Und was ist mit Kuala Lumpur…?

Tja, das ist eine Frage, die sicher die meisten Thailand-Traveller nicht werden beantworten können. Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam – ja, da sind viele schon einmal gewesen. Aber Malaysia? Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass Malaysia sich vom Image her nicht gerade als Party-Mittelpunkt der Welt darstellt. Auch was Traumstrände oder Jahrhunderte alte Kulturen anbelangt, liegt Thailand sicherlich vorn. Aber nachdem ich jetzt selbst einmal in Kuala Lumpur war, muss ich Euch mitteilen, dass es wenn irgend möglich nicht mein letztes Mal gewesen sein soll. Einerseits gnadenlos modern und business-orientiert, andererseits alltagskulturell faszinierend vielfältig und ganz in tropisches Grün gebettet, das ist KL, wie die Stadt hier nur genannt wird. Über acht Millionen Einwohner leben in diesem Ballungsraum, und was man dort alles sehen und essen kann, daraus möchte ich Euch einen kleinen Ausschnitt präsentieren.

Gut, worum es an dieser Stelle nicht geht, was aber für die massive Europäerpräsenz im KL dieser Tage verantwortlich ist, das ist der Formel 1 Grand Prix. Und diese Veranstaltung ist irgendwie auch bezeichnend, denn KL – das merke ich schnell – ist eindeutig eine Stadt für Autofahrer. Meine Gesprächspartner lächeln mit entsetztem Blick, als ich ihnen sage, dass ich zu Fuß zu ihrem Büro gekommen bin. Allerdings muss ich zugeben, dass das auch nicht meine allerbeste Idee war, obwohl ich ihr Hochhaus von meinem Hotel aus bereits sehen konnte. Es ist hier nämlich nur unwesentlich kälter als in Bangkok, 34 Grad, um genau zu sein. Die feuchte Hitze führt dazu, dass alle Fußgänger sehr bedächtig unterwegs sind. Das habe ich in Asien gelernt: Ganz ruhig einen Fuß vor den anderen setzen und nicht etwa anfangen zu laufen, wenn die Ampel droht, auf Rot zu springen.

Ansonsten ist Kuala Lumpur in vielen Belangen aber komplett anders als Bangkok. Die Bebauung wirkt viel weniger dicht. Zwischen den zum Teil abenteuerlich gestalteten Hochhäusern breiten sich immer wieder große Flächen tropischen Grüns aus. Schön für das Auge, schlecht für das Fortkommen auf den allerdings gut ausgebauten Fußwegen. Die geringere Dichte führt auch zu einer geringeren Lebhaftigkeit, was bedeutet, dass Straßenstände vergleichsweise deutlich seltener sind – obwohl es sie natürlich auch gibt. Häufig klumpen sie sich an Orten zusammen, an denen das meiste Treiben herrscht, was in einer Autostadt wie KL offenbar bedeutet: am Rand von Parkplätzen.

Ohnehin glaube ich, dass Kenner der Materie bestimmt etliche Parallelen zwischen amerikanischen Städten und KL entdecken würden. So ein bisschen nach dem Motto, „was würde passieren, wenn man Dallas im tropischen Asien bauen würde?“ Im tropisch hügeligen Asien allerdings, weshalb rechtwinklige Straßenzüge hier doch eher selten sind.

Um wieder zu einem für mich präsenteren Vergleich zurückzukommen: Anders als in Bangkok hat man in Kuala Lumpur das Gefühl, es mit einer ethnisch enorm vielfältigen Gesellschaft zu tun zu haben. Das habe ich schon bei meinem Gespräch gemerkt, als mir offenbar ein Libanese, ein Malaye, ein Chinese und ein Inder gegenüber saßen, und alle doch in KL geboren waren, die Familien seit Generationen hier ansässig.

Obwohl aber die verschiedenen Volksgruppen den Charakter Malaysias erst so richtig ausmachen, spürt man doch in bestimmten Stadtvierteln die starke Konzentration einzelner Ethnien. Mein Hotel lag zum Beispiel in der Nähe der „Masjid India“, einem lupenreinen (Süd-) Inderviertel. Unzählige Läden mit farbenprächtigen Stoffen locken die Kunden, während sich unmittelbar dahinter die Bankenhochhäuser erheben. Hier kann man in den kleinen Neonlicht-Restaurants auch die typische indisch-malayische Küche zu sich nehmen. Das bedeutet gleich zum Frühstück Lammcurry mit indischen Brotvariationen oder „Nasi Kandar“, ein Gericht aus Penang, der indisch-muslimischen „Hauptstadt“ an der Westküste. „Nasi“ heißt Reis und „Kandar“ eigentlich die Stange, an der die fliegenden Händler die Töpfe rechts und links auf ihren Schultern balancierten. Mittlerweile sind aber feste Essplätze die Regel, und „Nasi Kandar“ ist Reis mit verschiedenen roten Curries und besonders pikant bestrichenen und gebratenen Hühnerschenkeln.

Auch mittags war ich wieder in dieser Gegend, weil ich gehört hatte, dass sich zwischen den Bankgebäuden in einer etwas versteckt liegenden Straße eine Art Straßenkantine befinden soll, in der man typisch malayische Gerichte bekommt. So war es denn auch. In der Lorong Bunus 3 und Lorong Bunus 4 (könnt Ihr bei Google Maps eingeben) befindet sich ein gutes Dutzend Stände mit Sitzgelegenheiten, die mittags wirklich ziemlich gut besucht sind. Meine Wahl fiel auf den Stand mit der Aufschrift „Rosli Mee Rebus“, denn genau das gibt es hier für umgerechnet einen knappen Euro.

„Mee Rebus“ ist eine verblüffende Mischung aus einem suppigen Anteil, sich darin befindlichen „Mee“, also dickeren Weizen-Eiernudeln chinesischen Ursprungs, und einem Topping. Es gibt wie immer verschiedene Varianten, und wie immer scheint man sich im Internet darüber albernerweise in die Haare zu kriegen. Da ich vorher noch nie „Mee Rebus“ essen durfte, mir aber habe sagen lassen, dass es bei Rosli eine ganz ausgezeichnete Version gibt, kann ich Euch zumindest berichten, was dort hineingegeben wird. Die „Suppe“ oder Sauce besteht aus Süßkartoffeln mit Currypulver, Wasser und Erdnüssen. Zusätzlich zu den Nudeln gibt es Sojabohnensprossen, Chili-Scheiben, weitere Kräuter wie Koriander und Lauch, eine Limette, ein hartgekochtes Ei und angeröstete Zwiebelstückchen. Fleisch ist nicht enthalten, und trotz der Chilischeiben wirkt das Gericht prinzipiell ziemlich sanft und mild. Dazu orderte ich wie meine Nachbarn ein eiskaltes Erfrischungsgetränk, das sich als wahnsinnig künstlich-süßer Rosenblättertee entpuppte.

Nur wenige Schritte südlich des indischen Stoffbasars befindet sich KLs Chinatown. In den an die Petaling Street angrenzenden Gässchen kann man hervorragend chinesisches Streetfood zu sich nehmen, aber meine Kapazitätsgrenze war bereits erreicht. Zwei Tipps noch zum Abschluss, die wahrhaftig keine Insider sind, mir aber trotzdem gefallen haben: Bei der beeindruckenden Hochhaus-Tropengrün-Landschaft Kuala Lumpurs bietet es sich an, das Ganze einmal von oben zu betrachten. Fahrt also zum KL Tower und mit dem Aufzug bis in 276 Meter Höhe. Wie es von dort oben ausschaut, könnt Ihr auf dem Foto sehen – prominent in der Mitte natürlich die Petronas Towers. Der Eintritt ist übrigens mit 45 RM happig bepreist im Vergleich zu sonstigen Aktivitäten in der Stadt.

Westlich der Innenstadt gibt es noch eine Art Naherholungsgebiet mit Botanischem Garten, Schmetterlings- und Vogelpark. Auch wenn Ihr sonst vielleicht nicht unbedingt die Freaks in dieser Hinsicht sein solltet, allein die spektakulär wuchernde Natur lohnt den Besuch.

Die Shopping Center lohnen natürlich auch einen Besuch und reichen vom wuseligen „Sungei Wang Plaza“ über groteske architektonische Einfälle wie den riesigen sphinxähnlichen Bau des „Sunway Pyramid“ bis hin zum neuesten Luxustempel „Pavilion“. Darüber könnt Ihr Euch hier genauer informieren.

Solltet Ihr wie ich relativ wenig Zeit haben, kommt nicht auf die Idee, aus dem reichhaltigen Angebot öffentlicher Verkehrsmittel in KL ausgerechnet die „KMT Komuter“-Züge auszusuchen. Meine vier Fahrten damit waren alle deutlich verspätet, die Züge komplett überfüllt und die Stationen schön an irgendwelchen Autobahnen gelegen. Netz, Frequenz und Zuverlässigkeit fand ich bei „Rapid KL“ wesentlich besser. Aber da bin ich bei Details gelandet, die jemanden, der noch nicht hier war, sicher kaum interessieren dürften.

Und deshalb direkt zu der Frage: War jemand von Euch eigentlich schon einmal in Kuala Lumpur? Und falls nicht, was hat Euch bislang davon abgehalten?

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10 Antworten zu Und was ist mit Kuala Lumpur…?

  1. Oh Dae-su schreibt:

    Schöner Bericht der viele Vorzüge von KL beim Namen nennt. Die unterschiedlichen Ethnien, das meist friedliche Zusammenleben der sehr unterschiedlichen Religionen, der gezügeltere Straßenverkehr, soll heissen weniger Kamikaze Autofahrer, und meistens das ausgesprochen gute Hawker Essen find ich sehr schön. Im Vergleich zu Bangkok kam mir KL meistens eher ein wenig langweilig vor. Das soll aber nicht negativ gemeint sein. Etwas mehr Ruhe und Beschaulichkeit ist auch mal ganz nett. Mir persönlich hat bei den malayischen Großstädten Gerorgetown bzw. Penang City etwas besser gefallen da mehr Abwechslung, Vielfalt in verschiedenen Hinsichten und Fussgängertauglichkeit gegeben war.
    Bald hast du ja die meisten Südostasiatischen Metropolen angeklappert😉. Geht es noch wo anders hin in den nächsten Wochen?

    • chezmatze schreibt:

      Penang hätte mich auch noch interessiert. Oder Malakka, aber da komme ich leider jeweils nicht mehr hin. Nein, mein Südostasien-Aufenthalt neigt sich dem Ende entgegen. Der Flug nach Manila war ja leider ins Wasser gefallen, weil es vorher in dem Flugzeug gebrannt hatte… Jetzt habe ich noch eine Woche Bangkok, und dann geht es für eine Woche nach Dubai. Das wird vorerst meine letzte „Fernreise“-Station. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Leute, die auf meinem Blog vor allem Verkostungsnotizen von deutschen oder französischen Weinen lesen wollen, dann erst mal aufatmen😉.

  2. eline schreibt:

    Ich geniesse deinen Asien-Trip noch, solange er dauert.
    Meine intensivste Geschaeftsbeziehung habe ich mit einer Britin aus Malaysia, die in Oxford lebt und arbeitet (Mutter Suedindierin, Vater Chinese). Sie kocht ganz fantastisch – meine einzige, aber intensive Beziehung zu diesem Land.

    • chezmatze schreibt:

      Als Kind hatte ich mir mal eine Piratenbande ausgedacht, die in Malaysia ihr Unwesen trieb. Es gab wohl auch eine Fernsehserie namens „Sandokan“ mit historischen Piraten, aber die habe ich natürlich nicht gesehen. Jedenfalls ist mir seitdem zumindest die Geographie Malaysias einigermaßen vertraut. Was die Küche anbelangt, war es allerdings meine erste Begegnung. Oder nein, es gab irgendwann irgendwo einmal ein Fertiggericht „Laksa“, das ich mir mal als Student gekauft habe. Aber das lässt sich nicht wirklich vergleichen😉.

  3. Alex schreibt:

    Hallo Matze. Irgendwie habe ich diesen Bericht erst jetzt gesehen. KL ist einige der wenigen Städte in Asien, die ich ein bisschen besser kenne. Habe auch schon einige Posts über Essen in KL geschrieben, schau mal hier: http://blindtastingclub.net/category/kuala-lumpur/ . Es gibt hier so einige Juwelen, die man aber erst finden muss. Gruß, Alex

    • chezmatze schreibt:

      Dankeschön, da schaue ich gleich nach. Ich war ja nur ganz kurz dort, und ich wäre auch gern noch ein bisschen geblieben. Bis Chow Kit wäre ich zu Fuß auch fast noch gekommen. Aber nur fast…

  4. Alex schreibt:

    Chow Kit ist der Hammer! Ich lasse mir dort immer bei den Gewürzläden an der Seite tütenweise ganzen schwarzen Pfeffer abfüllen. Ist saugünstig aber vor allem hocharomatisch! Lohnt sich!

  5. Pingback: Merkwürdige Dinge, die mir auf meiner Asienreise begegnet sind (I) | Chez Matze

  6. Pingback: Im Osten viel Neues: mein persönlicher Jahresrückblick 2013 | Chez Matze

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