Bordeaux 2010 bei Carrefour & Co.

Wie Ihr sicherlich schon mitbekommen habt, bin ich nicht der allergrößte Fan von Bordeauxweinen. In erster Linie hat das damit zu tun, dass es sich meist nicht um „meine“ Art des Weinbaus handelt. Von Aktionären beherrschte Konsortien (ehemals: bordelaiser Weingüter), die Weinpreise je nach Marktlage kreieren, um die Luxuscuvées dann in die Neureichen-Zentren zu verschaffen, das ist für mich emotional unerquicklich. Andererseits muss ich zwei Dinge zugeben: 1. Ein gut gelagerter und gereifter Bordeaux aus einem schönen Jahrgang bleibt etwas Feines. 2. Der Jahrgang 2010 ist – insbesondere für geduldige Menschen – nicht nur ein schöner, sondern vermutlich sogar ein großer Jahrgang.

Borniert wäre ich, wenn ich da nicht ein paar Fläschchen für meinen Keller erstehen würde. Subskriptionen interessieren mich nicht, ich möchte immer die Flaschen gleich mitnehmen. Außerdem ist die quantitative Bandbreite bei den Bordeauxgütern mittlerweile derart groß und die Qualität derart homogen (um nicht zu sagen geschmacklich gleichgeschaltet), dass es mir nicht so wichtig ist, ob ich jetzt von einem bestimmten Weingut etwas bekomme oder doch nur von seinem Nachbarn. Die alljährlich in den französischen Hypermärkten stattfindenden „Foires aux Vins“ sind für mich deshalb eine ideale Spielwiese. Ich kaufe dabei immer nur ein paar Flaschen, aber es gibt natürlich auch Leute, die ihre Beute kistenweise mitnehmen.

Gestern hat nun bei der Hypermarktkette Carrefour die Foire begonnen. Die anderen Ketten werden in den nächsten Tagen nachziehen. Begonnen hat ebenfalls der Géant, der Auchan folgt am 18.09., der Hyper U am 25.09. und der E.Leclerc am 03.10. Bei Cora ist es je nach Markt sehr unterschiedlich, aber die meisten beginnen am 25.09.

Auf der Website der „Revue du Vin de France“ habe ich vor ein paar Tagen ganz penibel zusammengestellte Excel-Tabellen gefunden mit allen Weinen, die bei den verschiedenen Foires angeboten werden. Bei meiner kurzen Recherche gerade bin ich auf diesen Service gestoßen, bei dem man sich die Original-Kataloge der einzelnen Hypermarchés anschauen kann. Und hier wiederum könnt Ihr Euch den Carrefour-Katalog als pdf-Dokument herunterladen, um noch mal genau anzukreuzen, was Ihr Euch kaufen wollt (garantiert dieser Wein wird dann nicht mehr da sein…).

Ich selbst habe mich auf die Schnelle für drei mittelpreisige Weine entschieden. Das ist zum einen der Château Cantemerle 2010, ein in diesem Jahrgang offenbar besonders gelungener, sehr klassischer Médoc (27,75 €). Dann habe ich endlich mal einen weißen Bordeaux gekauft, wobei mir jene meist zu überholzt waren für die zarte Frucht. Diesmal scheint der Château Carbonnieux 2010 (23,95 €) aber ein sehr intensives Aromenprofil zu besitzen und auch für eine längere Lagerung ausgewogen genug zu sein. Von letzterer muss man wohl beim Château Sociando-Mallet 2010 (28,90 €) ausgehen, einem sehr traditionell strukturierten und vinifizierten Médoc, der entsprechend eher etwas für die Hochzeit des Enkels ist. Aber ich bin ja bislang zäh, vielleicht erlebe ich ihn auch noch auf seinem Reife-Höhepunkt.

Dass ich bei den Hypermarché-Foires nie andere Weine außer Bordeaux kaufe, hat natürlich seine Gründe. Echt individuelle Winzerprodukte findet man hier nicht – jedenfalls nicht von der Klasse, wie sie gute Weinhändler zu bieten haben. Und von älteren Jahrgängen sollte man wegen der zweifelhaften Lagerbedingungen auch die Finger lassen. Aber trotz des preislich im Allgemeinen eher abgehobenen Jahrgangs 2010 sind die Foires meiner persönlichen Meinung nach wieder mal eine gute Bordeaux-Fundgrube. Informiert Euch einfach im Internet, alle Kataloge sind verfügbar, und dann könnt Ihr Euer verlängertes Wochenende in Strasbourg, Nancy oder Lille ja mit ein paar Weinchen versüßen.

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9 Antworten zu Bordeaux 2010 bei Carrefour & Co.

  1. jens schreibt:

    Hi matze. Wo bist du den gerade? Mein favorisierter Wein war im carrefour epernay bereits nicht mehr zu haben. Von Bordeaux lasse ich im Moment generell die Finger weil einfach zu teuer.sociando hatten wir heute Abend als 99er…..obwohl der carbonnieux ist Top. Den hatte ich schon….vielleicht fahr ich nochmal zum carrefour….Jens

  2. Frank schreibt:

    Hallo Matze,
    schöner kann man es kaum formulieren: „Von Aktionären beherrschte Konsortien (ehemals: bordelaiser Weingüter), die Weinpreise je nach Marktlage kreieren, um die Luxuscuvées dann in die Neureichen-Zentren zu verschaffen, das ist für mich emotional unerquicklich.“ Dass man mit den Bordeaux-Weinen mit Markenstatus und einer kruden Vorstellung von „Tradition“ ganz ganz viel Geld verdienen kann, wissen die Luxuskonzerne und Versicherungsgesellschaften nur zu gut nutzen. Nicht zuletzt die regelmäßige Hysterie um die Primeur-Kampagne wird von willigen Weinjournalisten Jahr für Jahr gerne und intensiv angeheizt und hält den gemachten Mythos am Leben.
    Da ist es nicht erstaunlich, was jedes Jahr um diese Zeit in Frankreich passiert. So nutzt die „Revue du Vin de France“ die “Foires aux Vins” der diversen Supermarktketten regelmäßig als Aufmacher für ihre Septemberausgabe und unterhält den Leser mit Tabellen, wo es welchen Wein am billigsten gibt. Markenartikel („da weiß man, was man hat“) kauft man dort, wo es am günstigsten ist. In einer Welt, wo sich Preise nach P.-Punkten richten, eine folgerichtige Strategie.

    Die homogen (oder vielleicht doch uniform?) hohe Qualität der Bordelaiser Spitzengewächse und deren Markencharakter haben diesen Teil der Weinwelt für mich zum großen Teil entzaubert.
    Irgendwie traurig, oder vielleicht doch nicht?

    Frank

  3. Alfredo schreibt:

    Mit Sociando liegt Du bestimmt richtig. Und die Zeit vergeht schnell. Wir haben seinerzeit 95/96 den Wein in genügender Menge für zwei Personen eingekellert. Beide Jahrgänge trinken sich schon sehr schön und das nicht zur Hochzeit der Enkeltochter sondern bereits zur Einschulung. Da wir genug Bordeaux für das kommende Jahrzehnt haben, sehe ich die ganze Sache für mich persönlich gelassen, stimme Dir in der Einschätzung dennoch voll zu.

    Viele Grüße
    Alfredo

  4. Alex schreibt:

    War Mitte der Woche auch schon im Carrefour Thionville, ich finde die Foires eigentlich immer sehr interessant. Zu Bordeaux hast du eigentlich schon alles gesagt, wobei man besonders hervorheben sollte, das man auf den Foires gerade die kleineren Bordeaux mit einem wirklich deutlichen Preisabschlag bekommen kann. Wenn man weiss, was man kaufen sollte, bekommt man hier in guten Jahrgängen wie 2009 und 2010 Top-Weine zu einem sehr fairen Preis, Bordeaux hin oder her: Rollan de By (12,50 EUR), Lanessan (10,90), Lilian Ladouys (13,00) seien da mal als Beispiele genannt.

    Je nach Hypermarche gibt es aber auch andere Weine, die man sich anschauen kann. Gerade Leclerc hat viele Burgunder, die man in Deutschland kaum oder nur wesentlich teurer bekommt, der Carrefour z.B. hatte einige Villages und Lagenweine von Frederic Magnien.

    Aber klar, individuelle Winzer-Weine findet man kaum, weil die nicht die nötigen Stückzahlen zur Verfügung stellen können. Ich glaube auch in der RVF stand, das alleine Auchan, nicht die größte Kette, letztes Jahr 55 (!) Millionen Euro auf ihren Foires umgesetzt hat. Das ist schon ne Hausnummer. Vielleicht findet man aber auch so viele Bordeaux in den Hypermarchés, weil am Ende des Tages wahrscheinlich die Shareholder der Bordeaux-Konzerne die gleichen sind wie die der Hypermarchés….

    LG,
    Alex

    • chezmatze schreibt:

      Bei der Frage der Aktionäre dürftest Du voll ins Schwarze getroffen haben.

      Deine Reihe der günstigen Bordeaux kann ich sogar noch unterbieten ;): Château de Francs (von Dominique Hébrard und Hubert de Boüard) für 6,99 €. Wer gern einen merlotgeprägten Essbegleiter mag, sollte sich eine Kiste davon in den Keller stellen und nach vier bis fünf Jahren als Pomerol wieder rausholen.

      Ich muss zugeben, nachdem der Guide der RVF Frédéric Magnien in diesem Jahr wegen wiederholter übermäßiger Extraktion und vordergründigem Holzeinsatz auch noch den letzten Stern abgezogen hatte, habe ich von einem Kauf abgesehen. Ob es wirklich berechtigt ist, weiß ich leider nicht. Eigentlich hätte ich gern einen Chambolle-Musigny gekauft, aber ausgerechnet bei DER Herkunft wünsche ich mir kein fettes Holzmonster… Und für einen reinen Verdachtkauf waren mit 30 € dann doch zu viel.

  5. Oh Dae-Su schreibt:

    „… die quantitative Bandbreite bei den Bordeauxgütern mittlerweile derart groß und die Qualität derart homogen (um nicht zu sagen geschmacklich gleichgeschaltet) …“
    Sehr schön! Wo kann ich unterschreiben 😉

    Vielen Dank für die Foire Termine. Sonst verpenne ich das immer 🙂

  6. Ronan schreibt:

    Hallo Matze,

    Ich habe einige Flaschen Pontet-Canet 2007 (52 €) in der Géant-Foire gefunden. Pontet-Canet macht normalerweise gute Weine, auch wenn ein Jahrgang, wie 2007, nicht einfach ist.

    Nun soll ich geduldig warten…

    • chezmatze schreibt:

      Das wirst Du wohl tun müssen ;). 2007 war noch vor der Biodyn-Zertifizierung, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob ein vergleichsweise schlanker Jahrgang gerade solchen Weinen wie dem Pontet-Canet nicht sogar besser steht. Jetzt weiß ich spontan nicht, was 2007 bei Pontet-Canet gewesen ist, aber ich würde den Jahrgang keinesfalls so schwach einschätzen, wie man vielerorts liest (genau wie ich 2009 bei den Gütern, die ohnehin zu üppigeren Weinen neigen, für ein bisschen over the top halte und keineswegs supertoll). Aber zum Glück entscheidet ja immer der persönliche Geschmack, und da wirst Du in 15 Jahren sehen, was ein 2007er Pontet-Canet so drauf hat…

  7. Super Sache! Ich verbringe jeden Sommer bei Nizza und dadurch bekomme ich natürlich jedes Jahr diesen „Wein-Herbst“ mit. Ich bin eher bei Österreichischen, Süd-Afrikanischen und Kalifornischen Weinen daheim, daher hatte ich nicht einmal eine Ahnung davon was sich zu kaufen lohnt…Das schaue ich mir morgen an!

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