Türkischer Wein: Kavaklıdere Pendore Syrah 2008

Diesmal kann nichts schief gehen. Ich war in zwei einschlägigen Fachgeschäften in Istanbul, bei La Cave und in der KavButik. In beiden Läden wurde mir dieses Produkt als der vielleicht beste aktuelle Rotwein der Türkei empfohlen. Peter Moser gab 90 Punkte. Unser aller Hendrik Thoma wurde bei einer anstrengenden Probe von der Hürriyet abgepasst und verteilte vor ihren Augen 17 Punkte an diesen Wein. Bei der „Challenge International du Vin“ gab es eine Bronzemedaille. Bei der „International Wine Challenge“ dagegen Silber. Wie war das noch mal mit der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa? Egal. Die Fragen sind doch vielmehr: Wer verbirgt sich hinter Pendore, was kostet der Wein, und hat er mir auch gefallen?

Da fällt mir noch etwas zu Prämierungen ein, off topic und selbstverständlich ohne jeglichen Bezug zu den vorgenannten Preisen: In meiner langen und entbehrungsreichen Sportlerkarriere habe ich haufenweise Urkunden und auch einige Medaillen abgesahnt. Mein Vater hat das immer säuberlich abgeheftet. Pokale gab es hingegen nur selten in unserer Sportart. Einen Pokal gewann ich beispielsweise bei einem Vergleichswettkampf mit meiner schlechtesten Saisonleistung. Ein anderer Pokal kam nur dadurch zustande, dass ich bei beschissenem Wetter als einziger Teilnehmer in den Diskusring gestiegen war.

Jetzt aber zu diesem Wein. Ich wollte ja eigentlich vermeiden, allzu viel über die Weine der Großunternehmen zu berichten. Andererseits ist das private Winzertum in der Türkei nicht wirklich fest verhaftet, und die großen Konzerne haben in den letzten Jahren enorm investiert. Eines dieser Beispiele ist Kavaklıdere. Drei Kellereien füllen für das Unternehmen aus Ankara ein breites Portfolio an Weinen aus der ganzen Türkei ab. Vor einiger Zeit konnte sogar mit Stéphane Derenoncourt einer der meist beschäftigsten Önologen des Bordelais gewonnen werden. Ob Stéphane jemals persönlich im Keller von Kavaklıdere gewerkelt hat, weiß ich nicht. Tester attestieren den Weinen jedenfalls eine international absolut konkurrenzfähige, saubere Art.

„Pendore“ ist dabei die Prestigelinie der Firma. Anders als bei den günstigeren Cuvées handelt es sich hier um ein „Single Estate“-Produkt. 200 ha Weinberge umgeben die Kellerei in Kemaliye, etwa 120 Kilometer westlich von Izmir gelegen. Was ganz interessant ist: Wie bei anderen Kellereien, die Derenoncourt berät, wird auch in Pendore auf die Schwerkraft gesetzt, Pumpen sind tabu. Schwer zu sagen, ob das eher ein Ausdruck des Marketingkonzepts oder eher ein Ausdruck der allgemeinen Weinbereitungsphilosophie ist. In jedem Fall wird in Pendore eine ganze Reihe von Rebsorten angebaut, neben Syrah noch die türkischen Top-Rebsorten Öküzgözü und Boğazkere, aber auch Cebernet Sauvignon, Grenache oder Sangiovese. Während die aus türkischen Rebsorten gewonnenen Weine im Stahltank ausgebaut werden, um die Frucht zu erhalten, wird die Syrah für acht Monate in Barriques geschickt.

In der Farbe zeigt sich der Wein schwarz wie die Nacht, am Glasrand Kirchenfenster, wie sie sich Robert Parker schöner nicht wünschen könnte. Ich denke noch, bloß nichts auf die Hose von dieser Tinktur, da kleckere ich auch schon aufs Mousepad. Der Tropfen wird mich dereinst überleben. In der Nase fallen sofort dunkle Beeren auf. Der Wein wirkt süß und üppig, australischer Stil, würde ich sagen. Vanillenoten sind natürlich auch da, aber vor allem Kokos, einiges an Alkohol, ein fetter Brummer. Am Gaumen wird das Ganze interessant und ich kann nachvollziehen, weshalb Peter Moser „harmonisch, leichtfüßig und trinkanimierend“ geschrieben hat und Hendrik Thoma von einem „heavy and fresh wine“ sprach. Der fette Brummereindruck setzt sich nämlich nicht in dieser Form fort. Der Wein ist rund, sehr beerig, tiefstes Brombeer-Gelee, aber auch mit einer ausgleichend wirkenden Säure ausgestattet. Die Tannine kommen mir am ersten Tag schon erstaunlich gut eingebunden vor, aber ich vermute den Wein auch noch in seiner Fruchtphase. Am dritten Tag sind die Tannine noch geringer, die Beerenfrucht ist weiterhin enorm.

Es handelt sich ganz zweifellos um ein gut gelungenes Produkt. Die Rebsorte ist erkennbar, der Wein sauber, saftig und von einer Intensität, dass ich ihn den Freunden des tiefdunklen Spaniens ans Herz legen möchte. Dieser türkische Syrah würde wahrscheinlich bei einer Priorat-Blindprobe als Pirat eine erstaunlich gute Figur abgeben. Was mir persönlich bei diesem Wein fehlt, sind Ecken und Kanten. Mineralität, Nachhaltigkeit, das Spröde der Nordrhône, das hat dieser Wein nicht. Aber ich gebe gern zu, dass es sich wahrscheinlich um den besten bislang getrunkenen türkischen Rotwein handelt.

Meine Punkte sind, Ihr mögt es verzeihen, dadurch beeinflusst, dass ich generell kein Freund gut gemachter, aber relativ austauschbarer Weine bin. 6 Punkte für Eleganz, 5 Punkte für Charakter (da sollte noch mehr drin sein), macht 15 MP insgesamt. Es würde mich aber interessieren, was ein solcher Wein nach einer längeren Lagerzeit noch zu bieten hat. Obwohl er ganz klar auf den Fruchtgenuss ausgelegt ist, glaube ich, dass wegen der durchaus vorhandenen Substanz eine gewisse Reife sogar von Vorteil wäre.

Preislich sind wir hier bei gut 30 € pro Flasche angelangt. Ich fürchte, das eignet sich nicht wirklich für den Export. Konsequenterweise habe ich keine Bezugsquellen außerhalb der Türkei gefunden. Ein piratischer Überraschungserfolg bei einer prominent besetzten Runde kann allerdings manchmal Wunder bewirken…

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9 Antworten zu Türkischer Wein: Kavaklıdere Pendore Syrah 2008

  1. thvins schreibt:

    Hallo Matze,

    klingt ja nicht uninteressant, dein türkischer Syrah… Wenn der ähnlich gut rüberkommt, wie der ägyptische Viognier, den ich kenne, dann wäre das natürlich eine schöne Außenseiterentdeckung. 30 € sind natürlich für ein nicht grade so reiches Land wie die Türkei auch schon eine Ansage oder?

    Ob der in einer Prioratblindprobe nicht auffallen würde? Da hätte ich erst mal Zweifel, zu oft sind die Piraten blind aufgefallen, weil der Stil zu sehr abwich. Was sie nicht davon abhielt, sich auf vordere Plätze zu schummeln, wie mein 2007er Pic Saint Loup letztes Jahr…

    Syrah kommt ja im Priorat auch selten reinsortig vor, eigentlich gäbe es da nur die Experimentalweine von Mas Martinet Assessoraments, ob diese allerdings auch so abgefüllt wurden, weiß ich nicht – wir hatten mal 3 Syrah Fassproben davon, die beeindruckend waren und zeigen sollten, wozu Syrah unterschiedlicher Lagen im Priorat fähig sein kann.

    Natürlich arbeiten inzwischen einige mit hohem Syrah-Anteil, aber das wäre eben auch alles kein klassisches Priorat.

    Aber mit einem Ruf nach blinder Vergleichsprobe rennst du natürlich bei mir als Syrah-Liebhaber auch offene Türen ein. Ich könnte z.B. einen Falaises von Gardies dagegen stellen (aus einem Jahrgang, der auch noch weniger als 40 € gekostet hat…) oder auch preiswertere, aber richtig gute, wie einen von L´Aiguelière oder Borie de Maurel.

    Und wenn wir bei Spanien sind, einen reinen Syrah von Venta d´ Aubert sollte ich auch noch haben, wenn ich ihn denn finde… Aber auch der spielt preislich unterhalb dieser Klasse, qualitativ aber darin…

    Beste Grüße nach Istanbul

    Torsten

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Torsten,

      der Viognier aus Ägypten… war das nicht der Wein, der bei Gary Vay-ner-chuk die wenigsten Punkte ever bekommen hatte 😉

      Weiß ich natürlich nicht auswendig, aber ich hatte mal ein Video von ihm gesehen mit ägyptischem Wein. Was die 30 € hier bedeuten, ist ganz klar: Spaltung der Gesellschaft manifestiert. Wein ist in der Türkei (auch durch die Steuerpolitik) zum Ausdruck des modernen westlichen Lebensstils schlechthin geworden. Wer schick ist und es geschafft hat, der gönnt sich Wein, gern eben auch einen für 30+ €. Mein Fazit zur – derzeitigen – türkischen Weinkultur werde ich natürlich noch schreiben.

      Du hast natürlich Recht, L’Aiguelière kommt dem Pendore wahrscheinlich näher als ein Priorat. Venta d’Aubert ist allerdings auch nicht übel. Wenn Syrah quer, dann muss natürlich auch Nordrhône rein, Australien – oder auch einer aus der Schweiz. Graf Hardegg nicht zu vergessen. Ziereisen in Deutschland… Naja, da käme schon einiges zusammen 😉

      Viele Grüße, Matze

  2. thvins schreibt:

    Hallo Matze,
    das liefe ja dann wohl schon mal auf eine umfassendere „Syrah – von überall her – Probe“ hinaus… – auch da hab ich eigentlich kein Problem mit. Im Gegenteil, liest sich spannend an…

    Beste Grüße

    Torsten

  3. Marqueee schreibt:

    Torsten sollte zu diesem Thema doch sicher auch noch etwas aus Kalifornien einfallen, oder? Wie wäre es beispielsweise mit „Lytton West“, dem Syrah von Ridge?

    • thvins schreibt:

      Leider nein… Ka liefen… (Kurzform von Kalifornier sind ausgegangen…)

      Eines der Länder, wo ich noch Wein-Nachholbedarf hätte. In meinem Keller gibt es grad mal eine Flasche aus Kalifornien und das ist kein Syrah…

      Aventus oder so ähnlich heißt das Teil… Muss aber wohl noch liegen.

      Genau wie meine meisten von der Nordrhône – will ja nicht als Babymörder verschrieen werden… Reicht schon, wenn ich dass immer mit meinen Prioratos machen muss.

      Aber so cool-climate Syrah aus Australien aus 1996 hat´s noch, da tippt blind wohl eher niemand auf Australien…

  4. Hendrik Thoma schreibt:

    Moin Zusammen, erst einmal Danke für die gute Besprechung dieses Syrah. Um vielleicht noch etwas input zu liefern: ich denke der Wein hat viel von einem ‚Cool Climate Syrah‘ (also Aromen von gewolftem Fleisch, Veilchen und Lakritz) mit einer gewissen Affinität für die nördliche Rhône. Aufgrund der irren Steuern ist er wohl im Wettbewerb nur schwer zu platzieren, aber um zu sehen was möglich ist, genau der Richtige. Mir haben einige authochone Gewächse ebenso gut gefallen, aber die polarisieren stärker und sind nicht für jedermann (vor allem die raue Boazkere) gedacht. However, ich denke es lohnt sich den Stoff zu probieren.

  5. Gökhan Sayilir schreibt:

    Hallo Zusammen,
    ich wollte Ihnen nur kurz die Angaben von Kavaklidere Europe angeben. Da können Sie Informationen darüber erhalten, bei welchem Händler in Ihrer Umgebung der Pendore Syrah erhältlich ist.

    KAVAKLIDERE EUROPE GMBH
    Rudolfstrasse 69 D 52070 / Aachen
    Phone : +(49) 241 504028

    Und nur neben bei vermerkt, die türkischen Weine im Ausland sind bei weitem nicht so teuer wie in der Türkei.

    Freudliche Grüsse aus der Schweiz
    Gökhan S.

  6. Tufan schreibt:

    Hallo Matze,

    ich habe den Pendore Öküzgözü und Pendore Bogazkere nun in mein Sortiment aufgenommen. Preis 18,90
    Würde mich freuen wenn Sie http://www.gourient.de als Bezugsquelle für diese und andere Weine hier nennen könnten. Ich weiß, das hatten Sie schon Mal beim Kayra Buzbag gemacht. Übrigens stellen wir nächste Woche auf der Kulinart in Frankfurt unser Sortiment aus. Wenn Sie in der Nähe wohnen freue ich mich über Ihren Besuch. Gruss Tufan

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Tufan,

      den Link habe ich jetzt mal ausnahmsweise dringelassen, weil er ja eine indirekte Frage beantwortet, die ich in dem Artikel gestellt hatte. (ansonsten solche Kommentare mit dem Hinweis auf den eigenen Shop bitte per Mail und nicht hier auf den Blog) Ich habe übrigens gestern den Kalecik Karası/Syrah von Vinolus probiert. Sehr ähnlich wie der Pendore, modern, fruchtig, aber nicht heavy. Der kostet auch etwa 20€, ich werde demnächst darüber schreiben. Wenn die hochwertigeren türkischen Weine jetzt tatsächlich alle zu vernünftigeren Preisen zu haben wären, kann das für ihre internationale Verbreitung nur von Vorteil sein.

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