Weinprobe: Maison Leroy Beaune-Sizies Premier Cru 1986

Ja, liebe Freunde, dies ist tatsächlich ein Burgunder von Leroy. Und ein wenig gereift ist er auch schon. Bevor Ihr aber denkt, dass ich für diesen Wein der zweitberühmtesten Burgund-Domaine (hinter Romanée-Conti) an die 1.000 Euro ausgegeben habe, muss ich ein bisschen präzisieren: Es handelt sich bei der Inhaberin der Domaine Leroy und des Hauses Leroy zwar um dieselbe Person, nämlich Lalou Bize-Leroy, aber dieser Wein hier stammt nicht von den eigenen Weinbergen. Wie üblich bei Négociant-Weinen im Burgund, erfährt man die Namen der wahren Produzenten hier nicht. Dennoch ist Leroy natürlich auch als Handelshaus ein großer Name, und dieser Wein kostete mich bei Legrand immerhin 68 Euro.

„Beaune-Sizies“ steht auf dem Etikett des Weins. Aber was bedeutet das überhaupt? Die AOC, also die „Appellation d’Origine Contrôlée“, heißt Beaune und ist insgesamt gut 400 Hektar groß. Von diesen sind jedoch nicht weniger als 315 ha als Premier Cru-Lagen eingestuft, aufgeteilt in 42 einzelne „climats“. Eines dieser climats ist „Les Sizies“. Eine Grand Cru-Lage gibt es in Beaune nicht. Eigentlich ist das System im Burgund ungeheuer logisch aufgebaut, nur leider wird es fürchterlich kompliziert wegen der vielen teils winzigen Parzellen, die alle eigene Namen haben und wegen der vielen kleinen Winzer, die Anteile an den entsprechenden Lagen besitzen.

Hier haben wir es jedenfalls mit einem Rotwein aus – wenig überraschend – 100% Pinot Noir zu tun. Beim Öffnen wundere ich mich über den Kork. Nein, er ist nicht durchgesuppt oder zerbröselt, aber viele Jahre hätte ich dennoch nicht mehr warten wollen. Das Erstaunliche ist aber die Länge: Die Spindel des Korkenziehers reicht gerade so aus, um den Korken aus der Flasche zu bekommen. Was dann ins Glas fließt, ist im Kern rubin, aber außen herum gibt es orangefarbene Reflexe und einen fast hellbraunen Rand. Auf dem Etikett wird auf das mögliche Depot in der Flasche hingewiesen, und tatsächlich, gegen das Licht gehalten wirkt der Wein leicht trüb. Die Nase wird zunächst mit fassigen Noten und einem gewissen Bodenton malträtiert, aber das gibt sich bald. Alte Kirsche und Hagebutte übernehmen die Vorherrschaft, durchaus fruchtig noch, aber eher gesetzt als duftig.

Am Gaumen bin ich zunächst erstaunt – da ist doch immer noch reichlich Tannin vorhanden. Allerdings kein scharfes oder mächtiges, sondern eher leicht und beizend. Das wirkt eher nach Fass als nach Traubenschalen. Leicht flüchtige Noten steigen dann empor, aber auch hier muss man einfach warten können. Was interessant ist: Dieser Wein braucht Luft, und davon gar nicht so wenig. Ich bin ja immer ein bisschen vorsichtig beim Dekantieren älterer Weine, nachher habe ich da in Minutenfrist eine braune Soße im Glas. Aber dieser Wein ist wirklich dekantiert wesentlich harmonischer. Jetzt kommen nämlich die geschmacklichen Elemente viel besser zum Tragen: Walderdbeere, frische Minze, Basilikum, kräuterig-würzige Noten also. Ziemlich schnell wird allerdings deutlich, dass das hier kein wirklich großer Wein ist – und es auch noch nie war. Zu leicht, zu trinkig, fast süffig wirkt er und ist damit von den großen Burgundern doch ein ganzes Stück weit entfernt.

Eine bestimmte Frage wird bei solchen Gelegenheiten ja gern gestellt: Hat es sich denn gelohnt? Tja, da das wirkliche Leben selten in die beiden Kategorien „ja“ oder „nein“ einzuteilen ist, kann man das so leicht nicht beantworten. Nein, der Wein ist sicher zu teuer gewesen für das, was er darstellt und auch dafür, was der Name „Leroy“ verspricht. Ja, den Horizont erweitern solche Verkostungen älterer Weine immer ungemein. Und außerdem: Hätte ich einen Jungwein von Leroy gekauft (der aktuelle Jahrgang der Domaine war bei Legrand für 130 € zu haben), hätte ich 20 Jahre lang warten müssen, um dann sagen zu können: ein schön gereifter Wein. Und in 20 Jahren – eine Binsenweisheit, ich weiß – bin ich 20 Jahre älter. Wer immer nur auf zukünftige Optionen baut nach dem Motto „wenn ich erst einmal Rentner bin…“, der vergibt sich viele Erlebnisse, die ihn weiter gebracht hätten. Mit anderen Worten: Geschmacksbildung jetzt! Der Wein hat sich gelohnt.

Meine Punkte: 7 für Eleganz, 5 für Charakter, macht 15,5 MP insgesamt.

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