Weintest 4: Clos Rougeard Le Clos 2001

Nadi und Charly sind nicht von dieser Welt, der Welt der Smartphones, der Reality-Shows, der Limited-Edition-Kosmetik und des Termindrucks. Auf ihren seit 1969 nach biodynamischen Grundsätzen bewirtschafteten Weingärten, in ihrem bescheidenen Haus mitten im Dorf Chacé im Loiretal, in ihrem uralten, muffigen Gewölbekeller – hier entstehen mit die besten Weine der Welt. Kein Witz. Zur Legende geworden ist ihr 1989er Le Bourg, der in eine Weinprobe der größten Bordeauxweine eingeschmuggelt wurde und sie alle weggeputzt hat. In Frankreich sind die Brüder Foucault mehr als Kult, in Deutschland kennen sie nur Eingeweihte. Wer hat Recht (wenn es sowas geben sollte)? Seht selbst:

Gibt es den Wein überhaupt bei uns zu kaufen?

Ja, es gibt ihn. Diesen Wein hier hatte ich als Restposten von Martin Kössler mitgenommen, ein glücklicher Umstand. Ansonsten gibt es die Weine von Clos Rougeard in Deutschland bei Bernd Kreis, diesen Wein hier (von 2005 oder 2006) für knapp 30 €. Und damit habe ich Euch bereits zwei der besten Weinhändler Deutschland genannt, bei denen man praktisch alles blind kaufen könnte, wäre es nicht viel interessanter, sich von ihnen beraten zu lassen und sich ihre Meinungen anzuhören.

Nun aber noch mal zum Weingut: Nadi und Charly sind Bernard und Jean-Louis, beeindruckende Schnauzbärte auch sie (wie Hajo Becker), Traditionalisten pur jus ebenso. Ihre „Hauscuvée“, der von mir gestestete Wein also, besteht aus Trauben der gesamten Lagen von neun Hektar Rebland. Dazu haben sie noch zwei höherwertige Rote aus bestimmten Parzellen, „Les Poyeux“ und „Le Bourg“, beide noch konzentrierter und reifer, aber auch tanninhaltiger und deshalb zum längeren Lagern bestimmt.

Auf 1,5 ha eines legendären Weinbergs bereiten sie aus Chenin blanc noch ihren Saumur Brézé, einen Weißwein, der je nach Jahrgang ein wenig Restsüße besitzen kann, sogar Gerbstoffe von den Schalen (würde man Weißweinen kaum zutrauen), jedenfalls ein Lagerwein par excellence wie die Roten des Hauses.

Den Süßwein, den es ab und zu geben soll, hat wahrscheinlich noch kaum jemand außer den beiden Winzern selbst probieren können.

Clos Rougeard ist für die Franzosen das beste Weingut an der Loire. Würde der Weltmarkt die Brüder Foucault auch noch entdecken, hätten wir Konsumenten bald nichts mehr zu lachen.

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2 Antworten zu Weintest 4: Clos Rougeard Le Clos 2001

  1. gery schreibt:

    Sag mal, dekantierst Du solche Weine nicht? Wundere mich schon etwas. Gruß, gery

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Gery,

      Du hast natürlich Recht. Die meisten Weine im Weintest, vor allem der Clos Rougeard, würden von etwas Luftkontakt profitieren. Aber was ich in den Videos zeigen möchte, ist die spontane Erstreaktion bei einem frisch geöffneten Wein. Mein „Probenglas“ ist ja auch kein wirklicher Weinkelch. Es geht mir also eher um die Authentizität als um das Zelebrieren des Genusses – und auch ein bisschen um die Provokation, denn bei vielen ist ja die Tischdeko wichtiger als das, was draufsteht.

      Grüße Matze

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