Franken-Export: Das Landbierparadies in Nürnberg

Alle Bierfreunde, die sich erhofften, auf meinem Blog etwas über ihr Lieblingsgetränk zu lesen, mussten in den letzten Monaten leiden. In der Türkei habe ich zwar zwei oder drei Biere getrunken, aber aus gutem Grund besser den Mantel des Schweigens darüber gebreitet. In Portugal habe ich deshalb nur noch eines der beiden Nationalgiganten-Biere versucht, und auch da: Nada! Der heutige 1. Mai scheint mir aber ein überaus geeigneter Tag zu sein, um endlich mal wieder auf gute Biere zu verweisen.

Wer von Euch in Nürnberg wohnt (eher die Minderheit, nehme ich an), dem brauche ich das „Landbierparadies“ nicht vorzustellen. Allen anderen sei gesagt, dass sich dahinter eine sehr gut sortierte fränkische Getränkehandlung verbirgt. „Getränke“ bedeuten in jenem Teil der Welt Bier, Limo und Obstler. Interessanterweise ist ausgerechnet die fränkische Hauptstadt von Industriebier beherrscht, das man zwar mancherorts immer noch als „gut trinkbar“ bezeichnen würde, aber wir sind ja hier auf einem Genuss-Blog. Nur wenige Kilometer nördlich der Nürnberger Burg kommen wir allerdings in eine Gegend, deren Bierreichtum die landschaftliche Schönheit sogar noch übertrifft: die Fränkische Schweiz.

Dies ist der Herkunftsschwerpunkt der von kleinen und Kleinstbrauereien stammenden Biere, die es im Landbierparadies zu kaufen gibt. Und das finde ich äußerst löblich. Denn um einen gemischten Kasten aus Hellem, Dunklem, Weizen und Rauchbier zu erhalten, müsste man ansonsten sehr sehr viel herumfahren. Dass es sich dennoch lohnt, die Biere an ihrem Geburtsort zu besuchen, versteht sich von selbst. Dazu aber bei Gelegenheit mehr.

Vielleicht wisst Ihr ja, dass ich eine ganze Weile in Nürnberg gelebt habe. Öfter hatte ich dabei Freunde zu Gast, die zwar auch gern Bier trinken. Aufgrund ihres bedauernswerten Wohnstandorts ging ihr Horizont aber selten über Industrie“pilsener“ hinaus. Ein gemischter Kasten vom Landbierparadies führte da meist zu viel Freude und Erweckungserlebnissen. Dadurch habe ich im Laufe der Zeit ungelogen sämtliche Produkte durchprobiert und könnte Euch jetzt eine ganze Reihe von Bieren ans Herz legen. Stellvertretend möchte ich mich allerdings auf drei von ihnen beschränken:

So richtig viel schöner ist das Etikett des Vollbiers der Brauerei Meister aus Unterzaunsbach auch nach dem letzten Relaunch nicht geworden. Macht aber nix, denn der Inhalt spricht für sich. Farblich exakt in der Mitte zwischen Hell und Dunkel angesiedelt, betört mich das Meister immer wieder mit seiner milden und malzigen Art. Das ist der nicht zu übertreffende Begleiter zu Schweinebraten. Gehört auch in die Sauce.

Anders als bei Meister sind bei der Brauerei Wagner in Merkendorf gleich mehrere Biere im jährlichen Angebot. Ich habe mich hier für das Märzen entschieden, das entsprechend etwas stärker eingebraut wird. Genauso empfehlenswert und für weniger versierte Bierfreunde vielleicht noch interessanter ist das ungespundete Lagerbier. Das enorm bekömmliche „U“ derart vollmundig zu präsentieren, ist eine Kunst.

Die Nummer drei in dieser Auflistung ist ein absoluter Stammgast in meinem gemischten Kasten, das Landbier der Brauerei Schroll aus Nankendorf. Die Homepage erfüllt den Begriff „Gemütlichkeit“ unfreiwillig mit Leben: Ihr müsst lange warten, bis sich die Seite mit den Infos endlich auftut. Früher hieß das „Landbier“ „Märzen“, und ich denke, vom Stil her ist es das geblieben: dunkel, kräftig, malzig.

Wer die richtige Jahreszeit erwischt, kann bei allen drei Brauereien auch die Spezialitäten testen, und das bedeutet dann fränkische Braukunst im Quadrat: Die Festbiere von Meister und Wagner satteln mit erhöhter Stammwürze unmittelbar auf die „Standardbiere“ auf. Der Bock von Schroll ist sogar der beste, den ich kenne. Viel Extrakt, aber völlig ohne diesen lästig süßen Melasse-Anklang, der einem das Bockleben so schwer machen kann. A propos Jahreszeiten: Jeder Sud ist anders. Weiß man theoretisch natürlich, aber ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass leichte Schwankungen – anders als bei Bieren der Großbrauereien – hier einfach dazu gehören. Beim Wein gelten Jahrgangsunterschiede als Wissenschaft für sich und überall wird darüber diskutiert. Beim (handwerklichen) Bier macht man sich oft viel zu wenig Gedanken darüber, dass hier die Natur, die Rahmenbedingungen und das Geschick des Brauers eine ebenso große Rolle spielen.

Wer jetzt mit einem Bärendurst vor dem Rechner sitzt, dem sei Folgendes empfohlen: Seite vom Landbierparadies aufrufen, auf den Online-Shop gehen, sich anmelden und für den Anfang vielleicht ein Bierpaket bestellen. Die Preise sind demokratisch, wir sind ja in Franken. 18,35 € für zehn verschiedene Biere samt Versandkosten, das erschreckt nur den piefigsten Kastensäufer.

Falls Ihr jetzt denkt, was macht Matze denn auf einmal für Werbung… Ich kenne niemanden vom Landbierparadies, Geld gibt mir auch keiner. Sachen, die ich für gut halte, möchte ich aber verbal unterstützen. Die in Deutschland immer noch weit verbreitete Unkenntnis, was Bier anbelangt, ist mir genauso schleierhaft wie änderungsbedürftig. Nun gibt es beim Landbierparadies keine raffiniert gebrauten Spezialbiere, aber die ehrlich guten und süffigen Frankenprodukte sollten für den Anfang mehr als genug sein.

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Eine Antwort zu Franken-Export: Das Landbierparadies in Nürnberg

  1. chezmatze schreibt:

    Edit von mir selbst: Gerade diesen Artikel bei Spiegel Online gelesen und die lebhafte Diskussion dazu: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,759255,00.html
    Meine persönliche Meinung: Das Reinheitsgebot (und mag es bereits vielfältig unterlaufen werden) schützt insbesondere den Käufer von Billigbieren. Bevor in jenem Segment nämlich alle Dämme brechen und das „Bier“ nur noch aus Wasser mit Aromen besteht. Für die Bereitung von Spezialbieren und so genannten „Craft Beers“, die – wie einige Kommentatoren auch bemerkten – für den riesigen Boom der Mikrobrauereien in den USA verantwortlich waren, ist es dagegen ein Hemmschuh.

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