Vins Vivants im Gasthaus Braun

TitelIch kannte mal eine Frau, die jeden Morgen ein Glas Apfelessig trank. Ich glaube, sie tat das, um ihr Inneres zu reinigen. Von Genuss konnte dabei keine Rede sein. Aber um der guten Sache willen müsste man sich halt ein bisschen quälen, meinte sie. Als ich neulich mit ein paar Weinprofis zusammen saß und diese eigentlich total banale Mini-Anekdote zum Besten gab, schrie die ganze Mannschaft spontan: So eine trinkt heute bestimmt Vin Naturel! Da haben wir’s, liebe aufgeschlossene Weinliebhaber, so denken die professionellen Weinnasen über das Zeug, das Ihr Euch an diesem schönen Abend im Gasthaus Braun zu Nürnberg hinter die Binde gegossen habt: essiggewordene Brühe, die man sich entweder antut, weil man komplett ahnungslos ist – oder (fast noch schlimmer) fanatisch und verblendet.

Woran sich da die Geister scheiden, das ist folgende Frage: Muss ein Wein bestimmte Standards einhalten, seien es Standards der Weinbereitung oder geschmackliche Standards, um als guter Wein gelten zu können? Muss man dem Traubensaft helfen mit konservierenden Zusatzstoffen, damit er letztlich als alkoholisches Produkt genießbar wird? Oder genügen “Trauben, Liebe und Zeit“, wie es das österreichische Weingut Strohmeier bereits mit dem Namen seiner Weine suggeriert? Diese Frage werde ich heute ausnahmsweise nicht beantworten, möchte es aber nicht vermissen, Euch auf einen Artikel von mir zum Thema hinweisen. Nicht weil der Artikel so genial ist, sondern weil die Diskussion so interessant war, die sich daran anschloss.

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An diesem Abend, wir schreiben den 2. Dezember 2012 (und daran könnt Ihr erkennen, wie temporeich ich derzeit mit meinen Berichten bin), treffen sich nun vielleicht 30 ziemlich szenige Nürnberger Menschen im Gasthaus Braun. Um Vins Naturels soll es gehen, also die möglichst wenig behandelten vergorenen Traubensäfte, und da passt als Conférencier kaum jemand besser als Alex vins_viv_044von Vins Vivants, der acht seiner Weinschätzchen als praktisches Anschauungsmaterial mitgebracht hat. Der Garant dafür, dass diese 30 Leute relativ kurzfristig zusammengekommen sind, ist übrigens unser heutiger Co-Gastgeber, ein gewisser Florian S., der irgendwie so ein bisschen was mit Musik zu tun hat (Dankeschön übrigens noch mal für die Fotoverwendungsgenehmigung!). Und last but not least möchte ich nicht vergessen, die dritte Hauptperson des Abends zu erwähnen, nämlich Brigitte vom Gasthaus Braun höchstselbst, die – wie zuverlässige Quellen berichteten –  viele viele Stunden bereits in der Küche geschnippelt und gewerkelt hatte, um die köstlichen Häppchen dann ganz unprätentiös aufzutragen.

Los geht’s mit den Weinbeschreibungen. Ich möchte das diesmal ein wenig anders als sonst machen, nämlich nach der ultimativen und brandneuen US-Blogger-Technik namens “Bottomline”. Und die geht so: drei Begriffe in freier Assoziation suchen, die das Produkt am besten beschreiben können, dann noch einen vierten Begriff (oder auch Halbsatz), der eine Art Gesamtbewertung im Sinne eines “geeignet für…” beinhaltet. Fertig. Nimmt kaum mehr Platz weg als eine Punktzahl. Das sollte ich vielleicht dem Gault Millau Weinguide mal vorschlagen für seine nächste Ausgabe.

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1. Domaine Taille aux Loups “Triple Zéro” (Schaumwein, Loire, 18,50 € – alle Preise habe ich von der Vins Vivants-Website abgeschrieben): prickelnd, apfelig, ausgewogen = unbedingt kaufen, vor allem wegen des Samtetiketts.

2. Domaine de la Calette “Les Saulniers” 2011 (Weißwein, Burgund, 14,50 €): blass, leicht, weggeschluckt = begleitet alles dezent.

3. Domaine Bertin-Delatte “L’Echalier” 2010 (Weißwein, Loire, 17,90 €): Sauerapfel, sehr jung, phenolig = statt Obstsalat – oder lieber noch mal im Keller reifen lassen.

4. Domaine La Boria “Nova” 2009 (Weißwein, Roussillon, 23,50 €): rauchig, reif, weich = passt gut zu Flussfisch.

5. Domaine Descombes Morgon 2011 (Rotwein, Beaujolais, 13,50 €): unterschätzt, kirschig, lecker = wunderbar, optimal für den süffigen Samstagabend.

6. Domaine Le Bout du Monde “Tam Tam” 2011 (Rotwein, Roussillon, 13,50 €): Himbeertraubenzucker, stinkelig, frisch = echt “naturel”, not my cup of tea.

7. Domaine Pelletier “L’Oiselet” 2010 (Rotwein, Languedoc, 12 €): fruchtig, südlich, bescheiden = nett, aber die Großen von Pelletier mag ich lieber.

8. Bodegas Cauzon “Duende” 2011 (Rotwein, Andalusien, 19,50 €): dicht, glatt, schleichender Schmeichler = Pomerol meets Australian Shiraz, und das von der Sierra Nevada; glaubt blind kein Mensch, dass das ein komplett schwefelfreier Wein sein soll.

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Alle Weine waren heute nicht nur mindestens aus biologischem Anbau, spontanvergoren und ohne Schönung, Enzyme und sonstiges Zeug abgefüllt. Sie waren auch ganz reintönig und keineswegs wegen des geringen Schwefelgehalts in sich zusammengesackt. Was ich als Fazit I deshalb noch mal besonders hervorheben sollte: Es muss nicht alles schwierig, quälend und entbehrungsreich sein, was letztlich zu einem guten Ende führt. Auch schwefelarme Weine können von Anfang an Spaß machen. Die Apfelessig-Dame aus der Einleitung wäre somit widerlegt.

Fazit II: Florian möge doch bitte rechtzeitig zum Buddhismus konvertieren, damit er im nächsten Leben gleich als Wirt starten kann. Es gibt einfach Naturtalente.

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9 Antworten zu Vins Vivants im Gasthaus Braun

  1. Alfredo schreibt:

    Obwohl oder weil Mann: mir gehen diese Verkostungspopulationen auf den Sack (den ich naturgemäß habe). Die Herren verkosten, die Dame hat geschnippelt. Unsäglich. Das geht noch beim Zwick (sind für den Damen interessant?), beim Cork oder beim Würtz, aber bei dir, Matze?

    Alfredo grüßt herzlich

    • chezmatze schreibt:

      Aber nicht doch, Chauvi-Verdacht bei ChezMatze ;)?

      Den Ortsunkundigen sei hinzugefügt, dass besagter Dame das Wirtshaus gehört. Es ist mitnichten so, dass wir (respektive die Veranstalter) sie “zum Schnippeln eingestellt” hätten, sondern dass sie den Veranstaltern großzügig ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat ;).

      Nebenbei bemerkt: Mir gehen blasierte Herren-Verkoster-Runden auch auf den Senkel. Und ob man jetzt vins naturels irgendwas abgewinnen kann oder nicht, bei diesen Weinen ist in den allermeisten Fällen ein geschlechtliches pari-pari auf allen Ebenen vorhanden. So auch diesmal (vielleicht war die Kamera für entsprechende Beweisfotos nicht optimal positioniert…)

  2. silenz schreibt:

    Mein lieber Matze,
    also ich lese ja lieber Deine etwas ausführlicheren Notizen, finde aber das die “Bottomline” Idee was für sich hat, vor allem bei “kleineren” Weinen kann ich mir das Vorgehen ganz gut vorstellen. Vielleicht auch noch wenn man sein Blog als eine Art Tagebuch mißbrauchen will und das Zeugs das man schnell mal weggetrunken hat nicht dem völligen Vergessen preis geben will. Bei diesen Vin Naturel Flaschen allerdings würden mir ausführlichere Beschreibungen auch nicht wirklich helfen, da fehlt einfach die Erfahrung und die Assoziationfähigkeit.

    • chezmatze schreibt:

      Das Überraschende war ja (jetzt sag ich mal etwas Ketzerisches – oder vielleicht ist es gar das Gegenteil…?), dass die Vins Naturels an diesem Abend im Prinzip nur wenig von “konventionelleren” Weinen abweichende Geschmackprofile besaßen. Da hätten Dir ausführlichere Notizen schon ein wenig weiter geholfen.

      Andererseits: Es ist ja immer eine heiße Diskussion, ob du mit Kombinationen aus beispielsweise Spontangärung, macération carbonique (oder aber Maischegärung), biologischem Säureabbau, keinem Schwefel und viel Holzeinfluss (also alles keine “Sauereien” wie Aromahefen und Zusatzstoffe) den Rebsorten- und Terroireindruck von Weinen wirklich unkenntlich machst. Also dass der Ausbau im Endeffekt alles überlagert. Sowas habe ich schon öfter bei Vins Naturels gehabt, und ich bin mir ziemlich sicher, wenn du das den Winzern sagen würdest, würden sie es entweder abstreiten oder zumindest zum Ausdruck bringen, dass das alles andere als ihre Absicht war. Letzteres nehme ich ihnen 100%ig ab. Ich glaube irgendwie, dass da der Weisheit letzter Schluss noch nicht gefunden wurde, zumal die Grenzen zwischen “naturel” und “nicht naturel” ja definitorisch weiterhin fließend sind ;).

      • Karl Brunk schreibt:

        Hallo nochmal,
        beim Stöbern auch auf den Artikel gestoßen und obwohl ja schon etwas älter, muß ich doch auch was zu dem Thema sagen. Besonders weil wir ja die letzten Tage einen kleinen Comment-exchange zu einem anderen Thema hatten. Der Braucol von Issaly ist nämlich auch ein “Vin naturel”.
        Hermann und ich handeln größtenteils mit solchen Weinen. Wir kehren es aber (noch) nicht nach außen und das liegt eindeutig genau an dem, was Du da angesprochen hast. Fehlende Maßstäbe, Regeln und – obwohl zumindest in Deutschland noch um einiges jünger als in Frankreich das Thema – das es dort auf im Bereich Vermarktung nur so wimmelt von Halludris die eigenkomponierte loorberkranzschwere Lobeshymnen auf ihre Weine trällern, denen der Schwefel aber aus jeder Pore kricht. Und hört mir auf mit “moussieren ist ein Zeichen für solchen Wein” – da kräuseln sich mir die Fußnägel und ich bekomme Mordgelüste. Da kann man natürlich skeptisch werden. Und wir sind das auch volle Kanne.
        Das es solche, sagen wir mal ehrlichen, Weine gibt ist Tatsache und wenn Knebel seinen “Uhlen R” Riesling nach eigenen Aussagen spontanvergohren ohne Reinzuchthefen hinkriegt und diese für 25 Euro als “verschenkt” bezeichnet werden (siehe “Wein am Limit”), dann zeigt das auch, daß sowas auch in BRD funktioniert und nicht nur in etwas wärmeren Gegenden. Da sträuben sich ja immer noch einige.
        Tatsache ist, daß es solcherart gemachten Weine gibt und die auch absolute Topqualitäten sein können wie der Braucol und Uhlen R zeigen.
        Überprüfbar!? Maßstab? Das ist genau die Sache. Zur Zeit helfen da auf der technischen Seite wohl nur als erster Anhaltspunkt Analysen. Viel wichtiger ist aber Menschenkenntnis. Ich kann Dir einen Deal mit Issaly vermitteln, oder Plageoles oder Lescarret, die ihre Weine in Dreisterne-Restaurants auf der Karte haben, oder einigen anderen der von uns vertretenen Winzer um mal einen kompletten Zyklus mit zu machen von Ernte bis Abfüllung (das geht bei Plageoles mit drei Sorten sogar innerhalb 6 Monaten) direkt neben ihnen und Bett neben dem Tank. Ich denke, einige andere Winzer kämen bei dem Anliegen wohl in Erklärungsnöte. Es gibt ja inzwischen bei den Hardcorewinzern ja schon Überlegungen von dem Begriff “Vins naturels” wieder weg zu kommen weil der Markt superscnell von Windhunden überrannt wird. Und um Windhunde zu erkennen ist Menschenkenntnis hervorragen geeignet.
        Wir ringen seit einiger Zeit mit einem Erklärungsansatz und unserem Statement zum Thema. Ein erster zarter Versuch war mal http://www.vin-naturel.net um Fakten heraus zu arbeiten und Stimmen dazu ein zu fangen. Tut sich aber leider nicht soviel.
        Auch das wieder mal ein Grund uns in Köln zu besuchen Matze.
        beste Grüße
        Karl

      • chezmatze schreibt:

        Ja klar, jedes Label, das sich als Mode eignet und entsprechende Gewinne in einer Boomphase abwerfen kann, zieht natürlich auch immer die Glücksritter an. Allerdings habe ich das Gefühl (ist aber in der Tat eher so ein Gefühl), dass die vin naturel-Bewegung in Frankreich als reine Modeerscheinung schon fast wieder vorbei ist. Da gibt es doch mittlerweile, wie Du ja auch schreibst, mehr als ein paar Winzer, die wichtige Prinzipien daraus anwenden und wirklich gute Weine machen. Und keine Modebrause. Ich denke ohnehin, dass diese Bewegung sehr viele gute Dinge angestoßen hat, denn Pioniere schießen ja gern mal übers Ziel hinaus. Und wenn die reinen Trendjäger abgezogen sind, bleiben doch viele sinnvolle Grundüberlegungen übrig.

        Der Uhlen übrigens, ich weiß ja nicht, ob Du mal in dem Weinberg warst… aber da kannst Du sicher ohne Probleme Braucol anbauen ;). Und an manchen Ecken im Kaiserstuhl auch. Das liegt nicht immer nur an der globalen Klimaerwärmung, sondern einfach an Mikroklimaten mit subtropischen Temperaturgängen. Davon gibt es in Gegenden mit einem ausgeprägten Relief wie unseren Mittelgebirgstälern mehr als man denkt. 100 Meter weiter hast Du dann wieder Nordseetemperaturen, so ist das nun mal ;). Nur das mit dem Kaltlufteinfall müsste man noch hinbekommen…

  3. conne schreibt:

    Nachdem ich vor ein paar Tagen auf diesen blog gestoßen bin, juckt es mich doch ziemlich in den Fingern. Erstmal schade, daß ich von der Veranstaltung nichts mitbekommen habe, ich wohne nur einen Steinwurf vom Gasthaus Braun entfernt. Zur Dame mit dem Apfelessig – Der Unterschied zwischen dem Amateur und dem Profi ist doch meist, beim Ersten dreht es sich um Leidenschaft/ Genuß beim Zweiten muß es vor allem funktionieren, ob mit Leidenschaft oder ohne.
    Nachdem ich vor über 10 Jahren auf den schönen Band Le Guide de l’amateur des vins naturels von Dominique Lacout gestoßen bin, habe ich in ungezählten Selbstversuchen diese Weine kennengelernt und würde ganz grob zusammenfassen: Im gelungenen Fall sind sie finessenreicher, eigenwilliger und eher auf der säurefrisch, animiererenden Seite- mag man das, gibt es kaum einen Weg zurück. Die Jahrgangsunterschiede sind doch erheblich größer, vom Charakter und auch oft auch von der Qualität. Das bekommt meist nur die Speerspitze hin. Beispielsweise die wilden Weine von Dominique Derain aus St. Aubin. Hätte ich sie mit dem Jahrgang 2009 kennengelernt, hätte ich wohl kaum mich weiter damit beschäftigt und wäre um einige Evidenzerlebnisse gebracht worden. Interessant für den Vergleich wäre das etwas nördlicher gelegene Weingut Naudin Ferrand, das über eine für Kernburgund ungewöhnliche Preisspanne von 6-70 Euro verfügt. Seine Weine nur teilweise als vin naturel ausbaut, man kann also beide Versionen (allerdings nicht vom selben Lesegut) probieren. Schon beim einfachen Passetougrain sind die Unterschiede verblüffend. Und im Beaujolais (Lapierre, Foillard und Metras!) Jura und auch an der Loire kommt man an den einschlägigen Winzern kaum vorbei. Allerdings sind diese Art Weine oft auch in der Essenskombination komplizierter, nicht besonders kompatibel. Lagerung, Transport, geöffnete Flaschen- alles empfindlicher. Eigentlich klar und verständlich, daß es die Profis da nicht unbedingt hinzieht.
    Obwohl es natürlich möglich ist. Möchte hier beispielsweise drei Pariser Lokale erwähnen- das Barratin, das verre volé und das Diregeable. Oder die ideale Weinbar Aux crieurs de Vin in Troyes.
    Als letztes noch ein großer Unterschied zwischen dem Amateur und dem Profi- so wie die Weine von der Loire immer besser schmecken, je öfters man dort gewesen ist. Landschaft,Fluß und Menschen schwimmen doch irgendwie in jedem Glas mit. So ist es der vin naturel Gedanke doch ein schöner und bei allen Bemühungen um Objektivität( Blindproben, etc..) schmeckts auch ein bischen besser, wenn ein bischen geträumt werden darf.
    So, hoffe das war nicht zu emotional – es war jedenfalls sehr animierend hier zu lesen und auch desöfteren vor sich hinzugrinsen – bitte so weitermachen.

    • Matze schreibt:

      Wahrscheinlich ist es nicht nur mit den Loire-Weinen so, dass sie desto besser schmecken, je öfter man dort gewesen ist. Zum einen verbindet man dann natürlich viel mehr mit ALLEM, also den Menschen, der Landschaft, den eigenen Erlebnissen. Und dann ist es ja meistens mit “schwierigeren” Dingen so, dass man selbst eine Entwicklung durchmacht, mehr lernt, mehr versteht. Ich würde in der Hinsicht gar nicht zwischen Profi und Amateur unterscheiden, sondern zwischen Menschen, die eher funktional (“muss schmecken”, “muss reinhauen”) oder eher wertend (“A ist besser als B”) geprägt sind und solchen, die sich gern von Assoziationen und Stimmungen leiten lassen.

      Das hat zwar in diesem Zusammenhang wenig zu suchen, aber neulich hatte ich eine längere Zugfahrt vor mir und keine Lust, Zeitung zu lesen. Da habe ich mir einen kleinen Reclam-Band mit klassischen japanischen Haikus gekauft (auf Deutsch, so polyglott bin ich nämlich doch nicht ;)). Und es ist wirklich erstaunlich, wie stark da die Assoziationen, Bilder und vor dem inneren Auge ablaufenden Geschichten eine Rolle spielen. Jetzt kann ich auch verstehen, weshalb ein japanischer Weinjournalist an der Mosel (war’s bei Martin Müllen? Ich weiß es nicht mehr) zuerst am Schiefergestein geschleckt hat, um die Empfindung für den Stein zu bekommen, in den hinein der Wein wurzelt.

      Ob das jetzt 1:1 die Vin Naturel-Bewegung ist, die ein ähnliches Verständnis transportiert, weiß ich nicht. Dafür ist die Szenerie zu heterogen und ehrlich gesagt auch die Weine, die als vins naturels gelabelt werden. Aber ich glaube, in 20 Jahren wird man vielleicht noch über manche Eskapaden schmunzeln, aber sich definitiv nicht mehr über “Natur-” oder “Bio-Freaks” lustig machen. So wie man sich heute seitens der Printmedien auch nicht mehr ganz so stark über das Bloggerwesen erhebt. Und das ist erst der Anfang ;).

      • conne schreibt:

        Der erste Absatz trifft es genau, zum zweiten- es gibt ja den Satz, man sieht was man weiß- obwohl ich es bedauerlich fände, wenns nur so wäre. Ich war mal eine Woche in Belgien für eine CD – Aufnahme. Ein Studio wie ein Festung, mitten im ödesten Flachland, völlig für sich. Der beteiligte Sänger C. war und ist Herr über einen prestigegeladenen Weinkeller- wir hatten uns für ein paar Weinproben jeweils nach den Aufnahmesitzungen verabredet. Von den acht Musikern waren nur wir Zwei mit der Materie vertraut. Es waren alle dabei und haben sich auch in diesem Moment der Entspannung völlig darauf eingelassen. Es hat mich nachhaltig beeindruckt, wie jeder seine eigene kleine Geschichte im Glas entdeckt hat – wie ein Spiegel …..
        Was den Vin Naturel betrifft, wo es dogmatisch wird, geht sich´s nie ganz aus. Und leider steckt auch nicht hinter jedem schräg bemalten Etiket ein anständiger Wein. Und es gibt ja eine Menge Winzer in Frankreich, die schon weit vor diesem Begriff, so gearbeitet haben. Das ist nur in einer stilleren Weise passiert.und Weinhandlungen wie K&U oder Kreis in Stuttgart zeigen die Mitte ja ganz gut. Egal, wie man es nennt, wenn man so die normale Weinbergsarbeit aus der Nähe erlebt – ich bin ja gerne mit dem Rennradl unterwegs, man entwickelt ein eigenes Gefühl für die Weine, wenn man duch ihre Lagen geflogen oder meist gekrochen ist – da kommt man schon ins Grübeln – wenn sie im Piemont oder sonst wo, im Kampfanzug zum Spritzen an dir vorbeirattern…

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