Frankland Isolation Ridge 2007: cool climate-Syrah aus Australien

Aus gegebenem Anlass, da hier schon über weltweite Syrahnosauren diskutiert wird, habe ich mir mal einen ganz anderen Syrah genehmigt als sonst. Wie jeder weiß, der den Blog schon etwas länger verfolgt, sind mir die individuellen, spröden und mineralischen Syrahs von der nördlichen Rhône die liebsten. Wenn sie auch noch die entsprechende An- und Ausbauphilosophie aufweisen, umso besser. Da erscheint es für mich selbst fast ein wenig grotesk, einen australischen Shiraz zu testen, wie der Syrah down under genannt wird. Hier gibt es nämlich ansonsten all die fetten Monster, bei denen der Teelöffel im Glas stehen bleibt. Sowas kann ich persönlich nicht leiden.

Aber bei Frankland ist so einiges anders. Das ist mir schon damals gekommen, als ich den Isolation Ridge Riesling als Piraten bei einer Querverkostung untergeschmuggelt hatte. „Eindeutig Mosel“, so der Tenor der fehlgeleiteten Burschen. Als ich dann auch noch im Weinführer von James Halliday (gekauft übrigens bei der ausgezeichneten Kochbuchhandlung in Köln) lesen durfte, dass dieses Gut insbesondere bei den Rotweinen zu den besten australischen Erzeugern überhaupt gehört, da schienen mir Exzentrik und Qualität einen Ausflug in die australische Rotweinwelt zu rechtfertigen.

Warum Judi Cullam und Barrie Smith ausgerechnet hier im Jahr 1988 ein Weingut gründeten, exakt 68,1 Kilometer vom nächsten Ort entfernt, der aus mehr als zwei Häusern bestellt, das weiß vermutlich nur der sprichwörtliche Geier. Wir befinden uns in Westaustralien am äußersten Randzipfel der großen Insel. Das Klima ist für australische Verhältnisse eher kühl und ozeanisch beeinflusst. Mit durchschnittlich 25 Grad Tageshöchsttemperatur im Sommer ist das zwar nicht ein absolutes „cool climate“, liegt aber im Bereich von Wiesbaden oder Freiburg und nicht etwa von Palermo. Überall kann man denn auch lesen, dass gerade die Isolation Ridge-Serie von Frankland fast europäisch anmutende Würze, Finesse und Transparenz an den Tag legen soll. Bei 14,5 vol% sicher keine leichte Aufgabe.

Oh, Presskork. Irgendwo hatte ich auf einem Foto einen Schrauber gesehen, für den Jahrgang 2007 schien ihnen der nicht gerade hochwertig wirkende Kork offenbar lieber zu sein. Im Glas ist der Wein fast schwarz, extrem tintig. Bitte wieder mal nicht kleckern, und diesmal bleibe ich in der Tat sauber. In der Nase spüre ich dieselben dunklen Noten: Johannisbeergelee, Brombeere, Unterholz, eine gewisse alkoholische Würze. Die zwölf Monate Barrique sind gut weggesteckt, von Vanille oder gar Kokos nichts zu spüren. Am Gaumen kribbelt sofort die extreme Würze. Die Tannine sind spürbar, aber gut versteckt. Die schwarzfruchtigen Noten dominieren weiterhin, verbunden mit einer gewissen Kräuterigkeit. Was überhaupt nicht zu spüren ist, das sind die typischen Nordrhône-Attitüden: rohes Fleisch, Stein, Leder. Statt dessen ist alles sehr dunkel, fast eingeschnürt, ein Syrah mit zusammengewachsenen Augenbrauen. Mich erinnert das Ganze an, wenn ich das mal altweltlich formulieren darf, tintige portugiesische Rotweine: viel Dunkelheit und Gebüsch, aber wenig Spiel und Finesse. Jetzt kann natürlich wieder das Totschlag-Argument kommen, „ja, wenn du den 200 Stunden lang dekantiert, geschüttelt, dann wieder eingefüllt, verkorkt und dann mit dem großen Strohhalm getrunken hättest, dann wäre er auch offener/raffinierter/feiner gewesen“. Tut mir leid, glaube ich nicht.

Mein Fazit: Dieser Wein ist kein fetter, marmeladiger Klumpen, und das gefällt mir. Trotzdem fehlt ihm vieles, was einen richtig guten Syrah für mich ausmacht. Zugegeben, der Weg war weit, und dafür kostet er nicht übertrieben viel, aber er schmeckt halt wie ein tintiger Dão. Dabei möchte ich, dass er mir gefällt. Die Familienphilosophie, die Bio-Zertifizierung (seit 2010), die Abgeschiedenheit, alles das ist höchst sympathisch. Leute, bildet Euch Euer eigenes Urteil. Dies hier ist meins:

4 Punkte für Eleganz, 6 für Charakter, macht 13,5 MP insgesamt.

Den Isolation Ridge Shiraz von Frankland gibt es bei Wein & Glas für 18,30 € und in der Schweiz bei Vinoversum für CHF 23,50.

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9 Antworten zu Frankland Isolation Ridge 2007: cool climate-Syrah aus Australien

  1. Marqueee schreibt:

    Du hast bei der Aufzählung der typischen Aromen der nördlichen Rhone „Bret“ vergessen!

    • chezmatze schreibt:

      Was denn, Wild-bret oder Bret-tanomyces? Letzteres wäre aber nicht so gern gesehen 😉 Wobei, eine Cantillon Gueuze oder ein Orval wären praktisch nix ohne Brett. Aber Freunde solcher Biere besuchen meinen Blog ja nicht. Ich glaube, es gibt sie im deutschsprachigen Raum gar nicht. Lenkt aber vom Thema ab. Hast recht. Bret.

      • Marqueee schreibt:

        Orval, hier! Jederzeit und gerne. Übrigens auch in Bratensoßen sehr, sehr beindruckend. Und für die Kulturfreunde unter uns: die Abtei ist zudem recht besuchenswert, finde ich. Ich tat dergleichen einmal völlig verkatert an einem tief nebligen Neujahrstag. Hat mich damals sehr beeindruckt (und das nicht wegen des Katers)!

    • chezmatze schreibt:

      P.S. und off topic: Der Bericht vom „Mixed Grill 2011“ auf dem Blog von Anke Gröner hört sich absolut großartig an! Da wünscht sich jeder, auch dabei gewesen zu sein. (Für alle, die das nicht mitbekommen haben, hier der Link: http://www.ankegroener.de/?p=12243)

      Wann kommt denn Deine große Huldigung?

      • Marqueee schreibt:

        Ich liege gerade ziemlich erkältet darnieder und bin kaum in der Lage das Tagesgeschäft zu bewältigen. Zum Mixed Grill selbst hat Anke eigentlich schon alles gesagt ich könnte höchstens noch ein „Sowas können nur Briten!“ ergänzen, aber von mir stehen noch ein paar allgemeinere Worte zu Bread&Wine und jenem schon angekündigten Hamburger an. Und ein anderer Bericht wartet auch noch darauf geschrieben zu werden…

      • chezmatze schreibt:

        Au weh, na dann mal gute Besserung aus der Ferne. Hier ist es heute auch mal richtig fies draußen, ein Ägäistief schüttet sich über dem Bosporus aus.

        Noch mal zum Orval: Ich bin ein großer Fan belgischer Biere, was in erster Linie solche betrifft, die östlich des Hohen Venns niemand zu kennen scheint. Dupont, la Rulles, Blaugies, De Ranke, De Ryck, Verhaeghe. Alles keine dicken Zuckerbiere übrigens, sondern feine, getreidige Handwerkskunst. Davon hab ich auf Deutsch noch nirgends gelesen. Ich frage mich ernsthaft, wie weit es mit der Bierkultur in Deutschland gediehen ist…

        Aber jetzt ohne Häme, heute ist Hahn-Tag nach dem chinesischen Horoskop, und ich bin Hahn. Toll, ein australischer Shiraz von 1996! Würde, wenn gelungen, all meine Befürchtungen bezüglich Haltbarkeiten von der Südhalbkugel als tumbes Vorurteil entlarven.

  2. thvins schreibt:

    Hallo Matze,

    na denn man los. Ich hoffe, da denk ich dran, dich einzuladen, wenn mir einer davon in die Hände fällt…

  3. cedric fischer schreibt:

    Aber der Isolation Ridge Shiraz von Frankland reift toll – ebenso wie sein Bruder, der Olmo’s Reward, ein Cabernet-Blend. der 2002er Shiraz, den ich kürzlich geöffnet habe, brauchte in der Tat noch entsetzlich viel Luft, gewann dann aber diese schöne Rhone-Stilistik, sehr elegant. Als Termin für eine Wiedervorlage habe ich 2014 notiert.

    • chezmatze schreibt:

      Neulich hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit Frank im Laden den 2000er Riesling Isolation Ridge zu probieren. Nur mal so, um zu sehen, wie damals produzierte (muss man ja fast schon so sagen) australische Rieslinge reifen können. Nicht so toll, extrem gezehrt und flach. „Für Fans“, meinten wir dann auch. Aber bei den Roten bin ich ganz Deiner Meinung. Und die Weißen werden ja möglicherweise inzwischen auch stärker auf Haltbarkeit vinifiziert werden. Ist übrigens gerade ein sehr interessanter Artikel im Decanter (Oktober-Ausgabe) zu diesem Thema: „New elegant Australia“.

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