Mangostane, Mangosteen – meine neue Lieblingsfrucht

Obwohl es in Indonesien eine ganze Reihe von Nachspeisen gibt, sind frische Früchte weiterhin die Nummer Eins. Ich habe kaum irgendwo schon einmal so viele Obsthändler mit ihren Karren gesehen wie in den einfacheren Vierteln von Jakarta. Neben Mangos, Rambutan und Guaven, die offenbar zu den beliebtesten Früchten gehören, wollte ich unbedingt einmal Mangosteen probieren. In einem Buch wurde dem Leser geraten, Mangosteen nur in Südostasien zu kaufen, weil alles andere ein schrecklicher Abklatsch sei. Wie recht der Autor hatte, ein schwedischer Biologe namens Eric Danell, ist mir erst danach bei einer kurzen Internet-Recherche aufgefallen.

Aber der Reihe nach: Die Frucht, auf Deutsch als „Mangostane“ bezeichnet, stammt von der malaiischen Halbinsel. Sie sieht im Prinzip von vornherein schäbig aus. Die Haut ist ledrig, rotbräunlich gefärbt und wirkt so, als hätte man die Mangostane ein paarmal am Boden entlang geschliffen. Oben hängen noch vier kümmerliche Blätter am Stiel, unten sieht der ehemalige Blütenstempel aus wie eine grobe Holzschnitzarbeit. Wenn man die Frucht anschneidet, kommt zunächst eine relativ dicke, kräftig rote Schicht zum Vorschein. Da diese Schicht von der Konsistenz her wie Fruchtfleisch wirkt, hat bestimmt der eine oder andere schon einmal hineingebissen. Wie rohe Bittergurke schmeckt das, Gerbstoffe pur.

Das Innere hingegen besteht aus sechs bis acht speltenartigen Gebilden, die weich wie eine reife Mango sind und wirklich köstlich schmecken. Ich habe versucht, irgendwelche Vergleiche zu finden und bin dann bei saftiger Mango ohne Terpentin und säuerlichem Pfirsich hängengeblieben. Da ich noch nie eine Mangostane in Europa gegessen habe, kann ich leider nicht beurteilen, wie groß der Unterschied ist. Aber diese Frucht ist wirklich ein ganz heißer Tipp. Übrigens können einige der Spelten Kerne besitzen, die mit dem Fruchtfleisch verwoben sind wie bei Mangos. Eine Systematik habe ich allerdings nicht feststellen können. Bei einer großen Mangostane hatte ich zum Beispiel einmal gar keine Kerne, ein anderes Mal deren vier.

Was die Mangostane über ihren Geschmack hinaus noch so wertvoll macht, ist ihr hoher Anteil an Antioxidantien. In zwei neueren Studien, von deren Seriosität ich einfach deshalb mal ausgehe, weil die Mangostane nur sehr schlecht für den kommerziellen Markt geeignet ist, wurde eine deutliche Wirkung der in der Frucht enthaltenen Xanthone sowohl bei der chemopräventiven Krebsbehandlung als auch bei der Steigerung der menschlichen Immunfunktion herausgefunden („placebo-kontrollierte Doppelblindstudie“, das nenne ich doch seriös). Warum diese Wunderfrucht trotzdem noch nicht überall angebaut wird, hat seinen Grund nicht primär darin, dass Pharmakonzerne das eventuell nur so mittelprächtig fänden. Es liegt vor allem daran, dass die Pflanze nur in den (erweiterten) inneren Tropen wächst und alle Anbauversuche darüber hinaus bislang erfolglos waren.

In ihrem Ursprungsgebiet ist die Mangostane hingegen sehr robust und kommt komplett ohne Schädlingsbekämpfungsmittel aus. Offenbar besitzen die Früchte durch den hohen Gehalt an Antioxidantien bereits selbst genügend Abwehrkräfte gegen Schädlinge jedwelcher Art. Bezeichnend für unsere Welt ist allerdings die folgende Sache: Weil die Mangostane eben nicht behandelt werden muss, war bis zum Jahr 2007 der Import der frischen Frucht in die USA komplett verboten, weil keine Begasung und keine Bestrahlung stattgefunden hatten. Es ging dabei um die Furcht, dass die asiatische Fruchtfliege damit eingeschleppt werden konnte.

Mittlerweile ist Thailand als Exporteur eingeknickt und bestrahlt die Früchte für den Export, wodurch sie ein entsprechendes Siegel bekommen und derart gesichert nun auch in den U.S.-Supermärkten ausliegen dürfen. Bitte nicht missverstehen, ich möchte auch kein Analogon zur Reblauskatastrophe haben. Aber manchmal fragt man sich, ob da im Hintergrund nicht noch ganz andere ökonomische Mechanismen wirksam sind als diejenigen, die für eine offizielle Begründung herangezogen werden.

Jedenfalls freue ich mich jetzt erst einmal darüber, die Mangostane hier „frisch und unverseucht“ zu mir nehmen zu können. Habt Ihr die Frucht schon einmal gegessen? Und, zu welcher Erkenntnis seid Ihr gelangt?

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21 Antworten zu Mangostane, Mangosteen – meine neue Lieblingsfrucht

  1. Ti saluto Ticino schreibt:

    Lieber Matze, vielen Dank für Deinen sehr informativen Bericht. Jetzt weiss ich auch, dass diese Dinger im Ursprungsland gut schmecken können 😉
    Mein Biohändler hatte Magostan einmal im Sortiment und es war wohl so wie von Dir berichtet: In Deutschland muss ich das nicht nochmal zu mir nehmen 😉

  2. Die Küchenschabe schreibt:

    ich hab mir mal eine am Viktualienmarkt gekauft – aber so wie du sie beschreibst, hat sie leider nicht geschmeckt 😉 …

    • chezmatze schreibt:

      Ich muss zugeben, dass ich in Europa bislang nie darauf geachtet hatte, ob es diese Frucht überhaupt gibt. „Exotische“ Früchte habe ich in letzter Zeit eh ziemlich vernachlässigt. Ich kann mich aber noch sehr genau (!) an folgendes Ereignis erinnern: 1983 mit Eltern und Schwestern in Heppenheim. Dort gab es einen kleinen Laden, der – wohl durch die Frankfurt-Nähe – ein großes Angebot an Früchten hatte, die uns allen bis dahin völlig unbekannt waren. Mein Vater hat von jeder Sorte eine Frucht gekauft, und nachher haben wir alle davon probiert. Meine Schwestern (okay, sie waren auch noch sehr klein) meinten eher „bäh!“, aber ich fand das unheimlich interessant. Mango, Papaya, Johannisbrot, Kaktusfeige, solche Sachen. Im Nachhinein ist das vielleicht sogar eines meiner wichtigen Erlebnisse gewesen auf dem Weg des „aus-Neugier-alles-ausprobieren-Wollens“.

  3. katha schreibt:

    danke für den exkurs in anbau und handel dieser tollen frucht! mangostanen erinnern mich geschmacklich stark an lychees, aber saurer und etwas blumiger, anders, schillernder als das zarte rosenaroma von eher fad-süßen lychees. ich habe sie sowohl in thailand, als auch in malaysia reichlich gegessen. in malaysia haben wir darüber hinaus gelernt, dass mangostanen stark kühlend wirken und deshalb unbedingt nach der erwärmenden, schwer verdaulichen durian gegessen werden (sollen). auf die durian kann ich gerne verzichten (ja, ich habe sie probiert), wenn ich allerdings schon die letzte mangostane in meinem leben gegessen hätte (jetzt im jänner in china), dann würde mich das traurig stimmen. ah, die kerne, meines wissens haben die wie bei durian was mit dem reifegrad zu tun.

    • chezmatze schreibt:

      Ich fand die Mangostane wesentlich pikanter als eine Litschi, einfach mit mehr Biss, also im Grunde genauso, wie Du das mit „saurer und schillernder“ beschreibst. Das mit dem Reifegrad und den Kernen klingt einleuchtend. Da ich mich damit gar nicht auskannte, hätte ich von außen auch nie einen unterschiedlichen Reifegrad feststellen können. Die Früchte sahen irgendwie alle gleich „mitgenommen“ aus und waren das de facto alle überhaupt nicht.

      Die Durian-Liebe hat in der Tat auch für mich etwas Irrationales. Riecht extrem gewöhnungsbedürftig, schmeckt auch wirklich schwierig, aber wie liebevoll die Leute beim Einkauf vorgehen und an der Frucht schnuppern, sie anheben, leicht rütteln… Ich glaube, damit muss ich mich auch noch mal auseinandersetzen. So auf den ersten Blick frage ich mich schon, was die Leute wohl daran finden. Aber es gibt ja bekanntlich viele Dinge, die man oberflächlich erst ein mal nicht versteht.

  4. Oh Dae-su schreibt:

    Mangosteen mag ich auch sehr. Daraus kann man sogar ganz anständigen Fruchtwein machen, aber das Thema hatte wir glaube ich schon einmal 😉

    • chezmatze schreibt:

      Irgendwie halte ich mich hier von alkoholischen Getränken weitgehend fern. Bis auf das Freitag-Feierabend-Bier, aber das fiel ja diesmal auch aus. Das liegt natürlich an mehreren Gründen. Zum Ersten bin ich hier meist allein, und mir irgendwie eine Flasche Fruchtwein mit aufs Zimmer nehmen…, also dann doch lieber einen meiner 30 bislang probierten Softdrinks. Schlimm, ich weiß, war von grauenhaft künstlich bis wirklich lecker schon alles dabei. Aber da lerne ich wirklich täglich dazu ;). Zum Zweiten sind Bier und Wein einfach ganz fraglos schlechter als bei uns. Gut, da haben wir auch ein paar Jahrtausende Vorsprung. Einen Wein habe ich übrigens gekauft, in guter Hoffnung, davon ein halbes Glas probiert – und der Rest der Flasche steht seit zwei Wochen im Kühlschrank. Das war so unglaublich, darüber werde ich auch noch etwas schreiben. Aber ich muss mich erstmal informieren, was die kulturelle Einordnung anbelangt. Da bin ich nämlich völlig blank, während einige von Euch das vielleicht viel besser deuten könnten. Ich weiß, ich spreche in Rätseln ;).

  5. Oh Dae-su schreibt:

    Auf den Wein Bericht bin ich mal sehr gespannt. Zwei Wochen Kühlschrankverbannung … ;).
    Ich hab diese Woche einen erstaunlich natürlich schmeckenden und fast schon vielschichtigen Softdrink aus Grossbritannien getrunken. Ich kanne den überhaupt nicht. Ich weiss auch gar nicht ob es den in Deutschland zu kaufen gibt. Da schreibe ich vielleicht auch etwas dazu. Schaun wir mal.

    • chezmatze schreibt:

      In England habe ich im Herbst auch einen ganz erstaunlichen Softdrink zu mir genommen: Fentiman’s Dandelion and Burdock. Ja, den würde ich durchaus als vielschichtig bezeichnen ;).

  6. Ralf schreibt:

    Mangostan sind effektiv im Herkunftsland am besten und deren Geschmack eigentliche unvergleichlich – schmeckt eben wie Mangostan 😉

    Hier in Deutschland stehen die Chancen nach meiner Erfahrung so ca. 10:1 ein Exemplar zu ergattern, dass noch einigermaßen Aroma und Genuss bietet – muss also wirklich nicht sein.

    Andere Frucht, anderes Thema. Derzeit sollten in Teilen Asians die ‚Jack-Fruit‘ genussreif werden. hast du schon probiert? Auch so eine Köstlichkeit, die allerdings durch deren Intensität nicht jedermanns (Europäers) Sache ist.
    Ich fands jedes mal phantasisch eine reife Jack-Fruit schon drei Strassenecken weit zu riechen …

    • chezmatze schreibt:

      Ein Stück von der Jackfruit habe ich schon probiert, eine ganze musste ich dann doch noch nicht kaufen ;). Also ich finde ja auch, dass man bei der Jackfruit schon mehr als den halben Weg zur Durian zurückgelegt hat. Das hat irgendwie mit „unseren“ Vorstellungen von saftig-erfrischendem Obst nicht mehr viel zu tun. Vielleicht erarbeite ich mir das noch, bleibt ja noch etwas Zeit.

      • Ralf schreibt:

        Eine ganze Jackfruit *lol* der ist gut! Aber so eine kleine Tüte ausgelöstes Fruchtfleisch ist schon super.
        Und klar, an der Durian scheiden sich wohl die Geister – auch bei den Einheimischen. Wobei ich das Gefühl hatte, dass es bei Durian irgendwie um den Rausch mit dem akoholischen Fruchtfleisch geht …

      • chezmatze schreibt:

        Und stark schwefelhaltig, würde ich sagen. Also in der chinesischen Medizin (hatte Katha ja schon angemerkt) gelten die Durians als erhitzende Früchte, sollen also gegen alle möglichen Mangelerscheinungen helfen. Die Hauptsaison ist hier glaube ich im Mai, insofern bin ich noch etwas zu früh dran, aber so gegen Ende März wird es sicher schon die ersten wirklich reifen Exemplare geben.

      • Ralf schreibt:

        Ach, und eine Frucht fällt mir noch ein, bzw. handelt es sich wohl um eine Art Fruchtfamilie – Longan – die je nach Ort etwas anders ausfallen.
        Sehen aus wie kleinere längliche Litschis, Schale jedoch glatter. Sind recht Litschiähnlich, in meiner Erinnerung jedoch etwas ‚exotischer‘. Könnte es im Moment auch geben, zumindest in Thailand.

        Und auch recht interessant: frische Tamarinde, z.B. als Bier-Snack mit Meersalz, oder die frische Paste als Grundzutat für selbst gemachte Tom Yam – Paste 😉

      • chezmatze schreibt:

        Longan gibt es – sogar in großen Büscheln. Ich habe bislang nur den Saft davon getrunken, der mich irgendwie an süßes Leder erinnert hat. Die Frucht selbst muss ich aber auch mal kaufen. Tamarinde mag ich auch gern. Da gibt es diese immer wieder gern zitierte Geschichte von mir, als ich in Paris nach dem Genuss einer Tamarindensuppe meinte, jetzt wäre mir gut warm. Ich bin daraufhin nur im (langärmeligen) Hemd durch die Stadt gegangen. Leider hat es dann angefangen zu schneien, und beim Mittagessen in der zugigen Bude von Max Aratus in Belleville habe ich bitterlich gefroren. Merke: Tamarinden verleiten zur Überschätzung ;).

  7. Pingback: Aus Bangkok « beautyjagd

  8. René schreibt:

    Mangostan sind wirklich – und ernsthaft – unvergleichlich. Ich habe sie in Europa noch nie und auch in Asien nur selten gesehen. an manchen Orten (Indonesien, insb. Bali) gibt es sie überall, in Thailand nur selten. Ich frage mich, warum?.
    Und eigentlich müßten doch die Früchte mit ihrer harten Schale gut importierbar sein .. oder?

    • Matze schreibt:

      Ja, mir ist das auch ein bisschen schleierhaft. Möglicherweise gibt es nur wenig ausgebaute Handelsbeziehungen. In den Niederlanden müsste man eigentlich Sachen aus Indonesien leichter bekommen, einfach weil dort viel mehr Indonesier leben. Aber so richtig aufgefallen ist es mir auch nicht. Wie man aber hier (http://tropenkost-shop.de/mangostane) lesen kann, besteht bei Mangostane immer ein bisschen das Risiko, dass das Fruchtfleisch von Schimmel befallen ist. Vielleicht ein zu hohes Risiko für Importeure, ich weiß es nicht…

  9. Lily schreibt:

    Ich finde Mangostane hören sich wirklich sehr gut an! Meine Freundin ist Vietnamesin und hat schon vieles über ihre Lieblingsfrüchte erzählt! Ich werde mich mal ein wenig umschauen. In einer Stadt wie Berlin sollte das doch möglich sein oder?
    LG!

    Lily

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