Förmliche Ente: Luís Pato Vinha Formal tinto 2008

In jedem BWL-Seminar darf man lernen, dass eine Firma, die ein Vollsortiment unter ein- und demselben Namen anbietet, eine ökonomische Vollmeise besitzt. Luís Pato muss einen entsprechenden Vogel haben. Nein, er ist sogar selbst einer. Luís Pato heißt übersetzt „Ludwig Ente“, und deshalb ist die Ente auf dem Etikett auch sein Markenzeichen. Der „König der Bairrada“ hat im Angebot: saubere Trinkweine in Weiß und Rot für 5 €, neuerdings einen flippig aufgemachten Roten namens „Rebel“ für 10 €, Schaumweine, Süßweine, alte Reben, junge Reben, Einzellagenweine und am Schluss noch sein wurzelechtes Monster „Quinta do Ribeirinho Pé Franco“ für 120 € aufwärts.

Die Weine von Luís Pato stammen aus der Region Bairrada in Mittelportugal, etwa 30 Kilometer von der Atlantikküste entfernt. Durch die Meeresnähe bleibt das Klima auch im Sommer relativ gemäßigt. Die Böden setzen sich je nach Lage aus kreidig-lehmigen und sandigen Bestandteilen zusammen. Die wichtigste Traube der Bairrada ist die Baga, die feste und tanninreiche Weine mit einer oft prägnanten Säure hervorbringt. Nebenbei können sie hervorragend altern. Da Luís Pato jedoch mit der Baga-Traube so ziemlich alles erreicht hat, was möglich ist, kam ihm die Idee, dieselben Böden und klimatischen Verhältnisse auch für andere portugiesische Traubensorten zu nutzen.

Im Jahr 1999 bestockte er deshalb einen Weinberg (= Vinha) mit Touriga Nacional, der großen Rebsorte des Douro-Tals. 8.000 Weinstöcke pro Hektar, also nicht wirklich für die maschinelle Bearbeitung gedacht. Nachdem der von demselben Weinberg stammende Weißwein seit einigen Jahren bei denjenigen für Furore sorgt, die ihn probieren konnten (17,5 Punkte von Jancis Robinson, 17,5 in der Revista do Vinhos, 18,5 bei Falcão, 17 bei Martins), ist nun seit einigen Monaten zum ersten Mal das rote Pendant auf dem Markt. Leider hatte Luís sich als Jungfernjahrgang ausgerechnet 2008 ausgesucht, ein eher kühles Jahr mit einem lächerlichen Hektarertrag. Dafür, meint er, seien die wenigen Trauben mit einer konzentrierten Aromatik ausgestattet, die man derartig jungen Reben gar nicht zutrauen würde. Zwar empfiehlt das Etikett eine Lagerzeit von etwa zehn Jahren bis zum Höhepunkt, aber ich hoffe, dass ich jetzt noch die Fruchtphase erwischt habe. Wenn auf dem Etikett übrigens „Vinho Regional Beiras“ steht statt „Bairrada“, sollte das keine Verwirrung stiften. Die Bairrada ist sozusagen eine kleinere Appellation im umfassenden Beiras-Gebiet.

Im Glas zeigt sich ein tiefdunkles Rot, absolut undurchdringlich. In die Nase steigt zunächst ein kleiner Stinker, dann aber Brombeere, nasser Stein, viel kräuterige Noten, Rosmarin, Oregano. Der Wein gebärdet sich wild. Am Gaumen fällt ganz zu Anfang ein leichter Vanilleton auf, zehn oder zwölf Monate Holzausbau, wenn ich mich nicht täusche. Allerdings ist auch die Fruchtphase in der Tat noch schön da, Heidelbeere, saure Pflaume. Was mich aber wirklich überrascht, ist die Ausgewogenheit. Ganz leicht lässt sich der Wein trinken, wirkt überhaupt nicht spröde. Die Tannine sind selbstverständlich präsent, aber von einer leichten und nachhaltigen Art. Säure und Substanz erscheinen schön balanciert, eine enorm klassische Erscheinung, die sicher noch sehr gut reifen wird. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Wein dekantiert in allen Altersstufen eine gute Figur abgibt.

Was ich natürlich nicht vergessen sollte zu sagen: Dies hier ist nichts für Freunde üppiger Südweine. Er schmeckt in der Tat ein bisschen nach einer Mischung aus einem (guten) Barbera und einem Haut-Médoc ohne Paprikaton. Ich könnte ihn mir gut als Begleitung zu Rinderschmorbraten vorstellen oder auch zu, tja, Ente, Wildente vielleicht sogar. Dass mir ein solcher Wein stilistisch entgegen kommt, macht sich auch in den Punkten bemerkbar: 7 für Eleganz, 6 für Charakter, macht nicht weniger als 17 MP insgesamt.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der Wein für etwa 15 € zu haben ist, gibt es von mir eine absolute Kaufempfehlung. Ich selbst habe ihn beim Corte Inglés hier in Lissabon gekauft. Im deutschsprachigen Bereich habe ich den roten Vinha Formal noch nirgends gefunden, aber Weine von Luís Pato führen z.B. Gomes in Basel, Gawein in Wien oder Ovinho in Marburg. Ansonsten sei natürlich auch auf K&M Gutsweine in Frankfurt oder die absoluten Spezialisten der Weingalerie in Berlin verwiesen. Wie gesagt, den von mir getesteten Wein gibt es dort (noch) nicht. Aber das sind Händler, die wissen, wie man an so etwas herankommt.

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