Die neue Rebsortenarmut

Bei der K&U-Hausmesse in Nürnberg traf ich zu späterer Stunde mit einem erfahrenen Weinkenner zusammen. Er hatte offenbar schon eine ausgiebige Probierrunde an den Ständen absolviert. Als wir unsere Eindrücke austauschten, meinte er nach einer Weile unvermittelt: „Wenn ich genauer darüber nachdenke, sind sich die meisten Weine doch eigentlich total ähnlich.“ Das fand ich jetzt als Quintessenz doch ein wenig zu grob ausgedrückt. Aber mittlerweile kann ich diese – vielleicht gar nicht mal im Affekt dahergesagte – Meinung verstehen. In gewisser Hinsicht.

Niemand wird bestreiten können, dass die bei der Messe anwesenden Weingüter wie Wittmann, Christmann oder Heymann-Löwenstein zu den deutschen Spitzenerzeugern gehören. Die Liste der zu probierenden Weine zeigte aber vor allem eines: Riesling rules, und zwar komplett. Das rote Pendant zum Riesling ist der Spätburgunder, je nach Klonherkunft auch mal als Pinot Noir bezeichnet. Darüber hinaus geht wenig. Ein bisschen Lokalkolorit ist natürlich noch gestattet. So lässt man den Württembergern den Lemberger, den Badenern Weiß- und Grauburgunder und den Franken (nebst ein paar Rheinhessen) den Silvaner. Elbling und Trollinger werden in weiten Kreisen dagegen fast als Zumutung gesehen, und über Neuzüchtungen spricht man besser gar nicht mehr. Der Riesling wird mit allen möglichen Zuckerstufen von allen möglichen Bodenformationen angeboten, der Spätburgunder weist mittlerweile sämtliche Schattierungen des Holzeinsatzes auf. Aber die deutsche Weinwelt ist summa summarum in ihrer geschmacklichen Vielfalt relativ beschränkt.

Relativ jedenfalls im Vergleich zu einer französischen Region, die marketingtechnisch nicht gerade auf der Sonnenseite steht, vielleicht aber deshalb ihre ganzen fast vergessenen Rebsorten wieder herauskramt: der Südwesten. Hier gibt es neben den „Leithammeln“ Cot, Tannat und Gros Manseng mittlerweile auch wieder eine ganze Reihe von Weinen auf dem Markt, die aus Rebsorten wie Arruffiac, Abouriou, Len de L’El, Ondenc, Braucol, Duras oder – mir bislang völlig unbekannt – Chatus stammen. Nicht nur die Namen suggerieren eine mittelalterlich anmutende Vielfalt, auch die Geschmacksnuancen reichen vom hellroten Tischwein bis zum schwarzen Tanninträger, vom zitrusfrischen Meeresfrüchtebegleiter bis zum Mandarinenkompott.

Zum Glück gibt es auch in Deutschland eine sehr engagierte Gruppe von Weinfreunden, die sich die Rebsortenvielfalt auf ihre Fahnen geheftet haben. Im Rahmen einer Weinprobe hatte ich kurz die Gelegenheit, mich mit Thomas Riedl darüber zu unterhalten. Später hat er auch noch bei Michael Liebert die Liste der Erzeuger von Weinen aus historischen Rebsorten veröffentlicht. Soweit ich weiß, wird diese auch ständig erneuert – und Mithilfe immer sehr gern gesehen.

Ich finde diese ganze Sache großartig, um es mal in einem Wort zusammen zu fassen. Nur, warum muss ein Privatmann daherkommen, um diese Sisyphus-Arbeit auf sich zu nehmen? Und warum finde ich trotzdem bei kaum einem Weinhändler meines Vertrauens entsprechende Weine (von den Weinhändlern meines Misstrauens natürlich ganz zu schweigen)? Aus dem Bauch heraus würden mir drei Elemente der Historie dieses Mangels einfallen:

1. Der deutsche Weinbau leidet immer noch unter der „Ära der Neuzüchtungen“. Als es darum ging, die Hektarerträge deutlich in den dreistelligen Bereich hinein zu katapultieren, waren die deutschen Rebzüchter ganz vorn dabei. Unsere Großväter und Großmütter haben sich mit Freuden auf Huxelrebe, Morio-Muskat und Bacchus gestürzt. Den jüngeren Weintrinkern stehen bei diesen Namen die Haare zu Berge. Deshalb können wir auch nicht mehr von den Alten lernen, denn sie stehen für eine Ära im Weinbau, deren Philosophie heutzutage rundweg abgelehnt wird. Um es mal überspitzt auszudrücken: Eine Vielfalt an Schund ist eine Scheinvielfalt.

2. Die Generation dazwischen (okay, je nach Eigenalter auch unsere) ist deswegen komplett vom deutschen Wein abgerückt. Statt dünne Zuckerpampe zu trinken, wollte man lieber den Geschmack der weiten, vielleicht minimal romantisierten Welt in die eigenen vier Wände holen. Da waren zuerst die italienischen Rotweine, je nach Vorliebe auch Bordeaux und Burgunder, später die Spanier und noch später die ganze Überseewelt von Kalifornien über Chile und Südafrika bis nach Australien. Anregungen für den heimischen Weinbau konnte man von dieser Generation also auch nicht erwarten.

3. Die hiesigen Winzer wollten aber auf den (vermuteten) Wunsch der Kunden nach dunklen Übersee-Roten reagieren. Zudem wurde in der Öffentlichkeit die Forderung immer lauter, den Gebrauch von Pestiziden und Fungiziden doch möglichst ein wenig einzuschränken. Heraus kam die nächste Welle von Neuzüchtungen, diesmal bevorzugt in Tiefrot. Der konventionelle Winzer erfreut sich seitdem an Cabernet Mitos und Konsorten, der Biowinzer frohlockt über seine pilzresistenten Regentreben. Wer braucht da noch die alten Sorten? Geschmack ist ja Nebensache.

Und selbst wenn man die historischen Rebsorten wiederbeleben wollte, wäre das gar nicht so einfach. Manche davon sind nämlich extrem empfindlich im Anbau, niedrig im Ertrag, hoch in der Säure oder auf andere Weise gewöhnungsbedürftig. Viele Winzer trauen sich deshalb nicht, das selbst auszuprobieren. Andere hingegen glauben, der Kunde sei noch nicht soweit, diese nie gehörten Namen auch ohne große Erklärungen anzunehmen.

Und so haben wir momentan zwar die wahrscheinlich besten Weine der wahrscheinlich besten Winzer aus Deutschland, die es jemals gegeben hat – aber sie sind sich halt verdammt ähnlich. Nicht schimpfen, ich mag Riesling und Spätburgunder auch, gar keine Frage. Aber verglichen mit dem, was an Rebsorten- und Weinvielfalt eigentlich möglich wäre, sehe ich die Auswahl als suboptimal an. So gesehen hat er also irgendwie recht, der Weinkenner bei der K&U-Messe.

Was meint Ihr? Ist der Markt in Deutschland schon reif für die ernsthafte Wiederbelebung historischer Sorten (die Österreicher sind da wahrscheinlich einen kleinen Schritt voraus)? Ist Euch die Riesling- und Spätburgunderdominanz bei seriösen Weinkritikern auch schon unangenehm aufgefallen, oder täusche ich mich da? Habt Ihr in letzter Zeit einen Wein aus einer historischen Rebsorte getrunken (oder einen gemischten Satz), der Euch charakterlich sehr überzeugt hat? Oder bin ich jetzt komplett auf dem falschen Dampfer und sollte mich doch besser mit schmackhaftem Riesling zufrieden geben, anstatt hier seltsame Wünsche zu formulieren?

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32 Antworten zu Die neue Rebsortenarmut

  1. Marqueee schreibt:

    Ich denke: ja, der Markt ist reif. Auch, wenn das immer ein Nischenmarkt bleiben wird. Aber in Zeiten, wo die zum Produkt erzählte Geschichte immer mehr Bedeutung erhält, bekommen auch die alten Rebsorten wieder mehr Chancen. Was erfreulich ist, da bin ich mir mit Thomas Riedl einig…

    Andererseits: ein Dir nicht unbekanntes klitzekleines alternatives Weinbauprojekt an der Mosel spielte vor geraumer Zeit mit dem Gedanken, etwas gelben Orleans zu pflanzen. Und musste den Gedanken verwerfen – weil zu diesem Zeitpunkt nicht legal zu realisieren…

    • chezmatze schreibt:

      Ja, das stimmt, die Gesetzesmühlen mahlen ungeheuer langsam. Wenn ich das richtig sehe, hat allerdings auch in Frankreich diese Bewegung von Unten stattgefunden, also außerhalb der AOC-Bestimmungen. Allerdings war es dann nicht illegal, diese als Tafelweine deklarierten Produkte zu verkaufen. Ob das in Deutschland auch ginge, weiß ich ehrlich gesagt nicht, weil ich außer von Kühn und von Ziereisen überhaupt keine Weine außerhalb der gesetzlich vorgesehenen Norm kenne.

      Ich denke aber auch, für einen Nischenmarkt könnte jetzt schon einiges gehen. Regionalität und Story sind ja quasi immanent vorhanden.

  2. jens schreibt:

    Bravo Matze!!! Du hast das ganze Dilemma des Deutschen Weinbaus auf den Punkt gebracht!!!

    P.S. Ich trinke gerne deutschen Riesling. Das können wir. Besser kann das keiner. Das ist unser deutsches Alleinstellungsmerkmal im weltweiten Weinanbau. Ob das reicht oder nicht kann ich nicht sagen. Spannend kann das sein. Auf jeden Fall. Eine solche Rebsortenvielfalt, wie es die Franzosen haben und auch an unterschiedlichen Orten im großen Frankenreich kultivieren, können wir nicht vorweisen. Leider!? Gott sei dank!? Ich weiß es nicht. Ich schließe mit den Worten:“Ich bin Franzose der deutschen Riesling liebt!“

    Grüße Jens

    • chezmatze schreibt:

      Die Sache mit dem Riesling, der Qualität und dem Alleinstellungsmerkmal sehe ich auch so wie Du. Daran sollten die anderen alt-neuen Sorten ja auch nicht rütteln. Ich denke, das wäre zumindest für den Anfang auch eher etwas für den aufgeschlossenen Inlandsmarkt als für den Export. (Außer für die schwedischen und japanischen Freaks, von denen es ja auch einige gibt).

      Die klimatischen Voraussetzungen in Deutschland sind für den Weinbau sicherlich deutlich ungünstiger als in Frankreich, was dann ja auch die Rebsortenvielfalt beschränkt. Und auch in Frankreich gibt es ja die monocépage-Gegenden wie Burgund. Aber wie Du ja sicher herausgehört hast: Mir fehlt hierzulande grundsätzlich der Mut, mal in eine andere Richtung zu gehen. Es ist schön, wenn man das mittlerweile Gute noch besser machen will. Aber alles kann das nicht sein…

  3. Alfredo schreibt:

    Hallo Matthias,

    jetzt ordne ich mich mal in die 2. Gruppe ein. Mein Weg ging nach Frankreich, etwas Italien kam dazu, Chile, Südafrika und Australien wurden nicht ausgelassen und im Endeffekt bin ich bei Riesling und Spätburgunder gelandet. Noch vor zehn Jahren habe ich in einem sehr guten Pfälzer Restaurant das Kapitel Pfalz auf der Weinkarte schnell überblättert. Heute ist es fast schon eine Aufgabe geworden, die Vielfalt der sehr guten Winzer in den vielen deutschen Regionen mit den Hauptrebsorten kennen zu lernen. Mir sind die regionalen Unterschiede bedeutend genug, zumal der Keller mit Weinen aus Italien und Frankreich ordentlich versorgt ist. Zweimal habe ich „Gemischten Satz“ kennengelernt und fand es spannend. Einige Flaschen von Deiss und dann noch Sachen aus Wien. Das könnte ich mir bei uns auch ganz gut vorstellen.

    Beste Grüße
    Alfredo

    • chezmatze schreibt:

      Interessanterweise habe ich auch erst den französischen Wein kennen gelernt, weil es bei uns zu Hause ehrlich gesagt nur minderwertigen deutschen Wein gab. Waren alles Zeiterscheinungen. Die hochwertigen deutschen Weine sind bei mir erst seit wenigen Jahren wirklich präsent. Nur interessiert mich jetzt als notorisch Neugieriger zusätzlich der nächste Schritt.

      Wenn man sich überlegt, wie die Weinkarten der besseren Restaurants mittlerweile gestaltet sind, sieht man in der Tat riesige Fortschritte. Ich glaube nicht, dass es nur an Dir lag, dass Du das Kapitel „Pfalz“ auf der Karte früher überblättert hast. Umfang und Qualität haben sicher in den letzten zehn Jahren gewaltige Sprünge gemacht. Gemischte Sätze sind ja auch wieder ein wenig im Kommen, wobei eine Qualität (und ein Preis) wie bei Deiss wahrscheinlich so schnell keiner wagen wird.

      Wenn ich wieder etwas länger in Deutschland bin, werde ich auf jeden Fall mal ein wenig herumfahren und die verschiedenen Ausgaben von Tauberschwarz testen. Wird allerdings noch dauern…

    • Thomas Riedl schreibt:

      Hallo Alfredo,

      wenn Matze mir Deine Mailadresse vermitteln darf, dann schicke ich Dir die komplette Liste der in Deutschland erzeugten Weine aus (überwiegend) wurzelechten Gemischten Sätzen. Die hatte ich u.a. mit Matze im Januar komplett verkostet.

      Beste Grüße

      Thomas

  4. Charlie schreibt:

    die Vielfalt in D mag schwächeln, aber dem Konsumenten stehen heutzutage die Weine der Welt zur Verfügung. Ein paar gute Weine aus alten Sorten in D wären allerdings schön. Ich sehe mit der Dominanz des Riesling und Spätburgunder das Risiko, dass zuviel davon angebaut wird und dadurch wieder mal die Qualität sinkt.

    • chezmatze schreibt:

      Okay, da sprichst Du natürlich einen wichtigen Punkt an. Die Globalisierung der Märkte hat dazu geführt, dass ich bei einem Händler oder im Internet mittlerweile auch Zugang zu diversen lokalen Produkten Zugriff habe, was früher nicht der Fall war. Ist aus konsumententechnischer Sicht bestimmt mehr als ausreichend. Aber unabhängig davon, dass es prinzipiell mehr als genug Wein auf dem Weltmarkt gibt, würde ich mich wie Du über ein paar gute Weine aus alten Sorten auch sehr freuen. Viele würden da sowieso nicht mitmachen, die Gefahr des Überangebots sehe ich also weniger.

      Dass die Riesling- und Spätburgunderqualität quasi vom Durchschnittswert her sinkt, wenn immer mehr Winzer diese Rebsorten anbauen, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Müsste rechnerisch gesehen sogar so sein, wenn man davon ausgeht, dass Pioniere und Spitzenhersteller als erste auf den Zug aufgesprungen sind. Warten wir’s mal ab…

  5. Fritz Zickuhr schreibt:

    Ich schließe mich den Ausführungen ungerne an. Um es vorweg zu nehmen. Es gibt gute und sehr gute Weine aus „kleinen“ und autochthonen Rebsorten. Und es macht Spaß diese zu trinken und zu verfolgen. Zum Beispiel gibt es einen Mosel Cabernet Sauvignon, im übrigen vom gleichen Winzer, der auch das alternative Weinbauprojekt begleitet, welcher durchaus gut und schön zu trinken ist. Eine Konkurrenz zu Bordeaux? Mitnichten, außer vom Preis.

    Zwei Dinge die ich anführen möchte
    1.
    Es hat sich gezeigt, dass es Sinn macht bestimmte Rebsorten in bestimmten Anbaugebieten anzubauen. Als Beispiel sei hier die Champagne genannt. 2 „edle Rebsorten“ mit dem gemeinen Schwarzriesling bringen hier unnachahmliche Schaumweine hervor. Warum soll man hier Muskat oder Syrah anbauen? Oder auf den Schwarzriesling verzichten, der, meiner Meinung nach, nur hier „Großes“ hervorbringt.
    Zum 2.
    Die vereinheitlichung der Klone á la Geisenheim. Früher, also vor der Laus, hatte jede Region „ihren“ Riesling, der per Steckling vermehrt wurde und sich den jeweiligen regionalen Gegebenheiten angepasst hatte. Heute gibt es den Einheitsklon der nur auf Oechsle und Resistenz gezüchtet wurde um jedes Jahr einen „guten“ Wein machen zu können. Damit geht natürlich auch eine geschmackliche Vereinheitlichung der Weine einher. Doch auch daraus lassen sich sehr unterschiedliche Weine, den regionalen Gegebenheiten angepasst, herstellen. Beweise gibt es hunderte.

    Nichts desto trotz gibt es immer wieder kleine Weine die Überraschen. Rebsortentechnisch gesehen. Man soll auch hier nicht vereinheitlichen. Leute bewegt euch in der Grauzone. Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Aber viel mehr als es jetzt gibt braucht es aber nicht.

    • chezmatze schreibt:

      Siehst Du, Deinen letzten Satz würde ich zum Beispiel überhaupt nicht unterschreiben. Das gilt aber nur für mich persönlich. Ich spreche hier ja nicht von Cabernet-Sauvignon oder Syrah, die in Deutschland angebaut werden sollten. Sondern von Rebsorten, die unserem Klima und unseren Anbaubedingungen seit jeher angepasst waren, die aber im Rahmen der Neuzüchtungsgeschichte und der Vereinheitlichungsfreude weitgehend (oder gar komplett) verschwunden sind. Das mit der Champagne und dem Pinot Meunier hört sich doch eigentlich wie ein Argument für das Erhalten lokaler Traditionen an, oder? Und genau das befürworte ich ja auch.

      Bei der Sache mit den Klonen bin ich jedenfalls wieder uneingeschränkt bei Dir. Ohnehin hat – um noch mal einen Punkt reinzubringen, den ich hier eigentlich ganz ausklammern wollte – die technische Weiterentwicklung zur Uniformisierung stark beigetragen. Das gilt wahrscheinlich für jede Region dieser Welt, und sicherlich mehr für Übersee als für Deutschland.

      Was meinst Du übrigens mit der „Grauzone“, in der sich die Leute mehr bewegen sollen? Das habe ich nicht verstanden.

      • Fritz schreibt:

        Mit der Grauzone meine ich die nicht bewerteten Weine und Rebsorten. Weine die keine gute Reputation haben. Hört auf das was die eigene Zunge sagt. Das sind aber Weine die nicht unbedingt punkten in der Presse und den großen Proben. Sie werden einfach nicht mehr wahrgenommen. Von der Presse und der Leserschaft.
        Wir veranstalten seit mehr als 10 Jahren Proben, wenn Weine dabei sind, die von Parker, “ der hat zwar keine Ahnung, aber wenn der die gut benotet bin ich dabei“, gut bewertet sind, ist die Probe in 5 Minuten ausgebucht. Geht es um was neues oder altes oder was nicht im Fokus steht, kommt keiner. Also geht zum Winzer und sagt ich will deine Top Rieslinge und Spätburgunder, aber auch die Wb, GB und keine Ahnung was noch. Wenn alle nur kommen wenn es gut bewertete Weine gibt und diese auch nur gekauft werden, dann braucht man sich nicht zu wundern wenn das auch nur noch gemacht wird.

      • chezmatze schreibt:

        Ah, jetzt habe ich’s verstanden. Und bin ganz Deiner Meinung. Bei solchen Gelegenheiten habe ich die Erfahrung gemacht, dass es manchmal ganz interessant ist, die Leute erst mal zwei Weine blind testen zu lassen und zu fragen, welcher davon ihnen denn besser geschmeckt hat. Das ist nämlich oft nicht der „Höherwertigere“…

    • Thomas Riedl schreibt:

      Hallo Matze, hallo Fritz, hallo alle zusammen!

      JEDER ernstzunehmende Rebzüchter in Deutschland sagt, dass es an Rebklonen und an Rebsorten mehr braucht als es jetzt gibt. Hauptgründe sind die Klimakapriolen mit Hagel und Starkregen, dann die steigenden Kosten für Fungizide.
      Die deutschen Winzer verlangen nach Klonen der traditionellen und vom Kunden verlangten Traditionsrebsorten Riesling, Burgunder in rot und weiß, Chardonnay, Traminer, die frosthart und verrieselungsfest sind, festere Beerenhäute haben, pilzresistenter sind, die Laubarbeit erleichtern, sicheren aber moderaten Ertrag bringen und weniger Mostgewicht haben.
      Um diese Eigenschaften in Qualitätsklone einzuzüchten, braucht man (alte) Klone, die diese Eigenschaften noch besitzen. Es geht dabei nicht um Züchtung einer neuen Sorte oder einer PIWI!
      Aber auch in eine neue Sorte kann ich nur die Eigenschaften einkreuzen, die ein Kreuzungselter sicher mitbringt. Aus diesem Grund ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt bei der Weinrebe nötig. Und sie ist leichter zu bewerkstelligen, wenn man die Weine aus bewahrten Sorten auch vermarkten kann.
      Richtig: Viele Weine aus historischen Sorten machen (im Moment) leider wenig Freude. Und man fragt sich, wer das braucht. Das liegt sicher auch an geringer Erfahrung oder (noch) mangelnder Sorgfalt der Winzer. Das aber gilt doch auch für viele Rieslinge oder Spätburgunder!
      Damit jede/r Interessierte leichter die Möglichkeit hat, von den betreffenden raren Weinen überhaupt zu erfahren, habe ich die umfangreichste Liste zu deutschen Weinen aus seltenen (<0,1% der Rebfläche) historischen oder autochthonen Rebsorten zusammengestellt, die es gibt. Derzeit aktualisiere ich sie.
      Wer Interesse an ihr hat, melde sich bei mir unter weinrunde@gmx.de.

      Beste Grüße!

  6. Stephan schreibt:

    Hallo Matze,

    ein sehr guter Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht.

    „Ist Euch die Riesling- und Spätburgunderdominanz bei seriösen Weinkritikern auch schon unangenehm aufgefallen, oder täusche ich mich da?“

    Das fällt mir laufend auf und ärgert mich. Oft werden z.B. Silvaner, Weiß- oder Grauburgunder Große Gewächse gar nicht mehr probiert. Auch ansonsten werden diese Sorten, genauso wie der Trollinger, Elbling, Traminer oder Muskateller als aromatisch minderwertig belächelt und höchstens mit „lecker“ qualifiziert. Dabei soll es ja gar nicht darum gehen, in einer internationalen Vergleichsprobe der „besten Weißweine“ mit einem Weißburgunder oder Silvaner auf die ersten Plätze zu kommen. Es geht doch nur darum, Sorten mit Tradition, die hierzulande gute Bedingungen vorfinden, in guter und typischer Qualität an- und auszubauen.

    Südpfälzer und badische Weiß- und Grauburgunder und sogar Weißburgunder von der Nahe, Rheinhessischer und fränkische Silvaner sind für mich Spezialitäten, die für die Vielfalt enorm wichtig sind, auch um ein mehrgängiges Menu begleiten zu können.

    Übrigens werden nach meinem Gefühl nicht nur die präsentierten Rebsorten immer weniger, sondern verengt sich auch das Geschmacksprofil bei vielen Weinen immer mehr. Mineralität ist der König, Frucht der Teufel. Karge, salzig mineralische Rieslinge, Weißburgunder und Silvaner trinke ich ja auch gerne, aber eben nicht immer. Da wird aus meiner Sicht durch bestimmte Ausbaumerkmale (die ich jetzt nicht nennen kann, dafür kenne ich mich zu wenig aus) Rebsortentypizität und Aromenkomplexität verschenkt. Oft wirkt die Mineralität stützend und spannend, manchmal schmeckt mir das Ergebnis unabhängig von der Rebsorte aber auch nur nach aufgelöster Kalk- und Magnesiumtablette in Mineralwasser (übertrieben gesagt).

    „Habt Ihr in letzter Zeit einen Wein aus einer historischen Rebsorte getrunken (oder einen gemischten Satz), der Euch charakterlich sehr überzeugt hat?“

    Ein Eldorado für historische Rebsorten und gemischte Sätze findet sich m.E. in Franken und im Taubertal. Da gibt es nicht nur den Tauberschwarz, den ich aromatisch gewöhnungsbedürftig, aber schon charakterstark finde, sondern auch mehrere gemischte Sätze, von denen mich jüngst sehr überzeugt haben der Gemischte Satz (Riesling & Silvaner) von Otto Geisel aus dem Markelsheimer Probstberg und der „Gemischte Satz 1699“ von Bickel Stumpf.

    • chezmatze schreibt:

      Manchmal muss ich mich übrigens selbst schelten, denn wenn es um Vergleiche geht, nehme ich fast immer ein paar Rieslinge zur Hand, weil es da einfach eine größere Vielfalt an Regionen und Spitzenerzeugern gibt als bei anderen Rebsorten. Das geht vermutlich den meisten anderen auch so, weshalb sich das gegenseitig bedingen dürfte.

      Was die Eignung als Speisenbegleiter anbelangt (und da macht sich eine exorbitante Aromatik ja meist nicht so gut), sehe ich ehrlich gesagt die Burgundersorten oder den Silvaner ohnehin im Vorteil. Wie gesagt, das spricht alles nicht gegen den Riesling, tolle Weine aus einer großartigen Rebsorte, aber zu Heringssalat sollte es schon ein anderer Begleitwein sein als zu Poularde in Sahnesoße.

      Das mit der krassen Mineralität sehe ich in der Tat als ein interessantes zeitgeschichtliches Element. Die Ära der Neuzüchtungen war ja weitgehend von fruchtbetonten, meist deutlich restsüßen Weinen geprägt – das galt in der Regel auch für Weine aus autochthonen Rebsorten. Vielleicht war es diese Assoziation, die einige Pionierwinzer dazu gebracht hat, das karge, salzig-steinige Element in den Vordergrund zu stellen. Ist übrigens in Frankreich nicht anders. Da geht es (außer bei weltmarktorientierten Regionen wie dem Bordelais) mittlerweile vor allem bei den Roten auch um Eleganz, Kühle, Mineralität.

      Ich bin natürlich kein Hellseher, habe aber folgendes Gefühl: Der „bewusste Weinkonsument“, der bis vor kurzem noch saftige, gelegentlich gar etwas dickliche Weine als besonders hochwertig angesehen hat, könnte zukünftig umschwenken auf die schlankeren, mineralischeren Creszenzen. Die Weinkritiker haben das ja teilweise schon getan, Du hast es angesprochen. Wenn dann die Mehrheit der Weinfreunde diesen Stil bevorzugt, gehen die Pioniere wieder in die Fruchtrichtung, und Pionierkritiker loben den Hedonismus, der diesen Weinen im Gegensatz zu ihren spröden Vettern innewohnt. Vielleicht täusche ich mich, aber irgendwie ist ja auch die geschmackliche Beurteilung Modewellen unterworfen, genau wie Kleidung, Musik, Architektur auch. Gleichzeitigkeit geht selten. Zu hoffen ist immer, dass die jeweilige Gegenbewegung zur Bewegung stark genug ist, um für diejenigen, die wirklich Wert darauf legen, auch den anderen Stil als den gerade angesagten vorrätig zu haben.

    • Thomas Riedl schreibt:

      Überzeugende Weine aus historischen Sorten und Gemischten Sätzen? Aber ja doch:

      Gelber Orléans von Knipser – bitte erst reifen lassen!
      Mehrere Blaue Silvaner aus Franken aber auch von M. Teschke
      Roter Riesling von Baron von Knyphausen und Weingut Prinz
      Roter Elbling von Hubert Apel, Hellershof-Zilliken (auch als Sekt!)
      Grünfränkisch von Heiner Sauer (hieß bislang Weissburgunder „Schloss“…)
      Weißer Räuschling von WG Zeller-Abtsberg (der letzte!)
      Schwarzurban von Weinpavillon Norbert Greiss
      Tauberschwarz von Benz und Hoffmann

      Wurzelechte Gemischte Sätze, weiß:
      „Alter Satz“ von Otmar Zang, Sommerach
      „Signatur – Alte Reben“ von Manfred Baumann, Oberschwarzach
      „Anno Domini“ von Herbert Schneider, Wipfeld
      Ickelheimer Schlossberg, Gemischter Satz vom Weingut Meier

      Wurzelechte Gemischte Sätze, rot:
      Vinum Franconium Purpureum von G. Stahl-Euteneuer und Weingut Stritzinger, Klingenberg
      „Altrodt“ von Wolfgang Kühn, Klingenberg (Reifen lassen!)

      Neue Mischsätze aus historischen Sorten:
      „Veteres Vites“ von Elmar Schauß
      „Gemengelage“ von von Racknitz
      „1651“ oder so ähnlich von Bickel-Stumpf
      Es gibt einen noch namenlosen von Baron von Knyphausen (Hammer!)

      Reicht für’s Erste?

      Beste Grüße!

  7. Alfredo schreibt:

    Hallo zusammen,

    ein wenig möchte ich zu meinen obigen Zeilen noch hinzufügen. Heute habe ich beim Frühstück einmal die VDP-Broschüre mit den Kurzporträts (wurde im Jubiläumsjahr herausgegeben) auf die Rebsortenvielfalt durchgesehen. Meist waren es 5-9 Typizitäten, natürlich unterschiedlich nach Regionen. Bei Dr. Heger am Kaiserstuhl – als Beispiel – waren es neun Sorten, während Kühn im Rheingau (ich schätze seine Weine sehr) am anderen Ende der Skala ausschließlich Riesling im Anbau hat. Was Deutschland betrifft sind wir (meine Frau teilt kompetent mein Interesse) , neben Riesling und Spätburgunder auch mit Weissburgunder und Silvaner gut versorgt. Matthias liegt richtig, wenn er darauf hinweist, dass letztere oft die besseren Begleiter zu (von mir angemerkt: etwas komplizierteren) Gerichten sind. Den Silvaner mussten wir aber auch erst mal entdecken.
    Noch ein Wort zu den Deiss-Weinen. Von den verschiedenen Lagen (Engelberg usw.) haben wir uns vor einiger Zeit je eine Flasche zur ruhigen häuslichen Verkostung mitgenommen, lange genug gelagert und dann mit passenden Speisen kombiniert und nachher auch solo verkostet. Als Essensbegleiter kamen sie für unsere Auffassung einfach zu üppig daher, als Soloweine waren sie ein großartiges Erlebnis. Kürzlich haben wir auch das Abenteuer „Scheurebe“ in Angriff genommen. Alleine mit dem Namen (von der wechselvollen Namensgeschichte nicht zu reden) hätte man uns bis vor Kurzem in die Flucht geschlagen. Im GM ist mir eine Spätlese von Koch aus Hainfeld in der Pfalz aufgefallen, die für nicht einmal € 6.- auf sagenhafte 91 Punkte gestuft wurde. Zudem liegt sie in der für uns sehr interessanten 8%-Zone. Das Ergebnis: der GM lügt nicht. Feinste Frucht, gute Säurestruktur, sommerlich leicht, beschwingt. Mir gefällt das, meine Frau ist überhaupt nicht begeistert, ganz einfach, weil ihr dieser Stil nicht liegt. Jetzt habe ich für einsame Abende ein schönes Fläschchen für mich alleine, bei 8% nicht problematisch. Einen Versuch zu Jakobsmuscheln will ich aber irgenwann noch mal starten. Der (wirklich interessante) Wiener gemischte Satz war ein Weiniger aus dem Nußberg.
    Beste Grüße
    Alfredo

  8. Torsten schreibt:

    Hallo Matze,

    interessante These, die allerdings bisher noch nicht auf die ostdeutschen Weinbaugebiete zutrifft. Hier hat es nach wie vor aus fast allen Zeiten noch etwas und es hat auch etwas Riesling und Spätburgunder. Dennoch fallen mir bei Liebingsweinen aus den ostdeutschen Regionen erstmal andere Sachen ein… So war früher schon Sachsens Grauburgunder und an Saale Unstrut der Traminer mehr meine Aufmerksamkeit erregend als Riesling, schon zu DDR-Zeiten war man froh, aus Bad Kösen und Co. einen Zweigelt oder einen Portugieser zu bekommen, erst heute guckt man auch hier ein wenig nach Spätburgunder und reißt sicher nicht alle anderen roten Stöcke aus, um dort Spätburgunder zu pflanzen.

    Aus Jessen schätze ich den Schwarzriesling in besten Jahren ebenso wie den Dornfelder aus dem Harz – Matthias Kirmann schafft es hier, die Haßsorte der deutschen Weinfreaks so zu managen, dass der eine oder andere vorurteilsbehaftete schon mal seinen Hut abnehmen musste (wobei oft die anderen Kirmannschen Sachen noch besser sind).

    Gewiss, das sind alles auch keine wirklich autochthonen, aber eben im Osten sehr gut adaptierte Sachen. Ich bin sogar der Meinung, dass die besten der Traminer aus Ostdeutschland inzwischen zu den besten Traminern überhaupt gehören. Sowohl als (relativ) trocken ausgebaute Variante als auch unter den edelsüßen.

    Bei uns wird seit einigen Jahren auch wieder mit dem Blauen Bernburger experimentiert. Nunja, es ist eher noch gewöhnungsbedürftig als Jubelarien auslösend, aber interessant ist es allemal, wenn man denn mal die Chance hat, davon etwas ins glas zu bekommen. (geht in Richtung Poulsard aus dem Jura gekreuzt mit dem Pinot d´Aunis von der Côteaux de Loir, aber noch lang nicht so gut wie diese beiden auch eher schrägen Sorten…)

    Und im Übrigen hast du mir in dem Artikel und der Diskusion hier sogar einen Denkansatz geliefert. warum ich ausgerechnet auf die Weine des spanischen Priorats so abfahre – sie haben diese schneidende Schiefermineralik, aber sie sind alles andere als karg (bis auf die wirklich schlechten Ausnahmen), sondern eben auch reich mit Frucht gesegnet. Aber das ist nur ein „Abfallgedanke“ hier.

    • chezmatze schreibt:

      Ja, die ostdeutschen Weinbaugebiete haben sicherlich eine etwas andere Genese aufzuweisen. Wobei ich denke, dass die Verwendung von Riesling und Spätburgunder auch dadurch ein wenig eingeschränkt bleibt, dass die Anbauperiode oft zu kurz ist. Nicht dass es an Sonne und Sommerhöchsttemperaturen mangeln würde, aber kontinentales Klima bedeutet ja immer Spätfrostgefahr und einen früheren Wintereinbruch.

      Ich glaube auch, dass die regionale Identität bei Sachsen und Saale-Unstrut derzeit allein durch die Herkunft bestimmt wird und (noch) nicht so sehr durch die Art oder Rebsorte der Weine. Früher war „Radebeuler“ bei meiner Schwiegermutter (die ihn gern mochte) immer das Synonym für einen besonders sauren Riesling oder Müller-Thurgau. Das ist heute sicher nicht mehr so.

      Mir gefallen übrigens auch die Weißburgunder von Uwe Lützkendorf sehr gut. Die Sache mit dem „Blauen Bernburger“ hört sich ebenfalls sehr interessant an. Nur müsste sich wohl erst mal ein gestandener Winzer seiner annehmen 😉

      • Torsten schreibt:

        Hallo Matze, das stimmt sicherlich mit den Gefahren der Naturgewalten – aber dagegen sind andere Weinbaugebiete ebenso nicht gefeit. Grad aber z.B. Westerhausen hat laut Statistik mit die höchste Sonnenscheindauer und zugleich mit die geringsten Niederschläge in Deutschland. Wie oft bin ich schon dort geklettert, während es im richtigen Harz schüttete. An und für sich wär ja nächstes Jahr auch mal wieder ein Geburtstagsklettern an der Reihe – das hat schon insgesamt viel mal in den Jahren seit 1993 (+ ein Mal in Löbejün) geklappt – bei milden um die 10°C + Sonne trotz Mitte Januar. Wenn du es als alter Randharzer packst, bist du gern eingeladen dazu. Auf dem Gipfel gibt es auch einen Schluck Kirmann.

        Mit dem Blauen Bernburger ist es halt so eine Sache, das ist ein eingeschworenes Grüppchen, die sich meist im Verborgenen trifft und fast alles alleine trinkt. Da ja die Sorte erst in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde und demzufolge nicht im Sortenregister eingetragen ist, darf der Wein auch nicht gehandelt werden. Da haben wir wieder die Bürokratie, über die du ja auch schon lamentiertest…

      • chezmatze schreibt:

        Ach ja, das ist schon so eine Sache… Naja, vielleicht wird es ja noch was mit dem Registereintrag. Den besten Gemischten Satz habe ich übrigens vor kurzem erst getrunken, und auch er ist nicht zu kaufen. Darüber werde ich aber im Sommer noch mal gesondert berichten, wenn ich auch den zugehörigen Weinberg besucht habe.

        Mit dem kontinentalen Klima meinte ich übrigens nicht den fehlenden Sonnenschein, sondern die winterlichen und frühjahrsmäßigen Kaltlufteinfälle. Die gibt’s dort sicher deutlich häufiger als zum Beispiel am Oberrhein. Aber mikroklimatisch ist ja einiges anders als auf der großen Karte, da würde man den Uhlen wahrscheinlich auch eher ins Tessin verorten 😉

  9. Alfredo schreibt:

    Hallo Torsten,

    mit Lützkendorfs Traminer (u.a.) haben wir uns auf dem Weingut vor 3 Jahren auch versorgt und sind davon mehr als angetan, besonders zu Blauschimmelkäse läuft er zu großer Form auf.

    • Torsten schreibt:

      Hallo Alfredo,

      wenn noch ein paar Ost – Traminer Tipps erlaubt sind:
      das Thüringer Weingut (Bad Sulza), und das Harzer Weingut Kirmann (Westerhausen) machen auch meist sehr ansprechende Traminer, hin und wieder auch mal was Edelsüßes. wenn es der Jahrgang erlaubt. Auch die immer noch ab Gut verfügbare 2003er Traminer Beerenauslese vom Weingut Hanke (Jessen) lohnt sich, grad für besagte Blauschimmel. Bei allen dreien kann man sich auch was schicken lassen. Und bei allen Dreien sind nicht nur die Traminer gut!

      Lützkendorf gehört aber auch voll in die erste Reihe der zu empfehlenden ostdeutschen Winzer. Auch Gussek aus Naumburg würde ich dort verorten wollen, zu überprüfen wäre mal wieder Born aus Höhnstedt, wenn es denn die Zeit erlaubte…

  10. Alfredo schreibt:

    Wir lernen die Weine immer mal wieder bei der Fahrt aus dem Stuttgarter Raum nach Berlin kennen und machen in Naumburg und Umgebung Zwischenstation. Von einem GG Weißburgunder von Pawis waren wir ebenfalls sehr angetan. Ein Riesling von Kirmann war o.k., aber nicht aufregend. Auf dem Weingut waren wir lediglich bei Lützkendorf und das hat Spaß gemacht. Die anderen Sachen gabs im Restaurant, wobei in dieser Beziehung eher nicht zuviel zu erwarten ist. Da muss man wohl schon nach Leipzig ins Gewandhaus oder oben in den Hotelturm.

  11. Torsten schreibt:

    Ja, mit den Restaurants ist es eine Crux. Da ist es schon empfehlenswerter, mal bei den genannten Winzern direkt vorbei zu fahren. Die von mir benannten sind allesamt recht gut zu besuchen. Stimmt, Pawis wäre auch noch ganz gut – kenne ich nicht persönlich, aber da hab ich auch schon Gutes getrunken.

    Kirmann ist ja über die neue B6n (autobahnähnlich ausgebaut) sehr gut erreichbar und läßt sich gut mit einer Kombination mit einem Quedlinburg-Besuch machen. Da hast du mit dem Riesling allerdings mit seinem (für mich) schwierigsten Kind angefangen, Weißburgunder, Traminer und die Roten gefallen mir hier oft besser. Der Riesling wird zwar auch langsam besser und wie ich meine, braucht er paar Jahre Reife mehr als manch anderer Kirmann-Wein. Sollte dich dein Weg danach an Bernburg vorbei führen, bist du auch gern auf ein Glas bei mir willkommen – allerdings eher keine deutschen Weine, zum Mitnehmen gäbe es eher paar Raritäten aus dem Priorat zu entdecken.

    Hanke wiederum läßt sich gut mit Lutherstadt Wittenberg kombinieren – Abfahrt Coswig runter und dann von Jessen aus nachher weiter über das auch sehenswerte Jüterbog und Kloster Zinna nach Berlin oder über Luckau in den Spreewald, der auch die Entdeckung lohnt.

  12. Alfredo schreibt:

    Hallo Torsten,
    erstmal herzlichen Dank für die freundliche Einladung (zum Priorat 🙂 ) nach Bernburg. Ich war sogar schon mal da, in meiner Eigenschaft als Musiker hatte ich im Schloss zu tun. Kirmann bekommt garantiert noch einmal eine Chance. Von all den tollen Städten wie Wittemberg, merseburg usw. sind wir immer wieder begeistert, zumal der Zugang zum Kern unserer Kultur für Leute unseres Alters (ü50) lange versperrt war. Mit Herrn Lützkendorf haben wir zum Weissburgunder von der Hildebrand-Orgel in Naumburg geschwärmt. Jetzt bin ich weit vom Thema abgewichen, aber der Zusammenhang ergibt sich beim Stichwort „Entdeckungen“. das Restaurant mit dem Pawis war in Merseburg, recht neu eröffnet und durchaus mit kulinarischen Ambitionen.

  13. Torsten schreibt:

    Hallo Alfredo,

    interessant… – also wenn es mal wieder Musik von dir in Bernburg gibt, lass es mich wissen – bis zu mir sind es zu Fuß keine 5 Minuten vom Schloß, ich wohne quasi fast unterhalb des Schlosses – da musst du dir nicht noch mal die Tristesse der Bernburger Gastronomie geben, bei mir gibt es nicht nur Wein aus dem Priorat, sondern auch noch entsprechende Küche dazu. Matze, unser Hausherr hier, hat es ja in diesem Jahr auch schon mal zu mir geschafft, ich erinnere mich gern an den netten Tag zurück.

  14. Thomas Riedl schreibt:

    Hallo Matze,

    ich mach Dir und Deinen LeserINNEn einen rebsortenbereichernden Vorschlag: Ich organisiere für den Herbst 2012 zwei fundierte Proben:
    Eine erste mit deutschen Weinen aus wurzelechten Gemischten Sätzen und neuangelegten Gemischten Sätzen. Dabei eine oder zwei kleine Jahrgangsvertikalen.

    Dann eine zweite mit rebsortenreinen Weinen von Heunisch bis Roter Urban, was es so gibt.

    Umfangreiche Dokumentation inklusive und das Ganze wie immer auf Basis reiner Kostenteilung.
    Was meinst Du?

    Schönen Gruß!

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Thomas,

      das nenne ich einen großartigen Vorschlag! Lass uns das unbedingt machen. Du kannst ja mal überlegen, ob Du dafür ein bisschen mehr Publicity haben möchtest. Es scheint zwar immer so, als sei das ein reines Weinfreakthema, aber das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, dass so etwas gerade sinnlich Leute ansprechen kann, die mit Sachen wie Bordeaux-Subskriptionen nicht so viel anfangen können.

      Nur eine Bedingung hätte ich: Ich darf auch einen wurzelechten Gemischten Satz mitbringen (alte Reben, biodynamischer Anbau, spontanvergoren etc pp), den garantiert noch nie jemand der Anwesenden getrunken hat ;).

      Ich bin ja bald wieder in Deutschland, da können wir das ja mal angehen.

      Viele Grüße (noch) aus Bangkok

      • Thomas Riedl schreibt:

        Hallo Matze,

        die Probe mit den wurzelechten Gemischten sätzen haben wir ja jetzt geschafft. Und Du hast diese ganz besondere und so einmalige Veranstaltung ganz ausgezeichnet kommentiert.
        Die logische Folge-Vergleichsprobe „Sortenreine deutsche Weine aus seltenen Traditionssorten“ steigt am 6.7.2013. Mit dabei: Jungfernweine, die noch gar nicht zu bekommen sind und andere Rarietäten.
        Auch Deutschlands „Rebenretter“ – so nennt ihn Carsten Henn – Andreas Jung wird kommen.

        Jede/r ist willkommen!

        Beste Grüße!

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