Erster Nachmittag in Jakarta

Liebe Leute, ich entferne mich immer weiter von Euch. Mittlerweile bin ich auf der Südhalbkugel angekommen, das erste Mal in meinem Leben. Hier in Jakarta werden die Tage seit dem 21. Dezember nämlich wieder kürzer – wenn auch nur minimal, schließlich sind wir in den inneren Tropen. Ich war schon ein wenig aufgeregt, weil man mir Jakarta als ein wenig molochös beschrieben hatte. Wahnsinniger Verkehr, Smog, wildes Leben auf den Straßen, zehn Millionen Einwohner in der Stadt, 28 Millionen in der Metropolregion, und immer noch wächst, wächst, wächst alles weiter in sämtliche Richtungen. In den nächsten Tagen werde ich noch mitbekommen, was Jakarta unter der Woche bedeutet. Dafür war es heute am Sonntag sicher vergleichsweise ruhig. Aber nach meinem ersten Eindruck wüsste ich nicht, weshalb ich nicht ziemlich begeistert sein sollte.

Lasst Euch übrigens von niemandem einreden, es sei schwierig, gefährlich oder auch nur unangenehm, in Jakarta anzukommen. Nach Visaerteilung und Koffer vom Band holen hat es geschlagene fünf Minuten gedauert, bis ich sowohl mein erstes Geld gewechselt als auch ein Taxi in die Stadt organisiert hatte. Vielleicht habe ich dafür 5 US$ mehr bezahlt, als es günstigerweise hätte sein können. Aber dies ist eine Servicegesellschaft, und eine Unmenge von Leuten samt ihren Familienangehörigen leben davon, Neuankömmlingen wie mir Dinge bequem zu machen. Mein Hotel liegt im Stadtteil Kuningan, und weil die Anfahrt so schön zügig vonstatten ging, hatte ich auch schon die Zeit, mich ein wenig umzuschauen.

Wenn ich vom Hotel aus 100 Meter nach links gehe, komme ich zu einer sechsspurigen Straße, die von modernen Wolkenkratzern und Botschafts-Niederlassungen gesäumt wird. Gehe ich hingegen 100 Meter nach rechts, bin ich mitten in einem sehr volkstümlichen Viertel mit ebenerdigen Holzgebäuden, kleinen Läden, Straßenständen, Mopeds und viel Gewühl. Weil ich stante pede Hunger und Durst hatte, kaufte ich erst ein Kilo Rambutan bei einem Mütterchen (weniger konnte man offenbar nicht kaufen) und dann noch eine Art, tja, Currywurst auf Indonesisch. Vielleicht wisst Ihr ja schon, wie das heißt, ich muss es erst noch herausfinden.

Es handelt sich dabei um drei Bestandteile. Das Erste sind kleine und relativ zähe Bollen aus Teig, eventuell aus Reismehl. Die Zubereitung konnte ich dabei nicht beobachten, denn diese Dinger lagen schon bereit, als ich gekommen bin. Das Zweite sind Shrimpsknochen. Also keine Knochen, sie sehen nur so aus, sondern auch wieder Teig, hier aber dem Geschmack und der Konsistenz nach eindeutig shrimpsig. Dieser Shrimpsteig wird dann auf ein Bananenblatt gegeben, jenes zusammengewickelt und auf dem Holzkohlengrill ziemlich stark verkohlt – von außen (könnt Ihr oben auf dem Titelbild sehen). Der dritte Bestandteil ist eine sehr würzige Erdnusssauce, zu der definitiv auch Shrimpspaste gehört, das konnte ich deutlich herausschmecken. Alles zusammen wird in ein kleines Plastiktütchen gegeben, man bekommt einen Holzspieß zum Herauspicken, zahlt umgerechnet 42 Cent, und das war’s. Schmeckt großartig, aber ich bin natürlich erstens ein Erdnussfreund und mag zweitens auch Scharfes. Super hygienisch sah es nicht aus, aber mal abwarten.

Ein paar Schritte weiter gibt es eine dieser sechsgeschössigen Malls, die den traditionellen Markt auch hierzulande peu à peu verdrängt haben. Allerdings könnte man auch sagen, sie haben ihn integriert, denn in dieser Mall kann von Luxusboutiquen keine Rede sein. Im Untergeschoss gibt es – ja, kein Witz – den Carrefour, aber auch jener ist eher landesüblich gehalten. Zwar habe ich Butter aus Frankreich und Lindt-Schokolade gesehen, aber die viel größere Abteilung ist diejenige der indonesischen Snacks (ein Thema für sich), und natürlich dürfen auch frittierte Fische und lokale Nahrungsergänzungsmittel nicht fehlen.

Weil das ganze Gebäude so irrsinnig verwinkelt ist und es sicher mehrere hundert Stände gibt (und eben keine „Geschäfte“), habe ich nicht gleich wieder herausgefunden. Dabei bin ich in die Abteilung mit den Tonträgern geraten. CDs, DVDs, MP3s, Abertausende. Witzig und gleichzeitig auch wieder traurig bezeichnend finde ich, dass Indonesien zwar mittlerweile nach den USA der zweitwichtigste Musikmarkt der Welt ist, aber beispielsweise im Wikipedia-Artikel zur Musikindustrie noch nicht mal mit einem Wort erwähnt wird. Übrigens auch in der englischen Version nicht, und die ist wirklich lang. Zur indonesischen Musik werde ich Euch noch gesondert etwas schreiben, denn ich habe ein unglaubliches Video entdeckt, das letztes Jahr hier der riesige Abräumer war und als Nummer Eins auf Twitter solch illustre Gestalten wie Justin Bieber und Osama bin Laden auf die Plätze verwiesen hat. Nebenbei habe ich heute aber schon mal zwei CDs gekauft, einmal „Salam 2012“ mit den neuesten Pophits und einmal ein altes Keroncong-Album. Der Reaktion der beiden jungen Verkäuferinnen konnte ich dann entnehmen, dass letzteres für Omas und Opas gedacht ist.

Was mir übrigens gleich gegenüber Thailand aufgefallen ist: Die Stimmung ist hier in Indonesien deutlich südländischer, wenn ich das so sagen darf. Es wird ausgiebig gehupt auf den Straßen, der Linksverkehr ist nur so eine Art Vorschlag, und die durch die Straßen flanierenden Grüppchen junger Leute sind wesentlich lauter und ausgelassener unterwegs. Ich hoffe, dass ich es in den nächsten Tagen schaffe, ein wenig tiefer in das Essensreich von Kokos- und Erdnuss, Chillies und Kurkuma, Lontong und Nasi Padang einzusteigen.

War jemand von Euch schon mal in Jakarta und hat entsprechende Tipps auf Lager? Welches indonesische Gericht und/oder Zutat muss ich unbedingt probieren?

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8 Antworten zu Erster Nachmittag in Jakarta

  1. Oh Dae-su schreibt:

    Super jetzt bist du auch noch auf Java :-). Ich bin ich mal auf deine weiteren Posts gespannt. Leider hab ich keine sonderlichen Insider Tipps für dich. Ich war leider nur einmal in Jakarta.
    Ich habe mich in so einem Indoor Market mal kräftig verlaufen. Ich bin bestimmt eine Stunde wie blöd durch die Gegend gelaufen bis ich wieder draußen war. Ich nehme an der war nochmal etwas traditioneller als den du bis jetzt besucht hast. Carrefour gab es da ganz sicher nicht ;-). War eher sehr dunkel, stickig – ganz grob eingeschätzt eher wie ein gedeckter Basar im Orient. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern wie der hieß. Irgend ein Pasdar … Ich glaube es gibt ein halbes Dutzend solcher staatlichen Indoor Märkte. Dir noch viel Spaß!

    • chezmatze schreibt:

      Vielen Dank! Ja, diese altmodischen Basargebäude sind schon wahnsinnig verwirrend. Hier bei mir um die Ecke steht auch eins, aber dem scheint die Zeit davongelaufen zu sein, da ist kaum noch ein Geschäft drin. Heute habe ich hier übrigens mal die Rush Hour mitgemacht. Also puh, in Jakarta zu leben und einen größeren Radius als 200 Meter haben zu müssen, ist schon sehr anstrengend. Dafür habe ich ein halbes Kilo Mangosteen von einem Mann gekauft, der Fan von Miroslav Klose ist. Tja, die Welt ist schon klein. Für einen Fußballfan umso mehr, dessen Welt hat nämlich nur 22 cm Durchmesser ;).

  2. Oh Dae-su schreibt:

    Ich hab mich bei diesem mehrstöckigen Basar whrs. auch ein wenig blöd angestellt ;-). Kann gut sein, dass die so langsam auch aus der Mode kommen. Bei mir ist der Besuch in Jarkata auch schon so fünf oder sechs Jahre her.
    Findest du die Rush Hour in Jakarta schlimmer als in Bangkok? Kann gut sein. Ich fand die auch schon immer schlimm ;-). Ich glaube was MRT, Hochbahn oder Sonstiges betrifft ist es in Jakarta immernoch ziemlich düster. Als ich dort war wurde an der Monorail immernoch gebaut.
    Jep, das Phänomen der Begeisterung für europäische Fussballspieler bei gleichzeitiger Verachtung der eigenen Spielern ist in wahrscheinlich in ganz Südostasien verbreitet. Seltsam. Trotzdem mag ich Magosteens sehr. Neid…. 🙂

    • chezmatze schreibt:

      Ja, ich finde die Rush Hour wirklich noch schlimmer als in Bangkok, aber das kommt natürlich auch darauf an, wohin man in der Stadt gerade muss. Die Monorail ist bei mir im Stadtplan schon eingezeichnet, wurde aber (glaube ich) wegen finanzieller Probleme mittlerweile ganz aufgegeben. Ich bin allerdings an einer Stelle vorbeigekommen, wo sie an dieser Hochbahntrasse wieder ganz fleißig gearbeitet haben. Vielleicht wollen sie das partiell für ihre Busse nehmen, die Transjakarta-Busse sind ja das einzige Verkehrsmittel, das einigermaßen gut läuft. Also so von der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit in etwa mit der Kölner Straßenbahn vergleichbar ;).

  3. jens schreibt:

    Ein Arbeitskollege und guter Freund meines Vaters stammte von Java. Er hat immer ganz sensationell für uns gekocht. Ich kann mich noch an Eier erinnern, die unglaublich lange eingelegt waren und dann mit so einer scharfen Soße, die auch Erdnüsse enthalten hat gegessen wurden. Wenn Du die Gläser allerdings geöffnet hast, in denen die Eier eingelegt worden waren, hat sich zunächst ein bestialischer Gestank verbreitet. Wie das heißt, oder wie das zubereitet wird kann ich Dir nicht sagen. Ich habe es allerdings geliebt. Leider ist der Freund jetzt schon fast 15 Jahre tot. Zuviel Dunhill und zuviel Whiskey – keine gute Kombi.

    Meine Eltern waren mehrfach in Jakarta und auch auf Java viel unterwegs, aber haben sich dort eher in den Luxushotels aufgehalten und haben dort, betreut durch die örtlichen Geschäftspartner, sicher einiges gesehen, aber dann doch eher was, was Du garantiert nicht suchst. Na ja! Borubodur solltest Du Dir sicherlich mal anschauen – wenn Du gerade in der Ecke bist. Leider hab ich keine tollen Tips für Dich, aber versuch das mal mit den Eiern zu recherchieren…..

    Ach ja! Jetzt fällt es mir wieder ein – indonesische Reistafel! Natürlich nicht mit dem Zeugs zu vergleichen, was es bei dem Chinesen um die Ecke gibt. Das hat der Freund meines Vaters auch immer für uns gemacht.

    Meine eigenen indonesischen Erfahrungen beschränken sich leider nur auf Bali und Lombok. Falls Du da auch mal hinkommen solltest. Iss auf Bali Sushi! Dort gibt es viele Japaner (ist ja auch nicht so weit) und Preis- Leistung war wirklich optimal. Ansonsten gibt es da noch viele Australier, was ja Deinem Feierabendbiertest ganz entgegen kommen würde. Du findest mit Sicherheit mehr als eine Aussi, der mit Dir trinken will.

    Auf Lombok fahr auf die Gili Inseln und leih Dir ne‘ Schnorchelausrüstung. Ansonsten gibts da nicht viel mehr zu tun, als zu relaxen und Bintang zu trinken…wobei wir wieder bei dem Feierabendbiertest wären.

    Wie auch immer Prost. Aber vermeide Dunhill und Whiskey (siehe oben) 😉

    Jens

    • chezmatze schreibt:

      Ach, zum Schnorcheln werde ich leider nicht kommen, so viel Zeit habe ich gar nicht. In ein paar Tagen geht der Flieger schon weiter nach Sri Lanka. Und bis dahin muss ich eher arbeiten, worüber ich mich nicht wirklich beklage, denn nur deshalb bin ich ja hier in der Gegend, aber in Jakarta braucht man schon ewig lang von einer Ecke zur anderen. Gestern war ich deshalb etwas enttäuscht vom Essen, aber das lässt Du ja nicht wieder zurückgehen mit dem Argument, „tut mir Leid, ich bin nicht lang genug hier, um auch nur einmal nicht-sensationelles Essen zu mir zu nehmen“ ;). Und keine Angst, Dunhill und Whiskey vermeide ich garantiert. Noch ein Unterschied übrigens zu Bangkok, zum heutigen Bangkok jedenfalls: Die Indonesier rauchen immer noch kräftig ihre Nelkenzigaretten.

      • jens schreibt:

        Jau! Nelkenzigaretten! Wir sind auf Lombok mal mit nem Auto liegengeblieben. Kaputter Kühlerschlauch. Der Fahrer hat nen Einheimischen mobilisiert der zufällig um die Ecke kam (mitten im Dschungel) und zusammen haben die das repariert und der Einheimische hat irgendwoher nen Eimer mit Wasser organisiert und die Karre lief nachher wieder. Er war ganz fasziniert von meinen Lucky Strike und ich von seinen Nelkenzigaretten. Wir haben einfach die Packungen getauscht und waren beide glücklich.

  4. Pingback: BioFach 2013 – meine besten Entdeckungen (1) | Chez Matze

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