BoboQ Bubble Tea – ein Stück Taiwan in Köln

Als ich letztens im Belgischen Viertel in Köln unterwegs war, überkam mich plötzlich ein großer Durst. Allerdings nicht auf ein lasches Kölsch, sondern eher auf etwas Süßes und Fruchtiges. In der Brüsseler Straße machte mich ein im Imbiss-Stil gehaltener Laden gleichzeitig stutzig und neugierig. „BoboQ – Tea & Café“ stand auf dem Schild, aber abgebildet war ein Getränk mit Strohhalm, in dem sich irgendwie kleine schwarze Johannisbeeren befanden. Sah jedenfalls so aus. Als ich das praktisch ausschließlich asiatische Publikum betrachtete, machte es plötzlich klick bei mir. Ich erinnerte mich an den Laden in den Pariser Olympiades, der ausgerechnet an dem Tag geschlossen hatte, als ich dorthin gehen wollte. Sollte das hier etwa auch eine „Bubble Tea Bar“ sein, der Kult aus Taiwan?

Ich muss zugeben, dass ich nicht der große „Bubble Tea“-Experte bin. Bislang habe ich nämlich genau einen einzigen getrunken. Da ich davon ausgehe, dass es Euch ähnlich geht, möchte ich hier erst einmal zwei Beiträge verlinken, nach denen wirklich keine Frage mehr offen bleibt. Hier könnt Ihr ein sehr interessantes Video mit der Pionierin in Deutschland sehen. Und hier einen „Aufklärungspost“ lesen von einer Expertin, die definitiv weiß, was Sache ist. Bevor ich alles noch einmal wiederhole und mich dabei garantiert verheddere, sei lediglich erwähnt, dass es sich beim „Bubble Tea“ in der Regel um ein Kaltgetränk auf Teebasis mit darin befindlichen Tapioca-Perlen handelt. In der Regel.

Denn genau das macht die Sache ein wenig kompliziert für uns europäische Auswahl-Muffel, die auf das Bestellen eines Tellergerichts geeicht sind. 33 dieser Basis-Varianten lassen sich nämlich mit elf verschiedenen „Toppings“ kombinieren, was zu einer nicht geringen Zahl an Variationsmöglichkeiten führt. Ohnehin habe ich die Vermutung, dass in ostasiatischen Ländern eine große Auswahl an Gerichten als besonders erstrebenswert gilt. Das mag natürlich auch mit den traditionellen Essgewohnheiten zu tun haben: Menschen sitzen um einen großen runden Tisch herum, auf dem viele kleine Tellerchen stehen.

Wie geht man also vor bei der Auswahl des Bubble Teas? Erst einmal sollte ich vorwegschicken, dass diese taiwanesische Kette derartig original ist, sie haben sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, auf der Karte irgendetwas auf Deutsch zu erläutern. Auch die großartigen Maschinchen zum Abfüllen und Schütteln des Getränks sind Teil des Konzepts. Der eigentliche Auswahlvorgang besteht dann aus drei Stufen: 1. Basis wählen, 2. Geschmack der Basis wählen, 3. Dinge wählen, die in das Getränk noch hineingeworfen werden und den eigentlichen Spaß an der Sache ausmachen. Im BoboQ gibt es vier Basis-Varianten: Milk Tea, Flavoured Juice Tea, Yoghurt und Flavoured Milk. „Yoghurt“ ist natürlich nicht wirklich Joghurt, sondern nur mit einem Schuss Joghurt geschmacklich verfeinert. Wahrscheinlich ist für Einsteiger die „Flavoured Juice Tea“-Variante am besten geeignet, „Milk Tea“ hingegen ist quasi das Original. Jede Basis gibt es in jeweils sieben bis zehn verschiedenen Geschmacksrichtungen, in der Regel Fruchtsorten, aber auch Kokosnuss, Taro oder Jasmin.

Jetzt geht es noch um die Blubbeln, die mit hineinkommen. Hier muss man sich nicht auf eine Zutat beschränken. Wer hingegen alle elf Toppings wählt, wird wahrscheinlich in seinem Becher keinen Platz mehr für den Tee haben. Wie gesagt, „klassisch“ sind Tapioca-Perlen, und darauf sollte man auch auf keinen Fall verzichten. Eine neuere Entwicklung (aber genauso unverzichtbar) sind die „Poppings“, mit Fruchtsirup gefüllte Kügelchen aus der Molekularküche. Hier könnt Ihr lesen, wie so etwas funktioniert, falls Ihr nicht schon selbst derartige Experimente gemacht habt. Ich musste natürlich auch noch „Han Tien Jelly“ nehmen, denn auf solchen Karten wähle ich grundsätzlich die Sachen aus, die nicht übersetzt werden können. In diesem Fall handelte es sich um Agar Agar mit braunem Zucker.

Als Geschmacksrichtung nahm ich übrigens „Honeydew“, weil ich irgendwie dunkel in Erinnerung hatte, dass damit die Süße bezeichnet wird, die aus Blattläusen herabtropft. Stimmt zwar, aber genauso heißt auch eine bestimmte Form der Honigmelone, und das war natürlich hier der Fall. Mit dem großen Strohhalm, durch den ja die ganzen Toppings passen müssen, kam ich mir ein bisschen vor wie Claudia Roth am Sektbuffet bei den Bayreuther Festspielen, aber mit etwas Übung klappt das auch ohne Schlürfen.

Wonach schmeckt jetzt dieser Bubble Tea? Erst einmal nach der Frucht- oder sonstigen Basis, wobei die Fruchtaromen schon eine ganz leicht künstliche Anmutung haben. Das ist bei Milk Tea als Basis natürlich anders. Die Tapioca-Perlen sind etwa einen Zentimeter dick und erinnern von der Konsistenz her an weiches Weingummi. Man schluckt und kaut also gleichzeitig. Die beim Draufbeißen zerplatzenden Fruchtsirup-Kügelchen sind ein zusätzliches Erlebnis. Ohnehin geht es beim Bubble Tea um zwei verschiedene Dinge, die gleichwertig nebeneinander stehen: Geschmack und Textur. Wer noch nie solche traditionellen Spezialitäten wie Quallensalat oder Seegurke gegessen hat, kann mit dem Bubble Tea erst einmal üben, was derartige Texturen anbelangt. Jedenfalls hat mir das Erlebnis Bubble Tea erstaunlich gut gefallen, und ich werde das garantiert demnächst mit einer anderen Variante wiederholen.

Ich muss zugeben, dass dabei natürlich auch ein Element eine gewisse Rolle spielt, das man als „Reisen im Kopf“ bezeichnen kann. Wer meinen Blog schon ein paarmal gelesen hat, weiß, dass ich auch in Wirklichkeit sehr gern reise. Fast genauso begeistert es mich allerdings, wenn sich die Welt vor meiner Haustür auftut. Das ist für mich der positivste Aspekt der Globalisierung. Noch besser wird das Ganze dann, wenn ein solcher Ort tatsächlich als Treffpunkt für die Community funktioniert. Und das scheint bei BoboQ ganz offensichtlich der Fall zu sein. Andere Franchiser dieser Kette befinden sich übrigens in Berlin, Leipzig und Düsseldorf, und es sollte mich nicht wundern, wenn zukünftig noch mehr dazukommen.

BoboQ, Brüsseler Str. 43, Köln, jeden Tag 12-22 (so ungefähr).

Kennt Ihr Bubble Tea? Seid Ihr auch experimentierfreudig, was Essen und Trinken anbelangt, oder vertraut Ihr seit Jahren einer bevorzugten Richtung?

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9 Antworten zu BoboQ Bubble Tea – ein Stück Taiwan in Köln

  1. Lakritze schreibt:

    Bubble Tea hier, bei uns in Europa? Das ist wunderbar zu wissen! Seit ich das vor Jahren — na, vielleicht doch Jahrzehnten — in New York getrunken habe, bin ich auf der Suche nach Tapiokakugeln. (Vergeblich; needless to say.) Ich habe dieses satte Schlupp, mit dem die Kugeln durch den Strohhalm schießen, nie vergessen können.

    • chezmatze schreibt:

      In Paris und London (wo Du gerade Europa ansprichst) gibt’s das schon ziemlich lang, aber hier geht es wohl erst richtig los. Ich habe zwar schon Stimmen gehört, die mit der Qualität bei BoboQ nicht so ganz einverstanden sind („Industriezeug“), aber das ist beinhaltet ja auch die Möglichkeit, es selbst besser zu machen. Dass das Thema übrigens ziemlich gefragt ist, merke ich daran, wie oft der Artikel aufgerufen wird…

  2. Julia schreibt:

    Also ich steh auf die klassische Variante „Milky Tea“ mit vielen vielen Pearls!!! Lecker! 🙂 Kenne es vor allem aus Singapore und habe es dort bei der Kette „Sweet Talk“ täglich gekauft. Orea Milkshake kann ich auch nur wärmstens empfehlen! Ich vermisse es so sehr…..nicht mehr lange und ich fahr nach Köln um es dort zu trinken! 🙂

    • chezmatze schreibt:

      Was mir aufgefallen ist: Alle BoboQ-Läden haben eine leicht abgewandelte Karte. Ich hab’s jetzt nicht im Kopf, aber Oreo-Milkshake (Du meinst doch den schwarzen Doppelkeks, oder?) gibt es glaube ich nicht in Köln. Ich hatte dafür letztens Taro Milk Tea, und den gibt es in Berlin und Düsseldorf nicht… Na egal. Sei aber nicht zu enttäuscht, wenn es dann doch nicht ganz wie in Singapur schmeckt 😉

  3. Stephan schreibt:

    Hallo
    Habe endlich einen bubble tea bei boboQ in der Brüsseler probiert war sehr lecker der Passion fruit gestern hatte mir ein freund von einem neuen bubble tea laden in der zülpicher Str. 56 erzählt bin gleich hingefahren und dort haben mich die Tee umgehauen.großer laden alles sauber und alles auf naturbasis was will man mehr ich komme wieder

    • chezmatze schreibt:

      Das hört sich ja wirklich gut an! Ich habe grad mal gegoogelt: „Bubble Town“ heißt der Laden, und eine Website haben sie auch, auf der allerdings noch nichts steht außer der Adresse. Jedenfalls werde ich das definitiv ausprobieren. Danke für den Tipp!

      • pusteblume schreibt:

        Ich arbeite direkt an der Zülpicher Straße und über „Bubbletown“… ich habe dort meinen ersten Bubble-Tea überhaupt getrunken und war sehr begeistert. Bald werde ich auch noch den von dir erwähnten boboQ ausprobieren.
        Danke für den tollen Bericht 🙂 der macht wirklich Lust aufs Ausprobieren 😕

      • chezmatze schreibt:

        „Bubbletown“ hab ich immer noch nicht ausprobiert, weil ich erst übernächste Woche wieder in Köln bin. Aber ich bin mir sicher, die Sache geht jetzt richtig los. Im Winter vielleicht etwas weniger als im Sommer, aber ich habe gehört, dass es in Berlin schon an die 30 Bubbletea-Bars geben soll. Falls es in Hannover, Stuttgart oder Nürnberg (oder ähnlich großen Städten) noch nichts gibt, das wäre wahrscheinlich gar keine schlechte Geschäftsidee im Moment 😉

  4. Pingback: Tee mit bunten Kügelchen | Bonn kocht

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