Wie öffnet man einen Seeigel?

Moment mal. Was bitteschön sollt Ihr laut dieser Überschrift öffnen? Seeigel? Die lästigen kleinen Dinger, in die man beim Baden so unangenehm treten kann? Aber ja doch, ich bin keineswegs übergeschnappt. Seeigel gelten besonders zur Saison zwischen Dezember und Februar in vielen Mittelmeer-Ländern als absolute Delikatesse. In japanischen Restaurants sind sie als „Uni“ sogar relativ häufig auf der Speisekarte zu finden.

Dabei hat eine Umfrage unter Japanern zutage gefördert, dass „Uni“ eine der beliebtesten und gleichzeitig eine der unbeliebtesten Sushi-Sorten ist. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und Seeigelgeschmack scheint offenbar nur Liebhaber und Hasser zu kennen. Vor dem Essen steht bei Seeigeln allerdings noch ein kleines Stück Arbeit bevor. Fürchtet Euch aber nicht allzu sehr, ich habe das heute zum allerersten Mal gemacht, und es hat ohne Probleme funktioniert.

Die Seeigel, die es im Moment in sehr vielen Fischgeschäften hier in Paris gibt, sind in aller Regel mäßig stachelig. Also schon so stachelig, dass ich mir beim Reintreten die Stacheln in den Fuss jagen würde, aber nicht so sehr, als dass ich sie nicht vorsichtig ohne Handschuhe anfassen könnte. Als Werkzeug braucht man lediglich eine Schere. Ich habe hier in der Schublade nur eine Mischung aus Geflügel- und Tapezierschere gefunden, und damit hat es auch funktioniert. Der Seeigel besitzt eine flachere und eine rundere Seite, das könnt Ihr sofort sehen. Die flachere lege ich auf meine Hand. In die rundere steche ich direkt in der Mitte ein Loch hinein und schneide dann mit der Schere zwei bis drei Zentimeter gerade in Richtung Rand.

Dann mache ich mit der Schere eine scharfe, rechtwinklige Kurve, bleibe aber in der Spur. So kann ich nämlich quasi die Haube abschneiden, rundum parallel zum Rand.

Wenn ich wie ein Dosenöffner eine Runde geschafft habe, kann ich den Deckel abnehmen. Dabei muss ich ein bisschen darauf achten, dass nicht alles am Deckel hängen bleibt. Mit einem stumpfen Messer (kein Problem, in dieser Wohnung eins zu finden), löse ich also den Deckel vorsichtig ab.

So, fertig. Seeigel löffelt man in der Regel direkt aus der Schale. Gegessen werden nur die orangefarbigen Gonaden, aber andere annähernd essbar aussehende Sachen gibt es ohnehin nicht im Igel. Am besten schmeckt Seeigel mit ein paar Tropfen Zitrone zu frischem Brot mit gesalzener Butter.

Und wie schmeckt Seeigel nun? Tja, sehr interessant auf jeden Fall. Die Konsistenz ist ein bisschen wie bei Kaviar. Kein Wunder, es sind ja auch eine Art Fischeier. Geschmacklich kommt es sicher darauf an, ob der Seeigel eher in tieferem, klaren Wasser gelebt hat oder in einer nur halb überschwemmten Zone. Ich fand, dass der Meeresgeschmack etwas schwächer war als bei Austern oder Miesmuscheln. Ansonsten würde ich den Geschmack als cremig, sanft, ein bisschen wie Rührei mit Safran beschreiben. Das Experiment hat sich für mich auf jeden Fall total gelohnt, vor allem seit ich weiß, dass das Öffnen dieser Dinger kein Hexenwerk ist.

Zum Schluss noch zum Kostenfaktor: Ein Seeigel kostet hier im Geschäft etwa zwei Euro, und mehr als einen oder zwei braucht man sowieso nicht. In Südfrankreich gibt es übrigens im Winter häufig so genannte „Oursinades“ (von „oursin“ für den Seeigel), wo bei einem großen Volksfest Mengen von Seeigeln und anderem Meeresgetier zu den Klängen okzitanischer Musik verspeist werden. Das bekannteste dieser Feste findet in Carry-le-Rouet nordwestlich von Marseille an der Côte Bleue statt, das nächste Mal am 6. Februar 2011.

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14 Antworten zu Wie öffnet man einen Seeigel?

  1. jens schreibt:

    Seeigel habe ich zum ersten mal in Cassis gegessen. Mit Schnorchelausrüstung, Gabel und Plastiktüte getaucht, die Igel vom Felsen mit der Gabel gelöst und unter Wasser den trudelnden Igel mit der Plastiktüte „eingefangen“. An Land haben wir die Dinger dann wie in Deiner Anweisung mit der Schere geöffnet und direkt aus der Schale gegessen. Da wir allerdings weder Salzbutter noch Zitrone hatten, haben wir die Igelchen – oder deren Eingeweide – mit eiskalten Rose runtergespült, dabei auf einem Felsen gesessen und auf’s Meer und die Corniche des Cretes…. Ich muss da unbedingt wieder hin….

    Grüße Jens

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Jens,

      war grad am Gare du Nord und hab nur mal so aus Spaß „Marseille“ in den Automaten getippt. Dauert nur etwas über drei Stunden, weniger als meine frühere Wochenend-Pendelei zwischen Nürnberg und Köln… Richtig warm ist es zwar im Moment auch in Marseille nicht, aber ein bisschen in einer Calanque sitzen und aufs Meer schauen, das hätte auch im Januar was…

      Viele Grüße, Matze

      P.S. Bleib weiter dran! Heut hab ich etwas ganz Irres gekauft, aber ich weiß noch nicht, was es ist. Von einer kamerunischen Händlerin.

      • jens schreibt:

        Ja ja! Die Franzosen und ihr TGV. Schnell, effizient und nicht so pannenanfällig wie bei uns. Ich wär aber auch schon froh wenn ich nur am Gare du Nord stehen könnte…spielt das Wetter eigentlich ne‘ Rolle in Paris? Ich antworte mal selbst: „NEIN!“

        Grüße Jens

      • chezmatze schreibt:

        „Nein“ ist die richtige Antwort 😉 Als ich Mitte Dezember hier ankam, war es aber ungewöhnlich kalt mit viel Schnee. Dann ist ausgerechnet noch die Heizung bei mir für zwei Tage ausgefallen. Grrr. Aber mittlerweile ist es schön mild, heute sogar sonnig. Nur ein winziges Problem gibt es in dieser großartigen Stadt: Man kommt nicht annähernd durch. Wahnsinn, was es hier alles gibt! Ach, und noch eins: Nicht so gut fürs Portemonnaie. Immer hier arbeiten möchte ich nicht, das wird auf die Dauer wirklich extrem anstrengend, vor allem zur Stoßzeit in der Métro.

        Viele Grüße, Matze

  2. jens schreibt:

    Das ist schon klar! Immer in Paris leben ist sicherlich anstrengend und vor allem für das Portemonnaie. Aber ich denke Paris ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Wir haben es bei unserem letzten Trip in die Champagne leider nicht nach Paris geschafft (was wir eigentlich immer machen – für einen Tag), da meine Freundin mit Fieber im Bett lag – was für ne‘ Zeitverschwndung in der Champagne!!! Wir würden gern‘ mal nen‘ Monat in Paris leben und ein Apartement mieten. Machen wir auch irgendwann mal….

    Grüße Jens

  3. Ich persönlich finde Seeigel als Essen eher unappetitlich … Erstaunlich finde ich ja, dass man die Dinger für 2 € im Supermarkt findet. Sollte man da nicht Bedenken haben, was man tatsächlich kriegt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die so günstig sein können!

    • chezmatze schreibt:

      Unappetitlich ist ja sehr relativ. Was findest Du an einem Seeigel denn konkret unappetitlich? Das Aussehen? Den Geruch? Den Geschmack? Oder eher die Vorstellung davon, solche Dinger zu essen? Das ist ja eine sehr interessante Frage, denn es gab oder gibt immer noch eine ganze Reihe von (möglichen) Nahrungsmitteln, die aus bestimmten Gründen dann eben doch nicht gegessen werden. Kulturell oder religiös motiviert, so etwas meine ich. Wahrscheinlich ist in Wirklichkeit ein Seeigel übrigens viel weniger unappetitlich als das Formfleisch aus dem Supermarkt-Regal 😉

      Der Preis ist natürlich gering, wenn man ihn mit einem Spitzenrestaurant vergleicht. Aber Seeigel sind ja nicht besonders selten. Wer schon mal in einen getreten hat, ist sogar der Meinung, er sollte noch viel seltener sein. Er wird halt nur nicht in großem Stil gezüchtet, aber so ein Fischhändler, der die Dinger direkt von der Küste bekommt (ich hatte sie nicht im Supermarkt gekauft), hat dafür sicher auch nicht so viel bezahlt. Ich hatte jedenfalls wegen des Preises keine Bedenken.

      Viele Grüße, Matze

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  6. MLU schreibt:

    Hallo,
    Seeigel -Caviar de Erizo- von „Jelopa“ sind in kleinen Dosen zu 150 g erhältlich über z. B. Bos-Food (www.bosfood.de), haben ihren Preis, aber die Besten, die wir je genossen haben.
    Sie sind der Hit! Mit Spaghetti, Risotto, Majonaise u.v.m. KÖSTLICH.
    Hier gibt es übrigens noch mehr solcher seltenen Köstlichkeiten wie Navajas, Berberechos, Sardinillas, Krebsfleisch, Percebes (Entenmuschel) u.v.m.
    Gruß aus Köln

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