Braumanufaktur Potsdam: das bessere Hauptstadtbier

Bei einem anderen Blogger bin ich unter der Voraussetzung in die Blogroll aufgenommen worden, dass ich das Wort „Bier“ nur in jedem zehnten Post erwähne. Na, dann wird’s wohl mal wieder Zeit! Man kann ja zu dem Phänomen der neuen Gasthausbrauereien stehen wie man will, aber zumindest haben sie die Brauwüste Sumpf und Sand (woanders als Berlin und Brandenburg bezeichnet) wieder mit frischem Nass versorgt. In Potsdam, beziehungsweise im dortigen Forsthaus Templin, residiert seit dem Jahr 2003 die Braumanufaktur. Zwei ihrer Biere habe ich heute getestet.

Wenn Ihr schon auf der Website des Braugasthauses seid, ruft doch gleich mal an oder schreibt eine Mail, dass sie bitteschön etwas zu ihrem Sortiment sagen sollten. Die Geschichte von Werder – schön und gut. Die Speisekarte auf Englisch – auch fein. Aber ob die Potsdamer Stange jetzt ober- oder untergärig ist, das erfährt man nicht. Dafür gibt es umfangreiche Infos zu den Zutaten der Biere und zum Brauprozess. Ich möchte hier nicht alles einfach abpinseln, was dort geschrieben steht, aber es hört sich sehr, sehr gut an. Dies ist das pure Gegenteil eines Industriebieres. Ein Problem bleibt allerdings: Auch handwerklich und naturbewusst hergestelltes Bier muss erst einmal schmecken. Sonst ist zwar mein Gewissen zufrieden, meine Kehle aber spricht böse Worte.

Zum ersten Bier, dem Dunkel. Was ich hier erwarte, ist mehr Malz als Hopfen, dazu etwas Röstiges, kennt man aus der Fränkischen Schweiz ja gut. Die Nase zeigt erst einmal den Weg in Richtung malzig und süß. Aber genau das kommt dann nicht. Es gibt ein paar geröstete Mandeln, eine schöne Ausgewogenheit von Hopfen und Malz, leider aber etwas zu wenig Würze. Dies hier ist ein Dunkel für Menschen, die die starken, würzigen und röstmalzigen Dunkel-Burner nicht mögen – oder nicht kennen. Kein schlechtes Bier, aber etwas mehr Charakter hätte es schon sein dürfen.

Zweite Sorte, das Original, hier genannt „Potsdamer Stange“. Gegen das Licht fällt erst einmal die Naturtrübheit auf. Der Schaum ist fein, die Nase ahnt obergärige Noten. Geschmacklich ist das Bier zunächst frisch und cremig, dann aber stark getreidig. Man träumt vom Spätsommer, von einem reifen Getreidefeld, in dem die Ähren sacht im Wind wogen. Da ist es ziemlich wurscht, dass hier in punkto Würze nicht übermäßig viel geht. Ich konstatiere: Dieses Bier ist gut. Ich liebe ja diese frisch getreidigen Biere, kenne ich doch viele gute belgische Saisons, die ganz ähnlich sind (leider scheint die sonst niemand im deutschsprachigen Raum zu kennen, seltsam aber wahr). Wem ein Hefeweizen zu aufgesetzt bananig schmeckt, ein Helles aber zu fad und zu weit vom Gerstenkorn entfernt, der greife bitte zu diesem Bier. Wäre icke König von Preußen, müssten meine Marschalle und Abteilungsleiter Schultheiß und Kindl trinken, ich aber würde mich an diesem Bier schadlos halten.

Und noch etwas, liebe Weinfreunde. In der aktuellen Ausgabe der RVF wird darüber gestritten, ob jetzt zu einem würzigen Curry ein fruchtsüßer Weißwein oder ein Rotwein besser passen würden. Nichts dergleichen. Rot geht nach meiner Erfahrung gar nicht, weiß-süß geht eigentlich nur, wenn es sich um Riesling-Mango-Schorle handelt Ein helles, fruchtig-getreidiges Bier aber geht immer.

Sage ich jetzt einfach mal so, aber vielleicht habt Ihr ja mit der Kombination „scharfes Essen“ und „alkoholisches Getränk“ andere Erfahrungen gemacht…

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