Mini-Barolo: Massolino Langhe Nebbiolo 2004

„Matze, Du testest nie italienischen Wein. Das finden wir schlecht“, so der Fachkommentar aus den Reihen des juristischen Erstsemester-Seminars „Die Kopie in Theorie und Praxis“ der Universität Bayreuth. Nun, stimmt, ist mir auch schon aufgefallen. Um diese Nachlässigkeit zu korrigieren, habe ich mir bei spätwinterlichem Wetter einen klassischen italienischen Rotwein vorgenommen. Man nehme einen renommierten Erzeuger, eine kapriziöse aber erstklassige Rebsorte und einen großen Jahrgang. Fertig ist die Komposition.

Häufiger hatte ich die Erfahrung gemacht, dass italienische Rotweine entweder zu harten Tanninen neigen, die sie kaum je loswerden, oder zu etwas breiter, internationaler Art, besonders wenn sie aus dem Süden stammen. Nun ist Nebbiolo bekanntermaßen eine Rebsorte, die durchaus Gerbstoffe auszuscheiden in der Lage ist. Dafür hatte ich weniger die Befürchtung, mir eine flüssige Marmelade ins Glas zu kippen. Der große Wein-Entertainer Gary Vaynerchuk übrigens ist der Meinung, dass Nebbiolo eine der kommenden Rebsorten ist, und hier kann man ihn bei seiner Überzeugungsarbeit sehen.

Leider gehören Weine aus Nebbiolo nicht gerade zu den Preisbrechern. Einerseits hängt das mit seiner etwas zickigen Art zusammen, die eine gute Pflege der Weinberge unumgänglich macht. Andererseits sind die Rebflächen im Piemont ohnehin sowohl knapp als auch teuer, das Renommee will bezahlt werden. Ich habe auch für diesen „kleinen“ Wein immerhin 17,40 € hinlegen müssen, so viel also wie für einen gewöhnlichen Cru Bourgeois im Médoc, und ich denke, damit lässt sich die Sache qualitativ auch ganz gut vergleichen. Quantitativ allerdings nicht, denn die Trauben für den Langhe Nebbiolo von Massolino werden nur auf 1,8 ha Fläche angebaut. In guten Jahren jedenfalls, denn es handelt sich um die jungen Rebanlagen des Weinguts. In schlechten Jahren hingegen kommen auch Trauben mit hinein, die für den Barolo als ungeeignet angesehen worden waren. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob es deshalb ein Vorteil oder ein Nachteil ist, dass ich hier einen guten Jahrgang in der Flasche habe.

Im Glas liefert der Wein ein helleres Rot ab, ganz wie erwartet, denn Nebbiolo gehört nun einmal nicht zu den farbstarken Rebsorten. Der Rand wirkt sogar fast blass-gelblich. Die Nase ist von diesem Piemonteser zunächst etwas geschockt: kaum Frucht, dafür leichter Alkohol und dazu viel Klebstoff, Aceton wie vom Nagellack-Entferner, günstigstenfalls noch zerstoßene Pfefferkörner, sehr gewürzig. Puh. Am Gaumen wirkt der Wein erst einmal recht leicht und hellbeerig, also so in Richtung rote Johannisbeeren und Walderdbeeren. Allerdings alles ohne Süße, als ob die Walderdbeeren aus einem sehr feuchten Jahr stammen. Die Säure ist präsent, aber fein und nicht übertrieben. Das Tannin wirkt ebenso fein, aber nachhaltig, wie die gesamte Aromatik des Weins. Da kommt nicht ein Platsch voller Aromen, und das war es dann, sondern alles zieht sehr gleichmäßig und lang anhaltend dahin. Den Dicktrinkern wird der Wein zu herb sein, aber mir gefällt es nun einmal so.

Insgesamt fühle ich mich sehr an den Werkkeller meines Vaters erinnert, in den ich als Kind oft gegangen bin. Der Geruch nach Eisen von Nägeln und Feilen lag in der Luft, dazu noch Leim und schon vor einiger Zeit zurechtgesägte Bretter. Als die Flasche im weiteren Verlauf sich mehr und mehr leert, kommt auch der nicht gerade unbedeutende Trub zum Vorschein.

Obwohl es wahrhaftig kein großer Wein ist, gefällt mir die Stilistik: würzig, etwas streng, aber nie langweilig. Meine Punkte: derzeit noch 4 für Eleganz, aber 7 für Charakter, macht 14,5 MP insgesamt. Leider bedeutet der tiefere Einstieg in die piemontesische Welt neben einer gewissen monetären Investition ja auch immer eine mindestens ebenso große Geduld. Einen Barolo auf dem Höhepunkt erlebt man nun einmal nicht nach zwei Flaschenjahren. Insofern finde ich es sehr löblich, wenn Barolo-Winzer ihre jungen Reben und kleineren Weine mit fast ebenso großer Sorgfalt behandeln, aber früher trinkreif auf den Markt geben.

Den Massolino Langhe Nebbiolo 2004 habe ich in Köln beim Weinhaus Scholzen für 17,40 € erstanden. Im Online-Shop gibt es ihn für 16,90 €. Wer sich mit ganz anderen Problemen konfrontiert sieht, wende sich hingegen an folgenden Online-Shop.

Dieser Beitrag wurde unter Wein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s