Die Kapverden im Schneesturm

Was für ein ungemütliches Wetter! Peitschender Schneeregen aus allen Richtungen lässt die kleine Pariser Einkaufstour zur Qual werden. Wer würde da nicht von einer Strandbar auf den Kapverden träumen? Genau das tun wahrscheinlich auch alljene Kapverdianer, die mittags im authentischen und vielleicht ein ganz klein wenig rumpeligen Restaurant „Le Plateau“ Schutz suchen. Auf der Karte steht prominent das kapverdianische Nationalgericht „Cachupa“, hier in kreolischer Form als „Katchupa“ bezeichnet.

Mit dem „Plateau“ ist im Übrigen weder eine Pariser Gegend noch ein hoher Schuh gemeint, sondern das Stadtzentrum von Praia, der Haupstadt der Kapverden. Und „Cachupa“ ist das Gericht, ohne das ein Kapverdianer gerade in der Fremde nicht überleben kann. Das meint jedenfalls einer der Gäste, der später hier noch Musik machen wird, das Keyboard steht schon bereit. Für guten Sound ist an diesem Ort allerdings immer gesorgt, denn auf einem Bildschirm werden die neuesten Musik-DVDs mit den Cabo-Hits abgespielt.

Damit die „Cachupa“ ähnlich feurig wird, empfehle ich dringend, dazu die hausgemachte scharfe Soße zu ordern. Grundzutat ist der wunderbar fruchtige Antillenpfeffer (piment antillais), der zur selben Familie wie „Scotch Bonnet“, „Madame Jeanette“ oder „Habanero“ gehört (alle mit der charakteristischen Lampionform). Für den Anfang sollte man ein bisschen sparsam mit der Dosierung umgehen…

Die „Cachupa“ selbst ist ein Pframpf, an dem schon die besten Food-Stylisten gescheitert sind. Sie besteht prinzipiell aus getrocknetem Mais, Bohnen, geräuchertem Schweinefleisch und Öl, je nach Küchenvorliebe auch mit Karotten, Weißkohl, ein bisschen Kartoffeln oder Maniok, mehr oder weniger viel Knoblauch und und und. Auf keinen Fall dürfen auf dem Teller gebratene Chorizo-Scheiben und zwei Spiegeleier fehlen. Am heutigen Samstag hatte jedenfalls die Köchin nicht nur alle Zutaten im Haus, sie ging auch wenig sparsam damit um. Ohnehin ist es zu empfehlen, Restaurants wie das „Plateau“ nicht gerade an einem Montag aufzusuchen, weil dann in der Küche nur noch das zusammengekratzt wird, was vom Wochenende übrig geblieben ist (habe ich hier auch schon erlebt).

Ein solches Tellergericht, das fast für den ganzen Tag sättigt und wärmt, kostet im „Plateau“ zwischen 12 und 15 €. Die tropische Atmosphäre, deren Auswirkung mindestens genauso lang anhält, gibt es kostenlos dazu. Wenn Ihr auch mal „Cachupa“ anbieten wollt, was wirklich nicht besonders schwierig ist, solltet Ihr bereits beim Zubereiten den entsprechenden Sound parat haben. Seid Ihr traditioneller gesonnen, probiert den Altmeister Codé di Dona (Klick auf den Namen = Youtube-Video) mit seinem Akkordeon-Funaná, fühlt Ihr Euch beachig-moderner, nehmt zum Beispiel einen Schmachtbeutel vom Schlage eines Philip Monteiro. Jener spielt übrigens am 31. Dezember hier in Paris.

Le Plateau, 160 rue du Faubourg-Poissonnière, 75010 Paris, Métro Barbès-Rochechouart

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