ProWein 2014 – meine besten Entdeckungen (II)

TitelDieser zweite Teil meiner Entdeckungen bei der diesjährigen ProWein ist den wirklich versteckten Juwelen gewidmet. Zugegeben, ein paar wenige bekanntere Weingüter und Weine sind auch darunter, aber das bleibt die Ausnahme. Solltet Ihr alle Rebsorten kennen, von denen ich die Weine auf diesem Rundgang probiert habe, fresse ich ohne Umschweife einen Besen. Das hatte ich zwar vor längerer Zeit bei einem Artikel über die Fische aus dem Bosporus schon einmal angeboten, und die Reisigfasern liegen mir immer noch ein wenig im Magen, aber diesmal bin ich mir absolut sicher.

Es ist für mich absolut faszinierend gewesen zu sehen, wie vielfältig die Weinwelt in Geschmack und Ausdrucksform sein kann. Wie bei Teil I auch, hüllen wir dabei den Mantel des Schweigens über fehltönige, halbtrockene Rote und über eichenchips-befütterte Weltplörre. Hier folgen also nun ein paar wirklich großartige Weine in der Preisklasse zwischen 5 und 80 €, bei denen ich richtiggehend unglücklich bin, sie nicht im hiesigen Weinhandel vorfinden zu können. Aber vielleicht wird das ja noch.

Der Einfachheit halber orientiert sich die Reihenfolge am Anfangsbuchstaben des Landes, aus dem die jeweiligen Weine stammen.

Bulgarien – Borovitza

Bulgarien - BorovitzaDer Zufall hatte mich hierher geführt. Bulgarische Weine wollte ich zwar gern probieren, weil ich weiß, wie alt die Weinkultur dort ist. Aber erst ein belgischer Weinhändler, den ich gerade kennen gelernt hatte, führte mich zu diesem Stand. Die Weißen von Borovitza sind meine Sache nicht, Holz, mehr Holz und übermäßig viel Holz. Aber dieser Rote war sehr vielversprechend: Die Rebsorte „Bouquet“, die nichts mit der fränkischen Bukettrebe zu tun hat, ist eine Kreuzung aus Mavrud und Pinot Noir. Der Mavrud, die edle Rebsorte des bulgarischen Südens, reifte im Norden des Landes nicht aus, so der Standbetreiber, und so entschloss man sich zu dieser ein wenig irrwitzig anmutenden Vereinigung. Aber was soll ich sagen, der Wein ist köstlich: nur 12,5 vol%, aber dunkel, reif, ein wenig streng und enorm langlebig wirkend. Nachhaltig und intensiv wie ein Syrah von der Nordrhône. Nur die Tatsache, dass der Winzer lediglich 450 Flaschen gefüllt hat, dürfte einer Ausweitung der Fangemeinde im Wege stehen.

Frankreich – Chapoutier

Frankreich - ChapoutierWelch Zufall, da sind wir doch tatsächlich an der echten Nordrhône gelandet. Ich weiß, man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber auf dem oberen Bild seht Ihr die vielleicht besten, komplettesten Rotweine, die ich auf der ProWein verkostet habe. Natürlich muss einem der „Syrah-Ausdruck“ gefallen, denn es handelt sich hier nicht um süß-schmeichelnde Weine, sondern um solche mit einer gewissen Strenge, einer gewissen Säure und einem zwar dichten, aber doch eher festen Körper ohne ein zu großes Opulenzgefühl. Bereits der Crozes-Hermitage „Les Meysonniers“ ist – wie gar nicht wenige Nordrhône-Rote wirklich guter Produzenten – sein Geld mehr als wert. 11,68 € ab Hof. Auf dem Foto weiter nach links klettert man auf der Leiter so lange nach oben, bis man an die Lagen-Hermitages aus biodynamischem Anbau gelangt. „Les Greffieux“ ist von jenen noch der nominell kleinste Wein, aber glaubt mir, das ist mehr als genug. Die vier Weine oben auf dem Foto haben mir übrigens sogar noch besser gefallen als jene bei meiner Weinprobe direkt vor Ort in Tain-l’Hermitage. Alle stammten aus den Jahrgängen 2011 und 2012, und anders als man bisweilen liest, scheinen die Weine dieser Jahrgänge in der Gegend wirklich gut gelungen zu sein.

Frankreich – Marcel Deiss

Frankreich - DeissIch füge das Foto mal richtig groß ein, denn alles andere wäre für diesen Wein unpassend. Ja, ich war am Stand von Jean-Michel Deiss, und ja, ich habe die ganzen großartigen Sachen probiert, vom „einfachen“ Gutsriesling über die internen Premiers Crus bis zu den unglaublichen Grands Crus, fast alles „Komplantationen“, also gemischte Sätze, weil Jean-Michel Deiss nicht die einzelne Rebsorte, sondern quasi die Komposition der einzelnen Terroirs in den Vordergrund stellt. Der bereits erwähnte Gutsriesling aus dem Jahrgang 2012 wird deutsche Zungen, die eher auf fruchtige Gefälligkeit bei dieser Rebsorte ausgerichtet sind, schon arg zusetzen. Die Premiers Crus wie Langenberg, Engelgarten, Rotenberg und Schoffweg zeigen alle sehr unterschiedliche Noten, die 2011er ein bisschen bitterer, die 2010er gleichzeitig botrytisiert und sehr pikant wirkend. Schwierig präsentiert sich der Grand Cru Mambourg aus dem Jahrgang 2010 (Pinot-Sorten auf Kalk), viel Säure, viel Malz, leicht oxidativ, eine lange Wartezeit bis zur optimalen Reife voraussetzend.

Und dann schließlich der Kollege vom Foto oben, der Grand Cru Schoenenbourg, auch aus dem Jahrgang 2010. Mergel, Gipskeuper, Riesling dominiert, immer extrem spät gelesen. Und für diese Kombination erwies sich der Jahrgang 2010 offenbar als optimal. Selten habe ich einen so großen Wein getrunken, auch wenn natürlich deutlich wurde, dass der harmonische Höhepunkt noch eine ganze Weile auf sich warten lassen wird. Und natürlich ist das ein Monument, das man nicht einfach so als Durstlöscher zur Bockwurst hinterkippt. Kleine Schlucke sind angesagt. Wie interessanterweise so häufig bei richtig großen Weinen, verschwimmen die Grenzen, was Herkunft, Rebsorte, Frucht und Süße anbelangt. Ich weiß, das sollte ich nicht sagen, weil es eigentlich dem zu widersprechen scheint, was Jean-Michel Deiss hier tut. Aber da nicht alle Weine, die andere Winzer aus dieser Lage holen, dieselbe Qualität und denselben Ausdruck besitzen, scheint mir der Unterschied doch vor allem in der ungeheuren Sorgfalt, in der Hingabe zu liegen, mit der dieser Wein zum Klingen gebracht wird.

Hohe Säure, gleichzeitig eine dichte, fast ölige Materie, eine spürbare, aber sehr im Zaum gehaltene Fruchtsüße und eine einfach souveräne Kraft. Grand’Emotion. Kauft Euch diesen Wein statt einer Kiste Eures Hausweins, das kostet genauso viel, aber dann wisst Ihr, was beim Weißwein alles möglich ist. Und wenn Euch der Stil jetzt nicht gefällt, legt ihn 15 Jahre in den Keller. Bis dahin seid Ihr genauso gereift wie der Wein, da werdet Ihr zueinander finden.

Frankreich – Pierre Frick

Frankreich - FrickJean-Pierre Frick besitzt einen Ansatz, der in manchen Punkten jenem von Jean-Michel Deiss gleicht, in anderen jedoch komplett anders ist. Was beide eint, ist der biodynamische Weinbau, ist das Hohelied der Handarbeit, das beide singen, ist die Natürlichkeit des Ausdrucks in ihren Weinen. Geschmacklich, preislich und deshalb vermutlich auch von der allgemeinen Zielrichtung her, sind wir hier jedoch in einer anderen Welt. Alle Weine von Jean-Pierre Frick, die ich probiert habe, besitzen ein sensationelles Preis-Genuss-Verhältnis. Interessanterweise haben mir dabei seine ohne Schwefelzugabe ausgebauten Weine am besten gefallen. Vielleicht passt da die Kombination der entwaffnenden Natürlichkeit und der guten, aber nicht überkandidelten oder gar monumentalen Qualität besser als bei den, nun ja, relativ gesehen konventionelleren Weinen. Sehr empfehlenswert ist der Pinot Noir „Rot-Murlé Zéro sulfite“ aus 2010 (14 € ab Hof), ein weicher, aber tiefer und überraschend eleganter Roter.

Die Meinungen beim Sylvaner „Bergweingarten“, ebenfalls aus 2010, gehen dagegen mit Sicherheit auseinander: mit rund 60 g Restzucker einerseits süß, andererseits mit kräftiger Säure ausgestattet, gleichzeitig konzentriert in der Struktur und transparent im Trinkfluss – ein ganz tolles Einzelstück für mich und ein spannender Begleiter zu anderen Aromabomben wie einem schon deutlich duftenden Münster. Und das für 17,10 €. Aus einem säurearmen Jahr würde ich diesen Wein allerdings nicht nehmen.

Frankreich – Le Soula

Frankreich - Le SoulaIch dachte immer, Gérald Standley von Le Soula wäre ein waschechter Engländer, dem die Franzosen zwecks Eingemeindung einfach so ein accent auf den Vornamen gesetzt hätten. In Wirklichkeit ist Gérald Standley ein waschechter Franzose und Leiter von Le Soula, dem Weingut, dessen Reben im letzten Dorf der Fenouillèdes vor den großen Bergen Gérard Gauby einst entdeckt hatte. Gérard Gauby ist immer noch beteiligt, aber er hat mit seinem eigenen Weingut wahrhaftig genug zu tun, weshalb sich nun halt Gérald Standley um alles kümmert, um das man sich kümmern muss. Ich mochte von Le Soula eigentlich immer den Weißen lieber als den Roten, wobei letzterer auch nicht von schlechten Eltern ist. Die Zusammensetzung der Rebsorten wechselt jedes Jahr, je nachdem, welche Rebsorte wie gedeiht. Im Jahrgang 2010 beispielsweise litten einige Parzellen stark unter einem Hagelgewitter, so dass der Weiße diesmal zu 60% aus Macabeu besteht. Und das Ergebnis überzeugt total: ein gleichzeitig erstaunlich frischer wie nachhaltiger Weißer aus dem Süden, bestens geeignet zum Begleiten gegrillter Fische.

Der Wein rechts auf dem Foto ist dagegen, wie Gérald sagte, einfach so aus Spaß entstanden. Er hatte einige „Orange Wines“ probiert und wollte sich nun auch daran versuchen, allerdings nicht auf die strenge Gravner-Art, sondern der Wein sollte irgendwie schon ein bisschen trinkiger sein. Gesagt, getan, Trauben aus einer Parzelle mit lächerlich niedrigem Ertrag geerntet (11 hl/ha), hauptsächlich Vermentino, dann je nach Art der Fuhre zwischen 5 und 15 Tagen auf der Maische gären lassen, ein Verschnitt aus hauptsächlich 2010 mit einem bisschen aus 2009, im 500-Liter-Fass ausgebaut – und fertig ist ein Wein, der mich an die „Gräfin“ von Sepp und Maria Muster aus der Steiermark erinnert. Schon vom Charakter her ein orange wine, aber eben weicher, gleitender, nicht so extrem – und vor allem ohne viel flüchtige Säure oder harte Oxidationsnoten. Trotzdem meint Gérald, dass viele Leute den Wein nicht mögen würden. Sie erwarten halt etwas anderes.

Frankreich – Alphonse Mellot

Frankreich - MellotBei den Mellots hat sich einiges geändert, zumindest äußerlich. Die Etiketten, einstmals ziemlich arty angelegt (siehe die Nr. 12 hier), erscheinen jetzt wesentlich klarer. Dies ist, falls es jemand noch nicht gemerkt haben sollte, eine der absolut ersten Adressen an der Loire für Sauvignon und Pinot Noir. Während aber die Roten aus dem Jahrgang 2010 derzeit ziemlich zu sind und noch Zeit bis zum Auftauchen benötigen, bieten die Weißen sehr unterschiedliche Nuancen von viel Stachelbeere über gedämpfte Frucht und mehr Mineralik, teilweise Holzeinfluss, bis zu diesem hier, meinem Liebling: pikant, viel Würze, ein gleichzeitig lebendiger und eleganter Wein, und das alles aus dem Jahrgang 2012, der in Sancerre und Umgebung recht gut ausgefallen ist. Kein Schnäppchen allerdings, 35 € ab Hof für Privatkunden, der ebenfalls sehr gute weiße „Satellite“ ein bisschen darunter.

Frankreich – St-Nicolas

Frankreich - St-NicolasThierry Michon teilte sich einen Stand mit Fred Niger van Herck von der Domaine de l’Ecu. Letzterer war aber gerade nicht da, und als ich Thierry sagte, dass ich genau wegen der Weine der Domaine St-Nicolas gekommen sei und das Weingut sogar schon mal besucht hätte (Thierry war allerdings im Weinberg, ich hatte ihn damals nicht getroffen), da zeigte er sich ungläubig und begeistert: „Was denn, mein Weingut, meine Weine? Die kennt doch sonst gar keiner hier!?“ Ich war aber natürlich nicht zufällig hier und hatte mich schon darauf gefreut, die Palette mal durchzuprobieren. Schließlich hatten wir hier ja schon zwei der „kleinen“ Weine von Thierry Michon getrunken (Nr. 8 & Nr. 14), und hier hatte ich über den „Cabaret“, hier über den „Gammes en May“ geschrieben.

Jetzt also endlich die Großen. Und die haben mich nicht enttäuscht. Ehrlich gesagt haben mich insbesondere die beiden roten 2010er auf dem Foto oben sogar schlichtweg begeistert: „Le Poiré“ ist ein reinsortiger Négrette, also eine Rebsorte, die man eigentlich mit dem Südwesten Frankreichs in Verbindung bringt, vor allem mit der AOC Fronton. Hier direkt am Atlantik auf Schiefer angebaut, erscheint der Wein weniger fleischig-rustikal als vielmehr intensiv, duftig, ausgewogen und trotzdem tief. „La Grande Pièce“ hingegen ist ein reinsortiger Pinot Noir von einer Parzelle, die seit 1995 biodynamisch gepflegt wird, der Hektarertrag liegt bei 20 hl, der Wein wird spontanvergoren und für 15 Monate im neuen Doppelstückfass ausgebaut. Und was kommt dabei heraus? Etwas sehr Vielversprechendes. Tannin, Säure, Materie, alles auf sehr ausgewogenem Niveau präsent, delikat und höchst elegant. 34 € ab Hof, und – wenn Ihr mich fragt – deutlich weniger darf ein Wein dieser Qualität unter diesen Rahmenbedingungen nicht kosten.

Frankreich – Vacheron

Frankreich - Vacheron 1Und schließlich das letzte französische Weingut – danach geht es in exotischere Regionen, versprochen. Die Domaine Vacheron ist sozusagen die Antipode der Domaine St-Nicolas, ebenfalls relativ groß von der Anbaufläche her, ebenfalls biodynamisch wirtschaftend, aber eben nicht am Atlantik, sondern im Zentrum des Landes, Sancerre wieder. Was mich hier besonders fasziniert hat, das waren die unterschiedlichen Ausdrücke, die man aus den verschiedenen Parzellen holt. „Les Romains“ gilt da im Allgemeinen als die beste, aber mir hat der 2011er „Le Paradis“ sogar noch besser gefallen. Wahrhaftig schon wieder ein großartiger Wein. Der große Rote, „Belle Dame“, zeigt sich aus dem Jahrgang 2010 genau wie bei Mellot derzeit ziemlich zugeknöpft. Dafür gibt es einen ungemein schmackhaften 2012er Pinot Noir, den „einfachen“ Sancerre, der sich noch mitten in der Fruchtphase befindet, und den zu probieren ich allen Pinot-Liebhabern hierzulande dringend ans Herz lege.

Georgien – Khareba

Georgien - KharebaTja, wie soll ich das ausdrücken? Eigentlich hatte ich bei den georgischen, bei den moldawischen oder auch den mazedonischen Ständen wenig Publikumsverkehr erwartet, weil die Weine hier kaum jemand kennt, und die Zahl der Importeure damit beschränkt bleibt. Das mag auch so sein. Allerdings waren manche Stände regelrecht umlagert von Honoratioren, die eher wie anderweitige Geschäftsleute oder Botschaftsangehörige wirkten. Die ProWein ist halt auch gewissermaßen ein gesellschaftliches Ereignis. Aus diesem Grund konnte ich mir bedauerlicherweise keinen größeren Überblick über diese doch sehr interessante und eigene Weinwelt verschaffen. Aber wenigstens hier bei Khareba: Der Weiße aus dem Kvevri, gekeltert aus 100% Mtsvane, präsentiert in der Tat eine andere Welt. Sehr würzig in seinen Aromen, aber komplett ohne Säure, war er für meinen west- und mitteleuropäisch geschulten Gaumen einfach etwas zu dumpf. Der Rote hingegen aus 100% Otskhanuri Sapere (nie hatte ich vorher von dieser Rebsorte etwas gehört. Ihr etwa? Dann kämen wir dem Besenfressen von weiter oben schon näher…) gefiel mir viel besser. Enorm dunkel in der Farbe, dann trotz der Tannine sehr smooth im Fluss, die Säure fein und präsent, die Aromen in Richtung Brombeere. Natürlich gibt es auch ein paar ungewöhnlichere Noten dazu, mir unbekannte Kräuter, aber eben keinen ersichtlichen Fehlton, keine beißende flüchtige Säure am Gaumenzäpfchen. Nur etwas für den absoluten Nischenmarkt, ich weiß, aber in dieser Qualität für aufgeschlossene Weinfreunde eine Empfehlung.

Griechenland – Gaia

Griechenland - GaiaEin bisschen konsterniert stand mir Herr Karatsalos von Gaia Wines gegenüber. Sechs Monate lang waren seine Santorin-Weine ab Hof ausverkauft, und er musste den potenziellen Käufern immer wieder Absagen erteilen. Jetzt endlich kommt der neue Jahrgang auf den Markt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Gier der Käufer verstehen kann: Dies sind (vor allem in Anbetracht des Preises von nicht viel mehr als 10 €) vielleicht die besten Weißweine, die man aus Griechenland bekommen kann. Wenn man den Stil mag. Ein Weinhändler in England, bei dem ich meinen ersten „Thalassitis“ gekauft hatte, meinte vorher zu mir, „stellen Sie sich vor, das wäre ein Chablis“. Natürlich ist es keiner, aber die Erwartungshaltung wird auf diese Weise schon einmal weggeführt vom üppig Mediterranen hin zu einem stahlig Mineralischen.

Denn genau das bieten die drei Weine, die alle vom selben Weinberg stammen, sich aber im Ausbau unterscheiden: der Linke auf dem Foto kommt aus dem Stahltank, der Rechte aus dem Barrique, und der Wein in der Mitte ist die optimale Kombination von Fumé-Ton und Pikanz. Alle drei Weine besitzen eine kräftige Säure, eine ungeheure Mineralität und vermitteln den Eindruck großer Langlebigkeit. Herr Karatsalos meinte noch, sie hätten erst lernen müssen, wie das mit dem Ausbau im Holz unter diesen Bedingungen am besten funktioniert. Seit zwei Jahrgängen wäre er selbst mit dem Ergebnis zufrieden, und dem möchte ich mich anschließen. Freunde mollig-fruchtsüßer Holzbonbons sollten einen großen Bogen um diese Weine machen. Alle anderen dafür das Gegenteil.

Griechenland – Glinavos

Griechenland - GlinavosIch glaube, wir haben uns von den griechischen Weinen zu lange täuschen lassen. Manche Exemplare besaßen eine ruppige Krautigkeit, die sie zuverlässig von der feineren Tafel fernhielt. Andere versuchen neuerdings mit internationalen Rebsorten und internationalem Geschmack zu punkten, was sie leider komplett austauschbar macht. Wieder andere hingegen (und die meine ich hier) sind trotz oder vielleicht auch wegen ihrer Einzigartigkeit leider derartig unbekannt, dass ich nicht wüsste, wo ich sie außerhalb ihres Ursprungsortes erwerben könnte. Die großen Firmen beherrschen den griechischen Weinexport, und das ist schlecht. Auf den Etiketten des Fotos links könnt Ihr glasklar ablesen, um was es sich bei diesem Beispiel handelt: um Produkte des Weinguts Glinavos aus Zitsa, ganz im Nordwesten des Landes in den Bergen bei Ioannina gelegen. Nach Albanien sind es keine 50 km mit dem Auto, nach Athen dauert es rund sechs Stunden. Das sind die Rahmenbedingungen, aus denen autochthone und in der restlichen Welt unbekannte Rebsortenweine gemacht sind.

Der Weiße besteht aus 50% Debina und 50% Malagouzia, ist ein echter Bergwein, frisch und klar, und mit 11,8 vol% auch komplett auf der trinkigen Seite. Aus Debina kann man übrigens auch schöne Schaumweine bereiten, das nur nebenbei. Den Roten fand ich noch erstaunlicher. 90% Vlachiko, 10% Bekari (na, kennt Ihr das immer noch?), ein Jahr im Holz ausgebaut, was man aber nur in der Nase deutlicher spürt. Dies ist für mich ein wunderbar altmodischer Wein im positiven Sinne: hellrot in der Farbe, nur 12,2 vol%, dennoch intensiv würzig und nachhaltig, weit weg vom Weltmarkt und seinen dunklen Vanilletropfen.

Griechenland – Moraitis

Griechenland - MoraitisNoch einmal Griechenland, und noch einmal etwas anderes. Das Weingut Moraitis befindet sich auf der Kykladeninsel Paros, die man hierzulande eigentlich ausschließlich als ein bisschen mühsam zu erreichendes Ferienziel kennt. Wer hier Wein anbaut, muss mit einer enormen Sonneneinstrahlung zurechtkommen. Aber wie überall in den einschlägigen Regionen, in denen man seit Jahrtausenden Wein erzeugt, haben sich im Laufe der Zeit die entsprechend passenden Rebsorten hervorgetan. In diesem Fall handelt es sich um die rote Mandilariá, eine spätreifende Sorte mit dickschaligen Beeren. Entsprechend sind die Weine nicht etwa alkoholstark und zur Breite neigend, sondern eher herb und enorm tanninreich. Beim „kleinen“ Roten von Moraitis hält die angebotene Frucht dieser Übermacht an Tanninen nicht wirklich stand, bei der großen Reserve dafür schon. Dies ist ein Wein, den man sehr lange lagern kann, und der sich mit den Jahren nach meiner Einschätzung immer mehr verfeinern wird. Denn hier stimmen Substanz und Mitte, die Gerbstoffen umhüllen nur.

Italien – Biondi-Santi

Italien - Biondi-SantiNur ganz kurz bin ich in der Toskana vorbeigeschneit und habe mich dabei überhaupt nicht bescheiden geriert. Vielmehr war mir das Beste gerade gut genug, und dieses Beste wird relativ zweifellos vom Traditionsweingut Biondi-Santi erzeugt. Noble Klassiker, angefangen beim Rosso di Montalcino über den „normalen“ Brunello bis hin zur Reserva. Wahrscheinlich gäbe es noch mehr zu sagen, aber (das wisst Ihr natürlich nicht) es ging bei meinem Besuch schon stark auf die 18 Uhr zu, und ich hatte ja noch ganz dringend ein anderes italienisches und ein portugiesisches Weingut zu testen.

Italien – Cave de Morgex

Italien - Cave de MorgexWenn es irgendwo Bergweine gibt, die ihren Namen auch verdienen, dann sind es jene aus dem oberen Aostatal. Ich weiß nicht, ob Ihr schon einmal dort wart und die irrwitzigen, quasi in den Hang hineingebauten Holzpergolen gesehen habt, an denen die Reben gezogen werden. Der Hersteller mit dem vollständigen Namen „Cave du Vin Blanc de Morgex et de La Salle“ ist zwar durchaus italienisch, aber da die Schulkinder im Aostatal ab der ersten Klasse auch Französisch in der Schule haben, kommt man dort (so wie ich am Stand) auch mit Französisch sehr gut durch. Bereits der einfache Weiße aus der Rebsorte „Prié blanc“ ist klar wie ein Gebirgsbach. Die Selektion „La Piagne“ stammt von einem auf 1.050 Metern Höhe gelegenen Weinberg, aus dem 1.500 Flaschen pro Jahr geholt werden. Der Wein (12 € ab Hof, 12 vol% auch nur) ist frisch, lebendig, sehr mineralisch, gleichzeitig aber erstaunlich komplex. Ich könnte mir alle möglichen, wenn nicht gar sämtliche alpenländische Gerichte denken, die dieser Wein sehr schön begleiten dürfte.

Italien – I Clivi

Italien - I Clivi 1Ganz vom Nordwesten der italienischen Alpen ganz in den Nordosten. Praktisch direkt an der slowenischen Grenze befindet sich das Weingut I Clivi von Mario Zanusso. Mario sieht genauso aus (ich hoffe, er nimmt mir diesen Vergleich nicht übel), wie man sich einen studierten, urbanen Grünen vorstellt: lässige schwarze Kleidung, leicht wuschelige Haare, Dreitagebart und eine runde Brille mit silbernem Gestell. Und irgendwie scheint er alles, aber wirklich alles richtig zu machen auf seinen 9 Hektar mit teilweise sehr alten Reben. Das Friaul ist ja nicht zu unrecht ein bisschen als italienische Weinfrisier-Hochburg verschrieen, während man im Karst urtümliche und teilweise schwierig zu verstehende Gebräue herstellt. Bei I Clivi wählt man offenbar den Weg eines bewusst und handwerklich Handelnden, der aber möchte, dass seine Weine nicht nur den allergrößten Freaks schmecken. Bei 15 € beginnt hier der Spaß, bio-zertifiziert, autochthone Rebsorten, wie erwähnt sehr alte Rebstöcke, geringer Ertrag, Spontangärung, Ausbau im Holzfass. Die „Basislinie“ der rebsortenreinen Weißen ist bereits sehr gut. Das sind alles aromatisch intensive und dennoch frische Weine, wie man sie sich wünscht.

Italien - I Clivi 2Bei den Großen hat sich Mario etwas Besonderes einfallen lassen. Der „Brazan“, ein reinsortiger Friulano, wurde nämlich einmal ganz normal wie die anderen Weine bereitet, die andere Variante lagerte jedoch nicht weniger als 140 Monate auf der Hefe. Der 2001er links auf dem Foto ist also in der Tat der aktuelle Jahrgang. beide Weine erscheinen sehr komplex, von einer gewissen Öligkeit getragen, und anders als bei der Basislinie muss man wirklich Zeit haben, sich mit ihnen intensiver zu beschäftigen.

Japan – Grace

Japan - GraceAnd now for something completely different. Da ich ja vor ein paar Monaten selbst in Japan war (klickt Euch bei Interesse einfach durch die Artikel), war es für mich persönlich kein so großes Aha-Erlebnis, Wein aus Japan auf der ProWein vorzufinden. Aber die beiden Winzer von „Grace“ und von „Kurambon“ waren zum ersten Mal hier, und beide hatten jeweils einen einzigen Wein mitgebracht. Die Weine waren aus der Koshu-Rebe gekeltert, die man nach mittlerweile 1.000 Jahren auf der Insel durchaus als autochthon bezeichnen kann. Der Grace Koshu ist mit seinen 12 vol% ein fast glasklarer Wein, neutral auch in der Aromatik, aber von einer sehr lebendigen Säureader durchzogen. Mich erinnert er stark an einen Muscadet oder auch an einen Txakolí aus dem Baskenland – nur ohne Perlage. Dadurch passt der Wein sowohl zu rohen Austern als auch zu Sushi auf puristische Art. Sehr überrascht hat mich dann aber doch seine hervorragende Eignung (mit dem Baskenvergleich im Hinterkopf arrangiert) zu Kartoffeln mit Pimentón de la Vera, geräucherter Paprika aus der Extremadura. Ihr merkt schon, dies ist kein Stand-Alone-Produkt, der Wein will Essen begleiten.

Japan – Kurambon

Japan - KurambonWie der Zufall es so will, probiere ich auch noch den zweiten japanischen Wein der Messe. Viel mehr über Essen und Trinken in Japan, vielleicht sogar über genau diesen Hersteller und seine Weinberge werde ich Euch übrigens demnächst zeigen können – ich werde nämlich wieder nach Japan fliegen! Herr Nozawa, der Inhaber und Winzer von Kurambon (mit 2 ha eigenen Weinbergen und Zukauf von Trauben aus weiteren 6,5 ha übrigens kein Riese – sowas denkt man ja häufig bei Übersee-Betrieben) , spricht sehr gut Englisch, was die Kommunikation natürlich erheblich erleichtert. Sein Wein, ebenfalls ein reinsortiger Koshu, ist farblich ein wenig dunkler, deutet also stärker darauf hin, dass die Koshu-Traube eigentlich rosafarbene Beeren hat wie ein Grauburgunder. Am Gaumen eine helle Mineralität, Fenchel- und Angelika-Anklang, saure Pflaume und eben nicht die sonst so häufige Zitrone. Nach einer Weile fällt mir auf, dass dies eigentlich von vielen aromatischen Aspekten her ein sake-ähnlicher Wein ist, relativ ölig, ein bisschen erdig und eher Moll denn Dur. Zum Spargel passte der Kurambon dann auch nur mittelprächtig, aber – und das habe ich einfach mal ausprobiert – zu sehr würzigem Kimchi war er wirklich fantastisch. Wie Ihr Euch denken könnt, habe ich auf der ProWein weder Spargel noch Paprika noch Kimchi zu den japanischen Weinen gegessen. Die beiden Winzer haben mir netterweise jeweils ein Fläschchen ihres Produkts mitgegeben, und so konnte ich zu Hause in aller Ruhe testen.

Kroatien – Jako Vino

Kroatien - Jako Bol 1Mit einem Sprung sind wir zurück im alten Europa. Die Etiketten von Jako Vino (Jako ist der Vorname des Winzers, der Sitz des Weinguts ist Bol auf der Insel Brač) sind zumindest einmal auffällig. Viel kann man nicht auf ihnen erkennen, denn für Farbe müsste der Käufer selbst sorgen. Die Erklärungen sind lediglich eingeprägt. Aber dafür ist die Qualität der Weine, besonders jene der Weißen, schlichtweg sensationell. Dass man in Kroatien (oder vielmehr, um es regional einzugrenzen, in Dalmatien) wunderbare Weißweine aus einem Füllhorn an autochthonen Rebsorten bereiten kann, davon konnte ich mich bereits bei meinem Aufenthalt in Split überzeugen (hier der Link zum großen Weißwein-Test). Mit am besten gefallen hatte mir dabei der Vugava von Lipanović, einem Weingut auf der Insel Vis. Vugava wurde bis vor kurzem eigentlich nur dort angebaut und resultierte in einem üppigen, harzigen Wein von geringer Frische aber ungeheurer Würze. Jetzt gibt es die Vugava auch auf Brač, und der Wein wirkt gleichzeitig ähnlich und ganz anders.

Zwar sind beim Exemplar von Jako in der Nase auch würzig-kräuterige Noten zu spüren, als würde man sich mitten in der Garrigue befinden, aber das Ganze ist wesentlich frischer ausgelegt als bei den traditionellen Vis-Weinen. Wahrscheinlich wird einfach früher geerntet. Dadurch ist die Säure sehr schön präsent, was den Wein in Kombination mit der mineralischen Würze und den mediterranen Kräuternoten sehr ausgewogen und lebendig werden lässt. 60 Kuna kostet er auf der Insel, was genau 7,86 € sind. Die sehr nette Dame am Stand verriet mir, dass sie bei einer anderen Messe durchaus schon das Interesse von potenziellen Importeuren geweckt hätten, „aber die wollten höchstens 4 € bezahlen“, und das ginge natürlich nicht, schließlich besteht der Untergrund der Reben nicht aus tiefem Auelehm, sondern aus Stein, was die Erträge nicht gerade üppig werden lässt. Für mich ist dieser Wein dennoch ein absolutes Schnäppchen, weil er zusätzlich diese individuelle, aber nicht zu schwierige Note besitzt. Der Pošip Majstor, also die rechte Flasche auf dem Foto, geht in dieselbe Richtung, weist aber mehr Holzeinfluss und mehr feurige Stärke auf. Ebenfalls ein sehr schöner Wein, aber ich würde ihn eher noch ein wenig lagern.

Kroatien – Kabola

Kroatien - KabolaDass es in Kroatien noch mehr gute und vor allem interessante Weine zu entdecken gibt, wurde mir am Stand einer kroatischen Bio-Vereinigung deutlich. Dort probierte ich einen unglaublichen Wein von der Insel Silba, dessen Produzent den Most bis vor kurzem per Boot aufs Festland schaffen musste, weil es auf der Insel keine Keltermöglichkeiten gab. Natürlich oxidierte alles. Mittlerweile hat er sich einen eigenen Keller gebaut, aber die Weine fand ich immer noch sehr schwierig. Vielleicht ändert sich das noch, und dann merke ich mir beim nächsten Mal auch den Namen… Gut merken konnte ich mir den Wein von Kabola, einen reinsortigen Malvazija, der in der Amphore ausgebaut wurde. Ein sehr spannendes Produkt aus dem Karst, direkt an der slowenischen Grenze geerntet und mit 14,6 vol% nicht gerade schwach auf der Brust. Was den Wein so interessant macht, ist seine Textur, sein weiches Gleitgefühl, die starke mediterrane Würze, die trotz der orangenen Farbe und der offensichtlichen Maischegärung komplett milden Gerbstoffe. Dieses Produkt wirkt irgendwie so buddhistisch gelassen, es erscheint unzerrüttbar und dürfte rotes Fleisch wesentlich besser begleiten als solche Dinge, zu denen man ansonsten einen Weißwein reicht.

Portugal – Aphros

Portugal - AphrosDas erste Mal bin ich mit den Weinen von Vasco Croft in Berührung gekommen, als ich einen Monat in Lissabon verbracht und bei der Gelegenheit die Weinbar „Os Goliardos“ aufgesucht hatte. Probiert hatte ich dort allerdings nur die Weißen, so wie man im Allgemeinen außerhalb Portugals unter dem Begriff „Vinho Verde“ praktisch ausschließlich Weißwein versteht. Davon kann auch Vasco ein Lied singen, denn er gesteht mir, dass „Weinkenner meine Roten eigentlich lieber mögen als meine Weißen, nur verkaufen kann ich sie halt kaum“. Ich hatte schon damals in Lissabon die frischen und alkoholarmen Roten des Nordens kennen- und liebengelernt, und deshalb freut mich sehr, was Vasco hier zu bieten hat: ungeheuer typische Minho-Tropfen, nur halt jeweils eine ganze Stufe besser als alles andere, was ich aus der Region kenne. Bereits der „einfache“ Vinhão (das ist die Rebsorte; na, immer noch auf Besenfress-Kurs?) trägt alles in sich, was mir an diesen Weinen gefällt: eine dunkle Farbe, viel säuerliche Frucht, ein schönes Tannin, viel Biss und einfach eine ungeheure Frische. Da ist es kein Wunder, dass der zweite Wein in der Reihe, der „Silenus“, seinen 50%igen Barriqueausbau spielend verdaut hat. Rechts auf dem Foto dann eine Besonderheit: ein schwarzroter, richtig trockener Schaumwein nach der traditionellen Methode, etliche Jahre auf der Hefe gelagert. Das sind Weine, die fantastisch zur herzhaften Küche passen, die auch an heißen Tagen für Erfrischung sorgen und die ich bitte ab sofort in einem Weinladen in meiner Nachbarschaft eingelistet haben möchte.

Slowenien – Bajnof

Slowenien - CvicekAus einer völlig anderen Gegend, aber irgendwie mit einem ähnlichen Spirit ausgestattet, stammt der Cviček. Auch hier hatte ich ein einschneidendes Erlebnis. Da jenes aber noch wesentlich länger zurückliegt, konnte ich seinerzeit das Ergebnis auch noch nicht recht deuten. Ich nahm damals einen Schluck vom Cviček und rief voller Erstaunen und Entsetzen aus: „Wie sauer ist das denn?!“ Dieser Schilcher- und Rotling-Verwandte ist nämlich wirklich furztrocken und säuerlich, dazu noch alkoholarm (9,5 vol% in diesem Fall) und deshalb einer der wenigen Weine, die in punkto Erfrischungsgrad mit einem kühlen Bier mithalten können. Es versteht sich von selbst, dass es sich hier nicht um einen großen Wein handelt, dass er auch deutlich weniger hochwertig ist als die Roten von Vasco Croft. Aber trotzdem, wie froh bin ich, dass die gute alte Cviček-Tradition in Slowenien am Leben erhalten wird. Ein Bauernwein im allerbesten Sinne.

Slowenien – Edi Simčič

Slowenien - Simcic EAuch in Slowenien, aber in einer ganz anderen Welt unterwegs ist Aleks Simčič. Natürlich, die Bedingungen sind hier ganz im Westen des Landes auch völlig anders. Slowenien ist ja, falls das jemand vergessen haben sollte, dieses wunderbar kleinteilige Kaleidoskop, das die Alpenausläufer, balkanöse Poljen, Puszta-Anklänge, wilde Schluchten, K.u.K.-Barockstädtchen und das Mittelmeer auf seinem, innerhalb von maximal zwei Stunden zu durchmessenden, Staatsgebiet vereint. Hier sind wir also im Westen, keine zehn Kilometer von Mario Zanussis „I Clivi“ entfernt. Ob die beiden sich kennen? Die Weine scheinen es zu tun, denn der oben abgebildete „Rebula“ (15-17 € ab Hof) hat dieselbe Qualität wie die feinen Creszenzen von der anderen Seite der Grenze. Aleks baut die Rebula auf dem Bergkamm an, denn die Rebsorte ist an diese Bedingungen am besten angepasst. Dennoch fällt das Ergebnis zwar nicht qualitativ, aber aromatisch ganz anders aus als bei den „Clivi“: ein gelber, glatter, würziger Wein mit viel Nachhall. Und viel Charakter.

Slowenien – Marjan Simčič

Slowenien - Simcic MNoch einmal vier Kilometer weiter, und wir sind in Dobrovo, der Heimat der nächsten Simčič-Familie. Während es woanders ungünstig sein kann, wenn man Mouton-Rothschild und Mouton-Cadet miteinander verwechselt, scheint der Name Simčič irgendwie ausschließlich für guten Wein zu stehen (wahrscheinlich schickt sich in dem Moment, da ich das schreibe, ein unglücksseliger Jean-Foutre Simčič an, eine schreckliche Brühe zu fabrizieren, um mich Lügen zu strafen). Was ich bei Marjan und Valerija so großartig finde, ist die Tatsache, dass die Reihe ihrer „kleinen“ Weine unter 10 € bereits so gut ist. Auch hier habe ich mir den Ribolla ausgesucht, aber es hätte auch jeder andere Wein sein können. Der „Ribolla Opoka“, benannt nach dem Gesteinstyp (verfestigte Sedimente), besitzt zwar nicht dieselbe Trinkigkeit wie sein kleiner Bruder, dafür aber eine ganz andere Energie. Lange im Holz gelegen und unfiltriert abgefüllt, kommt hier ein dichter, ungemein würziger, leicht gerbiger und lagerfähiger Wein ins Glas. Wie sagt der gemeine Franzose? Du Grand’Art.

Spanien – Bengoetxe

Spanien - BengoetxeEin bisschen verloren sitzt ein spanisches Ehepaar in der Ecke des Gemeinschaftsstandes und hat einen Wein mitgebracht, diesen hier. Beide sprechen nur Baskisch und Castellano, der Wein stammt aus einer sehr kleinen Produktion, 3,5 ha, das auf dem mitgebrachten Prospekt abgebildete Haus mit Schuppen, ihr „Weingut“, ist nicht anders als altertümlich und beschaulich zu nennen. Wie mir die Dame vom Nachbarstand erklärt, suchen die Winzer, Iñaki und Rosa Maria Etxeberria, einen Importeur. Irgendwo. Aber was haben die beiden zu bieten? Nichts weniger als einen echten baskischen Txakolí, vielleicht (aber da bin ich mir nicht sicher) den einzigen dieser Art: biologisch zertifiziert angebaut, im Keller Spontangärung im Stahltank, ein Jahr auf der Hefe, ungefiltert und ungeschönt abgefüllt, die leichte Perlage ausschließlich aus der Gärkohlensäure und nicht – wie eigentlich überall sonst – zugefügt. 95% Hondarribi Zuri, 5% Petit Courbu, frisch, fruchtig, einfach schmackhaft und sympathisch. 8,50 €, sagen sie, kostet der Wein in San Sebastian im Laden. Allerdings erscheint der 2011er gegenüber den 2012er schon deutlich gereift. Nicht dass ihm das nicht stehen würde, aber wer hier diese unglaubliche atlantische Frische haben will, der sollte den Wein jung trinken.

Türkei – Büyülübağ

Türkei - BüyülübagDie türkischen Winzer können einem schon leid tun. Websites, die plötzlich nicht mehr zugänglich sind, gesperrte soziale Netzwerke, Steuern, die bis in den Himmel reichen. Da ist man einfach darauf angewiesen, bei den wenigen Auftritten im nicht so feindselig gesonnenen Ausland endlich mal richtig groß aufzutrumpfen. Und das haben sie getan: mit Paolo Basso und Markus Del Monego gleich zwei Sommelier-Weltmeister während meines kurzen Besuches auf die Bühne gezerrt und offenbar damit einen guten Besucherzuspruch generiert. Ansonsten leiden die türkischen Weine immer ein bisschen unter dem Neo-Weinschicht-Phänomen: „australisch“ anmutende, dichte, reife, vanillige Rote für Porsche-Fahrer. Bezeichnend, dass mir auf meinen Wunsch hin, den Rotwein aus Adakarası probieren zu wollen, den einzigen aus einer autochthonen Rebsorte am Stand, die Dame zuflüsterte, „Are you sure? I have to warn you, people find this wine very harsh.“ Und natürlich ist er das auch: hellfarben, tanninig, keine starke Primärfrucht, dafür appetitanregende Säure. Im Gegensatz aber zu den Weichweintrinkern hatte ich genau so etwas gesucht. Schön, dass der türkische Weinbau nicht überall auf die gnadenlos moderne Karte setzt.

Ungarn – Tornai

Ungarn - TornaiAm Ende meiner alphabetischen Reise durch die ProWein angekommen, möchte ich Euch jetzt noch einen ungarischen Wein vorstellen. Somló, Ungarns kleinstes Weinanbaugebiet nördlich des Balaton, hat etwas zu bieten, was es sonst nirgends gibt: eine Rebsorte namens „Schafsschwanz“, auf Ungarisch „Juhfark“. Juhfark lässt sich wegen seiner Säurestruktur und seiner Langlebigkeit durchaus mit dem Riesling vergleichen, aber kaum jemand außer den echten Wein-Freaks hat ihn je probiert. Auch bei der ProWein gab es (nach grober Durchsicht allerdings) nur einen einzigen Erzeuger, der Juhfark im Angebot hatte, Tornai. Der einfache Juhfark aus dem Stahltank (links auf dem Foto) hatte es mir dabei am meisten angetan: frisch und nachhaltig, mit diesem eigentümlichen Gefühl eines hohen Reifepotenzials gesegnet. Wird er dagegen ins Barrique gesperrt (was Hersteller und Kunden offenbar für wertiger und deshalb „besser“ halten), geht der Charakter postwendend unter. Dem Furmint passiert das nicht, denn er ist ohnehin üppiger und würziger ausgelegt, so dass hier gegen eine entsprechende Holzbegleitung nicht viel einzuwenden ist.

Damit, liebe Freunde des langen Atems, sind wir schließlich am Ende meiner bescheidenen Rundtour durch ehrlich gesagt auch für mich aufregende Weinwelten angelangt. Natürlich ist die ProWein viel zu riesig, um alle interessanten Winzer und Weine dort aufsuchen zu können. Verzichten musste ich schweren Herzens unter anderem auf: Terroir Al Limit aus dem Priorat, die Douro-Boys und Secret Spot aus Portugal, Ridge aus Kalifornien, Danner und Klumpp aus Baden, Burlotto aus dem Piemont, Musar aus dem Libanon – und sämtliche österreichische Winzer. Letzteres erfüllt mich allerdings nur mit mäßigem Bedauern. Mitte Juni ist die Vievinum in Wien, und da möchte ich diesmal auch dabei sein.

Eine Frage nur zum Schluss: Habt Ihr alle Rebsorten gekannt? Falls ja, kleiner Hinweis im Kommentar genügt, ich werde dann ein Beweisfoto mit Besen nachlegen.

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12 Antworten zu ProWein 2014 – meine besten Entdeckungen (II)

  1. Keita schreibt:

    HI Matze, mal wieder ein super Beitrag. Bei diesen zwei Sätzen :
    „Und wenn Euch der Stil jetzt nicht gefällt, legt ihn 15 Jahre in den Keller. Bis dahin seid Ihr genauso gereift wie der Wein, da werdet Ihr zueinander finden.“
    musste ich erstmal innehalten und schmunzeln. Wegen mir musst du den Besen nicht verspeisen, Schon bei den Griechen bin ich raus aus dem Rebsorten-Spiel.
    Leider habe ich es doch nicht mehr zur ProWein geschafft, musste dann doch Arbeiten.
    Vielleicht dann nächstes Jahr, zuerst bei der Surki, dann auf zur ProWein?

    • Matze schreibt:

      Ja, so sollten wir es machen! Übrigens war ich bei den Griechen auch schon selbst raus. An dem Stand von Glinavos bin ich zufällig vorbeigekommen. Die Rebsorten kannte ich vorher auch nicht…

  2. Karl Brunk schreibt:

    Hallo Matze,
    das ist ja lustig. Haben wir in deinem Loirebeitrag noch von Thierry’s Negrette in fremden Regionen gesprochen und da kommt er schon um die Ecke. Wirklich interessant und lecker dort.
    Vacheron und überhaupt die guten Sancerre können jedem gut gefallen, der etwas frischer-kühlere säurebetonte Weine mag. Die Sorten gibts ja auch woanders, aber das Sancerre gibt denen seinen eigenen Touch.
    Frick hatte ich in Montpellier im Februar getroffen und mir notiert. Klasse Qualität und für mich vergleichbar mit der Domaine Dominique Frey. Beide eher der frischeren Art können allerdings nicht an die Eigenständigkeit einer Domaine Albert Mann heran kommen. Dort sind allerdings auch einige Euro mehr an zu legen. Es wäre mit den Dreien mal eine Blindprobe lustig um das alte Thema Preis-Wert? – Qualität ins Auge fasst.
    Das Thema wäre auch super unter einem anderen Aspekt. Du schreibst ja vom Rhone-Syrah. Die Rebe ist ja nun auch allerorts zu finden und bewegt sich innerhalb einer breiten Reputations und Preisspanne. Ob Reputation und Preis da wirklich übereinstimmen? Und ist der Hermitage-Syrah wirklich einer der besten Syrah’s in der Welt? Eine Kreuzprobe von Syrahs wäre da auch recht spannend. Für mich ist gerade die Rebsorte vergleichbar mit einem alten Cash-Song, der von wieviel Dutzend anderen gecovert und geremixt wird. Ist jetzt nur das Original gut? Der Song ist der Syrah und die Interpreten stellen andere Regionen dar. Da wird schnell klar, dass Qualität oft vorhanden sein kann (oft aber auch nun wirklich nicht) und die eigenen Vorlieben bei der Diskussion um Qualität nichts zu suchen haben. Ob ich die Flasche für den Preis nachher kauf, dass ist dann allerdings meine persönliche Entscheidung.
    Bei mir steht noch ein Test an : Jean Luis Chave Crozes Hermitage „gegen“ Causse Marines 7Souris (80 Jahre alte Stöcke im Gaillac) und Flasche St. Joseph Prestige von Gilles Flacher, den ich für den Preis ungemein gut in Erinnerung habe.
    Vielleicht kann man ja eines Tages in der Hinsicht etwas mit Nico auf die Beine stellen, der das Thema ja auch immer weider zu pushen versucht. Wirklich rantrauen tut sich da niemand. Warum wohl? Ist das wirklich nur müßig, oder kann man sich da leicht outen?
    Etwas verwundert hat mich eine angesprochene Sache. Das mit den Qualitäten der Jahre 11/12 .
    Jeder Winzer kann auch in guten Jahren Mist machen – aus einem schlechten Jahr aber manchmal auch noch was Gutes hinkriegen. Meine Erfahrung mit den beiden Jahren zieht sich eigentlich quer durch Frankreich. Der 11er konnte bombastisch gut gemacht werden. Voll elegant, rund, tief, ausgeglichen. Der 12er war wie der 10er auch gut, allerdings mit einer frischeren Struktur verbunden und in einem Belang unterschiedlich. Der 10er war eher tanninbetont und bezog die Länge oft daraus. Wohingegen der 12er eher der Säure zugeneigt war und sich damit schön einnisten und verdammt lang frisch nachlaufen konnte.
    Ich habe es in 16 Jahren Frankreich noch nie erlebt, dass Jahrgänge annähernd regionsübergreifend beschrieben werden konnten. Ich neige fast dazu, wieder mal eine Kerbe in die Messlatte Klimawandel zu hauen. Vorher gab es noch nie solche Großwetterlagen, die klar auch mit dem Wandel zu tun haben. Einzelschicksale wie Hagelschläg oder monsumartige Regenfälle sind immer möglich, sind nur kein Gegenargument.
    Dein Artikel lässt auf jeden Fall doch ein wenig Wehmut aufkommen, es diesmal nicht doch zur Prowein geschafft zu haben. Danke für den Überblick.

    • Matze schreibt:

      Na, da hast Du ja mal wieder 20 Themen in einem Kommentar untergebracht😉 . Bei den Albert Mann-Roten gebe ich Dir gern Recht, aber die sind wirklich mindestens doppelt, wenn nicht gar dreimal so teuer wie die von Frick oder Frey. Die Syrah-Spielarten gegeneinander zu testen, ist auch eine interessante Sache. Ich glaube, dass mir die Nordrhône-Syrahs persönlich am besten gefallen, weil sie immer ein wenig nördliche Widerborstigkeit in sich tragen. Wobei Côte-Rotie schon wegen des anderen Gesteins meist anders ausfällt als Hermitage. Und weil da auch die großen Weine im Alkohol meist niedrig bleiben. Aber das sind alles eher Stilfragen als eine Besser-Schlechter-Aussage.

      Was ich allerdings nicht ganz verstehe, ist Deine Vermutung, „da“ würde sich wohl niemand rantrauen. Woran, an einen Syrah-Quervergleich? Warum sollte man sich da nicht rantrauen? Ist doch ein interessantes Thema. Vor einiger Zeit hatte ich übrigens das Vergnügen, einen gereiften „The Dead Arm“ von d’Arenberg zu probieren (ich weiß nicht, ob ich darüber geschrieben hatte). Der war erstaunlich gut, strukturiert und gar nicht fett, also ganz anders, als ich es von einem „Aussie“ erwartet hätte.

      Das mit dem Klimawandel ist (wenn Du mich fragst) eine ganz komplizierte Sache. Dass sich die globale Durchschnittstemperatur seit beispielsweise dem Jahr 1900 deutlich erhöht hat, ist ja kein Geheimnis und auch nicht wegzudiskutieren. Allerdings fielen die Veränderungen teilweise (auch innerhalb Europas) bislang sehr unterschiedlich stark aus. Hier hatte ich mal darüber geschrieben: https://chezmatze.wordpress.com/2012/06/29/weinrallye-52-klimawandel-rosenwein-aus-engeland/ Was dabei jetzt ganz interessant ist (und mir mein alter Professor bereits seinerzeit bei der Vordiplomsprüfung sagte, ist ein paar Tage her…): Der Jetstream scheint sich abzuschwächen, was in unseren Breiten dazu führen kann, dass die starke Drift aus Westen nicht mehr da ist, folglich die Hochs und (meistens) Tiefs nicht mehr so schnell über den Atlantik fegen, nochmals folglich mehr stabile Wetterlagen in Europa möglich sind. In der Theorie. Ob sich das mittelfristig auch zeigt, kann man sicher nicht nach ein oder zwei Jahren mit dauerhafteren Wetterlagen sagen. Aber das wird sicher sehr interessant zu beobachten sein.

      • Karl Brunk schreibt:

        Hallo Matze,
        tut mir leid mit den 20 Themen. Du bietest aber auch immer viel an um darauf ein zu gehen=;))
        Mit dem „da“ war eigentlich nur die Diskussion um einen Maßstab von Weinqualität im Allgemeinen und um Preis-Qualitäts-Relations-Diskussionen im speziellen gemeint. Man sieht es an den Reaktionen wenn solche Themen angesprochen werden (wie zur Zeit immer wieder mal von Nico) .Die Kommentarliste bleibt dann erstaunlich klein. In meinem privaten Kreis fangen da immer wieder heftigste Debatten an. Aber das ist halt auch privat und wir haben uns alle lieb. Öffentlich scheinen da mehr Hemmnisse zu bestehen, mal seinen Urmeter für Weinqualität zu äußern und zur Diskussion zu stellen.
        Gut – soviel dazu.
        Noch was Ausschweifendes. Der Spitzen-Pinot der Domaine Albert Mann liegt bei 52 Euro. Die Weißen liegen erstaunlicher Weise einiges tiefer. Mich hat es auf einem Salon Off in Montpellier mit den aktuellen Jahrgängen zu einem Kniefall hinreißen lassen. Das war für mich das Größte bei dem Ausflug auf eine Messe und drei Salons. Und dabei standen neben ihm andere Größen aus der Naturel-Szene. Allerdings war der Pinot „ETWAS“ – jedenfalls etwas was ich so noch nie so getrunken hatte und kann unmöglich mit irgend etwas sonst verglichen werden. Rauch,Leder,Kaffee,Karamel, getrocknet-warmes angekokeltes Eichenholz und trotzdem reife Beerenfrucht. Ich war zuerst mal geschockt und verblüfft. So hatte ich Pinots aus dem Elsaß – und auch von wo immer sonst – nicht in Erinnerung.
        Zum Thema Klimawandel schreibe ich jetzt nichts. Vielleicht klappt es ja mal mit einem Treffen.
        Wie immer Pfingsten ist ja wieder die Biomesse hier unten. „Ihr“ hattet ja schon einmal angedacht, einen Ausflug hier runter zu machen. Würde lustig werden. Es sind auf jeden Fall schon 6 Leute aus Köln angesagt.

      • Matze schreibt:

        Das mit den 20 Themen muss Dir nicht leid tun, ich freue mich, wenn Leute viel zu sagen haben! Außerdem sind wir hier ja auf einem Blog, wo das Thema „Ausführlichkeit“ ein bisschen freier gehandhabt wird. Schließlich muss ich hier ja nicht für jede Druckseite extra zahlen😉 .

        Was die Preisgünstigkeits-Diskussion anbelangt, hat Nico ja jetzt nicht explizit darauf abgestellt, dass manch anderer Schaumwein gegebenenfalls ein wenig überteuert ist und/oder das Marketingbudget einen Gutteil der Herstellungskosten verschlingt. Es ging ja eher darum, ein Beispiel dafür zu geben, dass in der günstigen Preisklasse auch ein paar echte Perlen zu finden sind (hier der Link: http://drunkenmonday.wordpress.com/2014/04/04/weingut-stachel-sekt/#more-10570). Aber gerade im Schaumweinbereich ist das natürlich ein Thema, weil „Champagner“ nun mal ein weltweit bekannter Prestigebegriff ist, „Sekt“ oder „Crémant“ dafür nicht. Persönlich ist mir da der Crémant von (ja, schon wieder) Jean-Pierre Frick in sehr guter Erinnerung, wunderbar knackig und gehaltvoll, für 8,80 € in einem Weinladen im Elsass gekauft. Damit möchte ich aber nicht zum Dumping anstiften; hätte der Wein 12 oder 13 € gekostet, wäre die Relation immer noch sehr günstig.

        Mit dem Pinot Noir H von Albert Mann hatte ich auch mal ein Erlebnis im Kreis von echten Weinnasen: Der Stinker des frisch geöffneten Weins war so stark, dass wir darüber diskutiert haben, ob wir den Wein so „unseren“ Kunden vorsetzen können/wollen (es wären ein paar Sommeliers darunter), und falls ja, wem und mit welcher Erläuterung. In manchen „besseren“ Restaurants scheint das nicht zu funktionieren, da ist das Publikum klar auf einen bestimmten Geschmack aus, alles andere wird als „Fehlton“ oder (wenn man nicht weiter weiß) als „Kork“ bemängelt. In etwas alternativeren Weinbars ginge das schon, aber für die ist so ein echter Grand Cru (der „H“ ist ja aus dem Hengst) natürlich preislich kaum zu vermitteln. Aber ein spannendes Thema.

        Zum Klimawandel hättest Du natürlich trotzdem was sagen können😉 . Nur falls das nicht deutlich geworden sein sollte: Natürlich haben wir auf der Erde eine durch den Menschen und seine Daseinsäußerungen bedingte Erwärmung. Das ist keine „kleine Warmzeit“, denn mehr als zwei Grad in 50 Jahren schafft die Erde niemals allein. Ich finde nur, dass dieser wahrhaftig bestehende Klimawandel argumentativ gelegentlich ein wenig pauschal für Phänomene verantwortlich gemacht wird, die auch anderer Ursache sein können (Bodenversiegelung zum Beispiel, starke Besiedelung in natürlichen „Risikogebieten“). Aber generell gibt’s daran sicher nichts zu deuteln.

  3. kormoranflug schreibt:

    Wow, was für ein Weinkeller, da komme ich gerne vorbei.

    • Matze schreibt:

      Meinst Du meinen? Ja, der ist nicht übel, aber es gibt halt von jedem Wein nur eine Flasche. Aus persönlichen Neugierdegründen😉 . Übrigens sehe ich den Keller auch nicht allzu oft, alle halbe Jahre tausche ich immer mal wieder ein bisschen was aus…

  4. charlie schreibt:

    Wie die Zeit vergeht! Das war im Juli 2009 als wir in den 2006er Pinot Noir „H“ probiert hatten. Mich haben die Pinot Noirs von Albert Mann immer mehr beeindruckt als begeistert. Bei Riesling und Gewürtztraminer umgekehrt.

    • Matze schreibt:

      Einen richtig gereiften Roten von Albert Mann habe ich auch noch nicht getrunken – und leider auch keinen davon im Keller. Dafür aber den 2008er Riesling Schlossberg Grand Cru. Bin mal gespannt, wie der sich so gemacht hat.

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