Von Hartblau, Mohrenkönigin & Co: Weine aus historischen Rebsorten

Titel„Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder…“. An diesen alten Schlager musste ich denken, als ich den sehr schlicht eingerichteten Raum des Gemeindezentrums Brüser Berg in Bonn betrat. Thomas Riedl, einer der schwungvollsten Weinfreaks, die ich kenne, hatte hier nämlich Dinge zusammengetragen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. „Deutsche Weine aus seltenen historischen Rebsorten“, hieß der Titel der Veranstaltung, und so schlüssig sich das zunächst anhören mag, blieben doch zumindest zwei Fragen offen: Was ist „selten“? Und was ist eine „historische“ Rebsorte?

Dankenswerterweise war ich mir diesen Fragen nicht allein, denn neben Thomas Riedl, der sich über die Jahre einen enormen Fundus an Spezialwissen angeeignet hat, war noch der, tja, Wiedergeburtshelfer vieler dieser historischen Rebsorten in Deutschland zugegen, Andreas Jung. Denn während „selten“ ein Kriterium ist, das wir einfach anhand einer Höchstgrenze der Anbaufläche festmachen können (meinetwegen alles unterhalb von 100 ha), ist das mit dem Historischen gar nicht so einfach. Die Niederländer, das weiß ich aus früherem Tun, unterscheiden in ihrer Bevölkerungsstatistik zwischen „Autochthonen“ und „Allochthonen“, also zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Nur, was passiert mit einem solchen Konzept nach ein paar Generationen? In der niederländischen Statistik ist spätestens nach der zweiten Generation Schluss mit dem Allochthon-Sein, und das macht ja auch Sinn. Ansonsten wären wir nämlich bei konsequenter Rückverfolgung alle allochthon, denn niemandes sämtliche Familienangehörigen leben schon seit Menschengedenken auf demselben Fleck.

Bei Rebsorten hingegen, die als Pflanzen möglicherweise ohnehin eine andere Vorstellung von Generationen und Integration haben als wir Menschen, sind wir da in der Regel nicht so großzügig. In der Biologie bezeichnet man nämlich Lebewesen dann als autochthon, wenn sie im aktuellen Verbreitungsgebiet entstanden sind (= sich evolutionär gebildet haben) oder dort ohne menschlichen Einfluss im Zuge von natürlichen Arealerweiterungen eingewandert sind. Haben die Römer also irgendeine Rebsorte wie den Gutedel vor ewigen Zeiten ins Markgräfler Land gebracht, wäre er streng genommen keine autochthone Rebsorte bei uns – Massenselektion und Ähnliches hin oder her. Ihr merkt schon, ein Thema für eine abendfüllende Diskussion.

Der Einfachheit halber wollen wir aber an diesem Abend und in diesem Artikel von der Definition ausgehen, dass die besagten Rebsorten mindestens im 19. Jahrhundert bei uns in Deutschland ansässig waren (meist aber deutlich länger) und dann im Zuge einer gewissen Vernachlässigung immer stärker verschwunden sind. Diese Vernachlässigung kann einerseits damit zusammenhängen, dass die früher übliche Komplantation zugunsten von rebsortenreinen Anpflanzungen zurückgegangen ist. Oder auch daran, dass Elemente wie Krankheitsanfälligkeit, Ertrag oder Geschmack den fortschrittlichen Winzern nicht mehr akzeptabel erschienen und vor allem die Neuzüchtungen in dieser Hinsicht (zumindest zwischenzeitlich) attraktiver waren. Oder auch daran, dass man dem Verbraucher nicht zutraute, bei der ganzen Vielfalt angemessen durchzublicken.

SpaßJedenfalls hatten wir in Bonn nicht weniger als 36 Weine aus Rebsorten vor uns (sortenrein, wohlgemerkt), die auch dem tiefer gebildeten Weinfreund nicht unbedingt etwas sagten. Viele dieser Sorten sind als „Wiederentdeckte“ derzeit ausschließlich zum Versuchsanbau zugelassen, was ein bisschen widersinnig anmutet, bedenkt man ihre lange Geschichte in der Region. Diese Preziosen alle auszugraben und uns heute auf den Tisch zu stellen, dürfte wahrhaft eine Mammutaufgabe gewesen sein.

Bei den Vorüberlegungen zum Schreiben dieses Artikels hatte ich mich gefragt, ob ich jetzt wirklich alle 36 Weine in allen Einzelheiten beschreiben sollte. Denn nur so etwas wie Name und Punktzahl würde in diesem Zusammenhang wahrhaftig keinen Sinn machen. Ich habe mich dann aber für eine andere Variante entschieden: Erst beschreibe ich die Weine, die mir besonders positiv aufgefallen waren, und dann liste ich einfach die Namen aller Weine auf, die ich ebenfalls probiert habe. Wer sich für den einen oder anderen dieser Weine näher interessiert, möge das doch bitte in den Kommentaren kundtun, dann werde ich meine Eindrücke hierzu schildern.

Was ich vorweg noch sagen sollte: Weine entstehen nicht im luftleeren Raum und werden auch nicht einfach in der Natur geboren. Gerade bei solchen Rebsorten, mit denen die meisten Winzer mittlerweile über keine Erfahrungen mehr verfügen, kann die Schwankungsbreite bisweilen erheblich sein. Es handelt sich bei meinen Beschreibungen also lediglich um Momentaufnahmen. Mit anderen Worten: Im nächsten Jahr kann alles schon wieder ganz anders sein. Auch beim nächsten Winzer, der sich einer dieser historischen Rebsorten widmet, könnte alles wieder ganz anders sein. Bei so einer Rebsorte wie dem Riesling, bei der ich aus Tausenden unterschiedlicher Exemplare wählen kann, mag sich das nach einer Weile statistisch nivellieren. Wenn es allerdings nur zwei Winzer gibt, die eine extrem seltene Rebsorte anbauen, wird das Ganze schon schwieriger. Aber genug der ewigen Disclaimer, kommen wir endlich zur Sache, meinen sechs Lieblingsweinen (die Reihenfolge ist zufällig):

Weißer Heunisch 2011, Rheingau, Rüdesheimer Berg Rottland, Weingut Georg Breuer, 11,5 vol%, nur auf Nachfrage erhältlich

4Definitiv der Wein mit dem größten Winzerrenommee und dem größten Lagenrenommee. Dafür handelt es sich bei der Rebsorte um einen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreiteten Massenträger. Kein Wunder also, dass Hildegard von Bingen gesagt haben soll, der „hunnische Wein“ sei von Natur aus wässrig und müsse deshalb nicht verdünnt werden. Ob sie damit exakt diese Rebsorte gemeint hat, ist sicher nicht mehr zu klären, aber große Weine aus Heunisch (= Gouais blanc in Frankreich = Gwäss in der Schweiz) zu bereiten, erscheint zumindest schwierig. Was mir in der Nase bei diesem Wein sofort auffiel, waren gewisse Botrytisnoten, starke Apfelanklänge, leicht Holz, dazu Fenchel. Am Gaumen ist die deutliche Restsüße zu spüren, die aber auch ihre Berechtigung hat, denn die Säure zieht schon ordentlich. Allerdings nicht spitz oder unreif, sondern sehr flächig und stark. Als „frisch & angenehm“ oder „leicht & lecker“ ist der Wein sicher nicht zu bezeichnen, aber er deutet eine echte Langlebigkeit an. Ich fände es sehr interessant zu erfahren, wie sich so ein Wein nach (allen Ernstes) 20 Jahren in der Flasche macht. Wahrscheinlich ein aus der Zeit gefallenes Getränk.

Adelfränkisch 2011 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, 13,7 vol%, unverkäuflich

10Die Jungfernernte der Veitshöchheimer unter Josef Engelhart, ein gleichzeitig alkohol- und säurereicher Wein, denn 8,8 g Säure bei 3,1 g Restzucker sind schon knackige Werte. Anders als der Heunisch besaß der Adelfränkisch (oder auch „Edelfränkisch“) seit jeher einen guten Ruf wegen seiner Ausdruckskraft. Auch hier wusste Hildegard von Bingen, dass der „fränkische Wein“ wegen seiner Stärke besser mit Wasser gestreckt wird. Trotz dieser Unterscheidung stammen aber wahrscheinlich beide Rebsorten aus Südosteuropa. Wie der Traminer auch, ist der Adelfränkisch blühanfällig und benötigt warme und windgeschützte Lagen. Dieses Exemplar deutet jedenfalls an, dass sich die Rebsorte qualitativ nicht verstecken muss: In der Nase leicht Cassis, was nicht gerade meine bevorzugte Note ist, aber hier ganz natürlich wirkt und nicht zu parfümiert. Am Gaumen ist der Wein recht dicht und cremig, Säure und Gehalt liefern sich ein ausgeglichenes Rennen. Sauber ist der Wein im Übrigen auch, was man ehrlich gesagt nicht von allen der angestellten Produkte behaupten kann. Ganz klar eine Liebhabersorte, aber eine, die wirklich Potenzial hat.

Grünfränkisch 2013 trocken „Schloss“, Pfalz, Böchinger Rosenkranz, Weingut Heiner Sauer, 12,4 vol%, 14,50 € ab Hof

16Diese Wein hat eine Geschichte, und zwar eine, die zeigt, dass Schätze manchmal eine ganze Weile im Verborgenen blühen, bevor sie dann per Zufall gehoben werden. Im Jahr 1965 wurde dieser Weinberg mit Weißburgunder angelegt, jedenfalls waren die Reben als solche bestellt. Jahrzehntelang konnte man danach den „Weißburgunder“ kaufen, ehe Andreas Jung bei einer Besichtigung des Weinbergs auffiel, dass es sich mitnichten um Weißburgunder, sondern eben um Grünfränkisch handelte – offenbar eine Verwechselung bei der Lieferung der Reben. Die Geschichte des Weins wurde somit neu geschrieben, seit dem Jahrgang 2013 steht die korrekte Bezeichnung der Rebsorte auf dem Etikett. Grünfränkisch als Rebsorte stammt vermutlich aus Nordungarn, wobei die Tradition bis weit in die Antike zurückzureichen scheint. Dass man den Wein geschmacklich nicht als „un-weißburgundisch“ erkannt hat, ist in der Weißburgunderhochburg Südpfalz ein bisschen überraschend, aber keineswegs absurd. Dieser Wein besitzt nämlich eine sehr dichte, „weißburgundische“ Materie neben seiner stachelbeerigen Säure. Druck und Nachhaltigkeit sind deutlich höher als bei den meisten hier angestellten Weinen – und anders als der Heunisch von Breuer kann man ihn wahrhaftig als „angenehm“ bezeichnen. Ein schöner Wein von einem zugegebenermaßen auch nicht ganz unbeschlagenen Winzer.

Neues Sujet: Bei den Rotweinen erhob sich unter den Testern schon nach kurzer Zeit eine lebhafte Diskussion: Sind diese alten Rebsorten für den Ausbau im kleineren Holzfass eigentlich geeignet? Die absolute Mehrheit der Anwesenden verneinte dies. Und in der Tat mag die Vanillenote des Neuholzes die Eigenaromen der Rebsorte ein wenig übertünchen. Andererseits gibt es frische und eher „dünne“ Rote und solche, die ordentlich herbe Frucht und Gerbstoffe aus den Beeren mitbringen. Solche Weine, die eher an den Südwesten Frankreichs erinnern, müsste man bis zum Harmonie-Höhepunkt ohnehin längere Zeit lagern. In der Zwischenzeit würden sich die Holznoten dann eingebunden haben. Ihr seht also, so ganz eindeutig finde ich das nicht.

Blauer Gänsfüßer 2011 trocken „Johann Casimir“, Pfalz, Haßlocher Leisböhl, Wein- und Sektgut Braun, 13 vol%, 15,84 € ab Hof

26Wo die Urheimat des Blauen Gänsfüßers ist, lässt sich bislang schwer sagen. Während die Rebsorte heute trotz ihres Mini-Revivals kaum noch vorhanden ist, war sie vor einigen Jahrhunderten in der Pfalz höchst populär. Kurfürst Johann Casimir, nach dem der Braun’sche Wein benannt wurde, erließ im Jahr 1584 ein Gebot, nach dem die Gänsfüßer-Reben ohne Nachpflanzung nicht mehr gerodet werden durften. Durch seine enorme Starkwüchsigkeit, die aus den Reben richtiggehende Bäume werden ließ, fiel die Rebsorte in den Weinbergen jedoch in Ungnade, zudem wirkte sich ihre Oidium-Anfälligkeit negativ auf die Ertragssicherheit aus. Die drei Gänsfüßer jedoch, die uns bei der Probe angeboten wurden, überzeugten mich ehrlich gesagt. Nein, Spitzenweine waren das nicht, aber in jedem Fall deutlich besser als sämtliche Regents und Dornfelder, die ich das Vergnügen hatte, in meinem Leben bislang zu probieren. Hier haben wir ein „geholztes“ Exemplar vor uns mit Zimt- und Nelkennoten in der Nase. Am Gaumen gibt es nicht nur den Vanille-Einfluss, sondern auch Minze und Blaubeere aus dem Traubensaft, ein nachhaltiger, mit etwas Luft durchaus samtig-elegant zu nennender Wein.

Tauberschwarz 2013 trocken, Franken, Röttinger Feuerstein, Weingut Hofmann, 13 vol%, 8,90 € ab Hof

29Die beiden Tauberschwarz, die ich Euch zum Schluss vorstellen möchte, lohnen in der Tat einen Vergleich. Zum einen deshalb, weil sie vom selben Weingut stammen. Dann deshalb, weil sie beide in alten tauberfränkischen Spitzenlagen stehen. Und schließlich, weil Ihr sie relativ problemlos für den eigenen Test selbst erwerben könnt. Tauberschwarz ist von allen „historischen“ Rebsorten vermutlich diejenige, die in den letzten Jahren einen zwar lokal begrenzten, aber öffentlich am stärksten wahrgenommenen Aufschwung vollzogen hat. Ob der Tauberschwarz tatsächlich ursprünglich aus dem Taubertal stammt, weiß man nicht, aber zumindest ist sein Anbau hier seit dem 16. Jahrhundert belegt. Nach den Flurbereinigungen galt er zwischenzeitlich als ausgestorben, bevor nach der „Wiederentdeckung“ im Vorbachtal der züchterische Erhalt im Vordergrund stand. Mittlerweile steht Tauberschwarz nicht nur wieder auf mindestens 15 ha im Ertrag, mit dem Markelsheimer Propstberg und dem Röttinger Feuerstein sind auch ausgesprochene Gunstlagen darunter. Dass diese Lagen kaum jemand kennt, sollte Euch nicht beunruhigen. Fahrt hin, schaut sie Euch an, dann werdet Ihr es verstehen. Dieser „kleine“ Tauberschwarz vom Weingut Hofmann in Röttingen besitzt ein helles, junges Rot. Derselbe Eindruck setzt sich am Gaumen fort: (rot) johannisbeerig, herb, geradeaus, sehr stringent und einfach ein prima Zechwein für Leute, die das Seichte nicht so mögen.

Tauberschwarz 2012 trocken „R“, Württemberg, Markelsheimer Propstberg, Weingut Hofmann, 13,5 vol%, 19 € ab Hof

31Und hier die im Holz ausgebaute Version – oder um genauer zu sein, 18 Monate neues Barrique aus Röttinger Eiche. Dass wir uns mittlerweile im Anbaugebiet Württemberg befinden, ist der alltägliche Wahnsinn für die Winzer des Taubertals, denn hier grenzen die Weinbaugebiete Franken, Baden und Württemberg aneinander. Dass überall vom „Probstberg“ statt vom „Propstberg“ die Rede ist (der Name bezieht sich auf den Propst, den christlichen Titel), sollte uns nicht irritieren. Was mich bei dem Wein allerdings zunächst irritiert, ist die holzweiche Anmutung beim ersten Schluck. Das hält aber nicht lange vor, denn ziemlich kurz danach folgt die typische Herbheit, die ich schon vom Kleinen kenne. Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt verständlich ausdrücke, aber das Charakteristische am Tauberschwarz scheint mir diese brombeerig-blaubeerig buschige Frucht zu sein. Ein bisschen Unterholzanklang, dazu eine strenge Herbheit, noch unterstützt von einer kräftigen Säure und irgendwie etwas gefühlt Eisenhaltiges wie bei einem guten Blaufränkisch. Unglücklicherweise befindet sich der Wein gerade in seiner Abtauchphase, aus der er vermutlich nur mit sehr viel Luftzufuhr geweckt werden kann. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass der Wein beim Publikum nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen ist. Was ein solcher Tauberschwarz wirklich zu bieten hat, werden wir vermutlich erst in einigen Jahren richtig beurteilen können. Ich habe jedenfalls genau diesen Wein im Keller stehen und bin ehrlich gesagt sehr optimistisch.

LWGDas sollen sie also gewesen sein, meine 6 aus 36, die Weine, die mir nach einigem Nachdenken am besten gefallen hatten. Lehrreich allerdings waren auch alle anderen Weine aus den historischen Rebsorten, so wie ich sie Euch gleich auflisten werde. Was mir dabei besonders angenehm aufgefallen ist: Die Weine, die Josef Engelhart von den angehenden Weinbautechnikern in Veitshöchheim bereiten lässt, waren alle nicht nur sehr sauber bereitet, sondern vor allem auch so unfrisiert (13 g Säure bei der 2013er Bukettrebe beispielsweise), dass man bei ihnen wirklich viel über den Rebsortencharakter lernen kann. Und das ist eigentlich die Quintessenz der ganzen Veranstaltung gewesen: einen kleinen Einblick bekommen in eine ganz alte Welt, die sich abseits des Mainstreams wieder emporgeschaufelt hat. Dass wir diese Rebsorten allein wegen der biologisch-genetischen Vielfalt dringend erhalten sollten, versteht sich von selbst. Darüber hinaus haben sie mir, zusammen mit den Geschichten, die Andreas Jung von ihnen zu erzählen weiß, aber auch wieder einmal gezeigt, wie wichtig die kulturelle Nische ist. Denn wiederentdeckt wurden diese Sorten nicht etwa im Scheinwerferlicht der Ersten und Großen Lagen und auch nicht im Flachland der Massenweinproduktion, sondern ganz versteckt im letzten Winkel des Tales.

Und was ist nun mit den Rebsorten aus der Überschrift, dem Hartblau und der Mohrenkönigin? Nun, die stehen hier in der Liste aller Weine, die ich probiert habe (nach den Verkostungsnummern geordnet). Wollt Ihr mehr dazu wissen, fragt einfach nach:

  • Weißer Heunisch 2014 trocken (Fassprobe), Saale-Unstrut, Pfortenser Köppelberg, Landesweingut Kloster Pforta (1)
  • Weißer Heunisch 2012 trocken, Rheingau, Hochschule Geisenheim (2)
  • Weißer Heunisch 2013 trocken, Pfalz, Birkweiler Kastanienbusch, Weingut Herrenbergerhof (3)
  • Weißer Heunisch 2011 trocken, Rheingau, Rüdesheimer Berg Rottland, Weingut Georg Breuer (4)
  • Bukettrebe 2013 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, LWG Veitshöchheim (5)
  • Bukettrebe 2012 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, LWG Veitshöchheim (6)
  • Weißer Räuschling 2012 trocken, Baden, Zeller Abtsberg, Zeller Abtsberg Winzer (7)
  • Weißer Räuschling 2013 trocken, Rheinhessen, Weingut Ripp-Erbes (8)
  • Grüner Adelfränkisch 2013 trocken, Rheinhessen, Weingut Ripp-Erbes (9)
  • Adelfränkisch 2011 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, LWG Veitshöchheim (10)
  • Gelber Orleans 2012 trocken, Rheingau, Hochschule Geisenheim (11)
  • Gelber Orleans 2012 trocken, Pfalz, Weingut Knipser (12)
  • Gelber Orleans 2012 trocken, Rheingau, Rüdesheimer Berg Schlossberg, Weingut Georg Breuer (13)
  • Gelber Orleans 2013 trocken, Rheingau, Rüdesheimer Berg Rottland, Weingut Dr. Gietz (14)
  • Gelber Orleans 2005 trocken ***, Pfalz, Weingut Knipser (15)
  • Grünfränkisch 2013 trocken „Schloss“, Pfalz, Böchinger Rosenkranz, Weingut Heiner Sauer (16)
  • Weißburgunder (= Grünfränkisch) 2009 trocken „Schloss“, Pfalz, Böchinger Rosenkranz, Weingut Heiner Sauer (17)
  • Roter Muskateller 2011 trocken, Pfalz, Weingut Wissing (18)
  • Blauer Elbling 2013 trocken „Vitus“, Franken, Weingut Thürauf Glocke (19)
  • Blauer Affenthaler 2007 trocken, Württemberg, Weingut Schäfer (20)
  • Mohrenkönigin 2011 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, LWG Veitshöchheim (21)
  • Hartblau 2011 trocken, Franken, Würzburger Pfaffenberg, LWG Veitshöchheim (22)
  • Schwarzer Urban 2007 Spätlese trocken, Württemberg, Weinbau Pavillon (24)
  • Blauer Gänsfüßer 2013 trocken, Pfalz, Mußbacher Kurfürst, Staatsweingut mit Johannitergut (25)
  • Blauer Gänsfüßer 2011 trocken „Johann Casimir“, Pfalz, Haßlocher Leisböhl, Wein- und Sektgut Braun (26)
  • Blauer Gänsfüßer 2008 trocken, Pfalz, Ungsteiner Weilberg, AK Römisches Weingut, Winzer Herrenberg-Honigsäckel (27)
  • Clevner 2009 trocken „Alte Reben R“, Württemberg, Weingut Kistenmacher-Hengerer (28)
  • Tauberschwarz 2013 trocken, Franken (Tauberfranken), Röttinger Feuerstein, Weingut Hofmann (29)
  • Tauberschwarz 2013 trocken, Baden (Tauberfranken), Oberschüpfer Herrenberg, Weingut Benz (30)
  • Tauberschwarz 2012 trocken „R“, Württemberg (Tauberfranken), Markelsheimer Propstberg, Weingut Hofmann (31)
  • Tauberschwarz 2009 trocken „Edition Schlösslein“, Baden (Tauberfranken), Oberschüpfer Herrenberg, Weingut Benz (32)
  • Roter Elbling 1999 Sekt trocken, Mosel, Weingut Hellershof-Zilliken (33)
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16 Antworten zu Von Hartblau, Mohrenkönigin & Co: Weine aus historischen Rebsorten

  1. Thomas Riedl schreibt:

    Hallo Matthias,

    herzlichen Dank für Deinen flüssig geschriebenen Bericht zu dieser wirklich sehr speziellen Weinprobe. Mir war es als Organisator einfach nicht möglich, zugleich die Weine zu verkosten, meine Eindrücke zu dokumentieren, all die Fragen zu beantworten und noch den Döppekuchen vorzubereiten.

    Ich war deshalb sehr gespannt, wie Du die Herausforderung meistern würdest, 33 Weine darzustellen. Deinen offen subjektiven Zugang mit der Aufforderung zur Diskussion finde ich sehr gut und gelungen. Die Problematik der schlicht und einfach fehlenden Erfahrung bei Anbau, Ausbau und Verkostung dieser seltenen historischen Rebsorten lässt eigentlich gar nichts anderes zu.

    Darum ergänze ich ebenso subjektiv: Mir gefielen bei den Weißweinen noch die beiden Orleans von Knipser gut. Hier zeigt sich, ähnlich wie beim Grünfränkisch von Heiner Sauer, dass Erfahrung im Umgang mit den seltenen Sorten sich auszahlt.
    Bei den Rotweinen mochte ich besonders die beiden eigenständigen Weine aus Mohrenkönigin und Hartblau von der LWG Veitshöchheim. Vom Hartblau hatte ich einen Rest mit genommen, der sich über drei Tage prima nachverkosten ließ. Die „Kantigkeit“ des Weines, die rotbeerigen Aromen und die prägnante Säurestruktur bei moderatem Alkohol erinnerten mich an Weine aus dem Jura und manche alpine Rotweine aus Italien.
    Wär das nicht toll, wenn sich mehr Winzer an diesen beiden Sorten versuchen würden?

    Josef Engelhart und den beteiligten Personen der LWG gebührt jedenfalls Dank und Respekt für die Erhaltung historischer Sorten im Würzburger Pfaffenberg und in vielen neu angelegten gemischten Sätzen in Franken!

    Bei den drei Gänsfüßern fand ich den zwar sehr gut trinkbaren Wein von Braun noch zu holzbetont aber gekonnt wertig produziert und ausgestattet.
    Einen direkteren Zugang zur Sortencharakteristik gab m.E. der Wein vom Staatsweingut in Neustadt. Der Wein des Jg. 2008 aus Ungstein hatte für meinen Geschmack zu viel Restzucker.
    Aber auch das sind Momentaufnahmen.

    Wer von Deinen LeserInnen die komplette Verkostungsliste mit allen Bezugsadressen und VK-Preisen als word-Datei haben möchte, mailt mich bitte einfach an: th_riedl@gmx.de

    Nicht vergessen möchte ich den Biologen und „Rebenretter“ Andreas Jung, ohne dessen unermüdliche Arbeit, wir gar nichts von der Existenz der meisten seltenen Reben wüssten.
    Zusammen mit dem Rebveredler Ulrich Martin vermehrt er virusgetestetes, gesundes Material und verkauft die Reben. Die interessante, noch ganz neue Webseite der beiden: http://www.historische-rebsorten.de/

    Herzliche Grüße

    Thomas

    • Matze schreibt:

      Den Hartblau fand ich schon wirklich krass. Also nicht im negativ gemeinten Sinn, sondern einfach sehr individuell. Extrem hohe Säure, dazu eine gewisse Restsüße, 4 g waren ja angegeben. An das Jura hätte ich überhaupt nicht gedacht, eher an roten Vinho Verde. Mutiger Stil auf jeden Fall und definitiv eine Bereicherung für die deutsche Weinlandschaft – wenn den noch mehr Winzer anbauen würden, wie Du ja schon sagst…

      Ach, und resistent gegen die Kirschessigfliege, das ist doch eine ganz sympathische Eigenschaft für eine rote Sorte😉

  2. Thomas Riedl schreibt:

    Ich habe noch eine Ergänzung vergessen, Matthias:
    Manch einer wird fragen: Warum waren denn keine Roten Rieslinge und Blauen Silvaner und Roten Gutedel angestellt?
    Nun, davon gibt es inzwischen so viele und gute(!) Weine, dass sie den Rahmen der Probe endgültig gesprengt hätten. Zum Roten Riesling und zum Blauen Silvaner möchte ich eigentlich mal Spezialproben planen. Die Roten Gutedel fallen dafür zu gleichförmig aus und Roten Elbling finde ich als Sekt am besten. Vor allem von Hellershof-Zilliken und von Hubert Apel.

    Auch zu diesen Rebsorten habe ich Erzeugerlisten zur Hand😉

    Nochmals Grüße

    Thomas

  3. Andreas Durst schreibt:

    Klasse Projekt, hervorragender Artikel. Leider konnte ich mal wieder nicht dabei sein. Das muss ich ändern. Gruesse Andreas Durst

  4. Hartmut schreibt:

    Lieber Matthias, lieber Thomas,
    dem einen Dank für den Artikel, den anderem für sein unermütliches Engagement in Sachen Alte Reben.
    Schade, dass ich aus dienstlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Hoffentlich das nächste mal. Bis dahin wünsche euch und allen Interssierten viele neue und gute Entdeckungen.

    der.trockene.franke

  5. Vielen Dank für diesen höchst interessanten Artikel.

    Ich habe auch begonnen, hier in der Steiermark, alte Rebsorten zu pflanzen. Allerdings habe ich diese im Gemischten Satz (so wie früher) ausgepflanzt, da ich nicht zu viele verschiedene Weine keltern will.
    Außerdem, so sagt man, ist der Gemischte Satz der eigentliche „Terroir-Wein“ da alle zusammen ausgepflanzten Rebsorten, die jeweilige Lage noch besser interpretieren..! Und dieser Gedanke dabei gefällt mir ganz besonders.

  6. michaelmagwein schreibt:

    Hallo zusammen,
    wie kommt man denn in den Genuss, an so einer Weinprobe teilnehmen zu dürfen?
    Ich kaufe und trinke nämlich bewusst sehr gerne außergewöhnliche Weine und dabei insesondere alte Rebsorten (und schreibe darüber in meinem Blog…).
    So eine Weinprobe fände ich einfach nur super!!!
    Beste Grüße
    Michael

    • Matze schreibt:

      Ah, sehr schön, noch jemand mehr, der sich für alte Rebsorten interessiert! So „exklusiv“ im üblichen Wortsinn sind die Veranstaltungen auf jeden Fall nicht. Das größte Problem besteht wohl darin zu erfahren, wann und wo solche Proben stattfinden😉 . Du könntest vielleicht mal bei den „üblichen Verdächtigen“ nachfragen, die solche Proben veranstalten, also Josef Engelhart, Andreas Jung oder eben Thomas Riedl. Adressen findest Du ganz sicher im Internet. In meinem Fall ist es halt so, dass ich Thomas Riedl kenne und er mir die Einladung zur Veranstaltung in Bonn zugeschickt hat. Ansonsten, wie gesagt, haben da alle Leute Zugang (bis zu einer gewissen Teilnehmerzahl vermutlich), die Interesse am Thema haben. Die Weinprobe war ja in einem „Volkshochschulraum“, und man hat eine Umlage-Teilnehmergebühr gezahlt.

    • Hartmut schreibt:

      Hallo Michael,
      ich bin auch einer, der immer auf der Suche nach solchen Weinen ist.
      Da ich selbst einen Alten fränkischen Satz aus einem historischen Weinberg habe und auch hin und wieder Verkostungen aus Alten (Misch-)Sätzen organisiere (allerdings nicht in dem Umfang wie das Thomas Riedl macht) kannst du mir deine Kontaktdaten geben und ich werde die benachrichtigen, wenn es mal wieder soweit ist.
      meine emailadresse: der.trockene.franke@gmail.com

      • michaelmagwein schreibt:

        Hallo!
        Zufällig den „Alten Satz“ von Otmar Zang?
        LG Michael

      • Hartmut schreibt:

        Leider nein, meiner steht im Steinbacher Nonnenberg im Abt Degen Weintal ca. 20 km westlich von Bamberg.

      • michaelmagwein schreibt:

        Achso, du hast selbst einen Weinberg? Ich hab das gerade falsch verstanden… Sorry!

      • michaelmagwein schreibt:

        Ich bin öfter mal im Abt-Degen-Weintal! Ich wohne da nicht so weit weg… und man findet auch den ein- oder anderen Wein von dort im meinem Verkostungs-Blog^^ Findet man dich auf http://www.abt-degen-weintal.de/de/weinkultur/winzer.php ??
        LG Michael

      • Hartmut schreibt:

        Hallo Michael,
        ich bin noch nicht im Abt-Degen-Weintal verlinkt.
        Aber wie gesagt kannst du gerne mit mir Kontakt aufnehmen.
        Weinbau Hartmut Scheuring
        Marienstraße 24
        97486 Königsberg
        Da du Oberschwappacher und Bamberger Wein in deinem Blog beschreiben hast, gehe ich davon aus, dass du nicht allzu weit weg wohnst.
        Weitere Infos sollten wir aber vielleicht nicht hier austauschen, das würde den Kommentar-Teil hier sprengen. Meine Emailadresse habe ich hier ja bereits hinterlegt.

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