Bangkok bequem: Take Away für die Mikrowelle

Es gibt diese Tage, an denen man sich gar nicht offensiv fühlt. An denen man am liebsten das Zimmer nicht verlassen möchte zum Essen. Und falls das doch sein muss, dann will man wenigstens nicht irgendwo auf dem Präsentierteller sitzen, wo einem alle beim ungeschickten Hantieren zuschauen. Noch dazu diese Hitze! Zehn Minuten genügen da völlig, um das frische Hemd vollgekleckert und verschwitzt aussehen zu lassen, als hätte man es seit zwei Wochen ununterbrochen getragen. Aber was tun, wenn man wie ich zwar ein klimatisiertes Zimmer mit einem riesigen Kühlschrank besitzt, aber keine Küche, sondern nur eine Mikrowelle? Ich habe mich also einmal in der Welt der vorgekochten Speisen umgesehen und einige davon in angenehm legerer Atmosphäre auf dem Zimmer verspeist.

Bevor hier irgendwelche Einwände kommen, möchte ich zunächst einmal feststellen, dass man wahrscheinlich an kaum einem Ort der Welt so gut auf der Straße essen kann wie in Bangkok. Das gilt weiterhin uneingeschränkt, und ich werde an meinen aushäusigen Tagen auch ständig daran erinnert. Ihr braucht also nicht zu befürchten, in Zukunft an dieser Stelle nicht mehr von irgendwelchen bemerkenswerten Essabenteuern lesen zu können. Aber zumindest hier in der Innenstadt ist für viele Büroangestellte das Take Away-Food zu einem wichtigen Alltagselement geworden. Dabei kann man das Mitbringsel für die Mikrowelle entweder an einem der moderneren Straßenstände, in einigen „Vorkochgeschäften“ oder auch im Supermarkt erwerben. Der Unterschied zwischen diesen Varianten ist dabei gar nicht so groß, wie es sich zunächst anhören mag. Gekocht, gebraten und frittiert wird nämlich auch im Supermarkt „on the spot“. Hier also ein paar Eindrücke aus der Take Away-Szene:

Name:  Schweinswürste Thai-Art (Sai Krok Moo)

  • Geschmack: eindeutig nach Wurst, aber mit Reis und Ingwer.
  • Eignung: geht so. Das Aufwärmen in der Mikrowelle macht die Textur von Wurst und Beilage matt, aber der Geschmack steht.

Name: Hähnchenkeule frittiert (eine Thai-Spezialität)

  • Geschmack: wie in Steyr oder Wanne-Eickel.
  • Eignung: recht gut. Die Kruste leidet beim Aufwärmen, bleibt aber knackiger als die Wurst. Fühlt sich dafür unasiatisch an.

Name: Tilapia frittiert (Tab Tim)

  • Geschmack: mit Knoblauchmarinade deutlich aufgewertet.
  • Eignung: gut. Der Fisch ist relativ dick, die Saftigkeit bleibt erhalten. Nur Tilapia hätt’s nicht sein müssen.

Name: Degenfisch frittiert (die Art trichiurus lepturus)

  • Geschmack: nicht wie in Portugal, ohne Holzkohlengrill.
  • Eignung: mittelprächtig. Zu dünn und zu trocken für diese Zubereitungsart. Degenfisch muss wirklich frisch sein.

Name: Gebratene Nudeln

  • Geschmack: verblüffend fad, erinnert an die Fußgängerzone.
  • Eignung: gar nicht. Nudeln wabbelig, Gewürze weitgehend untergegangen, nur die Ketschappsoße fehlt noch zum Unglück.

Name: Nudeln (Sen Mee links, Sen Yai rechts)

  • Geschmack: für sich nach nichts, aber Suppenbeilage.
  • Eignung: eindeutig schlechter als Reis (den ich nicht extra abgebildet habe), schlaff. Bin nicht recht glücklich bis jetzt.

Name: Gelbes Papaya-Curry

  • Geschmack: Hölle. Ich brauche 30 Minuten für die Schüssel.
  • Eignung: sehr gut. So scharf habe ich seit Tida Esarn nicht mehr gegessen. Keinerlei Konzessionen, viele Aromen dazu, endlich.

Name: Röhren-Kassien-Curry (Kee-Lek, in der Tüte links)

  • Geschmack: milder als gedacht, vegetarisch, bitterfeste Blätter.
  • Eignung: prinzipiell sehr gut. Allerdings fehlt gegenüber dem Original doch noch einiges an Zutaten. Eher eine Suppenbasis.

Name: „Southern-style Fish Soup“ (oben in der Tüte rechts)

  • Geschmack: Vorhölle. Um 6:45 Uhr zum Frühstück verspeist.
  • Eignung: ausgezeichnet. Viel Inhalt mit verschiedensten Gemüsen, viel Aroma, kein‘ Deut schlechter als frisch bereitet.

Mein Fazit: Da ich zu Hause keine Mikrowelle besitzte, waren dies hier für mich ziemlich primäre Erfahrungen. Interessanterweise sind die Gerichte, die von ihrer Textur her zum Frischverzehr gedacht sind (Frittiertes, kross Gebratenes) auch diejenigen gewesen, die mich geschmacklich nicht so überzeugt haben. Gut, ein Fisch bleibt ein Fisch, aber er wird halt trocken und schmeckt einfach nicht landestypisch genug ohne die richtigen Zutaten. Von den gebratenen Nudeln war ich richtiggehend entsetzt. Was mich hingegen begeistert hat, sind die in Plastikbeutel abgefüllten Suppenzubereitungen. Mit der Konsistenz kann dabei natürlich nicht viel schief gehen, aber durch das stundenlange Köcheln vor der Abfüllung bleibt auch nach dem Aufwärmen der volle Geschmack erhalten. Bei Nittaya (und natürlich nicht nur da) habe ich übrigens eine erstaunliche Bandbreite an Suppenbeuteln gesehen, und die Einheimischen nehmen jene auch gern mit nach Hause. Schade nur, dass den Mini-Thaisuppentöpfen in Beuteln gewisse Transportlimits gesetzt sind. Und dank der Terroristen-Vollpanik darf so ein Süppchen ja noch nicht einmal mehr ins Handgepäck.

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4 Antworten zu Bangkok bequem: Take Away für die Mikrowelle

  1. nata schreibt:

    Ach ja, die ständige Hitze und die Klimaanlage, wem sagst Du das… Es ist Februar 2012 und ganz Deutschland würde sich an so einem Suppenbeutel jetzt gerne die klammen Fingerchen wärmen.

    • chezmatze schreibt:

      Ich lese das auch immer, wie kalt es bei Euch ist. Ich kann nur froh sein, dass ich nicht jetzt wieder zurück muss, mein Organismus ist momentan einfach total anders eingestellt. Angst habe ich übrigens ein bisschen um meinen Wein im Keller. Im (nicht beheizbaren) Hausflur soll es -2 Grad haben…

  2. katha schreibt:

    hach! auf den fußgängerzonengeschmack könnte ich verzichten, aber ansonsten beneide ich dich gerade um ein paar monate südostasien. ich weiß, job, aber trotzdem. einfach in ruhe all das entdecken können, wofür man üblicherweise herumhetzt und dann doch nur einen bruchteil der liste geschafft hat.

    • chezmatze schreibt:

      Ja, auch wenn es in den klimatisierten Räumen wirkt, als könnte man überall auf der Welt sein, aber sobald ich draußen bin, genieße ich es sehr, ausgerechnet im Februar (das ist der Monat, der mir daheim immer am schwersten fällt) ganz woanders zu sein. Einen Markt in der Nähe meiner Unterkunft, der mir beim letzten Mal sehr gefallen hatte, haben sie anscheinend an einen anderen Ort verlegt. Das ist auch so eine Sache in Bangkok: drei Monate nicht da, schon hat sich wieder etwas varändert. Mal schauen, was ich noch so alles entdecke…

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