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„Was denn, Ihr wart in Paris und habt noch nicht mal den Eiffelturm gesehen?“ Nein, dafür aber eine vietnamesische Nudelsuppe im Pho 14 gelöffelt, bei Augé über den neuesten Weinjahrgang an der Loire geplaudert, Ahmeds berühmtes senegalesisches Dibi besucht und auf dem Hotelzimmer mit dem Plastikmesser Austern geöffnet.

Wer meine geplagten Eltern fragt, wird vermutlich zu hören bekommen, dass Spaß am Essen und eine gewisse Unruhe schon immer Teil meines Wesens waren. Als ich in der sechsten Klasse ein freiwilliges Referat über Brasilien gehalten habe, fürchtete meine Mutter schon, dass ich später einmal „auswandern“ würde. Aber meine Eltern waren auch selbst Schuld, denn im Alter von acht Jahren bekam ich schon den Diercke Weltatlas geschenkt, und sowas kann sich psychologisch nur verheerend auswirken. Konsequenterweise habe ich später auch Geographie studiert und bin seitdem noch 16mal umgezogen.

Mein Interesse an Wein habe ich einem relativ späten Schlüsselerlebnis zu verdanken. In meinem Elternhaus gab es halbtrockenen Müller-Thurgau aus Rheinhessen, daran kann es nicht gelegen haben. Als ich aber im französischen Carpentras meine Diplomarbeit schrieb und feststellen musste, dass ich a) mitten in der faszinierenden Weinregion der Südrhône gelandet war und b) die Franzosen sich den lieben langen Tag ausschließlich über Essen und Trinken unterhalten, da war es auch um mich geschehen. Sofort wurden zwei bis drei Standardbücher angeschafft, die Prospekte der Supermärkte studiert und natürlich auch alles probiert.

Heute habe ich eher zwei- bis dreihundert Bücher über Essen und Trinken, bin dafür von dem großen Ziel meines Jugendalters, nämlich einmal Sprint-Olympiasieger zu werden, weiter entfernt denn je. Ich wage aber auch zu behaupten, dass die Lebensqualität eines bewussten Genießers bei weitem höher liegt als diejenige eines ehrgeizigen Hänflings.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass dies hier kein Koch-Blog ist. Das mag ein wenig damit zusammenhängen, dass ich selbst zwar ein hervorragender Esser, aber ein hinreichend lausiger Koch bin. Spezialgebiet Suppen und Eintöpfe auf einer Herdplatte. Andererseits liebe ich kulinarische Produkte aus aller Welt: neben den erwähnten Weinen auch Biere, Käse, Wurst, Fischiges, eingedoste Seltenheiten und überhaupt alles Regionaltypische und Individuelle, was ich so finden kann. Als Geograph besitze ich auch eine gewisse Naturliebe, weshalb ich für ein wirklich ethisch schonendes und handwerklich hergestelltes Produkt auch gern bereit bin, ein bisschen mehr Geld auszugeben. Mittlerweile sollte auch der allerletzte Fortschrittsfanatiker mitbekommen habe, dass es (platt, aber wahr) nur eine Erde gibt und “Bio” als Gedanke keine Modebewegung ist.

Dass mir bei einer solchen Geisteshaltung charakterstarke Geschmäcker eher behagen als aalglatte Uniformität, liegt auf der Hand. Unsere Erde ist wunderbar vielfältig, ihre Landschaftsformen, ihre Bewohner, ihre Traditionen. Neugierig und aufgeschlossen diese Diversität zu entdecken und zu dokumentieren, ist mir ein Bedürfnis. Und der wahre Grund, weshalb ich diesen Blog begonnen habe.

Eine Antwort zu 1 About

  1. lisbethsgarden schreibt:

    Endlich mal einer der schreibt – und schreiben kann. Lieber Gott, ich danke dir.

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