Rote Burgunder 2010 (a.k.a. Domaine Trapet): Da kommt was auf uns zu

Vor einiger Zeit hatte ich mich mit Alex von Vins Vivants zu einer Weinprobe bei Bossetti in Paris getroffen. Zwar ging es dort primär um Weißweine von der Loire, aber da ich wusste, dass Bossetti eine gute Auswahl an Burgundern vorrätig hat, wollte ich mir bei der Gelegenheit ein schönes Fläschchen mitnehmen. Ob es vielleicht gleich ein ganz Großer sein muss? „Ach“, meinte Alex, „nimm doch erst mal einen kleinen Wein von einem guten Winzer mit, dann siehst Du ja, ob Dir der Stil gefällt. Nachkaufen geht dann immer noch.“ Und so habe ich mir den roten Bourgogne 2010 von der Domaine Trapet mitgenommen, einem der wirklich echten Spitzenwinzer an der Côte de Nuits.

Jean-Louis Trapet besitzt knapp 16 ha Reben (fast alles Pinot Noir) in und um die Gemeinde Gevrey-Chambertin. Über seine Frau Andrée ist auch noch ein elsässisches Gut in den Schoß der Familie gefallen, aber hier soll es ausschließlich um Burgund geben. Jean-Louis Trapet ist, wie überall steht, ein überzeugter Verfechter des biodynamischen Weinbaus mit entsprechenden Prinzipien in Weinberg und Keller. Aber er verficht diskret. So diskret, dass auf seiner Website jedenfalls nichts davon erwähnt wird. Über die Gründe dafür kann ich nichts sagen, aber man kann davon ausgehen, dass die Trapet’schen Weine alle mit entsprechender Sorgfalt bereitet worden sind, ohne aber das geschmackliche Muster klassischer Burgunder zu verlassen.

Ganz im Gegenteil, die Rotweine sind ausgesprochen terroirgeprägt und pur, nie zu breit, nie unausgewogen, ein Idealbild fast. So ideal, dass der „Grüne“ (der Weinguide der RVF) in seiner 2012er Ausgabe dem Chambertin Grand Cru 2009 nicht mehr steigerungsfähige 20 Punkte verliehen hat. Von einem solch edlen Wein sind wir hier natürlich weit entfernt, aber der Bourgogne rouge 2010 kostet ja auch „nur“ 16,30 €.

Im Glas sehe ich ein allerhöchstens mittleres Rot, es ist also keinesfalls ein dunkler Wein. In der Nase ist ganz zu Anfang ein minimaler Sponti-Stinker zu spüren, aber das verfliegt schnell. Danach wirkt der Wein ausgesprochen duftig und fein, eher in Richtung Kirschfrucht gehend als in Richtung Himbeere. Am Gaumen fällt sofort die wunderbare Saftigkeit auf, die aber nicht eindimensional daherkommt, sondern sehr schön in das Säure-Würze-Spiel eingebunden ist. Die Tannine sind mild, offenbar ist der Wein (anders als seine großen Brüder) nicht bewusst auf eine jahrelange Kellerreifung ausgerichtet worden. Der Abgang zeigt sich erstaunlich persistent für einen Einstiegswein. Dies ist schon jetzt ein herrlich ausgewogener, vollmundiger und dennoch eleganter Tropfen, der sich aber in den kommenden drei bis vier Jahren sicher noch stärker harmonisieren wird. Ich bin schlichtweg beeindruckt. Dieser Wein schlägt viele angeblich größere Burgunder um Längen. Zur Einordnung an dieser Stelle auch wieder einmal Punkte von mir: 7 für Eleganz, 6 für Charakter, macht 16,5 MP insgesamt.

Zwei Erkenntnisse folgen für mich aus diesem Test: 1. Trapet gefällt mir. 2. Der Jahrgang ist äußerst vielversprechend. 2007 war ja eher „flüssig“ (bitte, alles ganz pauschale Bemerkungen), 2008 eher erdig, 2009 mir persönlich oft etwas zu schwer, aber 2010 könnte durchaus die Freunde eines richtig gut ausgereiften, eleganten und dennoch kräftigen Burgunders begeistern. Nur bei den richtigen Erzeugern natürlich, aber das ist im Burgund ja keine Neuigkeit. Fragt sich nur, wie die RVF-Leute jetzt den Chambertin 2010 bewerten, wenn der 2009er schon 20 Punkte hatte…

Weine von Trapet gibt es bei Vivinum, beim Bremer Weinkolleg, bei Belvini, bei N+M-Weine  und sicher noch so einigen anderen. Nur „mein“ Wein, der kleine rote Burgunder, ist leider nirgends im Angebot. Solltet Ihr also eine Adresse kennen, schreibt sie doch bitte in die Kommentare, denn auch ich fahre nicht ständig nach Paris zu Bossetti.

Welche guten Erfahrungen habt Ihr denn mit kleineren roten Burgundern gemacht? Habt Ihr einen oder mehrere der 2010er schon probieren können?

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12 Antworten zu Rote Burgunder 2010 (a.k.a. Domaine Trapet): Da kommt was auf uns zu

  1. Eline schreibt:

    Ich bin ein grosser Burgunger-Fan. Habe aber aufgehört mich zu wundern: über überbezahlte, leimig schmeckende Alkoholbomben mit grossen Namen und über sensationelle No-Names um vernünftiges Geld. Man wird einfach immer wieder überrascht, positiv und negativ. Ich vertraue auf Freunde und Weinhändler, die sich halbwegs in diesem Labyrinth orientieren können , daher habe ich keine Tips, was Winzer betrifft. Aber ich würde ein weniger enges Glas nehmen, auch wenn der Wein noch jung ist, mir schmeckt Burgunder, auch einfacherer, so besser.
    Dass französische Weinbauern gerne verschweigen, dass sie biodynamisch erzeugen, ist weit verbreitet. Die teuren Güter wollen so verhindern, das ihr Luxuswein einen Ökotouch bekommt. Warum es die günstigeren Güter machen, ist mir ein Rätsel.

    • chezmatze schreibt:

      Meine Erfahrung mit Burgund ist jetzt nicht überbordend groß, aber doch groß genug, um genau das sagen zu können, was Du auch schreibst: alles recht kompliziert. Das enge Glas ist übrigens der Hotelzimmer-Ausstattung geschuldet, und ich war schon sehr dankbar, nicht aus einem Napf trinken zu müssen😉.

      Das Nichterwähnen des biodynamischen Weinbaus finde ich wirklich schade. Aber Du hast vermutlich Recht, dass es eine stark scheuklappige Klientel gibt, die einen Wein mit Öko-Touch nicht kaufen würde. Wobei ein Winzer, der vollkommen von der biodynamischen Philosophie überzeugt ist, davon wahrscheinlich auch spricht. Und einer, der das neutral betrachtet, aber sieht, dass bestimmte Maßnahmen, die eher etwas mit Pflege und Sorgfalt zu tun haben, gut sind für die Reben und den Wein – der sollte das eigentlich auch nachteilslos sagen dürfen. Qualitätsweinbau und Demeter-Richtlinen (als Beispiel) sind nun mal zwei Dinge, die sich nicht wirklich ausschließen.

  2. edekaner schreibt:

    Fahre morgen nach Paris, wenn wir in der Nähe von dem Laden sind, kann ich ja 1-3 Fläschchen einpacken, wenn du möchtest.

    • chezmatze schreibt:

      Das ist doch mal ein Wort! Leider bin ich ja nicht mehr in Köln, weshalb das mir persönlich wohl nicht mehr zugute kommt. Aber es gibt bestimmt ein paar Deiner Kunden, denen sowas gefallen würde😉. Kann man natürlich auch selbst trinken…

      Und wenn Du schon da bist, der Givry 1er cru Cellier aux Moines 2010 von Joblot muss der absolute Hammer sein. Kostet mit 24,30 € ein Stückchen mehr, soll aber angeblich die allermeisten Grands Crus locker in die Tasche stecken. Gut, ich musste ja unbedingt den Trapet haben, und einen richtigen Lagerwein wollte ich dann auch nicht mitnehmen.

  3. Oh Dae-su schreibt:

    Der Pinot hört sich wirklich sehr schön an! Vor allem für einen BurgRouge. Auf 2010 setze ich sowieso viel Hoffnung nachdem ich 2009 nicht so super-hyper-toll, wie er gerne bezeichnet wurde, fand. Nun ja, bei vielen Einfachen und BurgRouge Weinen war 2009 gar nicht so übel.

    Was mich gerade mal interessiert bzw. wundert: Waren da noch andere Trapet P&F 2010 Weine im Verkauf? Haben die alle so ein „modernes, na fast schon puristisch stylisches“ Etikett? So ein Etikett ist ja fast ein Schocker für so ein traditionreichen Laden wie die bzw. Burgund im Allgemeinen😉.

    • chezmatze schreibt:

      Die anderen Trapets hatten alle noch das alte Etikett. Da der Bourgogne aber der einzige 2010er war, bin ich mir nicht sicher, ob die Großen auch das neue Etikett bekommen oder ob das dem „Kleinen“ vorbehalten bleibt.

  4. jens schreibt:

    Na Matze! Sind die Joblot Weine nicht alle etwas mollig und modern!?

    2010 habe ich im November letzten Jahres ausgiebig an der Cote Chalonaise verkostet. Alles was ich im Glas hatte war sehr gut und die aufgerufenen Preise vor Ort alle mal wert.

    Ich muss dann immer regelmäßig mit dem Kopf schütteln, wenn ich an Spätburgunder aus Deutschland denke, die Qualitäten und die aufgerufenen Preise – im direkten Vergleich mit der Cote Chalonaise versteht sich.

    Grüße Jens und Danke für Deine E-Mail!

    • chezmatze schreibt:

      Das mit den Joblot-Weinen für 2010 würde ich Dir gern bestätigen (oder widerlegen ;)), aber ich habe die Weine selbst nicht probiert. Ich hatte nur im „Grünen“ und bei Bettane & Desseauve gelesen und vor Ort in Paris gehört, dass die 2010er sehr gut sein sollen. Vielleicht auch, weil der Jahrgang halt klassischer, säurereicher und lebendiger war, also genau die Sachen, die in ansonsten in als „groß“ bezeichneten Jahrgängen bei den modern-molligen Winzern fehlen.

      Aber da hast Du ganz sicher Recht, an der Côte Chalonnaise kann man sehr viele gute Weine für meist nicht großes Geld bekommen. Bloß kennt sich fast niemand hier wirklich damit aus. In den großen Publikationen tauchen die Namen kaum auf, und wenn Du mal einen Weinhändler fragst, hat der auch nur die zwei Winzer getestet, die sein Importeur im Programm hat. Vielleicht solltest Du da mal beratend eingreifen😉.

      Zu den deutschen Rotweinen geht mir irgendwie ganz viel durch den Kopf, auch Unausgegorenes, das ich jetzt noch nicht schreiben könnte. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Tatsache, dass wir in Deutschland überhaupt Rotweine in größerem Stil herstellen (und die Leute sie auch haben wollen), hängt ein bisschen mit der Sehnsucht der Deutschen nach dem Süden zusammen. Ist ein unheimlich interessantes Thema. Vielleicht finde ich ja jemanden, mit dem ich das mal diskutieren kann…

      • jens schreibt:

        Wir bräuchten das Thema sicherlich nicht diskutieren! Würde sehr einseitig werden, da wir ja der selben Meinung sind. Wenn Du Tips für die Cote Chalonaise brauchst melde Dich bei mir. Da Du aber den Guide Vert und den B & D hast, kann ich Dir sicher nicht viel neues erzählen.

        Jens

      • chezmatze schreibt:

        Naja, die Bücher hab ich schon, aber das praktische Wissen fehlt mir dann doch. Vielleicht, weil ich durch die Gegend immer nur durchgefahren bin…

        Was die deutschen Rotweine anbelangt (möchte das aber nicht überstrapazieren ;)), meine ich schon, dass man hierzulande gute Weine machen kann. Aber entweder mit mehr Mut zum Tannin (ich denke da an Tauberschwarz, Lemberger und so etwas) oder als roter Riesling, unter 1 g RZ, nördlich-erfrischend, elegant und nicht durch Kraft, sondern durch Nachhaltigkeit langlebig. Wenn ich aber überall nur Probenberichte lese, wo die Leute höchstens vier Jahre alte deutsche Rotweine trinken, denke ich manchmal, vielleicht ist das mit dem süffig-würzig-Leichtsüßen ja okay, vielleicht würden die Leute was anderes (zumindest momentan) gar nicht haben wollen.

  5. jens schreibt:

    Na ja! So viel praktisches Wissen hab‘ ich auch nicht. Aber ich habe doch zumindest eigentlich immer angehalten, wenn ich auf dem Weg in den Süden war. Bei meiner Auswahl hab‘ ich mich auf die beiden Bücher verlassen und auch auf den Guide Hachette und bin nicht enttäuscht worden.

    Irgendwie geht es für mich an der Cote Chalonaise ursprünglicher, herzlicher und weniger hektisch zu. Man kann fast überall ohne Voranmeldung vorbeischauen, ist herzlich willkommen und so ganz nebenbei bekommt man Tips für das Mittagsmahl oder den Abend oder auch Ausflugstips. Als ich bei Jacqueson in Rully Wein gekauft hat, hat mich der Patron gefragt wo ich wohne und als ich ihm sagte, dass ich quasi direkt in der 1er Cru Lage Meix Cadot wohne, hat er gesagt, dass er keine Reben in der Lage besitzen würde, diese aber sehr gut sei und ich mal bei Dureuil Janthial vorbeischauen sollte. Der hätte Reben in dieser Lage, wäre sowieso sehr gut und vielleicht hätte er noch was für mich zu kaufen.

    Das hatte ich ohnehin vor – leider war 2009 ausverkauft und 2010 noch nicht gefüllt. So mußte ich mit dem sehr gut sortierten Weinladen in Rully vorlieb nehmen, der allerdings keinen Meix Cadot von Janthial mehr hatte.

    Auch die Weine aus Bouzeron sind eine Sünde wert – und erst das Essen bei Lameloise (Mittags immer noch teuer aber erschwinglich – 3 Gänge mit 2 Gläsern Wein, Wasser und Cafe für 75 EUR Pro Person) in Chagny

    http://www.lameloise.fr/fr/

    oder in Bouzeron hier

    http://www.restaurant-lebouzeron.com/

    Und um auf das leidige Thema zu kommen. Wir sind Riesling. Punkt. Ausrufezeichen!

    Jens

    • chezmatze schreibt:

      Hab grad mal nachgeschaut: Die Weine von Vincent Dureuil-Janthial (auch den Meix Cadot) gibt es zu guten Preisen bei den Caves du Forum in Reims (http://www.lescavesduforum.com/bourgogne/). Da bist Du ja öfter als ich😉, sowieso eine tolle Weinhandlung. Dann habe ich ihn bei Louis C. Jacob in Hamburg gefunden (http://www.jacob-selection.de/de/WEINCULINARIUM/BIO-DYNAMISCHER-ANBAU/2009-Rully-1er-Cru-Le-Meix-Cadot-VINCENT-DUREUIL-JANTHIAL), nur diese eine Flasche allerdings. Und bei Albert Kierdorf (http://www.kierdorfwein.de/) gibt es sogar eine große Auswahl. Früher konnte man dort ja nur ab x Flaschen bestellen (weiß nicht mehr genau, wie viel, aber jedenfalls so viel, dass das gedanklich von meiner Liste gestrichen wurde), aber es würde mich wundern, wenn das bei der zunehmenden Konkurrenz und der geringeren Abnahme durch die Restaurants immer noch so ist. Vom Cave des Oblats in Liège, der ja auch hauptsächlich Restaurantkunden hatte, weiß ich, dass es in dem Bereich ziemlich rückwärts gegangen ist, während die Einzelkunden immer mehr werden. Wie auch immer, sollte jedenfalls möglich sein, dass Du den Meix Cadot auch bekommst, ohne gleich ins Burgund zu fahren😉. Okay, netter wäre natürlich letzteres…

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