt ganz ganz unten, weil das wirtschaftlich nicht funktionieren würde.

      • Ruth schreibt:

        Danke für Deine ausführliche Antwort. Sehr interessant, dass Frankreichs bestplatzierte Weine biodynamisch zertifiziert sind. Bei deinem Pinzetten-Bild musste ich grinsen – sehr gut formuliert.

      • Matze schreibt:

        Ich kenne mich in der Naturkosmetik-Szene nun wirklich nicht besonders gut aus. Aber manchmal denke ich mir, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn es da ein paar Vorreiter geben würde wie eben Lalou Bize-Leroy beim Wein, die nicht etwa primär aus Selbstkasteiungs- oder Weltrettungsgedanken in Richtung Bio gegangen sind, sondern weil sie ihrem Produkt die höchstmögliche Sorgfalt zukommen lassen möchten. Dabei kommen natürlich hundsteure Dinge heraus, aber es geht auch nicht um den Alltag, sondern eher um das Leitbild. Deshalb habe ich zwar nur eine einzige Flasche der Domaine Leroy im Keller, aber das wäre diejenige, die ich rausholen würde, wenn der Keller überschwemmt werden würde…😉

  4. Jens schreibt:

    „Ich kaufe zum Beispiel kein mit Hormonen aufgespritztes „Billighähnchen“, weil mir die Herstellungsweise und die Philosophie, die dahinter stehen, nicht behagen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich in dieser Kategorie deshalb irrelevant, weil ein „Billighähnchen“ keine „Leistung“ für mich ist.“

    Da musste ich schmunzeln…….besser hätte ich es auch nicht formulieren können…..komplett d’accord!!!!!!

  5. Noemi B. schreibt:

    Re-bonjour! Und da ich mich nun angemeldet habe, kann ich hier auch gleich noch meinen Senf dazu geben. Ein gute Frage war schon die von Ruth, deine Antwort behagt mir sehr.
    Mit Interesse habe ich diesen Post gelesen, da ich auch gern den einen oder anderen guten Biowein im Keller hätte. Bei den „normalen“ Weinen haben wir schon ein paar Lieblinge, doch es wurmt mich doch immer mal wieder, dass man da wohl einiges an Chemie mittrinkt, das man gar nicht möchte…
    Dieter Meier habe ich etwas näher ins Auge gefasst, aber erst einen probiert, der war auch nicht schlecht, aber so richtig gelungen fand ich ihn nicht (PURO, Malbec).
    Nun habe ich den Blog von Thorsten Hammer ein bissel durchgesehen und werde demnächst den Pardelasses (Priorat) holen, den kennst du glaub auch, wenn auch der Jahrgang inzwischen überholt ist.

    • Matze schreibt:

      Das ist eine sehr gute Idee! Torsten hat ein paar fantastische Weine im Angebot, die man praktisch nirgends sonst bekommen kann, weil die Produktionsmengen so gering sind. Den Pardelasses kann ich auf jeden Fall weiterhin empfehlen. Die Priorat-Weine sind allerdings alle ein bisschen wild, keine weichen Schmeichler, sondern echte südliche Bergweine, sehr charaktervoll. Muss man meiner Meinung nach definitiv probieren, weil die Weine irgendwie von ihrer Ausstrahlung her ganz dicht an der Landschaft dran sind, aus der sie stammen.

      Dieter Meier kenne ich natürlich primär als Künstler, aber ich weiß auch, dass er Wein in Südamerika macht. Getrunken habe ich ihn allerdings noch nicht.

      • Noemi B. schreibt:

        An Dieter Meier bleibe ich noch dran, eine Flasche ist ja noch keine grosse Aussage und evtl hab ich mich beim PURO etwas unfair ausgedrückt… der ist zweifellos gut, haut mich aber nicht von Hocker 😉 vielleicht täten ihm 2 weitere Kellerjahre gut.

        Soso, bissel wild, die aus dem Priorat? Da bin ich ja gespannt, wieso nicht? Ich mag eh lieber die Wilden, Brave gibts genug 😜

  6. Pingback: In der Provinz (14): Der Caviste | Chez Matze

  7. Alfred Gross schreibt:

    In diesem Zusammenhang ein klitzekleiner musikhistorischer nachtrag zu Dôle mit einem Schlenker zum Thema Weinhandel und Weinbau:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Riepp

    • Matze schreibt:

      Neulich hat es spät abends ganz geisterhaft in der Kirche georgelt. Aber ich glaube eher, der Organist hatte bloß das kleine Licht angemacht😉

  8. lieberlecker schreibt:

    Vor zwei Wochen haben wir im relae in Kopenhagen gegessen und liessen uns anstelle der glasweisen Weinbegleitung eine Flasche empfehlen. Der rote Arbois Pupillin 2012 von Philippe Bornard aus der Trousseau Traube war von so heller Farbe, dass ich fast schon zweifelte, ob der Wein noch gut ist – er war hervorragend und hat bestens zum Essen gepasst!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  9. Pingback: Die besten Weine Frankreichs | Chez Matze

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