Weintest 2: J.B. Becker Riesling Wallufer Walkenberg Spätlese trocken 2001

„Dschäj-Bih“ sagen unsere Gastro-Freunde gern zu diesem Weingut, denn es vermeint flotter zu klingen als „Jott-Beh“. Hans-Josef Becker, genannt Hajo, ist aber gar kein Flottling, sondern vielmehr das Schnauzbart-Urgestein des wirklich klassischen Rheingau-Rieslings. Wie ein echter Becker-Wein schmeckt, zeige ich Euch in dieser landschaftlich schönen Außenaufnahme:

Letztens war ich in Berlin bei Hammers bei einer Querverkostung der gesamten Hajo-Becker-Palette. Schon nach den ersten zwei bis drei Weinen bin ich ein wenig ins grundsätzliche Grübeln gekommen: Wie kann es sein, dass dieser Stil, der von Schlichtheit und viel Geduld geprägt ist, in unserer heutigen Zeit so in Vergessenheit geraten zu sein scheint? Nun, eine eher philosophische Frage, die sich nicht nur auf Wein bezieht…

Aber vielleicht stimmt diese Einschätzung auch nur im Allgemeinen, im Speziellen jedoch nicht (wie es ein Blogger-Kollege von mir ausdrücken würde). Denn interessanterweise muten die Weine von Hajo Becker heutzutage gar nicht mehr so anachronistisch an, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Die „alten“ Techniken wie die Vergärung mit eigenen Hefen oder der Ausbau in Fuderfässern finden nämlich gerade bei jüngeren Winzerinnen und Winzern in Deutschland immer mehr Anhänger, und so ist Hajo plötzlich ganz vorn dabei. Seine neuesten Experimente mit biodynamischen Methoden und die Einführung von (sehr eleganten) Glasverschlüssen statt Kork für seine Weine zeigen übrigens, dass Hajo Becker zwar die Kontinuität, nicht aber den Stillstand liebt.

Ich muss zugeben, dass mir Philosophie und Weinstil persönlich zusagen. Eine Warnung sei allerdings ausgesprochen: Wer nicht an Säure im Wein gewöhnt ist, sollte vor dem Genuss eines Glases Hajo-Becker-Jungwein lieber erst einmal einen Teller Heringssalat verspeisen. Dann wirkt der Wein plötzlich sehr mild.

Bei der Nennung passender Gerichte zu diesem Wein tue ich mich ehrlich gesagt ein wenig schwer. Aber fragt doch einfach bei „den Hammers“ nach (wo ich den Wein gekauft habe), denn wenn Jürgen Hammer und Manuela Sporbert nicht wissen, was man am besten zu diesem Wein reicht, dann weiß es niemand.

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4 Antworten zu Weintest 2: J.B. Becker Riesling Wallufer Walkenberg Spätlese trocken 2001

  1. Yvonne75 schreibt:

    Den Winzer kannte ich bisher nicht! Aber was du darüber schreibst, spricht mich sehr an, also die Philosophie: Schlichtheit und Geduld. Wo kann ich die Weine noch probieren/kaufen, außer ab Hof und in Berlin? Ich wohne in Herne! Viele Grüße und danke für den Tipp, Yvonne

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Yvonne,

      schön dass Du trotz meiner langen Frühherbst-Pause weiter dabei bist. Ehrlich gesagt bin ich etwas überfragt, was Becker-Weine in Herne anbelangt. Bei Dir in der Nähe kenne ich als Weinhandlungen Vino Grande im Essener Süden und die Weinzeche in Essen-Kray, also zwischen Essen und Bochum. Beide haben viele schöne Weine, aber halt keinen J.B. Becker.
      Ruf doch einfach beim Weingut an (die Nummer bekommst Du schnell im Internet raus), die kennen auf jeden Fall ihre Händler.

      Viele Grüße
      Matze

  2. Der Bonvivant schreibt:

    Ein saures Tröpfle also! Könnte der Oma schmecken, vielleicht schenke ich ihr einen zum Geburtstag, da suche ich ja sowieso ein Geschenk. Für mich müssen Weine eher vollmundig schmecken.

    • chezmatze schreibt:

      Lieber Bonvivant,

      würde mich auch sehr wundern bei Deinem Pseudonym, wenn Du nicht den „vollmundigen“ Wein bevorzugtest. Habe leider in der jüngeren Vergangenheit bei den Radebeulern nicht mehr die Säurewerte festgestellt, als dass ich sie noch guten Gewissens der Oma mitbringen könnte.

      Grüß sie aber herzlich von mir,
      Matze

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