Terres et Vins de Champagne 2012: die schönere Champagnermesse

Champagner ist zweifellos angesagt, und das nicht etwa nur in Boomländern. Im Jahr 2011 kauften die Deutschen beispielsweise 14,2 Millionen Flaschen Champagner, 8,5% mehr als im Vorjahr. Dabei kann man das Angebot ganz grob in drei Bereiche unterteilen. Im ersten stehen die Markenchampagner, die Moëts-Veuves-Perriers dieser Welt. Sie verkaufen sich in erster Linie über ihren Namen, und jeder Supermarkt, gar jede Tankstelle, die etwas auf sich hält, besitzt einen kleinen Vorrat davon. Im zweiten Segment befinden sich die billigen Champagner, Fantasie-Châteaux, die es nicht gibt und die gelegentlich mit solchen Namen ausgestattet werden, die den Großen irgendwie ähnlich klingen. Solche Champagner verkaufen sich allein über ihr anscheinend psychologisch gutes Preis-Luxusgefühl-Verhältnis.

Und dann gibt es noch die dritte Sorte, die „Winzerchampagner“, die nicht bloß romantisierend so heißen, sondern weil es sich bei ihnen um Produkte aus kleinen Betrieben handelt, bei denen die Winzer tatsächlich noch in Weinberg und Keller Hand anlegen. Unter diesen Weinen finden sich die in Wirklichkeit interessantesten, individuellsten, mit dem größten Respekt für Natur und Kultur erschaffenen und im besten Sinne preiswertesten Champagner.

Eine Auswahl der besten Winzerchampagnerwinzer war letzte Woche in Aÿ bei der Terres et Vins de Champagne zugegen. Und wir mitten unter ihnen. Wir, das sind Christoph von Originalverkorkt, ohne den ich aufmerksamer Mensch gar nicht mitbekommen hätte, dass diese Messe überhaupt stattfindet, und Marqueee von Allem Anfang…, der sich am Tag danach bei der Besichtigung des igendwie wenig romatisch wirkenden Clos du Mesnil sichtlich ernüchtert zeigte.

Die „Terres et Vins de Champagne“ trägt übrigens den Begriff Land/Boden/Erde (oder wie man „terre“ auch immer übersetzen möchte) nicht zufällig im Titel. Eigentlich bei allen anwesenden Winzern war ein sehr starker Bezug zu ihren Weinbergen zu spüren. Alle hatten auch ihre „vins clairs“, ihre Grundweine des Jahrgangs 2011 mitgebracht, und das war ungeheuer interessant. Oftmals waren hier nämlich Rebsorten oder Parzellen mit unterschiedlichen Böden getrennt vinifiziert worden. Diese meist säurereichen und karg wirkenden Gewächse besitzen irgendwie die Fähigkeit, die Informationen, die ihnen Rebe und Boden mitgeben, ganz besonders deutlich zum Ausdruck zu bringen.

Jetzt aber zu den Winzerinnen und Winzern, deren Weine ich probiert habe.

Pascal Doquet (eine nicht funktionierende Website, was irgendwie auch wieder typisch ist für diese Winzer – trotz ihrer ganzen Grand Cru-Lagen). Probiert: „Brut Nature“, „Extra Brut“, „Grand Cru Mesnil 2004“

Drei „vins clairs“ standen am Anfang, der erste Morgengeschmack seit dem Kaffee auf dem Wildschwein-Rastplatz Woinic. Alle drei nicht chaptalisiert (logisch), alle drei bissig in der Säure und mit wenig Frucht. Mit anderen Worten: keine Weine, die man in diesem Stadium auf den Markt geben würde. Die Champagner waren dann ganz nett, allerdings ohne dass ich spontan jubiliert hätte. Am besten gefallen hat mir das mit Sicherheit teuerste Produkt, der 2004er „Grand Cru Mesnil“. Vorn nussig, immer noch ein wenig vom Ausbau geprägt, aber mit einer volleren Materie, hinten hingegen immer noch recht karg. Wenn es nicht so blöd klingt, ich würde hier von „ehrlichen Weinen“ sprechen.

Françoise Bedel (seit 1998 biodynamisch, und zwar konsequent und komplett). Probiert: „Origin’elle 2006 Extra-Brut“, „Origin’elle 2007 Brut“, „Entre Ciel et Terre 2008“, „L’Âme de la Terre Extra-Brut 2003“

Das hier waren die beeindruckendsten „vins clairs“ für mich. Warum? Dreimal derselbe Jahrgang, dreimal derselbe Ausbau, nur die Böden sind anders: Lehm, Kalk, Mergel. Aber welch beeindruckende geschmackliche Unterschiede! Auch bei den angebotenen Champagnern setzte sich der individuelle Charakter jedes einzelnen Weins fort. Dabei haben mich die eigentlichen Einstiegsweine („Origin’elle“) am meisten überzeugt, und zwar sowohl 2007 als auch 2008. Françoise Bedel pendelt hier zwischen brut und extra-brut, aber Pinot Meunier (sprich: Schwarzriesling) ist immer dominant. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass diese Rebsorte – wenn von den richtigen Händen gepflegt – durchgängig unterschätzt wird. Die höherwertigen Chardonnays von Bedel waren dann zwar holziger, cremiger, mandeliger und zugegeben wirklich gut, besaßen aber nicht mehr diesen Überraschungseffekt. Dennoch: überzeugende Kollektion.

Raphaël Bérèche (von Bérèche et Fils). Probiert: „Extra-Brut Réserve“, „Les Beaux Regards Brut Nature“, „Le Cran 1er Cru Ludes 2005“

Keine Grundweine diesmal, dafür drei Champagner sehr unterschiedlicher Art. Die Extra-Brut Réserve stammte zu 70% aus 2008, war mandelsauer und mit würzigem Abgang. Die Beaux Regards hingegen präsentierten sich stufenweise. Aus 100% Chardonnay bereitet, war der Wein gleichzeitig cremiger und mit einer wesentlich apfeligeren Note ausgestattet, bevor zum Schluss durch die kräftige Säure spürbar wurde, dass hier praktisch kein Zucker enthalten ist. Der 2005er Le Cran hingegen, sechs Jahre in der Flasche gereift, hat zwischenzeitlich seine Frucht komplett abgegeben. „Burgundisch“, meinte Marqueee, „eine Assemblage aus Chardonnay und Holz.“

Benoît Lahaye (gar keine Website und bitte nicht mit einem der anderen Lahayes verwechseln). Probiert: „Blanc de Noirs Brut Nature“, „Brut“, „Jardin de la Grosse Pierre Brut Nature 2009“, „Rosé de Macération“ „Essentiel Grand Cru“

Eine ganz andere Nummer gab es bei Benoît Lahaye direkt am Nachbartisch zu verkosten. Er besitzt 3,8 ha rote und nur 0,6 ha weiße Trauben, was sich entsprechend auf die ganze Champagnerpalette auswirkt. Kräftiger sind die Weine, fruchtiger, mit dieser typischen Erdbeersäure des Pinot Noir ausgestattet. Der Rosé passt nach meiner Vorstellung beispielsweise ausgezeichnet zu gebratenem Hähnchen, das ich in der Tat jetzt auch ganz gern gereicht bekäme. Allein, es gibt nur trockenes Weißbrot. Der Grand Cru hingegen hat deutlich stärkere Birnen- und Mandelnoten zu bieten, ist aber auch ein guter Speisenbegleiter. Und der „Jardin de la Grosse Pierre“…, den beschreibe ich unten, denn das ist einer meiner drei Lieblingsweine gewesen.

Olivier Horiot (ganz aus dem Süden der Champagne; ein schönes Foto hatte ich eigentlich von seiner Frau und ihm gemacht. Aber sie klimpert gerade mit den Augen, was irgendwie unvorteilhaft wirkt, deshalb doch nur ein Flaschenbild an dieser Stelle). Probiert: „Sève Brut Nature“, „5 Sens“, „Rosé de Macération“, „Rosé des Riceys En Barmont 2006“

Hier unten, praktisch an der Schwelle zum Burgund, gibt man sich nicht mit einem Blanc de Blancs-Champagner zufrieden. Bei den Horiots werden wenigstens fünf der zugelassenen Rebsorten der Champagne angebaut (neben Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Noir noch Arbane und Petit Meslier), zwei besondere Rosé-Stillweine bereitet, dazu jeweils ein roter und ein weißer Stillwein. Wer dieses Gut besucht, hat also eine denkbar vielfältige Probe vor sich. Dafür sind die einzelnen Weine ganz klar voneinander getrennt. Marie Horiot erklärt: „Der ‚Sève‘ zum Beispiel: eine Parzelle, ein Jahrgang, hier 2006, 100% Pinot Noir, Brut Nature. Wir machen das immer sehr einfach.“ Einfach aber im Sinne von konsequent und nicht von simpel, denn die Weine sind alle schön. Bitter-anregend der „Sève“, rauchig-expressiv der „5 Sens“, Krokant und Küchenkräuter beim Rosé-Schaumwein und einfach viel eher ein zarter, pinotierender roter Burgunder als ein Rosé bei dem Rosé des Riceys.

Olivier Paulet (von Hubert Paulet, ein Weingut, das mir bislang völlig unbekannt war). Probiert: „Extra-Brut“, „Brut 1er Cru Rilly-la-Montagne 2005“, „Risléus Brut 1er Cru Rilly-la-Montagne“

Olivier Paulet hat sich als einziger Winzer vor der Messe einen Scheitel gekämmt und ein Jackett angezogen. Auch das zeigt ein bisschen die Geisteshaltung unter den hier vertretenen Champagnerwinzern: kein Chichi, kein internationales Marketingsprech, viel sichtbare Handarbeit. Und die hat Olivier offenbar auch geleistet. Ich probiere seine „vins clairs“, darunter wieder mal einen sehr interessanten Pinot Meunier, der auch das Zeug zum gelungenen Stillwein hätte. Die beiden ersten Champagner, die ich probiere, wirken irgendwie schon ziemlich trinkfertig, der 2005er zusätzlich durch die relativ geringe Säure gar ein bisschen gemächlich. Der „Risléus“ hingegen (nicht geschönt, nicht filtriert, kein BSA, eigene Hefen – okay, diese Sachen sind hier die Regel, ganz im Gegensatz zu den Markenchampagnern) besitzt noch eine recht hefige Nase. Die Mitte gestaltet sich interessant mit vielschichtigen Aromen und einer gut eingebundenen Säure. Ein schöner Champagner – ohne Importeur bislang in den deutschsprachigen Bereich, leider.

David Léclapart (biodynamisch und ohne Website, aber ziemlich abgefeiert und auch mit mutigeren Preisen). Probiert: „L’Artiste 2006“, „L’Apôtre 2006“, „L’Alchimiste 2006“

Hier gibt es keine kleinen Weine, und es gibt auch keine ellenlangen Herkunfts-bezeichnungen. David Léclapart baut nur Jahrgangsweine aus, immer komplett ohne Dosage, „Brut Nature“ also. Als „vin clair“ probiere ich einen neuen Roséwein („Astre“), der einmal ein Roséchampagner werden soll. 100% Pinot Noir, sehr eigene Aromatik. Ich glaube, das wird mal ein ziemlich großer Wurf, wenn er auf den Markt kommt. Bei den ersten beiden Champagnern, die ich probiere, glaube ich zu merken, wohin der Stil des Hauses geht: Man sucht die perfekte Eleganz, die perfekte Ausgewogenheit. Der „Artiste“, halb Stahl, halb Barrique, besitzt dabei eine deutliche Säure, der „Apôtre“, komplett im Barrique ausgebaut, hat seine Extremwerte abgelegt. Ein großer Champagner im ganz klassischen Sinne, vielleicht einen Touch zu perfekt. Der „Alchimiste“ ist hingegen ein Roséchampagner der bitterwürzigen Sorte. Die Frucht, die man noch riechen kann, gibt es dann nicht mehr zu schmecken – es gibt trockene Zweige zu trinken. Viel Charakter, wenig Kompromisse.

Vincent Couche (mir bislang auch völlig unbekannt, aus dem Süden der Champagne, Nachbardorf von Les Riceys sozusagen). Probiert: „2002“, „Rosé 2004“, „Bulles de Miel“

Alle Weine von Vincent Couche weisen jeweils eine ganz bestimmte Note auf, die mich wirklich verblüfft. Der erste, ein weißer Jahrgangschampagner, besitzt einen deutlichen Weißdornanklang. Der zweite, ein rosafarbiger Jahrgangschampagner, dagegen irgendwie starke Streichholzkopfnoten. Man könnte fast denken, dass das Schwefel ist, aber eine übermäßige Schwefelung ist bei diesem Weingut ziemlich sicher auszuschließen. Ob das aus dem Boden kommt? Kein unangenehmer Wein übrigens, ganz im Gegenteil. Zum Schluss kommt noch die Mutprobe. Die Mutprobe für den Winzer. Der „Bulles de Miel“ ist nämlich ein halbtrocken ausgebauter Champagner. Vincents Frau erklärt dann auch: „Viele Leute wollen den Champagner gar nicht mehr probieren, wenn sie nur das Wort ‚demi-sec‘ hören…“. Sollten sie aber. Vorn ein enorm charmanter Wein, gar nicht zu süß. Hinten kommt der Zucker ein wenig stärker, aber ich wage zu behaupten, dass der Wein besser zu manchen Gerichten passt als die furztrockenen Versionen.

Franck Pascal (keine klassische Website, sondern ein Blog, und so erfährt man auch, was Franck zu seinem 40. Geburtstag getrunken hat). Probiert: „Reliance Brut Nature 2007“, „Harmonie Extra-Brut 2004“, „Quint Essence Extra-Brut 2004“

Zunächst gibt es bei Franck die „vins clairs“, die ungeschwefelt sind und beispielsweise im Falle von Pinot Noir und Pinot Meunier enorm sauber und pur, aber dennoch fast mild wirken. Beeindruckend. Sein „Reliance“ deutet nasal auf knackige Säure hin, besitzt dann aber einen ganz erstaunlichen Ton, der keineswegs bitter oder sauer ist, sondern eher ein wenig wie trockenes Stroh wirkt, leicht belegt und spätsommerlich. Die beiden anderen Weine kommen erst spät am Gaumen richtig in Fahrt und nehmen an Kraft und Tempo auf. Sollte man vielleicht sogar dekantieren.

Pascal Agrapart (viel Andrang, nur mit Buchstaben bezeichnete Flaschen ohne Etikett mitgebracht, man glaubt fast, hier würde es einen Kultwein geben). Probiert: „Minéral“, „Avizoise“, „Vénus 2006“

Nach dem Probieren des ersten Weins wird mir dann zielich klar, dass es hier nicht um Kult, sondern um Qualität geht. Der „Minéral“ macht seinem Namen alle Ehre, viel Aroma besitzt er, einen enorm mineralischen Ausdruck und hinten einen sehr trockenen Abgang. Ein Wein, der auffällt. Den Avizoise beschreibe ich auch noch gleich, denn da habe ich einen meiner drei Lieblingsweine heute gefunden. Jetzt hatte ich mich natürlich sehr auf den „Vénus“ gefreut, denn ganz offensichtlich ist Pascal Agrapart ein begnadeter Winzer. Aber leider – Kork, und zwar ziemlich heftig. An dieser Stelle müssten vielleicht Christoph und Marqueee einspringen, denn die beiden hatten den Wein schon vorher aus einer anderen Flasche probiert. Ich selbst mache wegen des Andrangs nicht den Versuch, später einen weiteren Schluck zu ergattern.

Jean-Baptiste Geoffroy (von René Geoffroy, das Weingut liegt nur wenige Schritte entfernt, er ist zu Fuß gekommen). Probiert: „Expression“, „Rosé de Saignée“, „2004“

Schade, dass Jean-Baptiste nicht seine roten Stillweine dabei hatte. Er bereitet nämlich auch einen 100%igen Pinot Meunier, aber davon gibt es nur wenige Flaschen. Es wäre einmal interessant gewesen zu sehen, was man mit Schwarzriesling so alles anstellen kann. Die Champagner sind irgendwie nur mäßig beeindruckend. „Expression“, eine Cuvée aus zwei Jahrgängen (2008 und 2009) und drei Rebsorten wirkt noch viel zu jung, Süße und Säure stehen nebeneinander. Der Rosé hingegen kommt mir mit seinen zehn Gramm Restzucker in der Nase fast wie ein deutscher Spätburgunder vor – und der Eindruck bleibt auch am Gaumen. Lecker, aber ohne Tiefe. Der Jahrgangs-champagner wurde hingegen in eine Karaffe dekantiert, die ein bisschen nach WC-Ente aussieht. Der Wein wirkt entsprechend am reifsten, ausgewogensten, aber nachhaltig wird mir nur das Gefäß im Gedächtnis bleiben.

Zum Schluss noch zu meinen Top 3, zu den Champagnern, die ich mir liebend gern schenken ließe. Die Reihenfolge ist übrigens beliebig:

1. Françoise Bedel „Origin’elle 2007“: Ein Brut mit 8 g Restzucker, fast ausschließlich Pinot Meunier, der Jahrgang bestimmt der magerste in der Champagne seit etlichen Jahren. Und das Ergebnis? Flüssige Meeresfrüchte, Jod, Kargheit, vibrierende Mineralität, fantastisch. Kein Champagner, den ich für Jahrzehnte in den Keller legen würde, aber ein Charakterwein par excellence.

2. Benoît Lahaye „Jardin de la Grosse Pierre Brut Nature 2009“: Ein Champagner, der erst Ende 2013 zu kaufen sein wird und von einer Parzelle stammt, die Benoît besonders am Herzen liegt. Dieses Erstlingswerk ist nämlich das Ergebnis eines erstklassigen Gemischten Satzes. Benoît weiß selbst nicht genau, welche und wie viele Rebsorten in dieser alten Parzelle vorhanden sind. „Aber es sind viele. Und es sind auch welche, die nicht autorisiert sind, aber davon sprechen wir besser nicht…“. Der Wein ist noch sehr jung, zeigt aber bereits jetzt, dass er eine große Ausgewogenheit erreichen wird. Dazu kommen Noten von weißem Pfeffer.

3. Pascal Agrapart „Avizoise“: In der Nase sofort ein enormer Spontiton, würde ich sagen, viel dunkles Terroir dazu. Am Gaumen auch sehr natürlich, ein wenig flüchtige Säure zu Anfang, dann pendelt der Wein zwischen Biss und Cremigkeit. Eine sehr anständige Fruchtsäure kommt auch noch dazu, und fertig ist die individuelle, verblüffende, beeindruckende aromatische Achterbahnfahrt. Da scheiden sich vermutlich die Geister, aber zum Glück besitze ich selbst ja nur einen einzigen, und dem gefällt der Wein außerordentlich.

A propos außerordentlich: Eine tolle, wenn auch leider viel zu kurze Fahrt in die Champagne, die für uns mit einem schönen und von der Sonne gnädig begleiteten Spaziergang durch die Weinberge von Aÿ weiterging und anschließend mit einem Rundgang durch Epernay längst nicht endete. Die Messe selbst hat mich zwei Dinge gelehrt, auf die ich vielleicht auch so hätte kommen können, aber der tätliche Beweis gilt dann doch mehr als das reine Gedankenwerk: 1. Wenn ich zukünftig Champagner kaufe, dann nur Winzerchampagner. Es gibt keinen einzigen Grund, das anders zu handhaben. Ein bisschen sollte man sich im Vorfeld informieren, aber dann findet man garantiert etwas Passendes. 2. Richtig gute Winzer haben schon bei ihren vermeintlich kleinen Qualitäten Erstaunliches zu bieten. Und das ist umso wesentlicher, weil Champagner ganz allgemein ein relativ teures Luxusgut bleibt. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Den „Origin’elle“ von Bedel gibt es hier für weniger als 30 €, die Einstiegsweine von Bérèche oder Lahaye kosten in Frankreich jeweils unter 20 €. Das ist für diese Qualität sehr erschwinglich.

Was ich auf der Messe allerdings nicht probieren konnte, obwohl es mich interessiert hätte, ich als Frage also hiermit an Euch weitergeben möchte…: Kennt jemand einen guten (!) roten (!) trockenen (!) Schaumwein? Den würde ich nämlich einmal gern zur nächsten Räucherwurstplatte ausprobieren.

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12 Antworten zu Terres et Vins de Champagne 2012: die schönere Champagnermesse

  1. Alex schreibt:

    Toller Report mal wieder! Werde deine Notizen beim nächsten Champagnerkauf berücksichtigen, Bin aber überrascht, dass der Doquet keine Euphorie ausgelöst hat, was aber für mich bedeutet, dass die anderen ziemlich gut sein müssen. Gruß

    • chezmatze schreibt:

      Ja, das Niveau war wirklich sehr hoch. Gut, kein Überhammer wie ein Großer von Selosse oder Egly-Ouriet, aber wir waren ja auch weit vom dreistelligen Bereich entfernt. Vielleicht lag das mit Doquet auch daran, dass es der allererste Stand war, bei dem man sich ja meiner Erfahrung nach immer erst mal ein wenig einpendelt…

  2. Marqueee schreibt:

    Ich kann deinen Eindruck aber bestätigen, Matze. Auch für mich waren die Doquets solide, ohne Begeisterungsstürme auszulösen.

    Was den Vénus betrifft, so finde ich nur fragmetarische Aufzeichnungen. Die bescheinigen dem Vénus die Kunststück, die mineralische Tiefe des Minerals mit der Fülle und Frucht des Avizoise zu vereinigen. Ungemein „weinig“ und von betörender Tiefe. Braucht für mich den Vergleich mit Egly-Oriet nicht zu scheuen. Jedenfalls mit keinem Egly, den ich in den letzten 12 Monaten getrunken habe.

    Dafür kann ich aber beim Foto von Olivier Horiot kann ich aushelfen – wenn bedauernswerterweise auch nur ohne seine Frau.

    • chezmatze schreibt:

      Ja, das hatte ich quasi schon befürchtet, dass der (oder die) Vénus ein richtig großartiger Wein ist. Ich habe mal nachgeschaut: 65 € ab Hof, und ich denke, das passt von der Qualität her auch.

      Zum Foto von Olivier Horiot fällt mir noch ein: Gab es eine tiefere Bedeutung dafür, dass sich viele Winzer so quergestreift präsentierten? Ich habe mir gerade den neuesten „Guide du Routard Paris“ gekauft, auf dessen Rückseite es immer ein Foto von dem gesamten Team gibt. Und siehe da, auch da alle in blau-weiß quergestreiften Pullovern!

      • Marqueee schreibt:

        Ich hatte gehofft, du würdest mich darüber aufklären können, Matze. Denn aufgefallen war mir die Häufung nautisch inspirierter Strickwaren auch.

      • chezmatze schreibt:

        Ich fürchte, das kann ich nicht. Vermuten tue ich hingegen, dass mit der Kleidung so ein leicht vorsommerlicher, maritimer Charakter in die Messe getragen werden sollte, La Rochelle im Mai sozusagen. Und ein bisschen die Erinnerung an die französischen Intellektuellen der 50er/60er in der Sommerfrische. Wer hatte denn von denen öfter diesen blau-weißen Pulli an? …Ich komm grad nicht drauf.

  3. Alfredo schreibt:

    Wenn es schon nicht nur um die Champagner geht, gebe ich hier noch einen kleinen Tip(p) zum Rosé des Riceys zum besten: zusammen mit einem Chaource fermier (bitte nicht die Industrieware aus Chaource selbst) ist das ein einmalig passender Gang.
    Beste Grüße
    Alfredo

    • chezmatze schreibt:

      Ah, Chaource fermier, das hört sich in der Tat sehr gut an! Bin inzwischen wieder aus Paris zurück, und wie einfach und unspektakulär ich da an einen halbweichen Chèvre fermier aus den Pyrenäen gekommen war (zum Gamay aus den Savoyen von Louis Magnien)…

      Was ich vergessen hatte zu erwähnen: Der Rosé des Riceys von Olivier Horiot ist meiner bescheidenen Meinung nach um Lichtjahre besser als jener von Alexandre Bonnet, den ich in Ermangelung einer Reise nach Les Riceys bislang als einzigen Vertreter kennengelernt hatte. Ich hatte mich bei Horiots Exemplar spontan an einen sehr schönen, leichten und dennoch intensiven Pinot Noir aus dem Elsass oder dem Jura erinnert gefühlt.

  4. Alfredo schreibt:

    Wir haben zweimal vor Ort bei Morel eingekauft, sowohl Champagner als auch Rosé. Schöner Betrieb. Der Rosé ist wohl ähnlich wie der von dir beschriebene Horiot. Meinen (Markt)käsehändler im hiesigen Schwabenland habe ich zu dem Chaource fermier bekehrt. Er hat eine zuverlässige Bezugsquelle gefunden und unterdessen wollen den alle.
    Beste Grüße
    Alfredo

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  6. Pingback: Terres et Vins de Champagne, eine Nachlese » originalverkorkt

  7. michaelmagwein schreibt:

    Genau solche (Schaum-)Wein liebe ich, die von Winzern mit Leidenschaft und Tradition und Kreativität gekeltert werden. Zugegeben, manchmal kaufe ich auch eine „Marke“ oder einen „Supermarkt/Discounter“, aber meistens trinke ich auch lieber Handwerks(-schaum-)wein!
    Vielen Dank für den tollen Bericht!
    Michael

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