Mein halbwahres Radiointerview

TitelGestern habe ich ein Radiointerview gegeben. Nicht zum ersten Mal in meinem Leben, aber zum ersten Mal zum Thema Bloggen. Oder vielmehr ganz konkret zu meinem Blog. Eingebrockt hatte mir das Marqueee, auch bekannt unter seinem Pseudonym „Torsten“, mein Freund und Mitblogger von Allem Anfang…

Wenn ich von „eingebrockt“ spreche, dann stimmt das natürlich nicht ganz. Vielmehr gar nicht, es hat mich nämlich sehr gefreut. Torsten war in der vorigen Ausgabe der Sendung „Trackback“ von Radio Fritz am Ende gefragt worden, welche zwei Blogger er denn für die nächste Sendung in der Rubrik „Blogger privat“ empfehlen könnte. Einer von beiden war ich, und so könnt Ihr sowohl Torstens wunderbar gehuschtes Interview als auch meine gesammelten „Ähs“ und „Öhs“ (bitte Strichliste führen) im Podcast unter diesem Link anhören. Eins sage ich Euch gleich mal als Warnung: Ein Live-Interview im Radio, bei dem man sein Gegenüber nicht sieht, im Grunde genommen gar nichts sieht außer den heruntergelassenen Jalousien, Prost Mahlzeit, das ist schon ein harter Brocken.

DachlawineAllerdings fühlte ich mich beim Interview noch an etwas ganz anderes erinnert, von dem Ihr vermutlich gar nichts wisst. Bevor ich zu bloggen anfing, habe ich nämlich ein gutes Jährchen in Berlin gelebt. Und zwar ein Jährchen mit zwei Wintern, angefangen im November und aufgehört im März des übernächsten Jahres. Dabei ist mir schneidend kalt bewusst geworden, was ein „kontinentales Klima“ in der Praxis bedeutet. Im ersten Winter gab es im Januar keine einzige Sonnenstunde, nur bleiernes Grau. Im zweiten Winter hatte ich dafür fröhliches Schlittern bereits ab der Haustür. Denn es gibt in Berlin keine Hausmeister mehr, die morgens mit der Schippe die Gehwege räumen. Es gibt auch weder Hausbesitzer noch Mieter, die so etwas tun. Es gibt nur Menschen, die ganz vorsichtig über fünf Zentimeter dicke Eisplatten tapsen und solche (alle Berliner über 60), die deshalb den ganzen Monat lang keinen Schritt mehr vor die Tür setzen.

BüroEine Halbwahrheit, die ich in dem Interview verkündet hatte, ist die, dass ich „auf’m Amt“ arbeiten würde und dort mit Reisen und Essen (außer in der Kantine) nichts zu tun hätte. Naja, die Frage war mir dann vielleicht doch zu privat, obgleich man sich’s beim Motto der Rubrik eigentlich hätte denken können. Aus meinem Berlin-Foto-Privatfundus möchte ich Euch als Entschädigung deshalb ein echtes Foto aus meinem echten damaligen Büro zeigen. Eine bessere Aussicht bei der Arbeit hatte ich wohl nie, auch wenn die Klimaanlage regelmäßig alle Viren quer durchs Gebäude gejagt hat.

Bananenblüte außenDie zweite Halbwahrheit, die ich im Interview von mir gegeben habe, ist die Aussage, ich könnte außer Spaghetti mit Tomatensoße überhaupt nichts kochen. Um mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, habe ich mir nach der Sendung gleich eine Bananenblüte besorgt (ja, so etwas gibt es etwa 50 Meter von meiner Wohnung entfernt im Vietnam-Laden) und mal geschaut, was ich damit anfangen kann.

Es ist wirklich verblüffend, wie diese kleinen Banänchen bereits jetzt an den Enden der Blütenblätter hängen. Mindestens genauso verblüffend ist die Geschwindigkeit, mit der die angeschnittene Bananenblüte oxidiert.

Bananenblüte innenDie schöne, vietnamesisch nachempfundene Suppe, die ich hernach gekocht habe (mit kleinen Auberginen, Huhn, Koriander, Tomaten und einer ganzen Armada verschiedener Gewürze) schmeckte dann zwar hervorragend. Aber als ich versuchte habe, sie fotografisch festzuhalten, ist mir ob der mantschig-braunen Art und der insgesamt wenig ästhetischen Aufmachung aufgefallen, dass mein Blog vermutlich genau wegen dieses mir eigenen Mantschismus so ganz anders aussieht als jener von Marqueee.

Bananenblüte SuppeFür die nächste Sendung von „Trackback“ habe ich am Ende übrigens auch zwei Blogs empfohlen, die ich Euch zu konsultieren ans Herz lege, solltet Ihr sie noch nicht kennen.

Joerg berichtet auf „Utecht schreibt“ über Grünkohl, Schwarzwurzeln und den guten alten Alternative Rock – aber immer mit schlauen Schlenkern. Und Julia stellt auf „Beautyjagd“ die neueste Naturkosmetik vor und diskutiert darüber mit ihrer beeindruckend großen Leserschaft in einer Tiefe, die weitab liegt von Schminki-Schminki. Falls Ihr jetzt Euch fragt, weshalb ich als ziemlich unkosmetischer Mann auf einen solchen Blog aufmerksam geworden bin, vergleicht doch mal spaßeshalber diesen und jenen Artikel miteinander. Auflösungsvorschläge bitte an diese Adresse.

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2 Antworten zu Mein halbwahres Radiointerview

  1. utecht schreibt:

    Danke Matze für diesen schönen Text. Für das „Amt“ möchte ich gerne schon mal tätig sein, dass Dich gar so häufig durch die halbe Welt hüpfen lässt😉
    Und für’s Empfehlen und die Anerkennung selbstverständlich auch mein Dank – obwohl nach so viel „Genuss-„Bloggern jetzt auf jeden Fall der Schönheit die Radioberühmtheit gebührt.

    • Matze schreibt:

      Ich glaube, die Schönheit jagt am Samstag in Istanbul, wenn die Radiosendung läuft, da ruft ein nur sehr dürftig mit Gebühren über Wasser gehaltener öffentlich-rechtlicher Sender bestimmt nicht an… Aber Du kannst ja ebenfalls einen eleganten und weltläufigen Eindruck vermitteln. Zieh Dir einfach ein schickes Hemd an, dazu Dein Armani-Schal – sowas wirkt dann gleich auf Deine Gesamtausstrahlung, da braucht Dich niemand zu sehen. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich hatte nämlich den alten Adidas-Trainingsanzug aus den 90ern beim Interview an, und schon denke ich, dass ich beim Amt im Kellergeschoss arbeite und aus dem Landkreis noch nie rausgekommen bin😉

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