Weintest 1: Marcel Deiss Pinot Noir Burlenberg 1992

Premiere bei ChezMatze: Zum ersten Mal gibt es einen Live-Weintest! Das zu untersuchende Objekt ist ein Rotwein aus dem Elsass, der so gut abgehangen ist, dass man von „ausgereift“ fast nicht mehr sprechen mag. Aber dennoch habe ich den Wein vor wenigen Wochen frisch von einem Weinhändler erstanden. Und Winzer Jean-Michel Deiss ist gleichzeitig Star, Querkopf und Identifikationsfigur des Elsässer Weinbaus. Wie hat sich diese alte Mähre gehalten (der Wein natürlich, nicht Jean-Michel)? Seht selbst…

Und hier noch mehr Infos zum Wein, wo ich ihn gekauft habe, und wieviel er kostet.

Im Weinführer der RVF (Was soll das sein? Schaut einfach ins Glossar!) wird die Domaine Marcel Deiss aus Bergheim im Elsass mit drei Sternen geführt. Drei Sternen von drei  wohlgemerkt, mehr geht nicht. Das entspricht auch der weltweiten Reputation von Jean-Michel Deiss, der Jahr für Jahr fantastische, leicht exzentrische und auch nicht gerade besonders billige Weine auf den Markt bringt. Trotzdem kann man das Weingut – anders als manche eher snobistisch wirkende Burgund-Domäne – problemlos besuchen und mit Jean-Michel diskutieren.

Diskutiert selbst auf dem Etikett: Jean-Michel Deiss

Das tut er nämlich ausnehmend gern, das Diskutieren, und es gibt auch allerhand Grund dafür. Zum einen ist Jean-Michel ein Biodynamiker der ersten Stunde, das heißt, er pflegt seinen Weingarten nach den Grundsätzen von Rudolf Steiner. Dann ist er ein vehementer Vertreter der Terroir-Philosophie, ein Bewahrer althergebrachter Prinzipien, weshalb er seit einiger Zeit kaum noch rebsortenreine Weine herausgibt, weil der Mischsatz im Elsass die ältere Tradition ist. Und drittens hat er als Präsident der Elsässer Grand-Cru-Vereinigung immer etwas zu sagen, wenn es um Gleichmacherei, um EU-Fimmel und um die industrielle Entseelung des Weinbaus geht. Kurzum: hinfahren, zuhören, diskutieren, kaufen, alle vier Dinge lohnen gleichermaßen.

Wer allerdings diesen feinen und abgehangenen Rotwein erstehen möchte, den ich getestet habe, muss in das Weingeschäft der vergessenen Schätze fahren, in den „Cave des Oblats“ in Lüttich. Geöffnet ist dort nur von Donnerstag bis Samstag, aber dafür handelt es sich um einen echten Gewölbekeller mit optimalen Lagerbedingungen, weshalb ein Wein von 1992 nur harmonisch gereift und nicht verdorben ist. Samstags nachmittags gibt es meist hochinteressante Degustationen ausschließlich französischer Weine, kostenlos und lehrreich. Allerdings sprechen Vater und Sohn nur Französisch (und Broken English), aber das sollte niemandem vom Besuch dieses gastfreundlichen Ortes abhalten. Dieser Wein hat übrigens 9 € gekostet – genauso viel wie anno 1995, als er zum ersten Mal angeboten wurde…

Was ich im Video vergessen hatte zu erwähnen: Auch wenn Jean-Michel Deiss auf seiner Homepage zur aktuellen Ausgabe dieses Weins rotes Fleisch als Begleiter empfiehlt, ich würde eher zu Schweinebraten neigen. Die mürben, altrosigen Noten dieses Weins wollen keine fordernden Fleischaromen mehr, sie neigen zum Komplentativen.

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2 Antworten zu Weintest 1: Marcel Deiss Pinot Noir Burlenberg 1992

  1. gery schreibt:

    Ah, der kommt mir schon besser vor als dieses schwefelfreie Zeug! 16 Punkte ist natürlich schon anständig, für den Preis sogar phänomenal! Kaum zu glauben, dass es solche Schätzchen noch zu solch günstigem preis zu kaufen gibt. Ist ja immer das Problem, dass man nur die jungen Weine bekommt. Languedoc mag ich sehr, bin gespannt, was Du da bloggst! Gute Reise auf jeden Fall (auch wenn zelten nicht meins ist)!

    • chezmatze schreibt:

      Hallo Gery, der Preis ist aber auch nicht normal, das muss ich zugeben. Gerade habe ich im „Grünen“, dem neu herausgekommenen Weinführer der RVF gelesen, dass die Normalflasche vom Burlenberg ab Gut 31 € kostet. So günstig ist der Wein nur im Cave des Oblats, weil sie dort erstens etliche Flaschen einfach über die Jahre zu vergessen scheinen und zweitens ebenso vergessen, eine entsprechende Preisanpassung vorzunehmen. Es ist aber trotzdem kein Laden für Schnäppchenjäger, eher für Entdecker, wie früher als Kinder auf dem Dachboden der Großeltern. Wirklich schade, da hast Du absolut Recht, dass es so etwas nicht öfter gibt.
      Ja, und im Languedoc und Roussillon hat sich wirklich wieder viel getan. Ich denke – so ich sie denn bekomme – dass ich auf jeden Fall etwas von Gauby probieren werde und den Montcalmès, aber warten wir’s mal ab.

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