Die Sache mit der Anglerkatze

Als ich im Restaurant „Atira-te ao Rio“ saß, konnte ich eine Katze dabei beobachten, wie sie einen für kätzische Verhältnisse durchaus prachtvollen Fisch herbeitrug und unter einem der Tische mit Haut und Gräten komplett verspeiste. Sehr zur Freude des amerikanischen Diplomaten und seines Politpartners übrigens, ich schrieb ja schon davon. Kellnerin Rosane zuckte dagegen nur mit den Schultern: „So geht das jetzt jeden Tag“, meinte sie.

Wie, jeden Tag? Dass die Katze einen Fisch aus dem Fluss fängt? „Nein“, stellt Rosane klar, „sie fängt den Fisch gar nicht.“ Ein befreundeter Angler und großer Katzenfreund hat nämlich mit der Katze des Hauses ein Arrangement getroffen: Wenn sie recht nett schnurrt und seine sonstigen Fänge in Ruhe lässt, bekommt sie von ihm pünktlich zur Mittagszeit einen feinen, frisch geangelten Fisch. Der Hintergrund für diese Freigiebigkeit wird mir schnell deutlich, als ich am Flussufer entlang schaue: Fische, schwarmweise.

Zwei Fische seien derzeit im Mündungsgebiet des Tejo besonders aktiv. Einer von ihnen, der Sável, zieht zum Laichen flussaufwärts, der andere, die Tainha-liça, bleibt hingegen hier in Ufernähe. „Sável“ hatte ich auf den Speisekarten der Fischrestaurants schon öfter gelesen. Es handelt sich um die im deutschsprachigen Raum als „Maifisch“ bekannte Alse, die bei uns ebenso die Flüsse aufwärts zieht, durch Staustufen und übermäßige Beangelung allerdings oft genug daran gehindert wird. So nachhaltig übrigens, dass ihre Larven im letzten Jahr mit großem Brimborium im Rheinsystem wieder ausgesetzt wurden.

Ob der Tejo sauberer, ungeregelter und biotopmäßig besser geeignet ist, vermag ich nicht zu sagen. Der Sável gilt hierzulande jedenfalls als „kaum gefährdet“, was es den Lisboetas ermöglicht, zu dieser Jahreszeit herzhaft in die grätenreiche Spezies zu beißen. Wohingegen sie die katzenpräferierte Spezies weniger gern auf dem Teller sehen. Die „Tainha-liça“ tritt um diese Jahreszeit im Mündungsgebiet der größeren Flüsse massenhaft auf. Ich hatte sie vor einigen Jahren bereits in Tavira gesehen, aber da war ich noch nicht so fischig unterwegs. Neben ihrem schwarmhaften Auftreten fällt eine Verhaltensweise besonders ins Auge: Es sieht so aus, als würden die Fische von Zeit zu Zeit verzweifelt nach Luft schnappen. Das ist natürlich Unfug, handelt es sich doch um ganz gewöhnliche Kiemenatmer. Nein, das dicklippige Monstrum grast sozusagen die Oberfläche ab. Besonders gern munden der Tainha Algen, aber wirbelloses Getier und allerlei Sumpf lässt sie ebensowenig kalt.

Das ist auch der Grund, weshalb Alan Davidson schreibt: „Taken from suitable waters, this is a good fish“. Man könnte ergänzen: „Taken from unsuitables waters, this is pure mud in a fishy masquerade“. Ob dem so ist, habe ich bislang noch nicht herausfinden können. Irgendwo in der Innenstadt habe ich die Tainha aber schon einmal auf der Speisekarte entdeckt – und ignoriert. Ein Missgeschick, das Katzen nicht passieren könnte.

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3 Antworten zu Die Sache mit der Anglerkatze

  1. Eline schreibt:

    Schöne Geschichte. Meine Schwester hatte mal eine fischfangende Katze. Die konnte stundenland an einem kleinen, flachen Bach sitzend auf Beute (Stichlinge, kleine Forellen) lauern und diese dann stolz heim bringen.
    Danke für die Fischkunde! Savel und Tainha waren mir unbekannt.

  2. Pingback: Fisch aus dem Atlantik | Chez Matze

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