Eine Mango ist eine Mango

Sollte man meinen. Tatsächlich aber gibt es etwa 50 Mangoarten. Unter ihnen befindet sich mit mangifera indica jene, die wir im Allgemeinen als grünrübige Supermarktfrucht kennen. Aus dieser Art wiederum sollen bis zu 1.000 Sorten entstanden und gezüchtet worden sein. Fast jedes Tropenland von Indien (die Urheimat der Art) über die Philippinen, Australien, Mittel- und Südamerika und Afrika bis nach Spanien hält eine Unzahl an Bezeichnungen für diese Sorten parat. So auch Thailand. Ich fühle mich überfordert. Deshalb habe ich mir hier in Bangkok erst einmal ein paar möglichst unterschiedlich bezeichnete Mangos gekauft, um die Einzelheiten zu ergründen.

Lasst mich gleich zu Anfang mal Folgendes festhalten: Ich bin alles andere als ein Mangoexperte. Vielmehr möchte ich Euch hier zeigen, wie Mister Dilettanto Schritt für Schritt versucht hat, dem Wesen der Mango näher zu kommen. Der erste Schritt war – wie immer – die Literaturrecherche. „Mango“ heißt auf Thai „Ma-Muang“, und die Hochsaison liegt im April und Mai. Man kann aber bereits ab jetzt die ersten (auf natürliche Weise gereiften) Exemplare erstehen.

Kann man die Reife einer Mango eigentlich an ihrer Farbe erkennen? Im Prinzip ja, so heißt es. Ich kaufte mir also zwei unterschiedlich gefärbte Mangos, die denselben Namen trugen, eine gelbe und eine grüne. Die eine war steinhart und sauer, die andere weich und süß. So weit, so gut.

Als nächstes kaufte ich mir dann eine grüne Mango im Glauben, dass es sich hierbei um eine unreife Frucht handeln müsse. Das Ergebnis: saftig und reif. Während „Gelb“ also in der Regel reif bedeutet, kann „Grün“ je nach Sorte jegliches Stadium sein. Einigermaßen sicher über den Zustand der Mango kann man sich allerdings nach einem herzhaften Daumendruck auf die Längsseite sein. Nur sollte man die Frucht dann auch kaufen und nicht wieder zurücklegen, denn Mangos sind stark druckempfindlich, und der Straßenhändler möchte abends bestimmt keinen Forschungsabfall in seinem Wagen haben.

Auf diese Weise schleppte ich Mango um Mango mit aufs Zimmer. Und dies sind die vorläufigen Ergebnisse der winzigen Feldstudie:

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Von links nach rechts sehr Ihr hier drei unreife Mangos. Links „Nam Dok Mai“, in der Mitte „Pha Lun“ (auch „Fa-Lun“ oder „Falan“ geschrieben), rechts „Keaw Savuey“ (auch „Kiew Savoey“ oder ähnlich geschrieben). Alle sind außen grün und innen weißgrünlich wie ein Kohlrabi. Die „Nam Dok Mai“ hatte eine erfrischende, aber doch echt heftige Säure von der Stärke eines Rhabarbers. Die „Pha Lun“ war dagegen wesentlich milder, besaß eine deutliche Adstringenz und einen Ton in Richtung grüne Haselnuss. Die „Keaw Savuey“ hingegen erinnerte am stärksten an Gemüse mit ihren Noten nach Fenchel und Rettich. Grüne Mangos werden beispielsweise für Chutneys benutzt oder aber in Stückchen mit der Gabel gegessen, benetzt mit Fisch- oder Sojasauce und Salz.

Heute habe ich eine halbreife Mango erworben, das aber vorher nicht wirklich gewusst. Die „Kae Kamin“ (auch da wird es die unterschiedlichsten Transkriptions-weisen geben) war zwar beim Schneiden halbhart, besaß aber innen schon die typische, kräftig gelbe Mangofarbe. Ich fand sie von der Präsenz der Fruchtsäure her sehr angenehm, aber besonders in der Nähe der Schale gab es wieder die rettichhaften, fast an Terpentin erinnernden Ausdünstungen. Was man damit konkret anstellt, weiß ich auch nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass sie für „gemüsige“ Verwendungen schon zu viel Saft besaß.

Zum Schluss noch zu meinen beiden reifen Exemplaren. Eine reife „Nam Dok Mai“ scheint mir die absolut beliebsteste Sorte zu sein. Sie ist in der Regel am größten, am gelbsten bereits von außen und am saftigsten innen. Meine Vermieterin hatte mir zwei Exemplare mitgebracht, die schon trieften, als ich das Messer noch kaum angesetzt hatte. Das sind dann jene Mangos, von denen man im kalten Europa immer träumt, und die man natürlich wegen ihrer Empfindlichkeit niemals dorthin transportieren kann. Geschmacklich hat mich die reife „Nam Dok Mai“ an Honigmelone, wieder ein wenig Terpentin und an süße Pflaume erinnert. Es ist übrigens überhaupt kein Problem, eine solche Mango einfach zu löffeln, denn unangenehme Fasern gibt es allerhöchstens in umittelbarer Nähe des Kerns.

Obwohl ich erst dachte, dass dieses Exemplar eher unreif ist, hatte ich mich bei der „Special Raed“ (auch einfach als „Raed“ oder „Rad“ bezeichnet) getäuscht. Von außen zwar grün und noch nicht einmal mit den kleinen Pünktchen ausgestattet, die die Schalenreife erkennen lassen, war dies eine löffelgeeignete, saftig-zarte Frucht. Geschmacklich fand ich sie fast noch besser als die „Nam Dok Mai“, in Richtung eines gelben, süß-säuerlichen Pfirsichs. Hier hatte ich allerdings das erste Mal ein paar lästige Fasern durchzulöffeln. Deshalb stelle ich mir vor, dass die „Raed“ ihre wahre Bestimmung findet, wenn man sie zur Saftherstellung presst.

Besonders beliebt bei allen Thailand-Besuchern ist die Mango übrigens in ihrer Verwendung als Nachspeise: „Sticky Rice with Mango“ oder auch Klebreis mit Mango oder auch „Khao Niaow Ma Muang“. Ich muss schon zugeben, dass es gut schmeckt, egal ob als Dessert oder zum Frühstück (hier übrigens ein entsprechendes Rezept), aber diese Verzücktheit, die deswegen hierzulande unter den Expats herrscht, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Ich bin schon ein arg sensationshungriger Foodie.

Was mich in der nächsten Zeit noch so alles erwarten kann, habe ich dabei auf dieser Website gefunden. 18 Sorten sind dort beschrieben, unter anderem die angeblich allerbeste Mango namens „Ok Rong“. Vielleicht kommt die „Ok Rong“ tatsächlich erst zur Mango-Hochsaison auf die Märkte. Aber auch ohne sie kann ich mich bislang nicht gerade über akuten Obstmangel beschweren.

Habt Ihr schon einmal eine solche „Ok Rong“ gegessen? Und welche speziellen Früchte würdet Ihr mir empfehlen, die ich unbedingt noch probieren muss?

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6 Antworten zu Eine Mango ist eine Mango

  1. katha schreibt:

    so, jetzt will ich irgendeinen sauren salat mit grüner mango. und danach mango mit klebreis (ein gericht, das ich übrigens vor thailand fad fand, dann aber, mit pandanwürze und vor allem mit genug salz!, ziemlich super).
    reife, saftige nam dok mai bekommt man hier schon, als böse, teure flugware (glaube mich an 2,99 pro stück zu erinnern), aber das ist es mir wert. ich kaufe wenn, dann nur diese mangos. weil sie saftig und aromatisch und cremig und faserfrei sind.

    • chezmatze schreibt:

      Ich muss Dir mal ein Geheimnis verraten (was natürlich wahnsinnig geheim ist, wenn ich es hier aufschreibe): Für letztes Silvester hatte ich sogar 4,99 Euro für eine reife, gelbe, böse eingeflogene Nam Dok Mai ausgegeben. Hat mir auch nicht behagt, aber letztlich habe ich mich doch überwunden. Und ja, es hat sich gelohnt. Nicht monetär, aber geschmacklich.

  2. eline schreibt:

    Wie immer wird hier erforscht und seziert. Das macht neugierig. Ich habe mich mit Mangos noch nicht warenkundlich beschaeftigt. Sie gehoeren aber in den spaeten Wintermonaten, wenn ich schon nach frischen Fruechten lechze, zu meinen Einkaufssuenden. Ich kauf mir dann eine teure, runde und sehr grosse Alphonso aus Brasilien oder Florida. Die haben meiner Erfahrung nach weniger Terpentingeschmack als die asiatischen Mangos, die zu uns kommen, schmecken mehr nach Marillen, Pfirsichen und Orangen. Ab und zu schenkt mir ein Freund eine aus Indien eingeflogene, sehr kleine, flache und stark gekruemmte Mango. Die sind mir fast zu suess und terpentinlastig. Die verarbeite ich zu Dessertcremes, dann schmecken sie nicht so intensiv.
    Pulver von gruener Mango verwende ich in Curries. Frische gruene Mango mag ich, wie katha, in asiatischen Salaten mit Fisch oder Fleisch, Zitronengras, Chilies, Essig, Fischsauce und geroestetem Reis.

    • chezmatze schreibt:

      Ich hatte mich mit Mangos bislang kaum beschäftigt und kenne deshalb die Alphonso nur vom Hörensagen. Es stimmt, dieser Terpentingeschmack ist – gerade beim ersten Bissen – ziemlich irritierend. Wenn ich aber ganz verschwenderisch bin und nur das Fruchtfleisch nehme, das möglichst weit von Schale und Kern entfernt ist, ist dieser Geschmack fast nicht vorhanden. Vielleicht ist es auch eine flüchtige Note, die nach einer halben Stunde des Lüftens langsam verschwindet. Müsste ich mal ausprobieren, ich habe ja noch eine „Kaew“ hier liegen…

  3. Pingback: Merkwürdige Dinge, die mir auf meiner Asienreise begegnet sind (II) | Chez Matze

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