Bin nur kurz mit dem Hubschrauber Bier holen…

In meiner Jugend hatten wir einen Nachbarn namens K. Dieser K. war ein freundlicher Mann, und weil ich damals öfter nach Berlin musste, nahm er mich gern kostenlos mit. Dabei pflegte er zu rauchen, und zwar Roth Händle ohne Filter. War nicht weiter ungewöhnlich damals. Was allerdings meinen Vater immer aufregte: K. wohnte knapp 200 Meter von einem Zigarettenautomaten entfernt. Wenn er wieder mal Zigaretten brauchte (= mehrmals täglich), ging er erst einmal aus dem Haus, dann in die Garage, ließ dort das Auto an – und fuhr zum Automaten. Gut, K. war von Berufs wegen Fernfahrer, hatte also noch keine Gelegenheit gehabt, sich die nicht-motorisierte Fortbewegung vorzustellen, aber dennoch, übertrieben war das schon. Kaum weniger übertrieben (wenn nicht gar deutlich mehr) wäre ein Hubschrauberflug zum Bierholen. Sowas macht ja auch keiner? Dann lest weiter.

Also: Neulich musste ein Freund von mir dringend nach Sachsen. Mit dem Hubschrauber natürlich, denn dieser Freund ist prominent. Das mit dem Flug passte mir gut, also bat ich ihn, mir ein bis zwei Flaschen sächsisches Bier mitzubringen, das ansonsten ja selten exportiert wird. Darauf meinte er: „Du weißt doch, dass ich mich damit nicht auskenne. Komm doch einfach mit, dann kannst Du Dir die Flaschen selbst aussuchen.“ Gesagt, getan. In Dunst und Trübnis hoben wir ab, was in diesem Sommer die Regel zu sein scheint. Regel Nummer Zwei lernten wir dann auf dem Rückweg kennen: unangenehme Gewitter, die man entweder umfliegen oder durchqueren kann. Aber was tut man nicht alles für ein schönes sächsisches Bier.

So. Das war die Rahmenstory. Und jetzt seht Ihr etliche Fotos, die ich unterwegs gemacht habe, denn natürlich war ich viel aufgeregter als mein Kumpel, der doch die Dreistigkeit besaß, die ganze Zeit eine Tageszeitung zu lesen, während diese Landschaftspracht an uns vorbeizog. Interessieren Euch die Fotos genauso wenig wie ihn, dann scrollt einfach runter zu den Bieren.

Angerdorf mit Teich

Angerdorf mit LPG

Straßendorf mit Getreidefeldern – Wie schön, wenn man mal diese ganzen Dorfformen gelernt hat.

Tierpfade im beliebtesten Treffpunkt der Region

Gewitterschauer-Regenbogen in der Lausitz

Doberlug (die eine Hälfte von Doberlug-Kirchhain)

Die Innenstadt von Dresden

Der Kirchplatz in Dresden-Laubegast

Blick auf den Wachwitzer Königlichen Weinberg. Weiß jemand, wer hier begütert ist? Es könnte sich um den nördlich ausgelagerten Teil des Königlichen Weinbergs von Pillnitz handeln, aber dazwischen liegen immerhin drei Kilometer ohne Rebstock.

Blick auf die Sächsische Schweiz

Dies ist das Startfoto einer kleinen Serie. Dargestellt sind einige kulturelle Errungenschaften unseres Landes. Bild 1 habe ich mit dem Titel versehen „Deutschland, Deine Datschen“

„Deutschland, Deine Hähnchen“. Was ich an offensichtlichen Geflügelfarmen auf diesem Flug gesehen habe, passt in keinen Wiesenhof.

„Deutschland, Deine Mähdrescherfahrer“

„Deutschland, Deine Solarbauern“ – auch ein Thema für sich.

„Deutschland, Deine Golfer“

Kleine Serie zu Ende, muss mich wieder konzentrieren. Viele Knöpfe hier.

Bad Saarow

Seegrundstück

Notparkplatz für die Arbeiter des Notflughafens, Ihr kennt die Tragödie …und gelandet!

Ob sich der kurze Flug zum Bierholen gelohnt hat? Nun, dies sind zumindest meine Mitbringsel:

Zum einen haben wir hier das „Olbernhauer Böhmisch-Hell“, ein Schankbier mit lediglich 2,8 vol%. Das optimale Pilotenbier gewissermaßen, denn die Maschine soll ja nach dem Wirtshausbesuch nicht über Gebühr schwanken. Gebraut wird das Bier übrigens „für OGV Olbernhauer Getränke Vertrieb GmbH“, was in Wirklichkeit bedeutet, dass die Olbernhauer Biere seit 2009 in Eibau hergestellt werden. Hätte man auch draufschreiben können, aber so sind halt unsere Brauer. Lieber mal nix verraten, selbst wenn es gar nicht peinlich ist. Ins Glas kommt ein sehr helles Getränk mit brausig-grobporigem Schaum, der sich auch schnell verflüchtigt. In der Nase ist eine zitronig-reisartige Note spürbar wie bei tropischem Lagerbier. Im Mund beginnt das Böhmische wie ein echtes Bier mit leichter Gerbigkeit und ohne unangenehme Süße. Dann allerdings folgt gar nichts. Insbesondere kein Hopfen, erst recht kein Malz, Würze auch nicht. Wie man so etwas mit geringem Alkoholgehalt besser = aromenintensiver machen kann, zeigen einige englische und tschechische Biere sowie das „Biolégère“, ein unfiltriertes obergäriges Bier der belgischen Brauerei Dupont. Aber ich will nicht meckern, „richtig“ alkoholfreie Biere sind ja in aller Regel noch viel schlechter.

Das zweite Bier stammt aus Gersdorf von der dortigen Brauerei Glückauf, das „Glückauf Kräusenbier“. „Kräusen“ gehört zu den wenigen Worten, die es von der deutschen in die englische Sprache geschafft haben. Merkt nur kaum einer, denn wann bitteschön habt Ihr das letzte Mal von „Kräusen“ gesprochen? Die Bier-Amis fragen dafür ständig „Is this beer kräusened?“. Ja, ist es in diesem Fall. Dem durchgegorenen Bier würde nämlich noch ein krauser Jungbrunnen in Form von hochgärendem Bräu zur Nachreife zugegeben. Entsprechend trüb und schon gut schaumig gibt sich unser Glückauf. Von der Farbe her muss ich fast die Sonnenbrille aufsetzen, so grell ist es (ach nein, hab ich schon auf, wir sind ja im Helikopter). Grünliche Reflexe wie bei manchen belgischen Witbieren. Diese sehr helle Note setzt sich im Mund fort: Zitrone, Ananas, aber keine Würze – ein durstlöschendes Bier, aber ohne großes Inhalt.

So sehr mir der Flug gefallen hat, die sächsischen Biere konnten mich leider nicht wirklich überzeugen. Deshalb zum Abschluss gleich drei Fragen an Euch:

  1. Seid Ihr schon einmal mit einem Hubschrauber geflogen?
  2. Welches Bier aus Sachsen lohnt einen weiten Anflug?
  3. Unter welcher Grenze (Meter/Kilometer) geht Ihr zu Fuß zum Einkaufen?

P.S. Von der Hubschraubergeschichte gibt es natürlich auch noch andere Varianten, Wahrheit und Dichtung liegen manchmal halt sehr nah beieinander…

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19 Antworten zu Bin nur kurz mit dem Hubschrauber Bier holen…

  1. Alex schreibt:

    Haha, sehr schön! Und tolle Fotos!

  2. nata schreibt:

    1. Ja
    2. Keine Ahnung, aber man kann ja auch woanders hinfliegen.
    3. Nur selten zu Fuß, meist mit dem Fahrrad. Wobei es weniger auf die Distanz ankommt, sondern eher auf das Wetter und auf das, was zu besorgen ist.

  3. eline schreibt:

    Manche kulturelle Errungenschaften sehen direkt beaengstigend aus!
    1. Ja, fuer eine Reportage im Praktikum – ewig her, hat mir gefallen.
    2. Kenne keines.
    3. Im Alltag bis zu 2 km. Im Urlaub bis zu 10.

  4. katha schreibt:

    1. ja
    2. kenne keines, aber für ein bier würde ich ohnehin nirgendwo hin fliegen
    3. nie gemessen, hängt wohl vom einkaufsvolumen ab
    vor allem aber: beeindruckende fotos. und wie die geflügelfarm im wald versteckt ist, das ist das eigentlich aufsehenerregende daran. alle wollen’s essen, keine/r will wissen, wie’s gemacht wird.

    • chezmatze schreibt:

      Du sagst es. Ich habe noch andere Geflügelfarmen gesehen, die waren so versteckt, dass ich erst dachte, es würde sich um ein Kernforschungszentrum handeln. Mitten im Wald, fünf oder sechs Stück in regelmäßigem Abstand voneinander.

  5. Lijbosz Nek schreibt:

    1.) Hubschrauberflüge sind meine Sache nicht. Einmal als Bub, da meine Mutter einen Freiflug gewonnen hat – grauenhaft, diese ungewohnte Beschleunigung. Aber mit wurde auch auf allen Schiffen und in sämtlichen Bussen schlecht.
    2.) Sächsische Biere – keinerlei Erfahrung. Offtopic: In Hamburg versucht eine Gruppe auf die Craftbeerwelle aufzuspringen; das Ganze unter dem Label der alten Ratsherrn-Brauerei. Das Pils schmeckt wie viele andere, das Pale Ale ist ganz in Ordnung (schöne Frucht, ordentlich Hopfen) und das Rotbier ist nicht der Rede wert. Mal sehen, was da noch kommt.
    3.) Ich besorge alles zu Fuß oder mit dem Rad; zugegeben, ich habe es auch nicht weit bis zum Markt oder den Supermärkten. Getränke lasse ich mir kastenweise liefern; ab 3 Kästen kostenlos, und es wird sogar in den Keller geschleppt. Preise wie im Getränkemarkt.

    • chezmatze schreibt:

      zu Offtopic 2 ;): Eine Informantin aus dieser berüchtigten „Szene“ hat mir gerade ein Etikett von „Sankt Schanze“ geschickt. Ich bin da auch nicht wirklich informiert, aber es sieht mir ganz subjektiv wie Lohnbräu mit viel Marketing aus. Weißt Du mehr?

      • Lijbosz Nek schreibt:

        Davon hatte ich bis eben noch nie etwas gehört, geschweige denn es gesehen oder gar probiert. Ich weiß nicht, ob mich das freuen („So ein Schwachsinn!“) oder ärgern („Bin ich etwa unaufmerksamer geworden?“) soll. Der Name ist schonmal vollkommen fehl am Platze (den seit 15 Jahren anhaltenden Hype ums Schanzenviertel irgendwie mit dem benachbarten Sankt Pauli zu verdengeln, also, nee); obendrein gibt die Homepage so gar nichts an Infos her. Das wäre bei einer eigenständigen (Micro-)Brauerei sicher anders. Wenn man dann noch nachschaut, dass die Domain einem Getränkehändler gehört, kann man sich Deiner Folgerung nur anschließen.
        Auch, wenn mich das neue Ratsherrn nicht umgehauen hat: die bauen sich gerade eine kleine Brauerei – und zwar wo? In der Schanze.

      • chezmatze schreibt:

        Das mit dem Ratsherrn habe ich gerade bei Christoph gelesen, der ja seit neuestem in HH lebt (und offenbar schon gut informiert ist): http://www.originalverkorkt.de/2012/08/just-craft-real-taste-ratsherren-pale-ale/

  6. Charlie schreibt:

    Das mit dem Weinberg muss noch geklärt werden. leider finde ich aber weder gute Karten noch Informanten fur die Region. Vielleicht liesst ja hier einer mit.

    • chezmatze schreibt:

      Ich dachte auch erst, ich hätte den Pillnitzer Königlichen Weinberg erwischt, in dem u.a. Klaus Zimmerling Reben stehen hat. Erst nachher habe ich auf Google Earth gesehen, dass es ja der Wachwitzer war.

  7. Torsten schreibt:

    Hallo Matze,

    vielleicht war es ja auch ein Kernforschungszentrum und keine Geflügelfarm – mich würde wundern, wenn ihr nicht auch über Rossendorf geflogen seid auf der Strecke…

    1) leider noch nicht im Hubi geflogen oder geflogen worden, mir fehlt es auch diesbezüglich an den prominenten Freunden – aber einige Bilder habe ich wiedererkannt und kann ins Detail gehen – leider nicht beim Weinbergsfoto, obwohl ich ja Anfang, Mitte der 80er mit sächsischem Wein kultiviert wurde…

    2) ich würde wohl für kein sächsisches Bier von Bernburg aus zu Fuß losgehen – bin ja auch nicht mehr so der Biertrinker, aber wenn ich mal in der Gegend bin oder mir läuft was über den Weg, dann mag ich gern Görlitzer Landskron, Löbauer, das Freiberger Bock oder auch den Schwarzen Steiger (das ist alles auch schon 20. Jahrhundert… – aber hat seine Sentimentalität für Sachsen bewahrt – immerhin hab ich meine Jugendliebe dort gehabt und 7 Jahre in Sachsen zugebracht…
    („Wohnhaft“, der Sachse ist ja nicht „seßhaft“). Und wenn es sein soll, probier ich gern mal was Neues, vor allem, wenns dunkel oder bockig ist und kein entsprechend guter Wein greifbar.

    3) wenn ich Pakete mit mehr als sechs Flaschen wegbringen muss, nehm ich das Auto und bring auf dem Weg das Schwere mit (Wasser, Kartoffeln etc, auch was dann noch so gebraucht wird), alles andere zu Fuß, das Rad nehm ich eher selten zum Einkaufen… Mit dem Handwagen (Bollerwagen) möcht ich aber auch nicht mehr losziehen, man wird halt doch bequem
    Für paar frische Eier am Sonntag zum Bauernladen 8 km zu Fuss laufen, ist mir auch schon passiert, aber nicht die Regel…

    • chezmatze schreibt:

      Über Rossendorf sind wir nicht geflogen, wir sind ja auf der anderen Seite von Dresden runtergegangen. Aber man hätte es vielleicht sehen können. Schau mal (wenn Du Lust hast) bei Google Maps nach, was da nördlich von Radeburg rechts neben der Autobahn ist, diese komischen, tja, Hühnerbaracken im Wald. Weißt Du, was das ist?

      Kein sächsisches, aber ein thüringisches Bier, das ich auch noch von dieser Fahrt mitgenommen hatte, war die Dingslebener Lava. Toller Name, schöne Aufmachung und ein Bierstil, der mich ganz stark an die belgischen Dubbels erinnert hat – also die dunklen, mittelstarken Abteibiere. Sehr süß und malzig, nicht so rösttrocken wie ein echtes Stout. Solo schmeckt mir sowas fast nie (und man probiert ja in der Regel zunächst solo), aber zu hartem Kuhmilchkäse passt es erstaunlich gut.

  8. jens schreibt:

    Zu1) Ja! Schon viele Male. Erstemal beim Bund in der Grundausbildung. Von der Ostsee wieder zurück zur Kaserne. Ein ca. 40 Minütiger Flug. Der Hubi hebt ab, dreht in den Wind über dem Wasser, wird heftig durchgeschaukelt und die ersten 2, 3 Kameraden fangen spontan an zu kotzen.

    Später dann (ich blieb bei den Hubschraubern) immer wieder kurze Flüge zu umliegenden Kasernen – da wo es gerade Mittags Schnitzel mit Pommes in der Kantine gab….😉

    Später dann im beruflichen Umfeld auch immer mal wieder. Das sogenannte Luftverlasten von einer Wiese auf die andere…. weil alle Straßen dicht waren….

    Zu2) Ich hab‘ in Dresden immer Radeberger getrunken…..und jetzt duck ich mich weg…..

    Zu3) Das hängt immer davon ab, was ich einkaufe. Alles was ich fußläufig bekomme und ohne Mühe zu transportieren ist, erledige ich auch so. Entfernung bis 2 KM schätze ich.

    Jens

  9. Der Bonvivant schreibt:

    Immer diese obskuren Freunde…

  10. Karlsson vom Dach schreibt:

    Prominent und vermutlich in der Politik bzw. im öffentlichen Dienst. Oder werden „zivile“ Promis von Polizisten geflogen?

    • chezmatze schreibt:

      Wie denn, habe ich vergessen, bei dem Herrn Polizeirat die Schulterklappe wegzuradieren? Den Transport von Promis jedwelcher Art kann man übrigens auch unter der Aufgabe „Hilfe in Katastrophenfällen“ subsumieren😉.

  11. Steinmeister schreibt:

    2) Rechenberger aus Rechenberg/Bienenmühle (Erzgebirge, an der tschechischen Grenze). Wer mutig ist, trinkt Leipziger Gose. Und in der Dresdener Neustadt soll es eine Hausbrauerei geben, die nur obergärig und unpasteurisiert braut. Habe ich aber noch nicht probiert.

    • chezmatze schreibt:

      Für Leipziger Gose bin ich definitiv mutig genug! Leider lässt sie sich ja so schlecht transportieren, jedenfalls habe ich noch nirgends (Leipziger) Goseflaschen gesehen. Im Internet gibt es die Gose vom Bayerischen Bahnhof für 9,90 € in der Porzellanflasche. Aber irgendwie habe ich mir noch nie eine Flasche Bier per Post zuschicken lassen… Naja, vielleicht doch mal besser direkt nach Leipzig fahren.

      Die Dresdener Brauerei ist sicher diese hier, Schwingenheuer: http://www.obergaerig.de/

      Hört sich insgesamt ja wirklich vielversprechend an, was da in Sachsen passiert. Der Brauerbund hat hier alle derzeit existierenden Brauereien aufgelistet: http://www.bier-aus-sachsen.de/Brauereien_in_Sachsen.html

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