Weine aus Kroatien: die Weißen

Seit meinem Artikel über kroatische Rotweine sind inzwischen zehn Tage vergangen. In der Zwischenzeit habe ich unter anderem eine kleine Rundwanderung über die Insel Hvar gemacht. Dabei konnte ich endlich auch die Reben selbst sehen. Was mich dabei überrascht hat, war die geringe Größe der Anbaufläche. Meist sind die Parzellen klein, zersplittert und dazu noch ungemein steinig. Die allermeisten Weinberge sahen nach viel Handarbeit von Feierabendwinzern aus, und ich denke auch, dass ein großer Teil der Weinvielfalt hier nicht in Flaschen abgefüllt wird. Um die urtümlichsten Gewächse probieren zu können, muss man wohl mit einem Krug zum Winzer oder in eine Konoba gehen.

Vielleicht sollte ich noch einmal darauf hinweisen, dass der Titel des Artikels eigentlich „Weine aus Dalmatien“ heißen müsste. Die am häufigsten angebaute weiße Traube in Kroatien ist nämlich die Graševina, auf Deutsch „Welschriesling“. Die Graševina ist dabei fast ausschließlich eine Traube des Binnenlandes, und nach Slawonien sind es von Split aus immerhin gut 500 Kilometer. Weil damit entsprechend unterschiedliche Anbaubedingungen, -methoden und -kulturen verbunden sind, werde ich Euch an dieser Stelle also nur die Weißweine der kroatischen Mittelmeerküste und der vorgelagerten Inseln beschreiben. Wie bei den Rotweinen auch, waren die Rahmenbedingungen dabei schon ein wenig einschränkend: Ich musste die Weine in einem der Läden in Split kaufen können, sie sollten rebsortenrein sein und nicht allzu teuer.

Mein (vorläufiges) Fazit möchte ich Euch allerdings gleich vorher verraten: Dalmatien ist für mich ganz klar ein Weißweinland. Selbst wenn bei Touristen und Weinhändlern vor Ort die Roten immer höher im Kurs stehen, aufwändiger hergestellt sind, „edler“ und vor allem weltmarktkompatibler, bleiben die Weißen für mich die authentischeren Produkte. Zur Fischküche in sämtlichen Formen passen sie ohnehin besser. Es ist ein bisschen wie in Ligurien, wie an der Küste der Provence oder auch auf Korsika: Die Weißen besitzen einen starken Charakter, ohne überkocht, überholzt oder sonstwie hingetrimmt zu wirken. Wer einen frischen Riesling als Idealvorbild des Weißweins ansieht, wird damit allerdings auch nicht recht glücklich. Andererseits: Riesling zu Rotbarbe vom Grill oder zu Spaghetti alla carbonara – das wäre eine denkbar unpassende Kombination.

Die Rebsorten:

Bogdanuša. Dies ist eine autochthone Hvar-Traube, und zwar eine, die sich eines allgemeinen Ansehens erfreut. Der Name Bogdanuša soll sich von „Bogom dana“ ableiten, was wiederum „Gottesgeschenk“ bedeutet. Dem Namen entsprechend spielen Weine aus Bogdanuša eine große Rolle bei kirchlichen Feiertagen und sonstigen Zeremonien. Die Traube wird meist in der „Ager“ angebaut, der Ebene von Stari Grad. Das zweite und dritte Bild dieses Artikels habe ich in der Ager aufgenommen, wo – für Hvarische Verhältnisse – der Boden relativ steinarm ist.

Mein Exemplar stammt von Antun Plančić aus Vrbanj, Jahrgang 2007, 12,8 vol% und kostet etwa 6 €. Am Weingut bin ich auch zufällig vorbeigekommen, aber offenbar waren gerade alle auf dem Feld. Der Wein besitzt ein kräftiges Zitronengelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase sauber, frisch, mineralisch, Zitrus, leicht puderig. Am Gaumen bin ich wirklich angetan: keinerlei Oxidation, allerdings auch wenig Frucht, und wenn, dann höchstens etwas Ananas. Der Wein setzt mehr auf die herb-aromatischen Noten. Leicht harzig, Pinie, mediterranes Waldgefühl, aromatische Kräuter, aber alles nicht übertrieben. Dass die Bogdanuša ein gutes Alterungs- und Harmonisierungspotenzial besitzt, merke ich am Jahrgang: 2007 – und damit seit Jahren dem Neonlicht des Supermarkts ausgesetzt. Sehr gut gehalten.

Debit. Bis vor einiger Zeit dachte man noch, dass es sich hierbei um den Trebbiano d’Abruzzo handelt, auch als Bombino Bianco und in einigen Gegenden als „Pagadebito“ bekannt. Die Bedeutung in Kroatien ist dieselbe, nämlich dass der Winzer dank des guten Ertrags dieser Traube seinen „Zehnt“ = Debit an den Landesherrn zu zahlen imstande ist. Eine Art dalmatinischer Heunisch also. Neuesten genetischen Studien zufolge ist der Debit aber nicht der Schuldenzahler aus Italien, sondern eine eigenständige Rebsorte, die in grauer Vorzeit einmal aus dem Gebiet der heutigen Türkei importiert worden sein soll.

Ich muss zugeben, dass ich aufgrund der Schuldenzahler-Vorgeschichte einen laschen Überertragswein erwartet hatte. Zumal mein Exemplar von der großen Genossenschaft Vinoplod aus Šibenik stammte und kaum mehr als 3 € gekostet hat (Jahrgang 2010, 12,1 vol%). Sehr kräftig gelb jedenfalls in der Farbe, aber anders als bei der Bogdanuša keine grünlichen, sondern eher bräunliche Reflexe. In der Nase eine oxidative Note, trockene Kräuter, wenig Frucht. Am Gaumen bin ich dann aber beruhigt: Zwar leicht oxidativ, aber keinesfalls bräunlich wirkend, kein Mäuseln, keine flüchtige Säure, keine sonstigen erkennbaren Fehltöne. Dafür gibt es auch hier praktisch gar keine Frucht und für den relativ geringen Alkoholgehalt eine ordentliche Viskosität. Dies ist kein Wein, den man solo trinken sollte, denn für sich wirkt er ziemlich wenig animierend. Zu frittierten Fischen sieht das dann schon ganz anders aus.

Grk. Der Name einer Rebsorte muss nicht immer Vokale besitzen, um den Wein selbst zum Klingen zu bringen. Obwohl „grk“ auf Kroatisch eigentlich „bitter“ heißt, bezieht sich das eher darauf, dass der Wein nicht alkoholstark und süß (wie der Prošek), sondern eher trocken und säurefrisch ist. Grk wird hauptsächlich um den Ort Lumbarda auf Korčula herum angebaut, „direkt am Meer und wurzelecht, das muss man gesehen haben!“, begeistert sich mein Weinhändler von der Vinoteka Bouquet. Die Rebsorte Grk besitzt übrigens nur weibliche Blüten, weshalb sie oft im gemischten Satz mit einer anderen pollinisierenden Rebsorte zusammen angepflanzt wird. Eine ziemliche Rarität.

Mein Exemplar stammt von Branimir Cebalo aus Lumbarda, Jahrgang 2010, 13,9 vol%, und kostet etwa 16 €. Weil der Grk nicht einfach so im Supermarkt zu bekommen ist, habe ich diesmal den Weinhändler bemüht, ein wenig mehr ausgegeben und – Ihr könnt es Euch denken – den Rest nach dem Probieren nicht einfach weggeschüttet. Musste ich auch nicht, denn der Wein unterschied sich wirklich stark von den anderen davor: ziemlich blass in der Farbe, deutlich mineralisch in der Nase, ein bisschen grasige Kräuter, Apfel, sehr jung und weiß. Am Gaumen moussiert der Wein noch leicht trotz hoher Viskosität. Aromatisch gesehen sehr interessant, Weinbergpfirsich, Akazienblüte, dennoch würzig, sehr fein, sehr elegant und blumig. Am dritten Tag (ich hatte die Flasche verkorkt wieder in den Kühlschrank gestellt) eigentlich noch besser und ausgewogener. Ein Wein mit Alterungspotenzial für die feinen Speisen, möglichst ohne Bratfett und Knoblauch. Hat mich an (sehr guten) Verdicchio erinnert.

Parč. Auch diesmal könnte es ohne Vokale gehen, denn manchmal wird die Rebsorte auch einfach als Prč bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine alte Rebsorte, die ausschließlich auf der Insel Hvar angebaut wird. Und zwar bereits seit antiken Zeiten, glaubt man den Gerüchten, denn die Griechen betrieben in der „Ager“ offenbar schon Weinbau. Die kroatischen Gesetze erlauben mittlerweile den Anbau darüber hinaus. Dennoch gibt es bislang nur einen einzigen Wein, der reinsortig aus Parč gekeltert wird – und das ist dieser hier.

Wieder Antun Plančić, aber ich habe den Wein trotz seiner Seltenheit relativ problemlos in Split kaufen können. Anderswo wird es wahrscheinlich schwierig. Jahrgang 2008, 13 vol%, etwa 9 € und diesmal im Holz ausgebaut: zwölf Monate Barrique. In der Nase fällt mir gleich eine Terpentinnote auf. Das Holz scheint irgendwie ein Aroma nach alten Möbeln mitzubringen (oder ist das die Rebsorte?), ansonsten eher Kräuter, Thymian, Oregano. Am Gaumen wirkt der Wein sehr glatt. Das Terpentin bleibt weiter da, aber von den Kräutern setzt sich Rosmarin ganz stark durch, eine enorme Kräuternote. Ich habe das Gefühl, dass sich auch langsam ein wenig Honig anschleicht, während der Holzeinfluss geringer wird. Am dritten Tag mache ich den Wein noch einmal auf und ziehe ein Fazit: charakterstark, gewöhnungsbedürftig, könnte mal in Richtung eines weißen Hermitage gehen.

Pošip. Die Tito-Traube. Warum? Weil zur jugoslawischen Zeit beschlossen wurde, dass genau diese Traube den Charakter der Gegend (insbesondere bezog man sich dabei auf Korčula) am besten wiedergibt. Ihr Anbau wurde daher sehr stark empfohlen. Glücklicherweise handelt es sich beim Pošip auch qualitativ nicht um den schlechtest möglichen Botschafter der Gegend. Dennoch sollen – so sagte mir mein Weinhändler – die Unterschiede zwischen den einzelnen Abfüllern schon deutlich sein. Immer könne man jedoch einen vergleichsweise leichteren Wein erwarten, der gut zu mediterranen Fischgerichten harmoniert.

Mein Exemplar – obwohl ich doch eigentlich einen Korčula-Wein kaufen wollte – stammt von der Genossenschaft aus Svirče auf der Insel Hvar, Jahrgang 2010, 12,4 vol%, 5,50 €. Farblich relativ hell und in der Nase ziemlich verhalten. Eher salzig als fruchtig. Am Gaumen sind die Aromen dann aber sofort präsent: viele Garriguekräuter vorn, auch ein bisschen Harz, etwas Süßholz. Wie fast alle dalmatinischen Weißweine dominieren auch hier die Kräuter die möglichen Fruchtnoten eindeutig. Diesmal geht es zum Schluss eher in Richtung Salbei, also ein intensiver, aber auch aromatisch nicht lauter oder aufdringlicher Ton. Was mich ein wenig wundert, ist die Verwendung von (nicht gerade hochwertig aussehendem) Presskork für jeden Wein hier. Da dürften Korkschmecker gar nicht selten sein, aber bislang hatte ich Glück. Den Wein würde ich übrigens nicht für Grill- oder Bratfisch empfehlen, sondern eher für Artischocken und ähnliche Gemüsegerichte.

Rukatac. Diese Rebsorte ist auch unter dem Namen Maraština bekannt. Mir kam es so vor, als sei damit hauptsächlich das untere Preissegment belegt. Der Name Rukatac stammt übrigens von „ruka“ für Arm, weil die Rispe der Weinrebe (also nicht die Beere) so aussähe, als bestünde sie aus zwei Armen. Wegen seines meist moderaten Alkoholgehalts und des floralen Buketts werden die Weine aus Rukatac auch gern als „ladies‘ wine“ bezeichnet. Nun denn. Es könnte sich übrigens um eine komplett autochthone Rebsorte handeln oder auch um ein Mitglied der weitläufigen Malvasia-Familie. Genaues ist noch nicht bekannt.

Mein Exemplar stammt von Nikola Roso von der Halbinsel Pelješac, Jahrgang 2010, 13,4 vol%, gut 4 €. Okay, ich muss es zugeben: Dies ist der erste dalmatinische Weißwein, den ich für nicht gerade glänzend halte. Blass in der Farbe und ebenso blass in der Nase. Vielleicht ein wenig Lösungsmittel, gar etwas Essighaftes ist spürbar. An der Zunge wirkt der Wein dann sehr neutralweiß, ohne jegliche Würze und ganz wenig Mitte. Das ist bei Weinen, die ohnehin wenig Frucht besitzen, natürlich tödlich. Ein mageres Produkt, tut mir leid.

Vugava. Hier haben wir es dafür wieder mit einer sehr exklusiven Rebsorte zu tun. Exklusiv deshalb, weil die Vugava praktisch ausschließlich auf der Insel Vis angebaut wird. Vis liegt am weitesten draußen im Meer und empfängt deshalb relativ wenig Touristen im Vergleich mit ihren küstennäheren Nachbarinnen. Obwohl die Vugava auch in internationalen Publikationen häufiger erwähnt wird, beklagt man sich in Kroatien ein wenig, dass ihre Eigenschaften dem momentanen Weißweintrend irgendwie nicht so recht entsprechen: sehr reich, sehr reif, sehr gelb, zu ölig und schwer. Jancis Robinson ist übrigens der Meinung, dass es sich bei der Vugava in Wirklichkeit um Viognier handelt, von den Griechen auf dem Weg nach Massilia einfach hier vergessen. Mag sein. Einen Beweis gibt es bislang nicht.

Mein Exemplar stammt von Antonio Lipanović, der Wein ist Jahrgang 2009, 13,6 vol%, gut 8 € kostet er. Der Wein stammt natürlich von der Insel Vis, genauer gesagt aus der Dračevo Polje. Lipanović hat übrigens einen stillgelegten Bunker zum Weinkeller umfunktioniert, so ähnlich wie Hans-Bert Espe von der badischen „Shelter Winery“ mit seinem Hangar. Mehr Gemeinsamkeiten gibt es aber vermutlich nicht. Der Wein ist sehr kräftig gefärbt, goldgrün. In der Nase dicht, tropische Früchte, das erste Mal Frucht überhaupt, es geht in Richtung Mango. Nur ganz zu Anfang auf der Zunge habe ich das Gefühl einer süßen Frucht, denn die Mango verschwindet am Gaumen ziemlich schnell und macht einer würzigen Materie Platz. Bernstein, Harz, etwas Malz, viel Würze, viel Kraft – und dennoch wirkt der Wein nicht zu schwer. Mit längerem Öffnen gewinnt er sogar noch, am zweiten Tag kommt er mir am besten vor. Wer sich nicht vor würzig-kraftvollen Weinen fürchtet, sollte sich auf jeden Fall an einen (besseren und nicht zu schwachbrüstigen) Vugava herantrauen.

Žlahtina. Eigentlich würde ich meine dalmatinische Rebsortenreise hier gern enden lassen, aber das Alphabet ist gnadenlos und zwingt mich dazu, nach dem Kraftbrocken Vugava noch eine weitere Rebsorte vorzustellen, die Žlahtina. Dies ist die typische Rebsorte der Insel Krk, und vor der Ankunft der Reblaus war sie noch deutlich weiter verbreitet. Wegen ihrer locker-langen Beeren wird sie gern als Tafeltraube verwendet. Einen wirklich hochwertigen Wein aus Žlahtina werdet Ihr deshalb kaum bekommen. Es handelt sich meist um relativ leichte, säurearme easy-drinking-Produkte, die auf eine längere Lagerung nicht ausgelegt sind. Vielleicht findet sich aber auch einmal ein lokalfanatischer Produzent, der das Potenzial der Rebsorte ausschöpfen möchte.

Meiner gehört sicherlich nicht dazu. Denn obwohl der Name „Toljanić“ suggeriert, dass es sich um einen einzelnen Winzer handelt, kommt der Wein in Wirklichkeit von der Genossenschaft Gospoja aus Vrbnik, Krk. Jahrgang 2009, 11,8 vol%, etwas über 6 €, soweit die Daten. Sehr blass ist der Wein, mit feinen Bläschen. Fast sieht er wie ein Silvaner aus. In der Nase sehr dezent, habe ich spontan im Mund das Gefühl, dass ich es hier mit zugesetzter Kohlensäure zu tun habe. Zitronig-pudrige Töne, sehr hell und leicht. Tatsächlich ist dies hier ein Wein, der – nach dem Abebben der Brauserei – das Prädikat „lecker“ verdient hat, und zwar im Sinne eines anspruchslosen, ein wenig geschmacksneutralen, aber ohne große Umstände trinkbaren Produkts. Interessanterweise fühle ich mich an einen Welschriesling erinnert, und ich denke mir, vielleicht wollten die Küstenkroaten auch einmal einen leichten, spritzigen Wein hinbekommen, den ihnen ansonsten die Natur nicht so einfach zu schenken scheint.

Mein Fazit: Die Weißen sind es, die mich als jemanden, der aus einem Frisch-Resch-Weißweinland stammt, am meisten faszinieren. Entweder besitzen sie harzige Pinientöne oder sind mit Kräuternoten wie Rosmarin und Thymian gesegnet oder haben in einer würzigen Schale das Sonnenlicht eingefangen. Selten ist ein Wein darunter gewesen, den ich zum Sologenuss empfehlen würde, aber zur lokalen Meeresküche haben eigentlich alle sehr gut gepasst.

Solltet Ihr jetzt auch einen kroatischen Wein kaufen wollen und nicht demnächst nach Kroatien selbst fahren können (was natürlich noch praktischer wäre, vor allem im Hinblick auf die Auswahl), hier habe ich Euch ein paar Online-Shops herausgesucht. Ich habe allerdings keinen von ihnen ausprobiert, also versteht das bitte nur als Liste und nicht als Empfehlung.

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Wenn Ihr darüber hinaus noch interessante Bezugsquellen kennt, könnt Ihr sie mir gern schreiben.

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15 Antworten zu Weine aus Kroatien: die Weißen

  1. Wolfgang schreibt:

    Schöner Artikel. Einige sehr gute Tipps, die zwei von Plančić werde ich auf jeden Fall probieren. Vugava habe ich auch noch keinen getrunken.
    Mit Žlahtina habe ich mich auch noch nicht anfreunden können und das obwohl einige meiner kroatischen Bekannte immer davon schwärmen und ich bspw einem guten Muscadet meist viel abgewinnen kann. Aber egal, man muss ja nicht alles mögen und es gibt genügend andere kroatische Weine zu entdecken.

    • chezmatze schreibt:

      Tja, irgendwie habe ich das Gefühl, dass man immer das haben möchte, was die anderen haben😉. Mein Weinhändler in Split war beispielsweise auch von frischen, knackigen Weißweinen viel begeisterter als von den konzentrierten und eher üppigeren vor seiner Haustür. Vielleicht – ist aber nur eine Vermutung – kommt daher auch die Vorliebe für Žlahtina…

      Jetzt so im Nachhinein würde ich sagen, dass der Vugava von Lipanović wahrscheinlich der „hochwertigste“ Weiße war, den ich in Split probiert habe. Unglücklicherweise gab es auf dem Flughafen dann zwar eine schöne Auswahl an Weinen (habe auch ein paar mitgenommen), aber keinen Vugava mehr… Und ich muss dazusagen, dass ich ansonsten kein großer Freund schwerer Weine bin, weil sie mir meist zu einseitig plump sind. Aber der Vugava hatte so etwas in sich, dass viel eher an „natürlich gewachsen“ erinnert als an „schwerer gemacht als er eigentlich ist“.

  2. Charlie schreibt:

    Das mit dem Riesling stimmt natürlich. Riesling ist i. A. kein guter Essensbegleiter und wird in dieser Hinsicht von sehr vielen, ansonsten viel simpleren weißen Rebsorten übertroffen. erst Recht wenn die Küche mediterran ist.

    • chezmatze schreibt:

      Ja, es ist schon irgendwie erstaunlich: In den allermeisten Gegenden traditionellen Weinbaus gibt es eine sehr enge Verbindung von lokalen Weinen und lokaler Küche. Die Weine sind dabei meist keine Spitzenprodukte, aber es geht ja auch um den Kontext.

      Also entweder besitzen die riesling-dominierten Gegenden keine große Weintradition (das stimmt sicher nicht) oder keine etablierte lokale Küche (das stimmt nur halb) oder keine etablierte warme Küche (denn zu kalten Gerichten – Wurstbroten – passt Riesling ja oft recht gut) – oder es gibt einen ganz anderen Grund dafür, weshalb die Verbindung von Wein und Küche nicht ganz so eng ist.

      Das war ja in England im übertragenen Sinne bis vor kurzer Zeit auch so: Zu gutem Essen wurde französischer Wein gereicht, während die lokalen alkoholischen Produkte wie Cider und (obergäriges Fass-)Bier im Grund nur in Pubs zu Snacks getrunken wurden, aber selten zu warmen Mahlzeiten.

      • Charlie schreibt:

        Ich glaube, grob gesagt, es verhält sich in etwa wie Pigott es in seiner Einleitung zu „Wein spricht deutsch“ erklärt: im deutschsprachigen Raum ist Wein eher kein Essensbegleiter. Das erklärt auch den Stil der Weine. Es gibt bei „deutschsprachigem“ Wein das wichtige und alte Qualitätskriterium „Spiel“. Zum Essen braucht man kein Spiel. Man erkennt das auch daran, dass „lateinische“ Sommeliers Riesling als Aperitif empfehlen. Die jetzigen, stark kosmopolitischen, deutschen Weintrinker haben das alles vergessen und fragen sich, wieso ein ordentlicher Soave besser zum Essen passt als jeder Spitzenriesling.

      • chezmatze schreibt:

        Das hört sich plausibel an. Die Nicht-Rieslinge (z.B. fränkisch-trockener Silvaner oder badischer Weißburgunder oder ein leichter Veltliner) sind aber schon als klassische Essensbegleiter gedacht. Da fällt mir übrigens ein, dass glaube ich mein Großvater mal gesagt hatte, „zum Essen trinkt man nichts“. Also wirklich nichts, nicht etwa nur keinen Wein, sondern auch kein Wasser oder Bier. Das führe zu Verdauungsproblemen, weil sich Flüssigkeit und Festes im Magen noch vermischen müssten.

  3. Oh Dae-su schreibt:

    Vielen Dank für deinen Weissen Bericht! Da hast du recht, die Weissen hören sich mehrheitlich wesentlich ansprechender an als die Rotweine. Zwar meist, vermute ich mal, in einen harten etwas unschmeichlerischen Charakter gehend, bei solch hart-gesprochenen Namen wie Grk und Prc muss das ja fast so sein😉, aber dennoch hören sie sich irgendwie spannender an. Ich bin mal gespannt, wann ich auf solche Küstenkroaten treffen werden. Danke auch für die Bezugsquellen.

    Gruss

    Chris

    • chezmatze schreibt:

      Ja, wobei ich gar nicht sagen würde, dass es ein „harter“ Charakter ist. Vielleicht tatsächlich so etwas wie zwar weich, aber wenig spontan animierend. Also wenig Frucht und mehr in Richtung Kräuter und Harz gehend, also so ähnlich wie die Weißen der nördlichen Rhône. Aber klar, Restzucker ist praktisch keiner drin.

  4. Gaston schreibt:

    Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht. Da ich demnächst den Sommerurlaub in Kroatien (Nähe Zadar) verbringe, eine kurze Frage: Gibt es diese vorgestellten Weine mehrheitlich im Supermarkt oder in spezialisierten Weinhandlungen?

    • Matze schreibt:

      Glasklare Antwort: Beides😉. Ich bin in Split erst in eine Weinhandlung, die Vinoteka Bouquet, gegangen, weil ich mir gedacht habe, da gibt es bestimmt jemanden, der sich gut mit kroatischen Weinen auskennt und mir die Besonderheiten erklären kann. Genauso war es dann auch.

      Ich habe aber auch ein überraschend vielfältiges Angebot in kleinen Lebensmittelläden gefunden, die man bei uns nie im Leben deswegen aufsuchen würde. Ein schönes Beispiel für „außen pfui, innen hui“ ist der „Diskont Feniks“ in der Bijankinijeva ulica, und das soll wirklich nur ein Beispiel sein. Die großen Supermärkte haben überraschenderweise überhaupt kein besseres Angebot als diese typischen Tante-Emma-Läden.

      Einen Wein, den ich dort gekauft und inzwischen schon mehrfach vermisst habe (aber es gibt ihn irgendwie nirgends außer in Kroatien), ist der Vugava von Lipanovic. Viel Spaß auf jeden Fall, Du wirst bestimmt auch in Zadar gute Sachen finden!

      Nachtrag: In Zadar gibt es in der City Galleria die „Vinoteka Dobra Vina“. Du kannst dich ja schon mal durch die Liste der Weine wühlen (http://www.dobravina.hr/rezultati.php), wobei ich nicht glaube, dass dort alles vorrätig ist. Ansonsten gibt es natürlich auch eine Menge Winzer in der Umgebung. Ich war ja nicht mit dem Auto in Split und deshalb nicht so beweglich…

  5. Gaston schreibt:

    Danke für die hilfreichen Hinweise! Das klingt wirklich sehr gut, vielleicht lasse ich dann meine Kiste deutschen Alltagsriesling doch zuhause, denn das klingt ja alles gar nicht schlecht – wobei die Preise… teilweise naja… Aber für guten Wein gebe ich auch gerne einen Euro mehr aus.
    Noch eine letzte Frage: Du erwähntest, es gäbe in der Nähe von Zadar viel Winzer. Weißt du, wo es im Internet dazu eine gute Übersicht gibt? Eine erste, zugegebenermaßen etwas oberflächliche Internetrecherche brachte keine brauchbaren Ergebnisse.

    • Matze schreibt:

      Du hattest doch wohl nicht vor, eine Kiste Riesling in ein Weinland wie Kroatien mitzunehmen ;)? Wenn Du auf frische Weiße stehst, würde ich übrigens nicht unbedingt die dalmatinischen Weine empfehlen, sondern eher solche aus „Kontinental“-Kroatien. Einen Graševina zum Beispiel = Welschriesling.

      Wegen der Winzer würde ich wirklich empfehlen, in einer Weinhandlung oder einer Konoba zu fragen. In der Konoba haben sie ja in der Regel immer frischen Fasswein, die kennen sich vor Ort am besten aus.

      Und falls Du ganz viel Lust zum Suchen hast😉, auf dieser Internetseite (runterscrollen) findest Du eine umfangreiche Liste von Winzern der Anbauregion, die wegen ihrer Weine prämiert worden sind: http://www.zadarskilist.hr/clanci/24012011/u-stankovcima-proglasena–najbolja-vina-sjeverne-dalmacije. Ist zwar auf Kroatisch und von 2011, aber die Namen sind sicher dieselben geblieben😉.

  6. Gaston schreibt:

    Danke!

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