Fisch und Joghurt – die unmögliche Kombination

Wenn man sich mittags in ein Istanbuler Restaurant setzt, einen Fisch bestellt und gefragt wird, was man denn dazu trinken möchte, gibt es ein absolutes No-Go: Ayran. Ayran ist ein an sich äußerst beliebtes joghurthaltiges Getränk, Ihr kennt es sicher. Zu Fleischgerichten wird Ayran sehr empfohlen, zu Gemüse akzeptiert, aber niemals zu Fisch. Wie kann es zu so etwas kommen? Vertragen sich Fisch und Milch etwa nicht? Schmecken sie einfach nicht zusammen? Oder liegt der Sache ein religiöses Verbot zugrunde?

Also erst einmal muss ich zugeben, dass man zumindest von einem weltlichen Verbot nicht sprechen kann. Wenn ich es unbedingt gewollt hätte, wäre mir auch Ayran gereicht worden. Aber diese Kombination gilt als unpassend, gar schlecht, und wer sie sich trotzdem bestellt, hat eine Meise. Ähnliches kennt man übrigens auch in der bulgarischen oder der russischen Küche. In Deutschland habe ich auch schon gehört, dass man davon Bauchschmerzen bekommen würde, in Pakistan erwartet einen ein bösartiger Hautausschlag, sagt man, und in den USA gibt es gar Sprichwörter, die den plötzlichen Tod in Aussicht stellen. In Finnland allerdings gilt Fischsuppe mit Milch als Delikatesse, aber gut, für diese „ich-scheiß-mich-um-gar-nichts“-Attitüde lieben wir die Finnen ja auch so.

Warum diese Kombination so verpönt ist, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. In einem Forum fand ich eine ganz interessante Erklärung: Der Fragesteller sorgte sich darüber, ob die Kombination von Milch und Fisch im Talmud verboten sei. Der Antwortgeber, nennen wir ihn dem Forum gemäß einfach Moses, verneinte dies. Nirgends sei ein solches Verbot vorhanden, aber kombinieren würde man es dennoch nicht. Der Grund dafür mag darin liegen, dass in einer jüdischen Rechtsschrift von Rabbi Yosef Karo aus dem 16. Jahrhundert die Kombination von Fisch und Milch für verboten erklärt wurde. In seinen anderen Büchern erwähnt Rabbi Karo aber nichts davon, und mittlerweile geht die Mehrheit der Gelehrten davon aus, dass es sich einfach um einen Schreibfehler gehandelt hat. In Wirklichkeit wäre Fisch und Fleisch gemeint gewesen, denn diese Kombination wird in der Tat in vielen anderen Werken genannt.

Die Konsequenzen sind je nach Glaubensschule allerdings bis heute unterschiedlich. Die Sepharden sehen Rabbi Karo als Autorität an und kombinieren Fisch und Milchprodukte nicht miteinander. Die Chassidim essen zwar Fisch nicht zusammen mit Milch, aber mit Milchprodukten wie Sahne. Andere scheren sich nicht um das Verbot. Könnte hier der Ursprung für die weltweite Abneigung liegen?

Schwer zu sagen. In meiner Familie galt die Kombination deshalb als schlecht, weil beides Lebensmittel sind, die zumal in der wärmeren Jahreszeit leicht verderben und das Unbill dann noch verdoppeln. Und da mein Großvater sich an einem Eimer Salzheringe, den er draußen am Schuppen stehen hatte, einmal eine gewaltige Fischvergiftung geholt hat, war das Klein-Matze auch höchst plausibel.

Eine andere Erklärung liefert der bulgarische Ernährungsexperte Prof. Tashev, zitiert in meinem Lieblingsbuch von Alan Davidson. Auch hier fragte in einer Zeitschrift ein Leser an. Tashrev antwortete, dass es überhaupt keinen vernünftigen wissenschaftlichen Grund geben würde, die Kombination von Fisch und (bulgarischem) Joghurt zu untersagen. Da beide allerdings Proteine enthalten, sei früher jemand schief angesehen worden, der sich derartig verschwenderisch ernährt.

Nun führt Davidson noch an, dass beispielsweise Tzatziki auch nicht gerade proteinfrei ist, als Beilage zu frittiertem Fisch aber hochwillkommen erscheint. Im südindischen Kerala gehört Milch (von der Ziege, der Kuh oder zur Not der Kokosnuss) in jedes anständige Fischcurry. Wie auch immer, in dieser Sache scheint die Welt immer noch uneins zu sein. Ich nehme jedenfalls hier in Istanbul Ayran nicht zum Fisch, sondern zum Kokoreç, aber vor allem deshalb, weil ich finde, dass es besser schmeckt.

Wie steht Ihr zu diesem Problem? Wissenschaftliche, pseudo-wissenschaftliche, absurde und vernünftige Begründungen, ich bin für alles offen.

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6 Antworten zu Fisch und Joghurt – die unmögliche Kombination

  1. jens schreibt:

    Hallo Matze!

    Ich hab‘ mir vor Jahren in der jüdischen Synagoge in Köln auf der Roonstraße (ich glaub‘ das war die Straße – wenn ich mich richtig erinnere) das Prinzip der koscheren Zubereitung von Speisen erklären lassen. Man muss wissen das die Synagoge nicht nur Synagoge im eigentlichen Sinne war, sondern auch gleichzeitig jüdisches „Gemeindezentrum“ und Begegnungsort für die jüdische Gemeinde in Köln war – so hab‘ ich das damals zumindest verstanden. Ist halt schon 15 Jahre her. Dort gab es auch die Möglichkeit für die Gemeindemitglieder zu essen. Ein koscheres Restaurant halt für die jüdisch Gläubigen. Dort hat man mir auch die Restaurantküche gezeigt, oder vielmehr die zwei Restaurantküchen. Eine für die Fleischprodukte und eine für die Milchprodukte. Das fand ich damals schon etwas komisch, weil mir das total neu war und ich das dort zum ersten mal hörte. Aus rein praktischer Sicht kam mir das auch sehr kompliziert vor und natürlich auch aus monetärer….;-)). So weit so gut. Wenn man die ganze Sache mal weiter spinnt, dann muss ja auch jeder Haushalt zwei gesonderte Küchen haben. Man sagte mir damals, dass das aber eigentlich nur die „streng Gläubigen“ so praktizieren würden. Wie auch immer. Dann gibt es noch den Sabbat, wo von Freitag an bis zum Samstag nach Sonnenuntergang nicht gearbeitet werden darf (auch nicht gekocht werden). Dann wird vorher ein Eintopf gekocht, der einfach auf kleiner Flamme so lange auf dem Herd steht, dass davon während des Sabbat gegessen werden kann. Der Eintopf heißt Tscholent und ich fand den sehr lecker. Kichererbsen waren da drin, daran kann ich mich noch erinnern.

    Grundsätzlich bin ich ein Mensch der sich nicht gerne bevormunden läßt (liberte toujour ist mein Lebensmotto – na ja meistens zumindest) und deshalb finde ich solche Reglementierungen für mich persönlich immer als störend. Essen will ich immer spontan, wonach mir gerade ist und da fällt mir spontan ein Rezept ein mit Milchprodukt und Fisch.

    Du nimmst einen säuerlichen Apfel und schälst den, entkernst ihn, schneidest ihn in dünne Scheiben und vermischt ihn mit Zitronensaft um die Oxidation zu verhindern.

    Dann schneidest Du eine Zwiebel in dünne Ringe.

    Dann mischt Du einen türkischen Joghurt, denn Du vorher etwas entwässerst hast mit Wasabi aus der Tube. Du kannst natürlich auch ganz französisch eine Creme Fraiche oder Double nehmen. ;-))

    Du legst dann die Apfelscheiben auf einen Teller, die Zwiebelringe darauf und oben drauf dann zwei Matjesfilet (pro Person). Das ganze überziehst Du dann mit dem Wasabijoghurt und darüber streust Du dann noch etwas frischen Koriander. Pfeffern nach belieben.

    Guten Appetit!

    Grüße Jens

    • chezmatze schreibt:

      Na, das hört sich doch fast so an wie der Heringssalat, an dem sich mein Opa so den Magen verdorben hat 😉 Nein, stimmt gar nicht, das hört sich sehr gut an; ich liebe übrigens Koriander. Andere reagieren schon mal ein bisschen genervt, wenn ich wieder zwei Büschel ins Curry gemogelt habe… Das mit den Matjesheringen muss ich allerdings doch auf später verschieben, denn bei der großartigen Fischauswahl hier fehlt eigentlich nur unser kleines Nordsee-Tier. Heute gab es Istavrit, aber davon gleich auf dem nächsten Post.
      Ich kann mich an ein sehr nettes jüdisches Restaurant gegenüber der Synagoge in der Roonstraße erinnern, der Name fällt mir nicht mehr ein. Da gab es auch Gefillte Fisch, aber es ist sicher genauso lange her wie bei Dir.
      Ich respektiere übrigens alle möglichen religiösen, kulturellen, sozialen und persönlichen Tabus. Schließlich muss jeder selbst wissen, was er seinem Körper und Geist zumutet. Für mich finde ich das allerdings ziemlich unattraktiv, um ehrlich zu sein, weil ich für mich selbst prinzipiell Dogmen jeglicher Art ablehne. Ein bisschen „liberté toujours“ also. Außer dass ich keine Gauloises rauche 😉

  2. Regina schreibt:

    Ich komme gerade aus der Türkei,wo ich gleich am 2.Tag eine ganz schlimme Magen-Darm verstimmung bekam.Ich konnte mir das nicht erklären,aber ich dachte es käme vom Reflux an dem ich leide.dann hab ich überlegt was ich am Tag vorher gegessen hatte.Mittags Fisch mit Salat und abends man höre und staune ein Gericht mit Joghurt.Vielleicht ist ja an der These doch was dran,wenn der Magen eh schon angeriffen ist.

    • chezmatze schreibt:

      Nie im Leben (sagt der verkappte Ferndiagnostiker ;))! Salat ist gern mal bakteriös, hängt ein bisschen vom Dünger ab, aber ansonsten tippe ich auf Stress, Aufregung, Ungewohntheit und möglicherweise Wasser aus der Leitung. Das ist mir nämlich vor vielen Jahren in Alanya mal zum Verhängnis geworden…

  3. zeki0042 schreibt:

    Habe ich heute gemacht… Fisch und nen Proteinshake der shake morgens der fisch mittags… Also tot ist kein ausdruck so wie ich mich gefühlt habe… Mir war schlecht ich friere und schwitze noch immer abwechselnd 00:20 uhr bin mir sicher es kommt auf die Menge an hatte es jetzt das 2 mal… Ich werde mich aber ab jetzt entscheiden fisch oder milch 🙂 das war nicht witzig heut :S (geschrieben vom
    Handy)

  4. Wolfgang Döhler schreibt:

    Was passiert wenn Ayran wegen mangelnder KÜHLUNG gärt und ist er dann noch in irgenteiner Variante zu verwerten/genießbar?
    Wolfgang

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