Kein Alltagstrunk: Baobab-Nektar

Heute war ich den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs. Die Klimaanlage hat nicht funktioniert, und diese modernen Kisten sind ja immer so schrecklich abgedichtet. Mit anderen Worten, ich kam mir vor wie im heißesten Afrika. Wie gut, dass ich mir bei einem kleinen Zwischenstopp ein Glas Baobab-Nektar einschenken konnte. Der Trunk des Affenbrotbaums ist ungeheuer dickflüssig und knirscht auch ganz leicht auf den Zähnen, vermutlich wegen der mitgeschroteten Kerne. Ansonsten schmeckt er wie eine Mischung aus Pfirsich, Stachelbeere und Mehl. Das hört sich nicht gut an, ist aber wirklich erfrischend und schmackhaft. Hat mir jedenfalls ausgezeichnet gefallen. Eine komplett ausgedachte Geschichte? Mitnichten.

Den Baobab-Nektar habe ich nämlich heute im Supermarkt Cora in Rocourt bei Liège gekauft. 3,83 € für ein solches Getränk ist erst einmal nicht gerade günstig. Aber erstens wüsste ich nicht, wo ich ansonsten Baobab ausprobieren könnte, und zweitens stammt das Getränk von der Firma Moriba aus Strasbourg, die mir schon öfter wegen ihrer tollen afrikanischen Produkte aufgefallen war.

Affenbrotbäume sind nun ungefähr das typischste, was man sich für afrikanische Savannenlandschaften vorstellen kann. Offensichtlich werden dabei praktisch alle Bestandteile des Baums genutzt. Der Wurzelsud als Medizin oder als Farbstoff. Die Wurzelrinde für Schnüre oder Seile. Die ausgehöhlten Baumstämme als Aufbewahrungsort. Die getrocknete Rinde als Mittel gegen Fieber oder zum Dachdecken. Das Holz für Kanus und Holzplatten. Junge Blätter als Gemüse. Ältere, getrocknete Blätter zum Würzen. Der mit Wasser vermischte Pollen als Leim. Das Öl aus den Samen für kosmetische Produkte. Und schließlich die Früchte als Saft und für allerlei Süßwaren. Die Frucht hängt übrigens sehr merkwürdig aussehend an langen Stielen herab. Wikipedia schreibt, dass das weiße Fruchtfleisch von der Konsistenz her an „feste, brüchige Watte“ erinnern soll. Der reinste Wunderbaum.

Weshalb das Getränk übrigens „Nektar“ heißt und nicht „Saft“, wissen viele bestimmt. Falls nicht, „Saft“ darf sich ein Getränk laut Fruchtsaftverordnung nur nennen, wenn es aus 100% Fruchtsaft besteht. Das schützt allerdings nicht vor Schaden, da es u.a. Zusatzstoffe gibt, die zugelassen sind und dennoch nicht als Zutaten deklariert werden müssen. Ich möchte das Thema hier aber nicht weiter vertiefen. Kommt einem aus der Weinherstellung nur allzu bekannt vor.

Fruchtnektar jedenfalls ist ein Getränk aus 25-50% Fruchtsaftanteil, an sich also ein minderwertigeres Produkt. Nur hätte es in diesem Fall ohne die Verdünnung mit Wasser gar nicht funktioniert. Die gestampften Baobab-Früchte ergeben nämlich nichts anderes als Fruchtmus, das niemals flüssig genug wäre, um getrunken zu werden. Aus demselben Grund werdet Ihr auch niemals Bananensaft bekommen, wenn Ihr welchen bestellt, sondern immer Bananennektar. Könnt Ihr bei Gelegenheit ja einmal klugscheißerisch anmerken, wenn Euch danach sein sollte, fördert allerdings nicht den Eindruck der Nonchalance.

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7 Antworten zu Kein Alltagstrunk: Baobab-Nektar

  1. BerlinKitchen schreibt:

    Hi,

    hab gestern nachmittag von meinem Freund Frank K./Wein&Glas gehört, daß Du ab und zu in Berlin bist. Sag bitte beim nächsten Mal Bescheid, dann trinken wir zusammen ein Glas Riesling in Frank´s neuem Domizil.

    Grüße,
    Martin

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Martin,

      das können wir gern machen! Ich bin auf jeden Fall im Juni noch mal in Berlin. Wenn ich Genaueres weiß, mail ich Dir.

      Viele Grüße, Matze

  2. Christina schreibt:

    Der „Abgang “ Deines Texts gefällt mir besonders :o)

  3. Philipp Elph schreibt:

    Ob das in Frankreich auch so ist mit der differenzierten Bezeichnung Nektar/Saft? Wenn die EU-Richtlinie 2001/112/EG dort umgesetzt ist , wäre das wohl der Fall.

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