Bonjour Provinz (6): In der Markthalle

1 - TitelSo ganz ohne Planung läuft auch ein Aufenthalt in der Provinz nicht ab. Nachdem wir beschlossen hatten, für unser Projekt „irgendeine Stadt in Frankreich“ aufzusuchen, gab es dabei vier Kriterien einzuhalten: Sie musste 1. weniger als 50.000 Einwohner haben, durfte 2. nicht in einer top-touristischen Gegend sein (also nicht am Meer oder in der Provence), musste 3. mittendrin eine freie Ferienwohnung und 4. – das war mein Wunsch – einen schönen Freiluftmarkt oder gar eine Markthalle besitzen. Denn, liebe Freundinnen und Freunde der französischen Provinz, ist der Gang über den Markt nicht eine der kleinen oder vielleicht sogar großen Freuden? Und das umso mehr, wenn man die Dinge dann auch tatsächlich kaufen und kochen kann.

Die Markthalle von Dole befindet sich wirklich mitten im Zentrum der Stadt, direkt gegenüber der Kirche. Zwar hat sie bereits am Dienstag geöffnet, und auch da kann man sich schon grundversorgen, aber viele der besonderen Marktbeschicker kommen eher in der zweiten Wochenhälfte.

2 - Brot

Gut, Brot hatte ich schon vorher beim Bäcker besorgt. Aber mir gefallen immer die „Epis“ besonders, also ein – wie drückt man das aus – Baguette in Grannenform. Lauter kleine, aneinander geheftete Brötchen.

3 - frischer Bio-Knoblauch

Frischer Bio-Knoblauch. Vielleicht 15 verschiedene Stände gibt es in der Markthalle, und einer davon ist dieser hier mit Biogemüse.

4 - Noirmoutier-Kartoffeln

Ein bisschen verrückt sind die Franzosen ja schon, wenn es um ihre kulinarischen Spezialitäten geht. Die ersten Kartoffeln, die jedes Jahr auf den Markt kommen (und nicht aus südlichen Ländern stammen), sind diejenigen von der Ile de Noirmoutier im Atlantik. Das war schon immer so und ist praktisch jedes Jahr ein Grund zum Feiern. Warum auch nicht? Schließlich geht es um das Wunder des Kreislaufs der Jahreszeiten, und man muss sich von diesen Kartöffelchen ja keinen ganzen Sack kaufen, sondern kann den Frühling auch mit einer Handvoll davon zelebrieren.

A propos Spezialitäten: Wir befinden uns in Dole nur ein paar Kilometer von der Grenze zur Bresse-Region entfernt. Kein Wunder, dass man bei dem Geflügelhändler in der Markthalle auch das berühmte „Poulet de Bresse“ kaufen kann, das Bressehuhn mit den blauen Beinen. Diese Hühner besitzen nicht nur eine eigene AOC (also eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung mit allerlei obligatorischen Bestimmungen), sie werden auch ausschließlich im Ganzen verkauft.

5 - Gewürze

Die Gewürzhändlerin hat ihre Schätzchen ebenfalls bereits in handliche Portionen abgepackt.

6 - Rohbutter

Dem Käse will ich noch ein eigenes Kapitel widmen. Allein drei Käsehändler gibt es in der Markthalle von Dole und noch einen weiteren direkt davor in einem Gässchen. Schön finde ich, dass man hier auch Rohbutter bekommt, also solche aus nicht-pasteurisierter Milch.

7 - 22 Fischsorten

So weit vom Meer entfernt, kann man von der Fischauswahl auf dem Markt von Dole eigentlich nicht viel erwarten. Und wirklich, zwei Fischhändler gibt es nur, und dieser hier bietet gerade einmal 22 verschiedene Fischsorten an. Scholle, Petersfisch, Rotbarbe, Seeteufel, solche Sachen halt. Mager mager, ich weiß…

8 - Austern

Austern gibt es auch, und die sind für mich tatsächlich immer wieder eine der typischsten kleinen Freuden der französischen Provinz. Mittlerweile bin ich ein relativ guter Austernknacker geworden. Nur haben wir natürlich wieder mal nicht daran gedacht, ein entsprechendes Werkzeug mitzubringen. Aber das ist in Frankreich offenbar kein allzu großes Problem. Im Supermarkt gibt es neben Korkenzieher und Flaschenöffner natürlich auch ein Austernmesser.

9 - Einkauf

So sieht die Einkaufstasche danach aus. Doch noch ein Brot für den Abend, Rohmilchbutter, drei Sorten Käse, Bananen, Kartoffeln, Karotten, breite Bohnen, frischer Knoblauch, Austern, glatte Petersilie – und zwei Juraforellen, denn die werde ich jetzt braten.

10 - Jura-Forelle

Eigentlich sieht das Essen nicht besonders spektakulär aus. Vor allem die nicht geschälten Kartoffeln lassen schlimme Wurschtigkeit erahnen. Ich schäle Kartoffeln aber ohnehin so gut wie nie (nur wenn sie wirklich alt sind) und pelle sie entweder nachher oder lasse – wie bei diesen Frühjahrskartoffeln – die dünne Schale mit dran. Die Forellen schmecken, in der Butter gebraten, auch wirklich hervorragend, aber die größte Sensation sind ehrlich gesagt die banalen Karotten. Fantastisch „echter“ intensiver Geschmack, wie aus dem Beet der Großeltern. Dazu gibt es einen Weißwein, natürlich aus dem Jura, nämlich den Chardonnay Fonteneille der Domaine de la Pinte, Demeter, aus dem örtlichen Bio-Supermarkt. Oder vielmehr, aus einem von vieren – unglaublich, aber wahr! Davon weiß aber Beautyjagd mehr zu berichten, in Teil 5 unserer Serie

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9 Antworten zu Bonjour Provinz (6): In der Markthalle

  1. Thea schreibt:

    Um die Bonotte beneide ich Euch. Ich lese so gerne mit, auch bei Beautyjagd. Grand merci.

    • Matze schreibt:

      De rien 😉 . Wir haben übrigens die ganz Kleinen genommen, Walnussgröße. Die Kartoffeln für die Forellen hatte ich schon einen Tag vorher gekauft.

  2. Jens schreibt:

    Hallo Matze!

    Ich liebe den Samstagsmarkt in den Markthallen von Epernay. Die Mischung aus „professionellen“ Händlern und kleinen Erzeugern, die meist um die eigentlichen Hallen ihre kleinen Stände aufgebaut haben, finde ich ganz großartig. Die Vielfalt und Pracht frischer Lebensmittel ist schier überbordend. Es gibt dort allein drei Stände, an denen ich getauchte Jakobsmuscheln kaufen kann und Epernay liegt ja bekanntlich in der Champagne…..zwar wohl etwas näher am Meer als Dole…..aber um 300 Kilometer bis zur Kanalküste dürften es schon sein. Dieses gemeinsame Einkaufen auf den Märkten, was die Franzosen mit Freunden und Freude zelebrieren, dabei irgendwo schon mal ein Glas trinken, das diskutieren über Rezepte, das Begutachten der Ware und fachsimpeln mit dem Erzeuger / Verkäufer, fast überall die Möglichkeit etwas zu probieren bevor man kauft……das liebe ich…..und wenn ich dann fertig bin mit meinem Rundgang über den Markt, dann geh‘ ich zu einer schräg gegenüberliegenden Weinhandlung, die jeden Samstag die Möglichkeit bietet drei Champagner eines Erzeugers oder großen Hauses zu verkosten…..gratis natürlich….und der Winzer oder ein Vertreter des Maison ist auch immer vor Ort, so dass man vorzüglich über die Champagner fachsimpeln kann. Vive la France!!!!!

    • Matze schreibt:

      Das habe ich mir gedacht, dass Dir ein solches Projekt gefällt! Mein erstes Erlebnis übrigens mit der französischen Kultur, es war beim Partnerschaftsverein unserer Partnerstadt. Eigentlich waren die Vereinsmitglieder zusammengekommen, um ihre Präsentation zu planen, und ich dachte, das wäre eine technische Sitzung und nach 20 Minuten wieder vorbei. Aber nicht doch! Es dauerte zwei Stunden, und es ging nach den ersten einleitenden Worten sofort um Kochrezepte, um diesen oder jenen Winzer und darum, ob Austern überbacken jetzt großartig, akzeptabel oder fürchterlich sind.

      Um ehrlich zu sein, die Sturheit der Franzosen kann einem schon mal auf die Nerven gehen (zum Beispiel: „ach, dieses Internet, da machen wir nicht mir, das wird schon vorübergehen, das Minitel gibt’s schließlich auch nicht mehr!“), aber kulinarisch gesehen ist es einfach wunderbar, dass sie sich auch von der „Dr.-Oetker-Epoche“ nicht haben unterkriegen lassen.

  3. Kay schreibt:

    Matze, deine ebenso wie Beautyjagds Berichte lesen sich wunderschön und ich danke an dieser Stelle, dass ich meinem Lieblingsland (das ich leider seit Jahren nicht mehr selber besucht habe) durch euch wieder näher komme. Als Vegetarierin und Alkohol-Abstinenzlerin fällt zwar vieles aus meinem Beuteschema ;o), aber eure Freude und eure Begeisterung kommen direkt im Herzen an und dafür danke danke danke! Viel Freude euch beim Erkunden! Liebe Grüße, Kay

    • Matze schreibt:

      Dankeschön! Was die vegetarische Küche anbelangt, habe ich gerade vor ein paar Tagen eine interessante Ankündigung gelesen: Alain Ducasse wird im Drei-Sterne-Restaurant „Plaza Athénée“ ab jetzt nur noch vegetarische Gerichte anbieten. (https://www.alainducasse-plazaathenee.com/en) Vielleicht hast Du ja bald mal einen runden Geburtstag oder ein besonderes Ereignis zu feiern 😉

  4. Pingback: Bonjour Provinz (18): Resumé im Café | Beautyjagd

  5. Heide Ulbrecht schreibt:

    Mit Freuden lesen mein Mann und ich Deine Berichte aus der französischen Provinz, zumal sie sich in vielem mit unseren Erfahrungen decken. Wir sind gerade nach drei Wochen Reisen mit dem Womo durch französische Lande nach Zuhause zurückgekehrt und beim Lesen der Posts würde ich am liebsten auf dem Absatz kehrt machen. Dort weiter machen, wo wir z.B. in Nuits-St.- Georges aufgehört haben – mit einem Glas Premier Cru im Straßencafé sitzen und dem französischen Alltag zuschauen…
    Ich bin schon gespannt auf Eure weiteren Reisen.
    Liebe Grüße
    Heide

    • Matze schreibt:

      Ja, von so einer „echten“ Tour de France hatte ich auch viele Jahre geträumt. Nur halt nicht ein Tag an einem Ort und dann weiter, sondern schon eine Runde von insgesamt drei Monaten 😉 . Naja, vielleicht machen wir das ja wirklich einmal… Übrigens waren wir diesmal gar nicht im „richtigen“ Burgund, also an der Côte d’Or, obwohl es von hier bis nach Beaune nicht länger als 45 Minuten dauert. Aber wir haben gedacht, dass uns das für unser Projekt vielleicht ein bisschen zu „unprovinziell“ sein könnte – schließlich wollten wir primär eine Gegend vorstellen, die man (= auch wir) noch nicht so gut kennt 😉

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