Portugiesische Hausmannskost in Bildern: Restaurante Santo Amaro

Das Restaurante Santo Amaro im Stadtteil Alcântara ist ein sehr traditioneller Ort. Pünktlich um zwölf (außer sonntags) füllt sich der einzige Raum mit älteren Herr- und Damenschaften aus der Nachbarschaft, mit Straßenbahn- und Busfahrern, mit städtischen Angestellten – nur nicht mit Touristen. In Alcântara gibt es zwar eine schöne Autobahnbrücke über den Fluss, ansonsten aber kaum klassische Sehenswürdigkeiten. Für mich ist die lokale Küche jedoch mindestens genauso erlebenswert, außerdem wohne ich nur wenige Schritte entfernt. Hier folgen also 14 Tellergerichte mit schönster portugiesischer Hausmannskost.

Ach nein, so schnell geht es in Portugal dann doch nicht. Erst einmal kommt einer der beiden sehr netten und sehr professionellen Kellner. Er bringt eine Art Coperto mit frischem Weißbrot, Sardinenaufstrich, Käse (meist halbharter Schafskäse) und Oliven. Kann man alles unberührt stehen lassen, kostet aber zusammen keine zwei Euro und wärmt den Gaumen schon mal vor – sinnbildlich. Dazu einen roten, weißen oder „grünen“ Hauswein aus der Karaffe. Den trinken hier auch die Busfahrer. Einerseits sympathisch volksnah, andererseits… Naja.

Dann folgt die täglich neue Speisekarte. Es gibt knapp 20 Klassiker, die in wechselnder Besetzung häufiger auf der Karte stehen, dazu fünf bis acht Tagesgerichte. Die große Auswahl funktioniert deshalb, weil es immer bumsvoll in diesem Lokal ist. Es wird also immer alles aufgegessen. Zudem kommen die Leute, weil die Portionen groß sind und die Preise günstig. Die Gewinnmargen dürften also im Einzelfall gering sein, sind dafür aber von großer Stetigkeit geprägt. Und man kennt sich in der Metzger-Fischer-Gemüsebauer-Koch-Restaurateur-Community, lange Wege hat hier nichts zurückgelegt.

Jetzt aber konkret zum Essen: Dass die portugiesische Küche in die herzhafte Ecke gehört, sollte niemanden überraschen. Fleisch und Fisch sind gleichberechtigt, das bringt die Lage des Landes mit sich. Vegetarier möchte ich in Portugal allerdings nicht sein…

Açorda com Gambas

Streng nach dem Alphabet, deshalb kommt dieses besondere Gericht zuerst. Es handelt sich um einen Brotbrei mit einem am Tisch untergerührten Dotter und vielen Kräutern. Hervorragend.

Alheira

Die Alheira gibt es frittiert oder in der Pfanne gebraten. Die Festigkeit der Pelle ist hierbei entscheidend. Beide Male sind es geräucherte Brot- und Fleisch-Würste. Muss man probieren.

Arroz de Pato

Der „Entenreis“ wird gern zur farblichen Abrundung mit Wurstscheiben belegt. Kleine gebratene Entenstücke verstecken sich in nicht zu trockenem Reis. Die Gabel genügt als Besteck.

Bacalhau com Broa

Die Portugiesen sind die weltgrößten Verzehrer von Stock- und Klippfisch. Ist einen eigenen Artikel wert. Hier kommt er aus der Auflaufform und ist mit Semmelbröseln („Broa“) überbacken.

Carne de Porco à Alentejana

Steht etwas nach Alentejo-Art auf der Karte, nehme ich es immer. Das Fleisch ist ganz speziell mariniert, Knoblauch darf nicht fehlen, dazu Muscheln als Verbindung zwischen Land und Meer.

Coelho à Caçador

„Coelho“ ist das Kaninchen, „Caçador“ der Jäger. Mich hat hier das kross frittierte und dann eingeweichte Brot überrascht. Keine Pilze, keine Sauce, dafür  Tomaten und Oliven – ein anderer Jäger.

Cozido à Portuguesa

Mittwoch ist Cozido-Tag, fast überall in den kleinen Lokalen, die sich dann noch schneller füllen. Ein „Alles-vom-Schwein“-Bohnen-Kohleintopf – und das portugiesische Nationalgericht. Ein Must.

Dobrada

Mit diesem Gericht hatte ich mir am zweiten Tag den Respekt des Kellners erworben: Kutteln in einer fein gewürzten Bohnen-Tomaten-Sauce. War exzellent, echte Könner in der Küche halt.

Frango Grelhado

Ein Hähnchen vom Holzkohlegrill ist keine so große Heraus-forderung für den Gaumen. Das essen auch Kinder gern, bei der Menge braucht man allerdings mindestens vier davon pro Portion.

Leitão de Negrais

Negrais, etwa 20 km nördlich von Lissabon gelegen, ist die Hauptstadt des Spanferkels („Leitão“). Als solche definitiv einen Ausflug wert, kann man das kalte (!) Gericht auch importieren.

Lombinhas de Porco com Gambas

Wieder ein Gericht nach der Alentejo-Façon: marinierte Schweinelendchen in Olivenöl mit Garnelen. Zitronensaft und Kräuter bringen hier die Frische in den Tontopf.

Ovas Cozidas

„Ovas“ sind nur gewissermaßen Eier. Es handelt sich um den ganzen, gekochten Rogen von größeren Fischen, vornehmlich Seehechten. Schmeckt sehr fischig, definitiv einen Versuch wert.

Pataniscas de Bacalhau com Arroz de Pimento

Pataniscas de Bacalhau, das sind die frittierten Küchlein mit Kabeljau, die es auch im Schnellimbiss gibt. Ein absoluter Klassiker, die fruchtig-feuchte Reisbegleitung passt optimal dazu.

Picanha

Interessant: Mit „P“ endet das Alphabet schon. „Picanha“ heißt das Schwanzstück vom Rind. Ein brasilianisches Gericht ursprünglich, die schwarzen Bohnen weisen auch darauf hin.

Molotov

Eins hab ich noch, eine ganz besondere Nachspeise: Der Name Molotov wird bei uns ja eher mit den gleichnamigen und schlecht bekömmlichen Cocktails in Verbindung gebracht. Hier handelt es sich aber um ein Tortenstück, das der Eierkönigin auch gefallen könnte: Ein Soufflé aus Eischnee, Zucker und Milch wird mit einer Dottersauce übergossen. Natürlich bleibt es nicht aus, dass nach den durchweg eher herzhaften und voluminösen Gerichten der Magen nach einem kleinen Kaffee verlangt: „Uma bica, por favor“, sagt man dann und erhält einen starken Espresso. „Bica“, so erklärte mir der Kellner, sei so ein bisschen Lissaboner Slang, der sich verbreitet habe. „Um café“ heißt es allgemein, die Brasilianer verkleinern ihn gern noch zum „cafézinho“, und im Norden sagt man etwas, das ich leider nicht verstanden habe. Irgendwas mit „molhado“, so hörte es sich an, aber vielleicht weiß ja eine/r der mitlesenden Portugal-Kenner/innen mehr…

Mit allem Drum und Dran kann man in einem solchen Lokal wie dem Santo Amaro mit etwa 20 Euro für zwei Personen rechnen. Wer nur das Hauptgericht und ein Getränk nimmt, kommt als einzelner auch mit sieben bis acht Euro aus. Satt bleibt man dabei bis in die späten Abendstunden hinein, und das mit dem guten Gefühl, wieder etwas über die portugiesische Esskultur gelernt zu haben.

Restaurante Santo Amaro, Rua 1° de Maio 130-132, 1300 Lissabon, geöffnet täglich außer Sonntag 12-23 Uhr

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4 Antworten zu Portugiesische Hausmannskost in Bildern: Restaurante Santo Amaro

  1. Thomas Günther schreibt:

    Menschenskind sieht das lecker aus. Bei meinem Laptop fehlt schon eine Ecke des Bildschirms, da ich diese abgebissen habe. Hast du das denn alles hintereinander gegessen?

    • chezmatze schreibt:

      Nein, Thomas, alles parallel! Um ehrlich zu sein, hatte ich einen ganzen Monat Zeit dafür, aber abgenommen habe ich während der Zeit natürlich nicht. Erst hatte ich gedacht, dass ich immer mal woanders hingehe, aber die Leute im Santo Amaro waren so nett, dass ich doch ständig wiedergekommen bin. Ich habe morgens immer nur Joghurt gefrühstückt, da hätte ich um zehn schon eine Ecke des Laptops abbeißen können. Aber nur in diesem Zustand kann man sich um zwölf guten Gewissens ins Santo Amaro wagen. Sonst kommt die Köchin und fragt voller Bedauern, ob es einem nicht so gut gehe, weil der Topf für drei Personen noch nicht ganz leer ist 😉

  2. Priscila Tabuada schreibt:

    ich wollte mal fragen wie das Rezept für das Brot ist, was man in Portugal typischerweise immer dazu isst oder dazu bekommt zum essen 🙂 es ist klasse ! es ist nicht ganz weißbrot aber halt hell ich finde im internet nichts 😦 würde mich auf eine Antwort freuen 🙂 Lg Priscila

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