Hohenloher Paradies

Es heißt, die Hohenlohe, das dünn besiedelte Land an den Rändern von Franken und Schwaben, sei eines der letzten verbliebenen Kleinbauernparadiese. Sieht man von vereinzelten touristischen Zielen ab, sind die allermeisten der Dörfer und Weiler fest in der Hand der Einheimischen geblieben. Eines dieser Refugien, das den Gast vor dem Unbill der kalten und hektischen modernen Welt schützt, ist das Wirtshaus der Gold-Ochsen-Brauerei in Spielbach.

Dank der Figur des früheren Wirts Fritz Unbehauen, ein sozusagen völlig unbehauenes Original, wurde die Wirtschaft über die engere Region hinaus zum „Kult“ erhoben. Legendäre Geschichten über und mit dem Wirt und den teils illustren Gästen machten die Runde, aber zum Glück ist das Beharrungsvermögen der Eignerfamilie stark. Derartig stark, dass von einer „Eventgastronomie“, die sich ja gern mal hinter solchen Begriffen wie „Kult“ tarnt, hier keine Rede sein kann. Ganz im Gegenteil, alles ist unverändert, und das praktisch seit dem Jahr 1900, beginnend mit dem niedrigen Gastraum mit seiner Stützsäule in der Mitte, dem Ofen, dem getäfelten „Kabinettle“ für besondere Gäste – und auch dem stillen Örtchen.

Wer am Wochenende zum Abendessen kommt und nicht reserviert hat, sollte pünktlich um 18 Uhr erscheinen, denn der Andrang ist im Laufe des Abends beachtlich. Hier sind alle Alters- und Gesellschaftsschichten vertreten und in ihrer Verschiedenartigkeit auch gern gesehen (eher die Ausnahme in abgelegenen Wirtschaften). Am Nachbartisch diskutieren die Jungbauern nach dem Mistfahren, welche Gabel denn den besten Mechanismus besitzt, die Pfarrersfamilie unterhält sich über die letzte Steinguttagung, und in der Ecke sitzt ein altes Ehepaar, das eigentlich nur zum Schauen gekommen ist.

Das Essen ist heute warm, Schnitzel mit Kartoffelsalat, aber auch die kalten Platten sind sehr zu empfehlen. Die Schnitzel sind übrigens riesig, ich esse ja immer alles auf und musste mich dafür später mit schwerem Magen noch einige Zeit im Bett hin- und herwälzen. Neun Euro kostet so ein Schnitzel, das hausgebraute Bier zwei Euro im Halbliterglas. Ich habe schon von Leuten gehört, die meinten, das Gold Ochsen sei das beste Bier der Welt. Nun ja. Es ist in jedem Fall ein sehr gutes Bier, sehr sauber, süffig, eher auf der malzigen als auf der hopfigen Seite. Manche der fränkischen Brauer benutzen für ein solches Bier offiziell einen Begriff, der eigentlich alles aussagt: „Vollbier“. Ein Bier, das sich selbst genügt.

Als wir nach dem Essen im Begriff waren zu gehen, wurde es übrigens richtig voll in der gut geheizten Stube. Die Jagdhornbläser fielen ein, 17 Mann hoch, ihre Instrumente hatten sie draußen auf dem Tisch abgelegt. Endlich wurde auch das Kabinettle für die Gäste geöffnet.

Gold Ochsen Brauerei Spielbach, Haus. Nr. 19, 74575 Schrozberg-Spielbach, Tel. 07939-461, geöffnet MO-SA 18-22:30, SO 11-22:30

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7 Antworten zu Hohenloher Paradies

  1. Der Bonvivant schreibt:

    Ach, da ist es schön! Gern tät ich einmal wieder dahinfahren!

  2. Dorothee und Johannes Gretsch schreibt:

    Beim Goldochsen in Spielbach, da heizt der Holzofen ein,
    die Wirtin, die hat ihre Wirtschaft im Griff, uns schmeckts!

    Bei goldenem Bier und geselliger Rund tun sich Fremde und Heimschische kund.
    Der Gourment läßt hier alles andrere liegen ,
    Schnitzel und Gans mit gebratenen Kartoffler sind lecker.

    Dir wirds nicht nur warm vom silbernen Ofen,
    auch die Tischnachbarn heitzen Dir mächtig ein.
    In enger gemütlicher Rund vergeht schnell die Stund.

    Dann beim bezahlen wird dir warm ums Herz
    wenn die Wirtin Dich im Separet noch mal beäugt,
    mit guten Wünschen, einem Händedruck entläßt,
    und da weißt du schon jetzt, demnächst gehör ich wieder
    zu den Goldochsen-Gäst!

    Anni, Dorothee, Herbert und Johannes aus dem Taubertal

    • Herbert und Anni Rössler schreibt:

      Ja, beim Goldochsen ist es wirklich schön, wir auch gerne dorthin gehen.
      Wir haben das Gasthaus gesucht und besucht bei Schnee und Eis,
      viele von unseren Geheimtipp der Goldochsenbrauerei bereits weis.
      Wir hoffen die gemütliche Gaststätte bleibt noch lange so bestehen
      und wir sie noch oft zum Besuchen sehen.

  3. Franziska schreibt:

    Schoen zu hoeren dass es „den Spielbach“ immer noch gibt und sich anscheinend nichts veraendert hat, abgesehen vom Herrn Unbehauen natuerlich. Bei mir ist es schon 15 Jahre her dass ich das letzte mal da war. Ach was war das Essen gut. Und das Bier erst!

    • Matze schreibt:

      Eigentlich müsste ich schon längst wieder einmal dorthin, ist schließlich auch bei mir eine ganze Weile her. Aber meine Schwiegereltern würden mir als regelmäßige Spielbach-Besucher schon berichten, wenn sich etwas geändert hätte…

  4. Gibt es denn die Brauerei tatsächlich noch? In den Achtzigern war ich dort und kann mich noch sehr gut daran erinnern…

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