Die Nuss-Nougat-Erfinder

Gelegentlich wird angeführt, Nuss-Nougat in seiner heutigen Form sei eine Kreation des Konditors Pietro Ferrero (ja, genau der). Andere wiederum sind der Meinung, Napoleons Zollpolitik sei Schuld daran, dass die Turiner als Verlegenheitslösung einheimische gemahlene Nüsse und Zucker miteinander vermischt haben. Wieder andere führen die Paste zurück auf griechisch-römische oder arabisch-orientalische Künste. Wahrscheinlich liegt alles aber noch ein Stück weiter in der Vergangenheit. Honig und Haselnüsse waren dem damals vielleicht noch etwas plumpen Konditormeister (IHK) Ferdi Feuerstein schon im Jahr 9.000 v. Chr. bekannt. Wer eins und eins zusammen zählt (na gut, das konnte Ferdi noch nicht), kann sich vorstellen, dass die Kombination der beiden Elemente als enorm wichtige Energieträger schon sehr früh eine Rolle gespielt haben muss.

Ich bin ein ausgesprochener Nuss-Liebhaber, wodurch ich mich in der Türkei natürlich besonders gut aufgehoben fühle. Pistazien, Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse, alles gibt es hier, und bei letzteren beherrscht die Türkei sogar die weltweite Produktion. Letztes Jahr im Juni war ich in Trabzon an der türkischen Schwarzmeerküste und habe dort fantastische Nussprodukte bei Kral gekauft. Unter anderem gab es auch eine Haselnuss-Schmiere, die nur aus (relativ grob) gemahlenen Nüssen und ein wenig Zucker bestand. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich heute in einem kleinen Supermarkt ein ganz ähnlich wirkendes Produkt der Firma EFiT namens „Fiskobirlik“ entdeckt habe.

Nun ist EFiT ein Großunternehmen, das 320 ml-Glas hat umgerechnet auch nur 2,60 € gekostet, deutlich weniger als bei Kral. Aber trotzdem, die Fabrik steht in Giresun am Schwarzen Meer, und die Inhaltsstoffe sind sehr reell. 70% Haselnüsse befinden sich nämlich im Glas, knapp 30% Zucker und ein Fitzel Vanillin. Die Konsistenz ist etwas weniger streichfähig als bei den uns in Deutschland bekannten Nuss-Nougats, der Geschmack aber herrlich nussig und nicht zähneziehend süß. Der „fehlende“ Kakao-Anteil stört mich dabei gar nicht. Immerhin besteht Nutella zum Beispiel nur aus 13% Haselnüssen und 7,4% fettarmem Kakao. Wenn man großzügig noch 10% für andere Inhaltsstoffe wie Magermilchpulver, Lecithin und Vanillin veranschlagt, macht das 70% Restwert für Öl und Zucker. Das sind ja fast schon Verhältnisse wie bei Bovril oder Marmite. Da lobe ich mir doch meine türkische Creme.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich sie bereits beim Tippen dieses kleinen Artikels schon wieder löffelweise verspeist habe. Der Energiewert würde wahrscheinlich ausreichen, eine Nachtschicht mit dem Schleppen von Stahlträgern durchzustehen.

Täusche ich mich (ich habe ehrlich gesagt nicht wirklich darauf geachtet), oder gibt es in Deutschland tatsächlich keine solche Haselnusscreme in vergleichbarer Form?

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6 Antworten zu Die Nuss-Nougat-Erfinder

  1. katha schreibt:

    bin grade via dem herrn marqueee hier gelandet, gefällt mir.
    nussmuse gibt’s einen ganzen haufen von rapunzel, so eine zusammensetzung (70 nüffe – ist ein blöder running gag bei uns – und 30 zucker) zwar nicht, sondern nur eine ungesüßte oder eine mit bösem palmfett, falls es haselnuss sein soll. ansonsten sind die aber alle von der qualität her sehr gut, die meisten haben’s seit jahrzehnten im sortiment: http://www.rapunzel.de/brotaufstriche-nussmuse.html

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Katha,

      der werte Herr Marqueee wird Schuld sein, dass ich mich ans Reisigbesen-Verspeisen machen muss, wenn Ihr Euch weiter die ganzen Fischbilder aus dem Bosporus anschaut 😉
      Stimmt aber, das von Rapunzel fand ich auch nicht schlecht. Wahrscheinlich ist es sogar wesentlich gesünder, denn böses Palmfett hin oder her, wildwachsende und unbehandelte Nüsse dürften im Fiskobirlik nicht enthalten sein. Heißt zwar alles „doğal“ hier, und ich dachte, das hieße „bio“ oder so. Aber mit doğal werden einfach Lebensmittel nichtchemischen Ursprungs bezeichnet…

  2. katha schreibt:

    wobei’s beim palmfett ja weniger um die gesundheitlichen auswirkungen geht (obwohl man die auch diskutieren könnte – stichwort fettsäuren-zusammensetzung), sondern eher um regenwaldabholzung. aber das führt für einen löffel freude wohl zu weit. bei „fiskobirlik“ muss ich im übrigen immer an was fischiges denken (skandinavisch?) und hab‘ jedesmal eine kleine synapsenvollbremsung, wenn ich die kurve zum süßen aufstrich kriegen will 😉

    • chezmatze schreibt:

      Gute Synapsen hast Du da! Fisk-o-birlik habe ich übrigens noch nie als Aufstrich benutzt, sondern löffelweise als kleine Leckerei zwischendurch. Hab übrigens auf Deinem Blog gesehen, dass Ihr offenbar auch sehr schön unterwegs wart. Da hoffe ich auf eine kleine Suppenkunde 😉

      • katha schreibt:

        zuerst geht’s auch bei uns süß her, am samstag machen wir den großen wiener krapfentest. muss jetzt deinen blog in den feedreader packen.

  3. Tayfun schreibt:

    Hi,

    ich komme aus Giresun (Schwarzen Meer) und wir essen sehr häufig diese Nusscreme. Ich schicke Ihnen die Nusscreme gerne zu: tayfunkibu@gmail.com

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