Wo die Models schlemmen: Café Angelina in Paris

Ja, richtig gelesen: „Models“ und „schlemmen“ kommen in demselben Zusammenhang vor. Das mutet natürlich grotesk an, und irgendwie ist es das auch. Begonnen hat alles im Jahr 1903, und Models spielten damals noch keine große Rolle. Ein gewisser Anton Rumpelmayer gründete seinerzeit ein Café im Wiener Stil in der Rue Rivoli, direkt gegenüber den Tuilerien. Nun hört sich der Name „Rumpelmayer“ irgendwie unsexy an, auf Deutsch wahrscheinlich noch mehr als auf Französisch (Rümm-pel-ma-jeer), und deshalb beschloss Anton, das Café nach seiner Schwiegertochter zu benennen, die auf den hübschen Namen „Angelina“ hörte. Rumpelmayer, Angelina Rumpelmayer.

Ziemlich schnell und wohl auch der Lage wegen wurde das Café zum Treffpunkt der Prominenten. Marcel Proust und Coco Chanel sollen hier ein- und ausgegangen sein, aber dieses intellektuelle Niveau konnte bis zum heutigen Tag leider nicht gehalten werden. Mittlerweile gehört das Haus der Gastronomie-Gruppe Bertrand, die das leicht schwächelnde Café im Jahr 2005 unter ihre Fittiche nahm und erst mal ordentlich ins Marketing investierte. Mit Erfolg. Seitdem spricht nicht nur ganz Paris von „Angelina“ und der „Chocolat Chaud“, die es dort zu trinken gibt. Dass sie nicht mehr im Stammhaus hergestellt, sondern auf unbekannten Wegen aus Lyon nach Paris gebracht wird, ist eine Marginalie und für Unternehmungen dieser Art (siehe Ladurée) eher die Regel als die Ausnahme.

Um dieses gleichzeitig alt- und neumodische Produkt zu testen, kann man sich zu Angelina begeben und dafür gut 7 € pro Tasse bezahlen. Man kann aber auch zwei in eine Flasche abgefüllte Tassenmengen zum Preis von 8,99 € in den Galeries Lafayette erstehen, was immer noch nicht wirklich günstig ist. Aber unter Laborbedingungen testet sich’s halt besser…

Zunächst einmal ist an den Inhaltsstoffen nicht viel herumzukritteln: Halbfettmilch (irgendwo müssen die Kalorien ja eingespart werden) und 28,5% Schokolade, bestehend aus Kakao, Zucker, Kakaobutter, Soja-Lecithin und Vanillearoma. Das eine Drittel Schokolade macht die ganze Sache schön fest und dickflüssig, das Schütteln und aus der Flasche lassen erinnert ein bisschen an verkorkste Grillmomente mit Tomatenketchup. Ist die Schokolade schließlich im Topf, sollte noch ein bisschen Milch hinzugefügt werden. Das Erwärmen hat selbstredend sehr schonend zu erfolgen, sonst hängt die eine Hälfte der Masse nach einem gewaltigen Blubb an der Decke, während die andere Hälfte den Topfboden schwarz versiegelt.

Auch geschmacklich besteht die Trinkschokolade den Gourmet-Test. Das hier ist meilenweit von unseligen Schulkakao-Erinnerungen entfernt: stark, süß und schokoladig. Irgendwie wirkt es aber auch nicht gerade leicht, mehr als eine Tasse will man von der geschmolzenen Schokolade gar nicht trinken. Der Blick aufs Etikett verrät mehr: Eine Tasse von 250 ml (die übliche Darreichungsform im Café) enthält 24 g Fett, 45 g Zucker und insgesamt 444 Kalorien.

Für unsereins ist das natürlich nur eine kleine Zwischenmahlzeit, bevor dann wieder Steine gestemmt werden, aber was ist mit den Models? Gut, Wasser, Zigaretten und Kokain, die restlichen Bestandteile einer echten Model-Mahlzeit enthalten wenig Kalorien. Champagner schon eher, aber die genossenen Mengen reichen auch nicht aus, um in die Breite zu gehen. Tja, da bleibt wohl als einzige Lösung, dass sich zwei Models eine Tasse teilen und damit den täglichen Kalorienbedarf mit dieser Mahlzeit bereits erfolgreich gedeckt haben.

Mein Fazit: Die Trinkschokolade ist wirklich gut, der Preis haarsträubend. Hingehen und sich umschauen gehört zum „Erlebnis Angelina“ aber dazu. Kleiner Tipp für Modefreaks, Promijäger und Adabeis: Die nächste Prêt-à-Porter Fashion Week in Paris findet vom 1.-9. März 2011 statt.

Angelina: 226 rue de Rivoli, 75001 Paris, MO-SO 9-19 (und ja nicht in die zweite Niederlassung im 17. Arrondissement gehen, hütet Euch!)

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2 Antworten zu Wo die Models schlemmen: Café Angelina in Paris

  1. la pop schreibt:

    Liebes Chez Matze,
    schlemmen wie die Models erinnert mich sehr an das „Modelfrühstück“, dass wir nun schon das zweite Mal in Folge zum Neujahrswochenende in Berlin abgehalten haben. Die Bezeichnung ist natürlich rein euphemistisch, besteht unser „Modelfrühstück“ doch wahlweise aus Pancakes mit viel Sirup oder Rührei, Baked Beans und Speck. Aber man würde sich natürlich wünschen, dass die Models dieser Welt auch mal so amtlich reinhauen würden. Dann darf es obendrauf gerne auch noch eine Trinkschokolade sein…

    • chezmatze schreibt:

      Liebe Frau Pop,

      das erinnert mich an eine Fahrt auf der Autobahn, als Frau Maria Kahrei ganz schrecklich aus den Lautsprechern jeierte. Meine Begleiterin zu diesem Gekreische: „Die hat aa noch nie in ihrem Leben an anständigen Schweinsbraten gessn!“

      Wohl bekomm’s, Ihr Chez

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