Kleiner Wettbewerb: Was habe ich da gekauft?

Als ich gestern auf dem Marché Dejean im 18. Arrondissement war, habe ich ganz seltsame Dinge gekauft. Vielleicht sind es Früchte. Vielleicht ist es Gemüse. Vielleicht kann man es aber auch gar nicht essen, und es wird Schmierseife daraus hergestellt. Ich habe dann doch beschlossen, es zu essen. Die Bilder dazu zeige ich Euch hier. Was das sein soll, müsst Ihr allerdings selbst raten.

Vielleicht sollte ich noch etwas zu den Umständen erzählen: Wenn man an einem Samstag in die Nähe der Métrostation „Château Rouge“ kommt, entfernt man sich Schritt für Schritt von Europa. Hier gleich mal „mein“ Sound dazu: Franco & Sam Mangwana mit „Coopération„. Weil ich an Soukous und Rumba-Rock der 70er Jahre interessiert bin und hier die besten Läden der Stadt zu finden sind, bin ich ziemlich oft dort unterwegs. Außerdem ist immer etwas los, und es hat eine Atmosphäre, die man auf Französisch als „dépaysant“ bezeichnen würde: Man taucht in eine afrikanische Welt ein, bleibt aber mitten in Paris.

Deshalb empfehle ich Euch interessierten Menschen ausdrücklich die Gegend zwischen der Métrostation Barbès-Rochechouart im Süden und der Rue Doudeauville im Norden. Die Kreuzung Boulevard de la Chapelle / Boulevard Barbès ist schon der Hammer mit ihrem Gewusel, den fliegenden Zigarettenhändlern, Kleindealern und Hochzeitsanzuggeschäften. Ein paar Meter weiter den Boulevard Barbès Richtung Norden hinauf wird dann diese vornehmlich maghrebinische Umgebung urplötzlich von einer zentralafrikanischen abgelöst. Kongo, Kamerun, Togo, Benin, ein bisschen Senegal. Farbenprächtiger Kopfschmuck bei den Frauen, die Männer teils im Sapeur-Stil unterwegs. Direkt an der Métrostation Château Rouge rechts rein geht es dann zum Marché Dejean. Und der war gestern wieder atemberaubend.

Hier befindet sich die pro Quadratmeter umsatzstärkste Gegend von ganz Paris, deutlich vor den Champs-Elysées. In jedem Haus befinden sich mindestens drei Geschäfte. Es gibt exotisches Gemüse, Fleisch, geräucherte Fische, Stoffe, Schuhe, Musik, Kosmetik, Schmuck, einfach alles. Diesmal war sogar in der Straßenmitte zwischen den Ständen noch eine dritte Reihe auf Pappkartons aufgebaut. Neben den schon üblichen nachgemachten Rolex und (passend zur Saison) Wintermützen gab es dort eine ganze Menge von Pappständen mit frisch auf DVD gebrannten Filmen. Und ich spreche von Hollywoodfilmen, die am Donnerstag Premiere hatten.

Eine Straßenecke weiter saßen afrikanische Frauen, Kongolesinnen, wie sich später herausstellte. Vor sich hatten sie eine Plastiktüte oder einen Korb voll mit diesen merkwürdigen Dingen, die ich dann auch gekauft habe. In keinem Geschäft gibt es so etwas zu kaufen, und es sind ausschließlich Frauen, die es in Kleinstmengen abgeben. Der Preis ist nicht gering. Natürlich habe ich mich ein bisschen übers Ohr hauen lassen, aber das gehört dazu, vor allem wenn man am ersten Stand kauft. Weiter hinten wird es günstiger, 2 € für fünf Stück, aber da haben die meisten Kaufwilligen schon ein paar dieser Dinger in ihrer Einkaufstasche.

Danach ging es noch in die Rue Poulet zu dem besten Musikgeschäft am Platz. Ich musste die „neue“ Doppel-CD haben von M’Pongo Love, die ja tragischerweise schon vor 20 Jahren verstorben ist. Wenn ein Star wie Papa Wemba zum Signieren (in „meinem“ Laden!) vorbeikommt, geht es im Viertel richtig zu. Hier ein Video davon, damit Ihr einen Eindruck bekommt, was Château Rouge dann bedeutet:

Jetzt aber wieder zurück zu den eierförmigen Dingen, die ich erstanden habe:

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Ich habe sie aufgeschnitten wie eine Avocado, den seltsamen Kern ausgelöst und das Innere noch etwas ausgeschrappt. Dann habe ich das Übriggebliebene samt Schale in zentimeterdicke Scheiben geschnitten und in der Pfanne ohne Fett scharf gebraten. Erstaunlicherweise wurde das vormals harte, grüne Fleisch deutlich weicher, die Konsistenz ähnlich der einer Kartoffel. Vom Geschmack her war es wirklich sehr interessant: die Schale ein bisschen bitter, das Fleisch gleichzeitig nussig und sehr zitronig. Die Kongolesen sagen, das sei der wahre Geschmack der Heimat. Das ist auch der Grund, weshalb es so selten ist und in Europa angeblich nur in Paris und zur Saison zu haben. Also: Was habe ich da gekauft? Vorschläge sind herzlich willkommen, ich werde es in ein paar Tagen auflösen.

Getrunken habe ich dazu übrigens die „Réserve Ambrée“, ein kupferfarbenes Bier der elsässischen Brauerei Fischer. Hat es sich gelohnt? Nein, das ist kein gutes Bier. Karamellig-süß ohne Pepp. Würde ich nicht empfehlen.

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