Good Vibes aus der Mikrowelle

Was der englischen Küche an Prominentheit abgeht, gleichen die englischen Köche doppelt und dreifach wieder aus. Und das betrifft nicht nur Jamie Oliver, Gordon Ramsey oder Nigella Lawson, die mit ihren Büchern und Fernsehshows auch auf den Kontinent geschwappt sind. Nein, es gibt deutlich skurrilere Gestalten, die hierzulande echte Superstars sind wie die „Hairy Bikers“ oder Levi Roots. Letzterer (mit dem etwas uncooleren Namen Keith Graham auf die Welt gekommen) hatte sich erst als mittelprächtiger Reggaesänger einen gewissen Namen gemacht, gleichzeitig aber immer versucht, seine „Reggae Reggae Sauce“ unter die Leute zu bringen.

Bei diesen Aktivitäten von der BBC entdeckt, kam Levi schnell ins Fernsehen, erst als Gast, dann als TV-Koch, später als reiseführender Koch. Und als Buchautor. Heute beim Waterstone’s hatten sie vier oder fünf Bücher von und mit Levi Roots. Der Mann ist ungeheuer beliebt – und er repräsentiert einen Teil der „neuen britischen Küche“, der gelegentlich unterschlagen wird: das afro-karibische Erbe des Commonwealth.

Weil sich das Ganze so gut als Gesamtkunstwerk aus Entertainment, Sunshine und Good Vibes verkaufen lässt, gibt es mittlerweile im Supermarkt die „Reggae Reggae Sauce“ und die Levi Roots-Fertiggerichte für die Mikrowelle. Wie, Fertiggerichte? Immerhin hatte Levi doch mit seinen frischen Zutaten dafür gesorgt, dass die karibischer Küche nicht mehr mit „Bohnen-Pframpf mit Limettenscheibe“ in Verbindung gebracht wird. Hat er jetzt nur für klingende Münze seinen guten Namen hergegeben, oder schmeckt das Essen tatsächlich?

Um das zu erfahren (und natürlich auch wegen der sehr attraktiven Verpackung) haben wir heute drei Gerichte getestet: die „Caribbean Curried Noodles“ (dicke Nudeln in würziger Gemüse-Curry-Sauce, leicht zerkocht), das „Jamaican Coconut Chicken Curry“ (ziemlich mild, sehr indisch anmutend) und „Levi’s Caribbean Hot Chilli Beef“ (Rindfleisch, scharfe Soße auf Tomatenbasis, schwarze Bohnen, wirkt am authentischsten). Natürlich hat Levi das nicht selbst gekocht, sondern eine Firma in Birmingham, und natürlich hört sich das Essen immer viel raffinierter an als es ist (typisch Foodmarketing). Aber es ist eine echte Abwechslung im Aufwärm-Portfolio, und die Engländer besitzen einen wahrhaft großen Hang zur Mikrowelle. Nicht dass ich hier eine Lanze fürs Fertigessen brechen wollte, aber so etwas wäre in Deutschland sicher auch gut auf dem Markt unterzubringen – vor allem für die Büro-Single-Generation 40 minus, die sich gern etwas weltoffener gibt.

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