Die Galler-Barren, solide Schoko-Köstlichkeiten aus Belgien

Ich hatte Euch ja in meinem Streifzug durch die wallonische Metropole Liège Schrägstrich Lüttich schon über den Laden und die Produkte von Jean Galler berichtet. Was es mit den in dem Artikel genannten „Barren“ auf sich hat, habe ich allerdings nicht erklärt. Nun, die Galler-Barren, die korrekterweise „Bâtons“ heißen, sind genau das Produkt, mit dem Jean Galler berühmt geworden ist. Es handelt sich um eine Art Schokoriegel, wobei dieser Begriff Assoziationen weckt, die man besser schnell vergessen sollte. In Wirklichkeit ist dies nämlich die wahre längste Praline der Welt, gefertigt in 23 verschiedenen Varianten.

Jean Galler hat im Jahr 1976 seinen ersten Laden eröffnet, durch die elterliche Pâtisserie von Kindenbeinen an mit dem Metier vertraut. Später war er unter anderem bei Gaston Lenôtre in Paris in der Lehre. Sein kleines Unternehmen steht auch heute noch in Chaudfontaine, dem Ort zwischen Liège und Verviers, dem die heißen Quellen ihren Namen verliehen haben. Es gibt hier auch ein bekanntes, in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, ähnlich wie im wenige Kilometer entfernten Spa, aber das soll heute nicht das Thema sein.

Anders als manch anderer belgischer oder französischer Chocolatier, der einmal bei einem der ganz Großen gelernt hat, besaß Jean Galler von Anfang an keine Neigung, sich als Star aufzuführen und ausschließlich Luxusprodukte herzustellen. Die „Galler-Barren“, seine Tafeln und die aus der Zusammenarbeit mit dem Kartoonisten Philippe Geluck entstandenen Katzenzungen („Langues de Chat“) gibt es in vielen belgischen Supermärkten. Die Freundschaft mit Roger Michel, dem Weinhändler des „Cave des Oblats“ hat darüber hinaus zu einer Bâton-Sonderausgabe mit Maury-Ganache geführt, also einer Trüffelfüllung mit der roten südfranzösischen Süßweinspezialität. Trotz Bodenständigkeit und Heimatverwurzelung hat sich Jean Galler im offenbar ziemlich verwaisten Mittelpreis-Segment derartig gut platziert, dass er neben Geschäften in einigen belgischen Städten, Frankreich (Paris und Strasbourg) und Luxembourg auch Dépendancen in Japan und in den Golfstaaten unterhält.

Von meinem letzten Besuch in den Supermärkten Cora und Delhaize habe ich diesmal bescheidene acht Sorten der Barren mitgebracht. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören die vier Kaffee-Varianten (Café Liégeois, Café au Lait, Café Noir und Manon Blanc), eine Vorliebe, die nicht jeder teilt. Oft hört man ja unter Weinkennern, zu Schokolade dürfe man allerhöchstens einen schweren Süßwein im Stil eines Banyuls oder eben Maury genießen. Das sehe ich ganz anders. Zum einen schmeckt Kaffeeschokolade je nach Kakaoanteil sehr gut zu Espresso oder Café au Lait (also die Variante „gleich und gleich“). Ich persönlich bin aber auch mit einem jungen, fruchtigen Rotwein von nicht zu geringer Stärke immer sehr zufrieden, einem Grenache beispielsweise (die Variante „komplementär“). Süß plus süß gleich ultra-heavy ist eine Gleichung, die für mich hingegen nicht immer aufgeht.

„Pistaches Fraîches“, „Noix de Coco“, „Piémontais“ oder „Praliné aux Noix“, also die nussigen Varianten unter den Bâtons, finden ebenfalls regelmäßig mein Wohlgefallen. Eine Entdeckung, die ich aber erst diesmal so richtig wahrgenommen habe, ist die Sorte „Amandes“: schön schmelzige Milchschokolade, innen eine Füllung aus gröberer, nicht allzu süßer Mandelpaste (= Marzipan, wie es sein sollte) und dazwischen eine köstliche Schicht mit hellem Haselnuss-Nougat (= „Praliné“, einer dieser false friends). Regelrecht unglücklich war ich, als ich feststellen musste, von dieser köstlichen Sorte nur einen einzigen Barren gekauft zu haben. Naja, muss ich wohl bald wieder mal über die Grenze fahren.

Natürlich gibt es die Barren von Jean Galler in einer kleineren Auswahl auch in einigen Spezialgeschäften für Schokolade oder dem KaDeWe in Berlin. Aber dort werden sie im Luxussegment zu entsprechenden Preisen verkauft, und das passt weder mir noch dem Hersteller. In Belgien kosten die Bâtons etwas über einen Euro für 70 g (ich glaube, ich habe je nach Füllung zwischen 1,13 € und 1,18 € dafür bezahlt, ein grotesk altmodisches System), und so soll es auch eigentlich sein. Die artisanalen Galler-Produkte zu einem höheren Preis (und auch das köstliche Eis in der Sommersaison) bekommt man nämlich nur in den eigenen Boutiquen. Am frischesten ist das natürlich vor Ort: Rue Céleste Balthasart, B-4051 Chaudfontaine (Vaux-sous-Chèvremont), MO-SA 9-17.

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7 Antworten zu Die Galler-Barren, solide Schoko-Köstlichkeiten aus Belgien

  1. Mia schreibt:

    Boah Du bist so fies 😉 Erst mich mit dem Lüttich Guide anfixen und nun noch den Mund wässrig machen, ich hab zwar letze Woche auch ein paar Galler Barren mitgenommen, da das einzige was noch offen hatte der Carrefour ne Ausfahrt nach Lüttich war 😉 Was komme ich auch in den blöden Vorfeiertagsstau vor Maastricht 😉 Aber da die nun alle schon weggegessen sind werde ich wohl bei meinem nächsten NRW Trip wieder über Maastricht und Lüttich heimfahren ^^ liegt ja quasi auf dem Weg 😉 Auf alle Fälle freue ich mich Deinen Blog diese Woche entdeckt zu haben und werde Deinen Guide beim nächsten Besuch mitnehmen 🙂 LG Mia

  2. Siggi schreibt:

    Hallo Matze,
    ich komm ja von der Eifel weg, genauer gesagt könnte ich mit einem ungezielten Steinwurf aus meinem Heimatdorf in Richtung Grenze einen daherlaufenden Belgier am Kopf treffen, so nah ist das, aber erstens bin ich nur noch selten da und zum anderen, so würde man dort sagen, wärs auch nicht richtig schlimm.
    Wenn ich aber mal da und mit dem Steine werfen durch bin, fahre ich gerne mal rüber, vor allem nach Luxemburg( mit einem Steinwurf nicht so leicht zu erreichen) Dort gibt es Supermärkte wie Sand am Meer, die nicht nur, Du weißt es, eine prima Weinauswahl haben, sondern auch das Komplettsortiment der Galler-Barren führen. Meine Favoriten sind tatsächlich die von Dir vorgestellten „Amandes“, „Piemontais“ und „Pistaches Fraiches“. Schön, auch zum verschenken, ist die „Mini“ Barren Packung mit jeweils zwei Barren von beinah jeder Sorte. Da kann man sich mal schön durchprobieren. Zumindest von den Belgiern und Luxemburgern weis ich das sie die Tafeln mit den herausquilenden Zuckercremes gerne mögen. Nicht jedermanns Sache, aber ich gebe Dir recht, in diesem Preissegment eine prima und leckere Sache.

  3. Marqueee schreibt:

    Matze, Du mußt nicht unbedingt nach Belgien, Du bekommst die Riegel auch in Köln. Zu welchen tarifen, entzieht sich zwar im Moment meiner Kenntnis, aber der Edekaner, vulgo der Edeka-Markt auf der Dürener Straße, hat eine recht stattliche Auswahl der Riegel im ständigen Angebot.

    Disclaimer: Ich bin mit dem Inhaber des Ladens befreundet und trinke dort regelmässig Wein. Darüber hinaus bin ich sehr stolz auf die Tatsache, persönlich dafür verantwortlich zu sein, dass das für Freunde der Kulinarik ohnehin schon hervorragende Sortiment um das ansonsten in Köln kaum erhältliche „Piement d’Espelette“ erweitert wurde.

  4. Marqueee schreibt:

    Arggh! So ein bisserl verlinken wollt ich ja schon, aber soviel Werbung sollt’s dann doch nicht werden. Matze, kannst du bitte den /a-Endtag noch hinter „Edekaner“ setzen? Danke.

    • jens schreibt:

      Matze hat heute keine Zeit. Der testet gerade diverse Prioratos mit Torsten auf Herz und Nieren im schönen Bernburg…..da wär ich auch gern‘ dabei…..statt dessen häng ich auf der Arbeit rum….

      • chezmatze schreibt:

        Aaah, was macht Ihr alle, wenn ich nicht da bin??? Wieder zurück aus Bernburg, war großartig, aber ich werde darüber erst in ein paar Tagen schreiben. Wunderbar auch die Nordharz-Landschaft im jetzigen Frühsommer. Nur für den Fall, dass Ihr noch nicht dort wart.

  5. Pingback: Bruxelles Chocolat | Chez Matze

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