Bonner Runde revisited: Wer erkennt den Gelben Orleans?

Als Bonn vor etlichen Jahren seinen Hauptstadtstatus verlor, haben sich bestimmt nicht wenige gedacht, das war’s jetzt mit der ganzen Herrlichkeit. Rückfall in die Bedeutungslosigkeit, Abzug der Arbeitsplätze, Heulen und Zähneklappern. Wie man sich so täuschen kann… Gut, die tagespolitische Bedeutung ist nicht mehr da. Aber was sich völlig bruchfrei in die neuen Zeiten bugsiert hat, das ist die legendäre Genussfreudigkeit der Rheinländer. Am Samstag durfte ich mich selbst davon überzeugen. Gastgeber: die wahre Bonner Runde. Das Thema: alles aus dem Keller. Aber blind!

Ich bin bei solchen Veranstaltungen, erst recht unter fremden Menschen, ja immer ein wenig vorsichtig. Blindverkostungen arten gelegentlich in einen testosteron-geschwängerten Wettbewerb des „Wer kann’s am besten?“ aus. Aber davon war hier rein gar nichts zu spüren. Sehr angenehm. Es war nämlich ein Abend auch des Lernens: nicht nur des Lernens typischer Eigenschaften bestimmter Weine. Vielleicht sogar interessanter waren die Fragen, mit welchen Erwartungshaltungen man welchen Weinen begegnet, und wie es um den persönlichen Geschmack bestellt ist.  Zu beiden Weinen jedes Flights gab es ganz unterschiedliche Meinungen, unabhängig vom Erraten der Rebsorte und der Herkunft. Dass Geschmäcker verschieden sind, und dass in dieser Diversität auf einer abstrakteren Ebene vielleicht das Geheimnis des Menschseins steckt, das ist doch eine wunderbare Erkenntnis, so spät die Stunde auch sei.

Natürlich lässt sich eine Blindverkostung in einem Artikel wie diesem nur unzureichend wiedergeben. Während wir nämlich schnüffelten, schlürften und plauderten, seht Ihr links schon das später abfotografierte Etikett. Ich werde deshalb erst einmal meine Eindrücke aufschreiben, die ich in völliger Unkenntnis des Produkts verfasste. Dann folgt die Aufdeckung, zusammen mit Freude, Ärger, Bestätigung oder Ratlosigkeit. Punkte gebe ich auch, Blindpunkte. Für diese Methode gibt es ja Befürworter wie Gegner in gleicher Mannstärke. Das will ich an dieser Stelle aber nicht diskutieren. Los, zu den Weinen!

Wein Nummer Null, ein nicht für die Konkurrenz angemeldeter Apéro des Gastgebers: Ich rieche Muskatnoten, ohne jeden Zweifel, dann ist der Wein aber weder süßlich noch furztrocken, sondern einfach schön saftig mit guter Säure, von leichter Art, holunderblütig. Diesen Wein würde ich gern auf meiner Terrasse trinken. Wenn ich eine hätte. Was mir hier gefallen hat und mit für einen Terrassenwein höchst anständigen 14,5 MP bedacht wird, ist der 2009er Muskateller von Rebholz. Beim Aufdecken fällt mir ein, dass es Rebholz eigentlich viel zu selten zu kaufen gibt in der deutschen Weinhandelslandschaft. Oder schaue ich immer an den falschen Ecken? 11 € ab Hof.

1a) ein Weißwein, so blind machen wir’s heute dann doch nicht. Mineralisch in der Nase, heller Kalkstaub, relativ verschlossen, dennoch eine gewisse süße Frucht, riecht wie – nun ja – Riesling. Am Gaumen dann die Gewissheit, das ist definitiv Riesling, und zwar einer mit leichter Restsüße, leicht bitter, mittlere Säure. Kein besonders expressiver Wein, was ihm besonders im Vergleich zum Wein 1b) zu schaffen macht. 15 MP. Es ist… der Riesling Grand Cru Schlossberg 2005 von Albert Mann aus dem Elsass. Oho, eigentlich ein echtes Schwergewicht, aber die Flasche wirkt doch sehr dezent. Etwa 25 €.

1b) wieder ein Weißwein. Aber was für eine Nase: ein ordentlicher Stinker zunächst, dann Holz und dann wiederum Noten, die mir bislang völlig unbekannt waren: Marzipan und Honeysuckle, diese Rebsorte kenne ich jedenfalls nicht. Am Gaumen moussiert der Wein deutlich, dann bricht alles mit voller Kraft heraus. Viel Holz, viel Kraft, gelbe Noten, ein Wein, der noch einige Jahre vor sich haben dürfte, ein spannender Wein, frisch geöffnet etwas zu sehr maskiert durch das Holz. Von mir gibt’s unentschlossene 16 MP, die Meinungen driften von „völlig genial“ bis zu „schmeckt gar nicht“ auseinander. Es handelt sich um den 2005er Gelben Orleans *** von Knipser. Der traut sich was. 19 € im Kölner Wein-Depot, wenn sie die letzte Flasche noch aufgehoben haben.

2a) ein, äh, Weißwein, sehr hell sogar. Die Nase signalisiert Stachelbeere, weiße Johannisbeere, leichte Erdnuss, etwas Gras, das ist eindeutig Sauvignon blanc, da sind sich alle Experten einig. Am Gaumen kommt dann eine anständige Säure und viel Frucht, aber die Aromen aus der Nase bleiben bestehen. Wir wissen nur nicht genau, wohin wir diesen Sauvignon stecken sollen. Für Neuseeland ist er zu wenig parfümiert, für Sancerre nicht kalkig genug, für die Steiermark zu schwachbrüstig. Hm. 12,5 MP, das ist nicht so meine Welt. Das wahre Entsetzen folgt beim Aufdecken: Es ist ein Chenin blanc aus Südafrika, Kleine Zalze für 10 €! Das einzige, was ich ihnen zugute halten möchte, ist das schöne Kaschieren der 14,5 vol%. Ansonsten natürlich eine gute Arbeit der Chemiker, und wenn nicht der Captain schon an anderer Stelle genau dieses Thema behandelt hätte, voilà, hier wäre schon das nächste Beispiel. Es ist ein Elend.

2b) die Gemüter haben sich kaum beruhigt, der Südafrikaner war sogar preisgekrönt! Okay, wieder ein Weißwein, aber ein Kontrastprogramm: Honig in der Nase, Botrytis, oxidative Noten, das Gegenteil von Frische. Extremer Blütenhonig, Wahnsinn. Am Gaumen gibt sich der Wein dann feurig, dezent würzig, höchstens reife Birne als Frucht, leichtes Holz, alkoholisch schwer. Christoph von Originalverkorkt tippt sofort auf Chenin blanc, den echten. Nein, da ist zu wenig Säure drin, höchstens ein 2006er, die waren auch so mächtig, für mich geht’s eher in die Richtung eines sehr schweren Furmint. 15,5 MP, wirkt aber edler. Es ist aber tatsächlich ein Savennières, also ein Chenin blanc von der Loire. Eric Morgat, L’Enclos, Jahrgang 2006, habe ich selbst im Keller. Mittlerweile sind die Weine bei 21,50 € angelangt, aber ’07 oder ’08 würde ich viel eher empfehlen.

3a) ein Rotwein, aha, wir haben umgeschwenkt. Die Nase ist eindeutig Cabernet, Paprikanoten, Cabernet franc wahrscheinlich sogar. Was mich stutzig werden lässt, ist dieser Schokoton, das zartbitter-weiche Holz im Hintergrund. Sowas machen sie doch nicht an der Loire, oder? Am Gaumen ist der Wein ziemlich fruchtig, ein leichter Bitterton, kalte Holzkohle, gute Säure. Ein klassischer Cabernet mit eingebundenen Tanninen. Die Schokonote lässt mich aber auf eine Cabernet franc-Merlot-Cuvée tippen. Ich werde ausgeschimpft, dies hier ist reinsortig. Jetzt bitte nicht noch einmal so ein Fehlgriff. 15,5 MP, ein schöner Wein, vielleicht gar 16, nein, Korinthenkackerli Matze findet den Charakter zu schwach. Es ist dann schon wieder ein Südafrikaner, potztausend. Diesmal aber ein richtig schöner, Buitenverwachting Cabernet franc 2005. 20 € hat er gekostet, das war er wert.

3b) wieder ein Rotwein, diesmal aber trüb. In der Nase dumpfe Noten, leicht süßlich, flüchtige Säure. Eindeutig Schieferboden. Nachdem ich in Lüttich mal so eine Lektion gelernt hatte mit Faugères und dem Schiefergestank, weiß ich das jetzt. Am Gaumen viel sauberer, Sauerkirsche, ohnehin kräftige Säure. Ein sehr naturnah wirkender Wein, gut eingebundene Tannine, gefällt mir sehr, nur der etwas zu kurze Abgang gibt Gelegenheit zu mäkeln. Hm, ich zweifele. Einerseits ein südlicher Wein, also vielleicht Languedoc, aber mit nördlichen Elementen. Andere tippen eher auf Bordeaux, aber wo ist denn da Schiefer? Rätselhaft, aber einer der besten Weine des Abends, 17,5 Punkte. Nix für Weinanfänger, die dissonanten Noten sind schon fordernd. Eher Bartók als Bach, mittlere Phase, „der wunderbare Mandarin“, nicht wahr. Aber wir liegen alle ziemlich daneben, nur Teile stimmen. Atlantisch ja, Schiefer ja, aber es ist der 1996er Redoma von Dirk van der Niepoort aus Portugal. Holla. Das hätte ich nicht gedacht, dass Niepoort so charakterstarke Weine macht. Hat sich das inzwischen geändert? Einschätzungen bitte in den Kommentaren.

4a) ein Rotwein, hell wie ein Pinot. In der Nase auch wie ein Pinot, aber mit leichtem Stinker, wieder unfiltriert, dazu eine gewisse Süße und etwas Alkohol, auch leicht flüchtige Säure. Am Gaumen ist die Sache klar, definitiv Pinot, und zwar aus Burgund. Alles ist da: Säure, Himbeernote, viel Würze, raffiniertes Tannin, das hintergründig trotzdem zupackt, aber auch eine leicht gemüsige Ader, Liebstöckel. Manchen ist der Wein zu sauer, andere lieben genau diese Art. Ein sehr natürlicher Wein, vielleicht etwas zu kurz im Abgang, aber mir gefällt er. 16,5 MP. Es ist ein Dorfwein, der Chambolle-Musigny 1996 von Hubert Lignier (keine Homepage? Franzosen halt). 30 € soll er jetzt ungefähr kosten, aber der Jahrgang ist natürlich kaum mehr zu bekommen. Lustig, hier zeigen sich die individuellen Vorlieben ganz stark.

4b) wieder ein Rotwein, dunkler und klarer allerdings. In der Nase süß und alkoholisch, eingekocht, nicht so toll. Mein Gaumen signalisiert sofort „Merlot“, und zwar den Merlot, den ich nicht will, auch wenn er noch so teuer ist. Schwarze Noten, sehr brombeerig, Würze, trotz aller Mächtigkeit auch Tannin, fast schwarzbittere Noten, astig, süße Lakritze. Ich wage ja nicht zu behaupten, dass der Wein schlecht ist, denn viele mögen ihn, aber mein Ding ist genau das überhaupt nicht. Sympathiewerte gegen den Gefrierpunkt bei so einem Önologen-Zeug. Zugegeben, die Qualität ist da, um andere Leute vielleicht 17 Punkte zücken zu lassen, von angeborenen Enthusiasten mal ganz abgesehen. Für mich sind 12 Punkte trinkbar, und dieser bekommt wegen der Stammwürze noch mal 2,5 dazu, also insgesamt 14,5 MP. Es handelt sich um den 2002er Dominus, Christian Moueix‘ halbes Meisterstück aus dem kalifornischen Napa Valley. Mindestens 80 €, 96 Parker-Punkte. Need I say more?

Interlude: ein süßer Schaumwein, in der Nase aber überhaupt nicht süß. Brioche, die Kombination aus Butter und Hefe, astreiner Champagner. Am Gaumen dann süß, aber ohne Übertreibung, feine Rhabarberanklänge, Wahnsinn, so was von unmodern. Ich sage Streuselkuchen mit säuerlichen Früchten, eben Rhabarber oder Zwetschgen, die Tanten beim Kaffeekranz würden juchzen. Keine Punkte von mir, hors catégorie, so oft trinke ich keinen süßen Vergleichs-Champagner. Es ist der 1995er Champagne doux von Fleury, einem sehr empfehlenswerten, biodynamisch arbeitenden Haus. Sie besitzen einen eigenen Shop in Paris, „Ma Cave Fleury„, sehr zu empfehlen, wenn Ihr gleichzeitig freigeistig denkt und das nötige Kleingeld habt. Gibt’s selten, die Kombination, ich weiß.

6a) zum Schluss zu den Süßen. Dies ist ein sehr heller Wein. Die Nase weist den Weg: Schieferstinker, Moselerde, Riesling. Am Gaumen ist der Wein extrem leicht, sanft, pudrig, Apfel, weißer Pfirsich, ganz sicher ein Kabinett. Und zwar ein richtig klassischer ohne jeden Schnörkel, dafür gibt’s bei mir 15 MP. Es handelt sich um den Sankt Urbans-Hof Kabinett 2002 aus dem Wiltinger Schlangengraben. Jawoll. Dürfte nicht teuer sein, unter 10 €, schätze ich. Sowas gibt’s nur in dieser Region.

6b) viel gelber, aber natürlich trotzdem ein Weißwein. Er wirkt dann fast tanninig, dennoch saftig, aber tropisch. Ananas, Mango und, naja, leichter Kork. Ich finde gar nicht, dass der Wein nach Riesling schmeckt, weil er zu viel Tropenfrucht hat und zu wenig Säure, aber okay, es ist natürlich einer. Trotzdem nur 14,5 MP von mir, müsste mindestens eine Auslese sein. Es ist die 1993er Spätlese (!) aus dem Bopparder Hamm Ohlenberg von Adolf (!) Weingart. Da hat Adi aber eine gehörige Portion Frischhaltefrucht mit reingepackt. Oder Florian, den gab’s damals ja schon.

7a) der letzte Flight, wieder süß, wieder weiß, aber wir sind immer noch wach. Erdnuss in der Nase, Pfirsich, viel Cremigkeit. Am Gaumen ist der Wein süß, klar, aber noch exotischer, gelber, Mango, Fruchtsalat, leicht moussierend zudem. Die Säure ist nicht gerade stark, das könnte ein Silvaner sein oder eine extrem gepflegte Neuzuchttraube. Von mir gibt’s 15 MP, Obst will ich beißen, hier fehlt die Säure. Es ist die 2007er Silvaner Auslese von Horst Sauer aus dem Escherndorfer Lump. Puh, so jung. Ich bin ja kein ausgesprochener Fan der Horst-Weine und tendiere neuerdings eher zu Rainer beziehungsweise Daniel, wenn’s um die Sauers geht, aber beide bieten ausgesprochen viel fürs Geld. 15 € für diese Auslese, da höre ich kein Meckern auf Konsumentenseite.

7b) Wow, ist das noch Weißwein? Bräunlich, amberfarben wie ein guter Cognac oder ein gutes Ale. In der Nase exakt die Noten, die die Farbe vermuten ließ: dunkel, Karamell, Botrytis. Ich freue mich, denn unlängst hatte ich bei einem anderen Blogger-Treff (Christoph war auch mit dabei) eine sensationelle Rieslaner-TBA von Müller-Catoir genossen. Schnell reingegluckert. Was für eine Säure! Da tut das Zähneputzen nachher wieder weh. Ein Nuss-Zitronen-Eisbecher, mit feinster Traubensäure übergossen. Die Substanz ist nicht so da wie bei der Rieslaner-TBA, um diese Säure ganz zu bändigen, aber das erfordert Mut, einen Wein für das Jahr 2050 zu erzeugen. „Nur“ 17 Punkte wegen des Exzesses. Im Glas war die 1996er Traiser Beerenauslese von Dr. Crusius. Riesling, Nahe, ein edles Stück.

7c) Jetzt hängen wir schon ein wenig in den Seilen. Der Grand Prix, pardon, der ESC ist längst vorbei. Männer versuchten sich beim Multitasking zu beweisen, geht doch gleichzeitig, Schlager-Pop und Edelwein, zuhören und sprechen. Oder etwa nicht? Diesem, dem letzten Süßwein, wohnt jedoch eine gewisse Endzeitstimmung inne. Das ist der virtuelle Zeitpunkt, an dem in der Disco das Neonlicht angeknipst wird und die vergeblich Hoffenden aus dem Laden vertrieben werden. Alkohol, Bitterkeit, Aceton in der Nase. Ich rieche Polyesterschweiß, aber vielleicht haben mich die Gedanken auch zu weit fortgetrieben. Am Gaumen ist der Wein exotisch, stark würzig, anstrengend und dennoch kurz. Harz und Orangenschale, Übersee galore. Sagte ich nicht, 12 Punkte seien für mich trinkbar? Das ist der Wein in der Tat, und noch einen Punkt drauf für den vielen Zucker. Im Glas war ein 2009er Chenin blanc Late Harvest von Joostenberg aus Südafrika, okay, sehr jung natürlich.

Und damit neigt sich der schöne Abend seinem wohlverdienten Ende zu. Einen herzlichen Dank den Gastgebern! Einen Maury noch für die einen, einen Cognac für die nächsten, einen Rum für die letzten. Aber da es nicht viel mehr Flaschen als Tester am Abend gab, geht das Ganze sehr harmonisch und im besten Sinne einer Bonner Elefantenrunde zu Ende. Kameras aus, Händeschütteln und Umarmungen, nächstes Mal gern wieder.

Mein weißer Sieger des Abends war – trotz aller Holzsperenzchen – der Gelbe Orleans von Knipser, weil ich gar nicht wusste, wo ich ihn hinstecken sollte und weil ich es sehr unterstütze, dieser uralten Rebsorte neues Leben einzuhauchen (der Breuer’sche wartet im Keller auf mich…). Mein roter Sieger war der Redoma von Niepoort. In Lissabon hatte ich ihn absichtlich nicht gekauft, weil Dirk im Export nach Deutschland so stark ist, dass man ihn hierzulande leicht bekommen kann. Und auch, weil ich gefürchtet hatte, dass es eine internationale Önologen-Marmelade wäre. Dieser 1996er stutzt meine Vorurteile ordentlich zurecht. Nur Studieren ist offenbar genauso halbgar wie nur Probieren. Man sieht nur, was man weiß, man schmeckt nur, was man erkennt. Und bevor ich noch irgendwem Copyright-Gebühren für diesen Allgemeinplatz zahlen muss, schließe ich lieber. Lange nicht mehr bis 4 Uhr morgens wach gewesen.

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13 Antworten zu Bonner Runde revisited: Wer erkennt den Gelben Orleans?

  1. Charlie schreibt:

    Ganz kurz paar Kommentare:
    der Muskateller 2009 ist für einen Rebholz sehr zugänglich. Davon würde ich auch mehr in den Regalen sehen (besonders in meinen), aber sonst … Ich nehme übrigens an es war der trockene Muskateller.
    Der Mann’sche Schlossberg 2005 ist tatsächlich immer noch recht verschlossen. Viel, viel Luft brauchen sie alle, sonst sind sie genauso wie von dir beschrieben.
    Die restsüßen Rieslinge danach sind m.E. an der falschen Stelle in der Probe. Das sind keine Süßweine, sondern recht zarte Weissweine mit etwas Süße, die einen ausgeruhten Verkoster oder Trinker benötigen. Bei Proben oder Essen mit kräftigen, trockenen Weiss- und Rotweinen setzte ich sie immer an den Anfang, egal ob Kabinett oder Auslese.

    Grüße, Charlie

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Charlie,

      ja, es war der trockene Muskateller. Ich kenne die Rebholz-Weine ansonsten nicht so gut. Ein paar Pröbchen hier und da, aber das war’s auch. Gefallen sie Dir nicht?

      Was Albert Mann anbelangt, da kenne ich vor allem die Roten, sehr bemerkenswerte Weine. Das mit dem Lüften ist natürlich nachvollziehbar, aber wir hatten halt Durst 😉

      Den Kabinett hätte man tatsächlich gut als Einstieg nehmen können. Aber die Weingart-Spätlese war schon absolut gelb, gereift (18 Jahre immerhin) und gesetzlich sicher im Auslesebereich. Leichterer Digestif oder schwererer Aperitif, ich denke da geht beides.

      • Charlie schreibt:

        Doch, doch, Rebholz gefällt mir oft sehr gut. Aber dieser Muskateller ist in seiner zugänglichen, leckeren Art ist ganz anders als die restliche Kollektion von 2009.

      • chezmatze schreibt:

        An sich bin ich ja ein großer Freund der etwas sperrigen, charakterstarken Weine. Ich nehme an, das dürfte dann eher auf den Rest der Rebholz’schen Kollektion zutreffen. Aber je nach Gelegenheit gefallen mir halt auch mal die saftigen, zugänglichen Sachen. Jedenfalls dann, wenn sie nicht „fabriziert“ wirken, da bin ich ein bisschen empfindlich. Also echtes „easy drinking“ sozusagen. Da passte der Muskateller sehr gut.

  2. jens schreibt:

    Eher Bartók als Bach, mittlere Phase, „der wunderbare Mandarin“, nicht wahr.

    Es gibt ja Leute die halten die „Musik“ von Bartok nicht für Musik, sondern lediglich für eine Anhäufung akustischer Signale – schön für Dich / Euch, dass der Wein dann gefallen hat.

    Ich trinke auch lieber Bartokweine als Mouiexweine. Obwohl ich natürlich Bach (sofern Gould spielt) abgöttisch verehre.

    Wie auch immer Matze. Schöne Probe! Obwohl die Flightzusammenstellung oder die Reihgenfolge auch ich wohl anders gewählt hätte. An sich waren ja viele individuelle Weine dabei, die dann schon schwer zu paaren sind.

    Ich habe heute einen Bachwein im Glas – Cabernet Sauvignon 99 von Paul Bruno aus Chile – der vielen Liebhabern von Bachweinen wohl entgehen könnte, da sie hinter Chile und gereift und Cab Sauv eher einen Bartokwein vermuten würden. 😉

    Den Wein und auch noch einen geniale 95er Variente gibt es hier käuflich zu erwerben:

    http://www.enopolio.de

    Grüße Jens

    • chezmatze schreibt:

      Macht mein Browser das nicht mit, oder wieso kann ich bei Euer Bottroper Bar nichts außer dem Impressum anklicken? Die Flights sind natürlich aus der Not heraus geboren worden. Das Motto war nämlich, dass jeder zwei Flaschen Wein mitbringt, ohne den anderen etwas davon zu erzählen. Deshalb die wilde Mischung. Hat aber Spaß gemacht, vielleicht sogar mehr als irgendeine Vertikale. Bei Chile denke ich in erster Linie daran, dass in England die Hälfte der Supermarkt-Regale damit gefüllt ist. In zweiter Linie an Eduardo Chadwick. Moueix ist übrigens nicht Bartók für mich, sondern Mahler, „Sinfonie der Tausend“. Okay, ganz so schlimm dann nicht, aber breit und wuchtig jedenfalls, keine dissonanten Nadelstiche. Wenn ich mich jetzt oute, noch nie einen Pétrus getrunken zu haben, entlarvt mich das natürlich als Fabulierer. Hast Du schon mal?

      • jens schreibt:

        Petrus trinke ich normalerweise zur Wochenmitte hin um mich für den Rest motivieren zu können. Scherz beiseite! Petrus hatte ich noch nie. Wie soll ich mir das auch leisten!?!?

        Egal ob Bartok oder Mahler – anstrengend kann wirklich beides sein.

        Außer dem Impressum kannst Du leider nocht nichts anklicken. Soll aber noch ausgebaut werden.

        Grüße Jens

  3. Marqueee schreibt:

    Zu Deiner Frage unter 3b: ob sich das geändert hat, vermag ich mangels breiterer Erfahrung nicht zu beurteilen. Ich kann aber wenigstens die Bemerkung beisteuern dass mich vor gut zwei Jahren ein bei einer Portugalprobe getrunkener Charme aus dem Hause Nieport mit seiner auf tiefer Mineralität beruhenden, fast burgundischen Komplexität wirklich tief beeindruckt hat. Charakterstark? Aber Hallo!

    • chezmatze schreibt:

      Ja, das überzeugt mich. Ich weiß gar nicht, warum ich an mehreren Stellen gelesen habe, dass die Niepoort-Weine einem eher „internationalen Stil“ frönen sollen. Die missliebigen Zeitgenossen meinten vielleicht eher den polyglotten Dirk selbst als seine Weine. Jedenfalls werde ich mir dann mal den Redoma zulegen. Der Stil scheint ja relativ konsistent zu sein, und der Batuta oder gar der Charme sind mir dann doch etwas zu teuer.

      • Charlie schreibt:

        Sie meinen den Fabelhaft, denk ich

      • chezmatze schreibt:

        Denk ich auch. Gemäß der alten Leier, dass sich die Art des Winzers schon in seinem kleinsten Wein zeigt, habe ich dem aber geglaubt. Offenbar nicht ganz richtig. Allerdings schreibt Martins in seinem aktuellen Weinguide, dass der 2008er Redoma sehr auf zugängliche Frucht hin vinifiziert wurde, was den neuen Stil des Hauses ausmachen soll. Seit dem Jahrgang 2006 sei da die „austeridade“, in den Jahren davor Markenzeichen der großen Niepoort’schen Jungweine, deutlich zurückgefahren worden. Dazu kann ich natürlich auch nichts sagen, wollt ich nur mal hier in die Runde werfen.

  4. Siggi schreibt:

    Da dachte ich mir gestern nach dem lesen Deines Artikels, jetzt schreibst Du mal einen netten Kommentar an den Mathias zu unserem Weinabend und heute muß ich feststellen das ich mich erst über eine halbe Seite scrolen muß, um das Post wieder zu finden. Wie machst Du das bloß in so kurzer Zeit ellenlange Geschichten zu verfassen die auch noch interessant sind und zwischen denen mehr als ein Dutzend Weine und 8 Biere liegen, aber nur wenige Tage? Respekt!
    Das Du bis vier Uhr in den Nacht wach warst hat sich jedenfalls gelohnt und wie ich heute Christoph schon geschrieben habe, ist es eine Freude euer beider Artikel zu lesen und festzustellen wie ähnlich ihr euch in euren Beschreibungen seid und wie sehr die jeweiligen Eigenarten der Verfasser doch erkennbar bleiben.
    Danke jedenfalls das Du unsere Runde so nett begleitet und beschrieben hast und sollte es zu einem nochmaligen Weinabend in dieser, oder unserer vollständigen Besetzung, zusammen mit Dir zum selben Thema kommen, gehe ich in den Keller und hole wirklich die Best Bottle nach oben.

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Siggi,

      ich finde solche „Best Bottle“-Geschichten auch immer unheimlich spannend, vor allem wenn man die Mitbringer und -verkoster noch nicht kennt. Da ist eine „Robert Weil-Vertikale“, nur um jetzt mal ein Beispiel zu nennen, wesentlich akdemischer und deshalb immer etwas unlockerer. Ich werde ja im Verlauf der nächsten Wochen auch mal wieder in meinen Keller kommen, da sollten dann auch ein paar irrwitzige (oder sogar schmackhafte) Dinge zu holen sein. Also: gern wieder treffen.

      Was die Artikel anbelangt, muss ich zugeben, dass ich mir da schon die Abende um die Ohren schlage. Aber irgendwie habe ich seit Jahren davon geträumt, die Sachen nicht immer nur in Excel-Tabellen einzutragen – und das Thema auch breit anzugehen. Wie es aussieht, werde ich spätestens im Winterhalbjahr auch wieder exotische Ziele ansteuern, diesmal wirklich auf anderen Kontinenten… 🙂

      Viele Grüße, Matze

      P.S. Was mir grad einfällt: Wir sehen uns morgen ja eh im Kölner Weinkeller, oder?

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